Versicherungsverlauf - Entgeltpunkte

von
Wieso?

Hallo,
ich brauche dringend Aufklärung!
Kann mir bitte jemand erklären, warum sich meine Entgeltpunkte im Versicherungsverlauf verringern? Im Jahre 2003 hatte ich noch 35,6217 und im Jahre 2007 sind es nur noch 33,3496, obwohl ich immer berufstätig war. Ich bin zwar in den letzten 2 Jahren nicht mehr vollbeschäftigt tätig gewesen, aber immerhin noch 5 Stunden am Tag. Müßten nicht Entgeltpunkte in den Jahren dazukommen, oder hat man sich im Versicherungsverlauf verrechnet, oder habe ich eine falsche Denkweise? Über Antworten würde ich mich freuen. Danke im Voraus.

von
Maria L.

Hallo,

schonmal als kleiner Hinweis, bis sich jemand meldet, der sich besser auskennt: der Gesetzgeber reduziert ständig Anwartschaften, die nicht auf Beiträgen beruhen, z.B. für Ausbildungszeiten. Für geleistete Beiträge müßten in der Tat Entgeltpunkte hinzukommen.

Damit Sie die Entgeltpunkte selber besser nachvollziehen können, sollten Sie jedes Jahr eine Rentenauskunft mit allen Berechnungsunterlagen anfordern. Da steht dann auch genau drin, wofür es wieviele Entgeltpunkte gibt. Man kann diese Rentenauskunft schriftlich oder telefonisch anfordern, über das Internet leider nicht. Die normale Renteninformation enthält nur einen Teil der Daten.

Gruß,
Maria L.

von
Schiko.,

Will nur auf einen tatbestand hinweisen, obwohl ich
sachkundig nicht nachgelesen habe.
Neben verschiedenen durchschnittswerten, maßgebend
für zusätzliche , geschenkte entgeltpunkte wurden die
entgeltpunkte für schulzeiten stark reduziert.
Einmal abgesehen von noch bestehenden anrechnungs-
zeiten, wird die finanzielle auswirkung vollkommen ab-
geschafft ab dem jahre 2009. als rentenbeginn.

Dies zu verdeutlichen, meine rentenbiografie als gruftie.

Beginnend mit der lehrzeit an 1.9.1948 erhielt ich für 4 jahre
0.90 entgeltpunkte geschenkt, immerhin 3,60 ./,. der entgelt-
punkte durch beitragszahlung aufgrund der lehrlingsver-
gütung.

Dies entfällt künftig, dadurch ermässigen sich vorausbe-
rechnete entgeltpunkte entsprechend.

Vielleicht hilft ihnen dies etwas weiter.

M fG.

von
Kritikaster

kuddelmuddel hoch 3.
Aussage1:
. . .erhielt ich für 4 jahre
0.90 entgeltpunkte geschenkt, immerhin 3,60..

Wenn davon aber Bewertungen für eigene Verdienste wieder subtrahiert werden, habe ich nicht 3.60 EP geschenkt bekommen, sondern nur die verbleibende Differenz.

Aussage2:
Dies entfällt künftig, dadurch ermässigen sich vorausbe-
rechnete entgeltpunkte entsprechend.

Wass soll sich denn hier ermäßigen?

Ein wenig konkreter wäre sicherlich besser

von
LS

Maria L und Schiko haben schon auf Sachverhalte aufmerksam gemacht.

Ganz wensentliche oder vielleicht auch die tatsächlichen Gründe für sich ergebende Differenzen von früher ermittelten Entgeltpunkten (EP) zu aktuellen Aussagen in Renteninformationen beruhenen auf vorgenommenen Rechtsänderungen, hier die ab 2005 vorgenommenen Änderung in der Art der Bewertung und Berücksichtigung von beruflichen und schulischen Ausbildungszeiten.

Frühere Renteninfo enthielten überwiegend 36 Monate als Zeiten beruflicher Ausbildung, unabhänig davon, ob Lehre vorlag oder nicht, die mit max. 0,0625 (EP) je Monat bewertet wurden.

Ab 2005 wird aber nur noch Lehre in diesem Umfang bewertet, außerdem wird aber vorhandene Fachschulzeit darauf angerechnet.

Liegt gar keine Lehre vor und Rentenbeginn ist erst nach 2008, erfahren diese Monate gar keine Bewertung mehr.

Hinsichtlich Schulzeit wurden vor 2005 generell 36 Monate mit maximal 0,0625 je Monat bewertet.

Ab 2005 nur noch Zeiten der Fachschule in diesem Umfang, übrige Monate mit einem sich monatlich reduzierenden Wert, wenn Rentenbeginn noch vor 2009 liegt.
Liegt Rentenbeginn nach 2008, erfolgt für Zeiten schulischer Ausbildung, die keine Fachschulzeiten sind, in Anlage 4 ebenfalls keine Bewertung mehr.

So summieren sich die Punkte, die weggefallen sind, obwohl weiterhin Berufstätigkeit vorliegt.

von
Unbekannt

Hallo,

ich schließe mich meinen Vorrednern an.

Wichtig ist, schauen Sie bitte in Ihren Versicherungsverlauf rein, ob bei der Lehrzeit der Hinweis "berufliche Ausbildung" gespeichert ist. Wenn nicht, könnte dass das Problem sein.

Früher hat der Gesetzgeber immer unterstellt, dass die ersten drei Jahre Berufsausbildungszeiten sind - egal ob man einen Nachweis erbracht hat oder nicht.

Jetzt wertet er diese Zeiten nur auf, wenn man es durch Gesellenbrief und Lehrvertrag/Lehrzeugnis nachweist.

von
LS

User Unbekannt,
nicht nur früher hat der Gesetzgeber das so gemacht, er macht es auch heute noch so und auch nach 2008.

Einziger Unterschied, die Bewertung ist eine andere und ab 2009 sind diese Zeiten grundsätzlich keine beitragsgeminderten mehr

von
Schiko.

Gott zum Gruß-Kritikaster.

Habe schon öfters festgestellt, die bezeichnung kriti-
kaster haben sie nicht umsonst ausgewählt, wo sie recht
haben, haben sie recht.
Will dies an einem konstruierten beispiel für das jahr
2008 erläutern. Natürlich auch so tun, es wären zu-
sätzlich für ein jahr ausbildung/schule noch extra 0,9000
EP. möglich.
Höchstmögliche punkte in 2008 - 63.600: 30084(durch-
schnitsverdienst) sind 2,1141 höchstmögliche EP.

Verdienst in 2008 mit 50.000 : 30084 = 1.6620 EP.
aufgrund eigenen bruttoverdienst plus 0,90 EP. 1 jahr
ausbildungszeit sind 2,5620 EP. Zulässig aber nur
die höchstmöglichen punkte 2,1141 EP.

Somit sind ( 2,5620 ./ 2,1141) 0,4479 EP. von den
0.9000 EP. verloren, so meinte ich es.

Es war auch absicht, von geschenkt zu sprechen, da ja
hierfür keine beiträge gezahlt wurden-versicherungsfremde
leistungen-.
Besonders systemkritiker sollen sehen, der staat tut(tat)
schon was, inzwischen sind ja auch für auszubildene
die vergütungen wesentlich höher als bei mir 1948
mit mtl. 25,35, und 45 DM. in den drei jahren.

Bin sicher, sie können dies besser darstellen, wo-
gegen ich nichts einwenden kann, hauptsache der
lesende erfährt das richtige.

freundlichst.

von
LS

Schiko, ich glaube, Du kommst hier mit Deinem Beispiel in eine Schieflage.

Die Regularien von vor 1997 und die Handhabung ab 2005 für Zeiten beruflicher Ausbildung sind nicht miteinander vergleichbar.

Zutreffend zunächst, das damals die ersten 48 Monate beruflicher Tätigkeit als "berufliche Ausbildung" berücksichtigt wurden, unabhängig von Lehre, während es heute nur noch 36 Monate sind.

Galten diese 48 Monate als nachgewiesene Zeiten, bekam man dafür je Monat 0,0750 EP, wenn der eigene Verdienst einen geringeren Wert erbrachte. Galten die Zeiten nur als glaubhaft gemacht "Glbh", bekam man je Monat nur 0,0625 EP, wenn der eigene Verdienst nicht darüber lag.

Richtig auch, wenn man aus heutiger Sicht diese Handhabung als sehr vorteilhaft ansieht.

Seit 1997 wird nur der eigene Verdienst in Ansatz gebracht, aber jetzt als beitragsgemindert eingeordnet.

Die Schenkungsaktion im Sinne von höherer Berücksichtigung als selber verdient. findet in Anlage 4 Seite 1 und 2 statt.

Dort wird eine Aufwertung auf 0,0833 je Monat vorgenommen, wenn der eigene Verdienst diese Bewertung nicht erreicht hat.

Während die 0,0750 EP oder ein Vielfaches davon vor 1997 direk zur Summe EP hinzugerechnet wurden, geschieht dies ab 1997 nur noch indirekt über die Leistungsbewertung.

Mir ist kein Fall bekannt, wo jemand einen Jahresverdienst aus beruflicher Tätigkeit erzielt, egal wie hoch, und außerdem im gleichen Jahr ein Jahr als berufliche Ausbildung
mit einem anderen Verdienst draufgesattelt bekommt.

Ist nur möglich, wenn eine der Tätigkeiten eine geringfügige, versicherungsfreie Beschäftigung oder Pflegetätigkeit ist oder, wenn es sich bei dem einen Verdienst um die Berücksichtigung von Kindererziehungszeit handelt.

Schiko, warum experimentierst Du mit der angenommenen Größe 0,9 EP im Jahr 2008 als zusätzliche Punkte, die es nicht mehr gibt?

Beginnt jemand im Januar 2008 eine berufliche Tätigkeit erstmalig und es fehlt noch 1 Jahr bis zur Vollendung des 25. Lbj., die Person hat 2007 sein Hochschulstudium abgeschlossen und er erhält im Jahr2008 72.000 € als Verdienst, werden ihm in der Rente als berufliche Ausbildung maximal 63.600 € angerechnet, weil für die Überschreitung der BBG keine RV-Beiträge zu zahlen sind.

An EP erhält er die von Dir genannten 2,1141 EP, allerdings nicht mehr als beitragsgemindert, sondern, weil Rentenbeginn nach 2008 liegt, und keine Lehre vorhanden ist, als vollwertige Beiträge eingeordnet.

In Anlage 4 findet keine Aufwertung statt, da er ja darüber liegt.

Er verliert aber auch keine EP.

Träfen die Verdienste mit Kindererziehungszeit zusammen, würde er die eigenen Verdienste ebenfalls in voller Höhe als berufliche Ausbildung angerechnet bekommen, lediglich die (KEZ-Bewertung- die bewussten ebenfalls 0,0833) würde sich bei Überschreiten der BBG reduzieren oder gegen Null gehen.
Meint Lothar

von
Wieso?

Hallo alle zusammen,
erst mal vielen lieben Dank
für Ihre Mühe sowie die interessanten und
aufschlussreichen Beiträge.
Ich glaube, dass ich jetzt aufgeklärter bin. Die neue Gesetzgebung hat wohl zugeschlagen!
Berufsschulausbildung und Fachschulstudium wurden nach genauerem Hinsehen von insgesamt 6 Jahren auf 3 Jahre in meinem letzten Versicherungsverlauf reduziert.
Nachvollziehen kann ich das trotzdem nicht, da meine berufliche Ausbildung bzw. Studium schon lange zurückliegen und das Gesetz 2005 in`s Leben gerufen wurde.
Aber Gesetz ist wohl Gesetz!?

von
LS

User Wieso, nicht der Zeitraum des Schulbesuchs ist ausschlaggebend, sondern das Jahr des Rentenbeginns.

Renteninformationen oder Rentenauskünfte nach 2005 berücksichtigen diese Sachverhalte so, wie sie aus jetziger Rechtslage für den Zeitpunkt des Rentenbeginns festgelegt sind.

von
Unbekant

Lieber LS,

sie verwechseln so ein bisschen Sachen durcheinander!

Ich rede von der Beurteilung der beruflichen Ausbildung und nicht schulischen Ausbildung.

Einfach nicht zu fassen...

von
LS

habe sie recht, user unbekannt, habe ich vergewechselt durcheinander

Experten-Antwort

Durch Gesetzesänderung zum 01.01.2005 wurde die Bewertung von Schul- und Studienzeiten ab Rentenbeginn 2009 abgeschafft. D.h. es gibt weiterhin 8 Jahre Schul-, Fachschul- und Hochschulzeiten ab dem 17. Lebensjahr als Anrechnungszeiten für die Wartezeit von 35 Jahren - aber nur noch maximal 36 Monate Fachschulzeiten bekommen im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung Entgeltpunkte gutgeschrieben.
Gleichzeitig wurde die direkte Bewertung von Berufsausbildungszeiten geändert. Bis zum 31.12.2004 wurden die ersten 36 Kalendermonate Pflichtbeiträge vor Vollendung des 25. Lebensjahres im Versicherungsverlauf "automatisch" Zeiten der Berufsausbildung und die Entgeltpunkte ggf. aufgestockt, wenn die tatsächlich erwirtschafteten Entgeltpunkte unter 0,0625 lagen. Ab 01.01.2009 werden nur noch tatsächlich nachgewiesene Berufsausbildungszeiten hochgewertet. Die Hochwertung erfolgt auch nur noch für die ersten 36 Kalendermonate mit tatsächlich nachgewiesener Berufsausbildung. Von diesen 36 Kalendermonaten werden bereits bewertete Fachschulzeiten abgezogen. Wenn z.B. bereits 24 Monate Fachschulzeiten bewertet werden, können nur noch 12 Monate tatsächliche Berufsausbildung hochgewertet werden.

Für die Frage, welches Recht wann anzuwenden ist, muss § 300 SGB VI beachtet werden. Nach Abs. 1 ist bei erstmaliger Feststellung einer Rente das Recht maßgeblich, was zu Beginn der Leistung gilt. D.h. egal wann die zu bewertenden Zeiten zurückgelegt wurden - es gilt das aktuelle Recht zu Beginn der daraus zu zahlenden Rente. Somit werden alle Rechtänderungen bis zum Beginn Ihrer Rente bei Ihrer Rentenberechnung berücksichtigt.