Verzicht auf Rentenversicherungsfreiheit- vom Arbeitgeber mißachtet

von
Marion

Ich habe im letzten Jahr ein Praktikum gemacht, dass als 400€ Job bezahlt wurde. Ich habe dem Arbeitgeber schriftlich ca. 1Monat vor Beginn des Arbeitsverhältnisse schriftlich mitgeteilt, dass ich freiwillig Rentenversicherungsbeiträge zahlen möchte. Leider wurde dies nicht umgesetzt, obwohl ich mit dem dortigen Verwaltungsleiter mehrfach darüber gesprochen habe. Ich habe ihm vor 2 Monaten einen Brief geschrieben, er möge bitte eine Nachzahlung in die Wege leiten (geht das überhaupt?) aber er hat sich nicht gemeldet. Es handelt sich immerhin um ein halbes Jahr, in dem mir Rentenversicherungszeit verloren geht und ich möchte mein Recht durchsetzten, weiß aber nicht wie. Was raten Sie mir? Gibt es einen Paragraphen, auf den ich mich berufen kann?

von
Schiko.

Gebe zu, hernach ist leicht reden, glaube aber
sie überschätzen die wirkung der zuzahlung
für ca. 6 monate.

Natürlich ist der AG. verpflichtet ihrem wunsche
stattzugeben.

Voraussetzung ist aber eine schriftliche mitteilung
an den AG. mit dem ausdrücklichen hinweis" Ich
verzichte auf die Versicherungsfreiheit"

Die erklärung wirkt nicht nachträglich sondern
für die zukunft und ist nicht widerrufbar für die
dauer der beschäftigung beim gleichen arbeitgeber.

Bei derzeit 26,27 rentenwert eines entgeldpunktes
verlieren sie für 6 monate nichtbeachtung 0,53 cent
spätere rente.
Die anrechnungszeit mach rechnerisch einen nachteil
von ca. monaten aus.
Setze ich 420 beitragsmonate für die spätere rente voraus,
auch wieder nicht sooo schlimm.
Will ihnen keinesfalls wehtun, weiß aber, auch hier wird
viel unsinn erzählt.
Schildern sie einfach der deutschen rentenversicherung
den tatbestand und erbitten vor dieser einen guten rat.

Mit freundlichen Grüßen. der Echte"Schiko"

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Marion,
aus Ihrer Schilderung vermuten wir, dass es sich bei Ihrem Praktikum um ein in der Studienordnung vorgeschriebenes Zwischenpraktikum (zwischen 2 Studiensemestern) handelte. Sollte dies so sein, verwundert es nicht, dass Ihr Arbeitgeber nicht reagierte. Solche Zwischenpraktika sind komplett sozialversicherungsfrei; d.h. es werden selbst keine Pauschalbeiträge (wie sonst bei geringfügigen Beschäftigungen üblich) an die Minijobzentrale fällig und damit gibt es auch keine Auf-stockung.

Wenn es sich nicht um ein vorgeschriebenes Zwischenpraktikum handelte, gilt folgendes:

"Richtlinien für die versicherungsrechtliche Beurteilung von geringfügigen Beschäftigungen (Stand: 1.7.2006)
2.1.3 Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit
(1) 1Arbeitnehmer, die eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausüben und damit nach § 5 Abs. 2 Satz 1 SGB VI rentenversicherungsfrei sind, können nach § 5 Abs. 2 Satz 2 SGB VI auf diese Versicherungsfreiheit verzichten und erwerben dadurch volle Leistungsansprüche in der Rentenversicherung. 2Dabei ist unerheb-lich, ob die versicherungsfreie geringfügig entlohnte Beschäftigung als einzige Beschäftigung oder - als zeitlich erste geringfügig entlohnte Beschäftigung - neben einer nicht geringfügigen versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung ausgeübt wird. 3Der Arbeitgeber hat den Arbeitnehmer bei Beschäftigungsbeginn auf die Möglichkeit des Verzichts auf die Rentenversicherungsfreiheit im Rahmen der geringfügig entlohnten Beschäftigung hinzuweisen (§ 2 Abs. 1 Satz 4 Nachweisgesetz). 4Der Verzicht muss schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber erklärt werden. 5Er entfaltet Rechtswirkung aber nur für die Zukunft, d. h., die Rentenversicherungspflicht beginnt mit dem Tag, der auf den Tag des Eingangs der schriftlichen Verzichtserklärung beim Arbeitgeber folgt, es sei denn, dass der Arbeitnehmer einen späteren Zeitpunkt für den Beginn der Rentenversicherungspflicht bestimmt. 6Geht die Verzichtserklärung innerhalb von zwei Wochen nach Auf-nahme der geringfügig entlohnten Beschäftigung beim Arbeitgeber ein, wirkt sie auf den Beginn der Be-schäftigung zurück, falls der Arbeitnehmer dies verlangt.7Der Arbeitgeber hat die Verzichtserklärung nach § 8 Abs. 2 Nr. 4 BVV zu den Entgeltunterlagen des Arbeitnehmers zu nehmen. 8Auf die Rentenversicherungs-freiheit können auch Praktikanten verzichten, die ein nicht in der Studien- oder Prüfungsordnung vorge-schriebenes geringfügig entlohntes Praktikum absolvieren.
(2) 1Der Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit gilt für die gesamte Dauer der geringfügig entlohnten Beschäftigung und kann nicht widerrufen werden. 2Die Verzichtserklärung verliert erst mit der Aufgabe der geringfügig entlohnten Beschäftigung ihre Wirkung."

von
Christiane

@ Schiko:

Marion geht es sicherlich auch nicht um das Tröpfchen mehr an (vielleicht) zu erwartender Rente. Vielmehr geht es um die sonstigen Leistungen, die die Rv bietet (Reha und Co).

Zumal: nicht jeder erhält aufgrund seines Gesundheitszustandes eine BU-Versicherung, so dass die gesetzliche EU-Rente für viele immer noch eine wichtige Säule darstellt. Das ist auch vielen Studis bewusst!

Gruß, Christiane

von
Schiko.

Ja christiane da haben sie
sicher recht.Rehabilitation
und evtl. erwerbsminderungs-
renter sind damit gesichert.
Dies vor allem wenn sonst
kein rentenversicherungspflichtiges
einkommen besteht.
Gut gewählt der ausdruck reha und co. Muß ich mir
merken.
Gibt mir gelegenheit"einen
nachteil von ca. , mit 4
monaten zu ergänzen.

MfG.

von
Unbekannt

Schiko, überleg doch mal, wenn du in den letzten 2 Jahren nur 6 Monate an Pflichtbeitragszeiten hast, hast du schon die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die Reha erfüllt.

So einen Anspruch gibt dir keine Versicherung auf der Welt für paar Euro im Monat.

Man meint auch, dass eine Reha nur Leute im fortgeschritten Berufsleben brauchen. Nicht nur. Ein Unfall und schon ist man schnell für die Reha fällig.

Das Geheule ist dann groß, wenn man keine Reha bekommt. Der böse Staat ist es dann wieder mal.

Deshalb ist es fahrlässig, den Leuten nur die Rendite-Seite zu berechnen und vielleicht auf die falsche Fährte zu locken.

von
Schiko.

Verehrter herr unbekannt, was wollen sie eigentlich mit
ihren ungefragten paukenschlägen. Ich habe doch nur
versucht im hinblick auf spätere rentenhöhe, aber auch
auf den geringen verlust von anrechnungszeiten hin-
zuweisen. Habe mir außerdem erlaubt, auch auf die tat-
bestände der formellen mitteilung an den arbeitgeber hin-
zuweisen.

Sie hatten ja auch die gelegenheit reha und erwerbsmin-
derungsrente zu beleuchten. Inzwischen hat dies ja auch
frau christiane gekonnt und ohne schmerzen getan.

Mit freundlichen Grüßen.

von
ich

Ich dachte, wenn es sich nicht um ein vorgeschriebenes Zwischenpraktikum handelt, gilt folgendes:
Nach §1 S1 Nr.1 SGB VI sind Personen versicherungspflichtig, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung (Azubis und Praktikanten) beschäftigt sind. Nach §162 S1 SGB VI ist die beitragspflichtige Einnahme bei Auszubildenden und Praktikanten das Arbeitsentgelt. Soweit sie ausnahmsweise kein Arbeitsentgelt erhalten, mindestens 1 % der monatlichen Bezugsgröße. Und nach § 168(1)Nr.1 SGB VI bzw. §20(3)SGB IV trägt der Arbeitgeber die Beiträge allein, sofern das Entgelt die Geringverdienergrenze nicht übersteigt. Danach werden Praktikas also nicht als "normale" geringf. Beschäftigung gesehen. Welche Praktikas fallen denn hierunter, wenn lt. Angaben des Experten alle Praktika, die nicht vorgeschriebenes Zwischenpraktikum sind als geringf. Besch. zu werten sind?

von Experte/in Experten-Antwort

Die von Ihnen gehegte Theorie muss hier nicht zutreffend sein.

Handelt es sich vorliegend um eine immatrikulierte Studentin, die ein nach der Prüfungsordnung vorgeschriebenes Zwischenpraktika ableistet, so bleiben Dauer, Arbeitszeit und die Höhe des Entgelts für die Versicherungsfreiheit ohne Relevanz.

Demnach ist die bereits getroffene Experten Antwort zutreffend.

In einem anonymen Online Forum kann dies aber - ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts - nie verbindlich abgeklärt werden.

MfG