Versorgungsausgleich ab wann?

von
Paule

Hallo,

mal eine grundsätzliche Frage: ich bin zum Versorgungsausgleich verpflichtet. Wird der Betrag von meiner Rente auch schon abgezogen, wenn die Versorgungsberechtigte erst Jahre nach mir in Rente geht? Wenn ja, was passiert mit dem abgezogenen Geld?

Danke!

von
???

Das kommt darauf an, ob Sie bei Rechtskraft des Urteils über den VAG schon Rente beziehen. Falls ja, genießen Sie das sog. Rentnerprivileg und erhalten Ihre Rente ungekürzt bis zum Rentenbeginn Ihrer Ex-Frau. Falls nein, wird ab Rentenbeginn der VAG-Anteil abgezogen. Sollten Sie Ihrer früheren Frau zu diesem Zeitpunkt noch Unterhalt zahlen, kann dies ausgesetzt werden.

von
Paule

Hallo ???,

vielen Dank für die schnelle Antwort! Das Scheidungsurteil liegt schon 19 Jahre zurück. Rente werde ich erst im nächsten Jahr beziehen. Eine Frage blieb aber offen:... was geschieht mit dem Geld, das mir abgezogen wird, aber meine Geschiedene noch nicht bekommt??

Danke!

von
Michael1971

Es handelt sich nicht um Geld dass Ihnen abgezogen wird, sondern um die Übertragung von Rentenanwartschaften auf das Versicherungskonto Ihrer geschiedene Ehefrau bereits mit Rechtskraft des Versorgungsausgleiches.

Warum sollte es Sie kümmern, ob Ihre Frau diese Anwartschaften in Aspruch nimmt oder nehmen kann. Was Sie selbst betrifft, haben Sie diese Anwartschaften doch bereits vor 19 Jahren verloren.

von
Paule

@Michael1971

...also, was ist denn das für'neAntwort!? Also wirklich...

von
Michael1971

Hallo,

entschuldigung falls es zu schroff rüberkam. Es ist halt so, dass es einfach nicht Ihr Geld ist.

Sollten Sie gemeint haben, dass dieses Geld von der Rentenversicherung "einkassiert" wird, so entspricht dies aufgrund der Rechtsnatur des Versorgungsausgleiches nicht den Tatsachen.

Beim Versorgungsausgleich werden ähnlich wie beim Zugewinnausgleich zum Ehezeitende die Rentenanwartschaften ausgeglichen. Mit einer Art Unterhalt an Ihre geschiedene Ehefrau hat dies nichts zu tun. Die Anwartschaften sind mit Rechtskraft des Urteils in das Eigentum der Ausgleichsberechtigten übergegengen.

Im umgekehrten Fall, wenn die Geschiedene vor Ihnen Rente beanspruchen könnte, würden die Anwartschaften auch gleich in der Rente mitgezahlt, ohne dass Sie dafür in Anspruch genommen würden.

von
---

Das ist die richtige Antwort.

Ihrer Frau sind Rentenanwartschaften übertragen worden und kein Geldwert.

Somit spielt es für Sie keine Rolle, wann Ihre Frau die Rente in Anspruch nimmt.

Die Rentenanwartschaften die zum damaligen Zeitpunkt übertragen wurden, können in Ihrer Rente keine Auswirkung mehr haben.

von
Paule

@---

...meiner geschiedenen Frau! Undwenn ich mir meine Renteninformation anseh, wäre meine Altersrnte ohne Versorgungsausgleich höher als mit! Da geht es doch um Geld!? Ode bekomme Sie Ihre Rente in Rentenanwartschaften asgezahlt??

von
Michael1971

Hallo,

nun sind wir bei den Grundlagen der Rentenberechnung angelangt.

Ihre Rente setzt sich nur aus Anwartschaften (Entgeldpunkten) zusammen. Diese Anwartschaften werden erst bei Rentenbeginn mit Hilfe des sog. aktuellen Rentenwertes in einen Geldbetrag umgerechnet.

Haben Sie solche Anwartschaften rechtmäßg verloren (Abschlag aus Versorgungsausgleich), so können diese bei Rentenbeginn auch nicht zu Ihren Gunsten mit einem Geldbetrag bewertet werden.

von
DSF

Wollen Sie es nicht verstehen.

Natürlich geht es indirekt um Geld. Dieses haben Sie aber vor 19 Jahren "verloren"

von
Thomas

Wird im Zeitpunkt der Rechtskraft der Entscheidung über den Versorgungsausgleich (Urteil) bereits eine Rente bezogen, gilt das sog. Rentnerprivileg. D.h. die Rente wird solange nicht um den Abschlag aus dem Versorgungsausgleich gemindert, bis der Ausgleichsberechtigte einen Rentenanspruch hat. Bezog weder der Ausgleichsberechtigte noch der Ausgleichsverpflichtete im Zeitpunkt der Rechtskraft des Urteils (bei Ihnen vor 19 Jahren) eine Rente, so wird die jeweilige Rente des Verpflichteten bzw. Berechtigten ab Rentenbeginn gemindert / erhöht. Dabei spielt es keine Rolle, wer von den Parteien zuerst einen Rentenanspruch erwirbt! Die Rentenanwartschaften wurden mit Eintritt der Rechtskraft des Scheidungsurteils übertragen, so dass es unerheblich ist, welcher der Parteien zuerst einen Rentenanspruch hat! Angenommen der Ausgleichsberechtigte erwirbt zuerst einen Rentenanspruch, so wird diese Rente ebenfalls mit Rentenbeginn erhöht, obwohl der Verpflichtete noch keine Rente bezieht ! Mit dem Urteil werden Rentenanwartschaften übertragen, die die Rentenversicherungsträger in Entgeltpunkte umzurechnen haben.
Diese Entgeltpunkte kommen bei der Rentenberechnung (auch bei der Renteninformation) zum Abzug. Vor 19 Jahren dürfte es sich noch Werteinheiten gehandelt haben ! Sie sollten sich das Urteil nochmals genau durchlesen!! Oder sich genau von Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger vor Ort beraten lassen ! Die Antworten der Forumsteilnehmer zu Ihrem Beitrag sind alle korrekt!
Für die Rentenversicherungsträger gilt der Grundsatz der Kostenneutralität !

von
M

Wenn man es ganz genau betrachtet hat er das Geld nicht erst vor 19 Jahren verloren, sondern im Zeitpunkt der Eheschließung ;-)

von
nana

Michael 1971 hat vollkommen recht.

Sie müssen das so sehen Ihre Beitragsjahre werden in sog. Entgeltpunkte umgerechnet für einige Monate wie z.B. Monate der Berufsausbildung gibt es höhere Entgeltpunkte für andere Zeiträume wiederum weniger.

Und diese werden eben dann geteilt wenn sie beide dann in Rente sind. Zwecks Versorgungsausgleich.

von
Paule

O.K., O.K.

...ich hab's kapiert! Nur, was ich etwas (antelig) ungrecht finde, ist, dass dieses Recht in den "Neuen" Bundesländern nicht galt. Den längsten Teil der geschiedenen Ehe hatte ich in der damaligen DDR zugebracht.

von
Laurence

Ich bin 43 Jahre alt. Mir wurden nicht alle Studienjahre anerkannt. Kann ich noch freiwillige Beiträge nach entrichten und wenn ja, würde es sich lohnen. MfG L

von
Bernhard

Nein, eben nicht.

Nicht im Zeitpunkt der Eheschließung und nicht vor 19 Jahren beim Versorgungsausgleich ist ein finanzieller Verlust für den Versicherten entstanden, sondern erstmals jetzt, bei Eintritt des Versicherungsfalls.

Und alles Nebelkerzenwerfen mit Begriffen wie Werteinheit, Entgeltpunkt oder Rentenanwartschaft ändert nichts an der Tatsache, dass der Versicherte ab jetzt aufgrund des Versorgungsausgleichs weniger Rente bekommt, aber keine andere Versicherte (z.B. seine Ex) deshalb mehr.

Also wird die gesetzliche Rentenversicherung auf Kosten des Versicherten entlastet.

Und wenn seine Ex-Frau später eine durch den Versorgungsausgleich erhöhte (Alters-) Rente bekommt, dann wird die gesetzliche Rentenversicherung deswegen nicht höher belastet, als ohne Versorgungsausgleich.

Wenn der Versicherte dann vor seiner Ex-Frau versterben sollte, was wiederum der häufigste Fall ist, dann ist diese Rentenerhöhung aufgrund des Versorgungsausgleichs grundsätzlich niedriger, als es eine Witwenrente wäre.

Wiederum wird die Rentenversicherung also entlastet, diesesmal auf Kosten der Ex-Frau.

Wir beantworten hier Fragen: "Wenn ja, was passiert mit dem abgezogenen Geld?"

Richtige Antwort: Es verbleibt bei der gesetzlichen Rentenversicherung.

von
???

Naja, das ist in diesem Fall so, es muss aber nicht so sein. Es gibt auch genug Fälle, da bekommt der beim VAG begünstigte Ehegatte die Rente vor dem anderen (EM-Rente). Oder der Altersunterschied ist nicht so groß und der begünstigte Ehegatte wird älter als der verpflichtete. Dann zahlt die DRV nämlich drauf.

von Experte/in Experten-Antwort

Sind Sie ausgleichspflichtig und beginnt Ihre Rente erst, nachdem die Gerichtsentscheidung rechtskräftig und wirksam geworden ist, wird Ihre Rente von Anfang an gemindert. Auch wenn im Scheidungsurteil festgelegt wurde, in welcher Höhe die Rentenanwartschaften des Ausgleichspflichtigen zu mindern sind, gibt es jedoch bestimmte Fälle in denen die Rente nicht gekürzt wird (z.B. Unterhaltspflicht des Ausgleichspflichtigen).

von
Paule

...jo, so dachte ich mir das schon!! Obwohl ich kein Rentenexperte bin...

von
Paule

Sehr geehrte/r Experte/in,

wie ist der Sachverhalt mit der überwiegend in der damaligen DDR in der bestehnden und dann aber nach West-Recht geschieden? Müsste es da nicht eine andere Regelung für den VA geben?

Danke!