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Volle Erwerbsminderung kontra Arbeitsmarktrente

von
Zeitrentner

Ich erhalte seit ca. 5 Jahren eine bereits einmal verlängerte Rente wegen voller Erwerbsminderung aufgrund des verschlossenen Teilzeitarbeitsmarktes. Mein "Restleistungsvermögen" wurde bislang auf "3 bis unter 6 Stunden" eingestuft. Vor wenigen Wochen wurde eine weitere Krankheit (Blasenkarzinom) diagnostiziert. Laut Meinung meines Facharztes ist mein "Restleistungsvermögen" spätestens jetzt auf unter 3 Stunden gesunken und ich müßte mir über eine weitere Verlängerung meiner bisher nur auf Zeit bewilligten Arbeitsmarktrente keine Gedanken machen.

Ich habe aber irgendwo (vielleicht sogar in diesem Forum?) einmal gelesen, dass bei einem neuen "Leistungsfall" auch die Rente neu berechnet werden müßte, abgesehen davon, dass es dann auch keine Befristung wegen des Teilzeitarbeitsmarktes mehr geben würde. Außerdem würde eine Neuberechnung auch eine Verlängerung der Zurechnungszeit bis 62 erwirken.

Also habe ich mich bei meinem Rentenversicherungsträger telefonisch erkundigt. Dort meinte der für mich zuständige Sachbearbeiter in Stralsund aber, dass ich keine Neuberechnung erhalten würde, weil ich ja bereits eine Vollrente erhalten würde. Einen Antrag könnte ich mir deshalb sparen. Es wäre völlig ausreichend, wenn ich nächstes Jahr - da läuft meine Arbeitsmarktrente aus - die Verlängerung beantrage und dann die Befunde vorlegen würde. Aber auch dann würde ich nur die Verlängerung und keine Neuberechnung erhalten. Ich muß dazu sagen, dass ich im Falle einer Neuberechnung aufgrund einer recht gut bewerteten Zurechnungszeit fast 80 Euro mehr bekommen würde.

Anderer Meinung war die Mitarbeiterin am Servicetelefon der Rentenversicherung in der Hauptverwaltung Berlin. Diese riet mir sogar ausdrücklich zu einem neuen Rentenantrag, weil ich im Falle einer jetzt erstmals festgestellten medizinischen vollen Erwerbsminderung nicht nur keine Befristung mehr hätte, sondern theoretisch auch erstmals berechtigt wäre, im Falle einer Bedürftigkeit eine Grundsicherung zu erhalten. Sie wollte sich aber nicht festlegen, ob ich dann auch die verlängerte Zurechnungszeit erhalten könnte.

Ich bitte daher um eine Expertenauskunft, ob eine befristete Rente wegen voller Erwerbsminderung aufgrund eines verschlossenen Teilzeitarbeitsmarktes im Falle einer anerkannten Verschlechterung in eine unbefriste Rente wegen voller Erwerbsminderung "umgewandelt" werden kann und ob dies dann auch eine Neuberechnung mit der durch das Rentenpaket verlängerten Zurechnungszeit zur Folge hätte.

von
vbc

Die Zeit für das Schreiben Ihres Beitrages hätten Sie auch effizienter mit der Forensuche nutzen können.

Hier ein Link, in dem ein halbes Dutzend weiterer Links sind, die Ihre Frage behandelt.

https://www.ihre-vorsorge.de/index.php?id=46&no_cache=1&tx_mmforum_pi1[action]=list_post&tx_mmforum_pi1[tid]=27236&tx_mmforum_pi1[sword]=Zurechnungszeit#pid220241

von
Schorsch

Meiner Ansicht nach ist kein neuer Leistungsfall eingetreten sondern lediglich eine Verschlimmerung, die eine weitere Reduzierung des beruflichen Leistungsvermögens zur Folge hat.

Durch eine Umwandlung der bereits bewilligten Teil-EM-Rente in eine volle EM-Rente, die unabhängig von der derzeitigen Arbeitsmarktlage gewährt wird, würden Ihre Ansprüche bereits angemessen gewürdigt.

Anstatt auf eine Neuberechnung zu bestehen, sollten Sie vielmehr dankbar dafür sein, dass Sie bereits 5 Jahre lang eine doppelte Teil-EM-Rente bezogen haben, obwohl Sie nur teilweise erwerbsgemindert waren.
Der verschlossene (Teilzeit)Arbeitsmarkt ist nämlich ein Mythos.

Die Meinung Ihres Facharztes ist übrigens nicht ausschlaggebend.
Ob Ihre Neuerkrankung rentenrelevant ist oder nicht, entscheidet die DRV und nicht er!

MfG

von
Nahla

Zitiert von: Schorsch

Meiner Ansicht nach ist kein neuer Leistungsfall eingetreten sondern lediglich eine Verschlimmerung, die eine weitere Reduzierung des beruflichen Leistungsvermögens zur Folge hat.

Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Bisher ist eine teilweise Erwerbsminderungsrente aus gesundheitlichen Gründen bewilligt worden. Durch den verschlossenen Arbeitsmarkt wird diese als volle ausgezahlt, der grundständige Anspruch liegt aber auf der teilweisen EM-Rente. Bei der Bewilligung einer vollen EM-Rente aus gesundheitlichen Gründen entsteht ein neuer Leistungsfall und die Rente wird dann neu berechnet.

Sie können diesen Antrag aus gesundheitlichen Gründen sofort auf den Weg bringen und prüfen lassen oder sie beantragen es erst zum Zeitpunkt der notwendigen Verlängerung. Ist die Erkrankung auf Dauer so schwerwiegend, so würde ich empfehlen, diesen Antrag in der 2. Jahreshälfte 2016 zu stellen. Bis dahin sollten Sie genug Material haben, um die schwere Beeinträchtigung durch die zusätzliche Erkrankung der DRV auch genügend belegen zu können.

Alles Gute.

Experten-Antwort

Laut einem Beratungsergebnis der Arbeitsgruppe „Erwerbsminderungsrenten“ wurde auf einer Sitzung vom 6./7. Mai 2009 festgelegt, dass der Leistungsfall der Rente wegen voller Erwerbsminderung nicht erneut eintreten kann, solange eine einmal eingetretene Erwerbsminderung fortbesteht. Unerheblich ist dabei, ob die volle Erwerbsminderung auf dem verschlossenen Arbeitsmarkt oder auf dem Gesundheitszustand beruht. Kommt man also in einem Überprüfungsantrag zu dem Ergebnis, dass die volle Erwerbsminderung aus medizinischen Gründen vorliegt, verändert das die Rentenhöhe nicht (keine verlängerte Zurechnungszeit). Gewährt man diese volle Erwerbsminderung dann unbefristet, könnte der Anspruch auf Grundsicherung vorliegen.