Volle Erwerbsminderung rückwirkend

von
Vivien

Hallo!

Ich habe diese Woche einen Bescheid zur vollen Erwerbsminderung bekommen. 2004 habe ich schon einmal einen Antrag gestellt, der aber abgelehnt wurde.
Ich bin seit Ende 2002 nicht mehr arbeitsfähig, habe erst Krankengeld dann Arbeitslosengeld und dann Arbeitslosengeld2 bezogen bis dato Harz4.
Der Antrag zur EM wurde vom Jobcenter angeregt.
Mir wurde ein Schwerbehindertenausweis rückwirkend zu 2002 ausgestellt mit 80% Schweregrad auf Psyche.
Es hat sich herausgestellt, dass ich meine Probleme wegen einer Schwersttraumatisierung habe.
Die Störung ist abere erst seit 2009 bekannt, ich war aber meiner Meinung nach deswegen schon 2002 in psychiatrischer Behandlung und seitdem nicht mehr arbeitsfähig.
Was muß ich jetzt tun, damit ich meine Rente rückwirkend anerkannt bekomme?! Die Differenz zu dem damaligen Bescheid zu heute ist doppelt so hoch. Also fühle ich mich ausgebootet und möchte gerne wissen ob es überhaupt Sinn macht vor das Sozialgericht zu ziehen.
Ich wäre für konstruktive Vorschläge und eventuelle ähnliche Fallbeispiele sehr dankbar.
Viele Grüße Vivi

von
KSC

Wer im Forum sollte denn wissen können, ob Sie eine Chance haben den Richter am Sozialgericht davon zu überzeugen, dass Sie nicht erst jetzt, sondern schon vor ca. 10 Jahren voll erwerbsgemindert waren?

Ob Sie beweisen können, dass eine 2009 erkannte Krankheit schon 2002 vorgelegen hat und schon damals so gravierend war, dass Sie bereits damals hätten Rente bekommen sollen, ist letztlich die Frage nach dem medizinischen Nachweis und wie den der Richter am SG würdigt.

Sie kennen doch sicher das Sprichwort - vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.

von
Reiner

Hallo Vivien,
da müssen Sie einen guten Anwalt für Sozialrecht beauftragen.
Bitte besorgen Sie sich auch mal alle Befundberichte aus den entsprechenden Jahren. Die Ärzte müssen nur 10 Jahre lang die Befundberichte aufbewahren. Des Weiteren können Sie mal Akteneinsicht bei der RV beantragen.
Viel Glück- nichts ist unmöglich, nur wer kämpft kommt weiter.

von
Alltagsbegleiter

Nur wenn ein eingereichter Widerspruch von der Rentenversicherung bereits zurückgewiesen worden ist, wäre es nun an der Zeit, vor das Sozialgericht zu gehen.

Von einem Widerspruchsverfahren schreiben Sie jedoch nichts.

Wenn Sie gerade erst den Bescheid über die volle Erwerbsminderungsrente erhalten haben, in dem jedoch der Bewilligungszeitrahmen nicht korrekt ist, wäre also zunächst ein Widerspruch gegen diesen Bescheid erforderlich. Das kann formlos geschehen. Die Widerspruchsfrist endet einen Monat nach Erhalt des Bescheides und sollte daher umgehend erfolgen. Eine genaue Begründung können Sie später nachreichen.

Zur Begründung des Widerspruches wird sich In Ihrem Fall kaum vermeiden lassen, dass Sie selbst die gesamte Krankengeschichte Punkt für Punkt (knapp formuliert) darlegen und jeweils auf die dazugehörigen Arztbriefe etc. hinweisen.

Dazu werden Sie, wie hier bereits erwähnt, aussagekräftige Krankenakten aus der Zeit des Erkrankungsbeginnes und insbesondere auch Nachweise der Kontinuität der Erkrankung benötigen. Sicher dürfte auch das Gutachten, das anlässlich der rückwirkend anerkannten Schwerbehinderung für das Versorgungsamt angefertigt wurde, Ihren Anspruch unterstützen.

von Experte Experten-Antwort

Den Ausführungen von Alltagsbegleiter stimmen wir zu. Bevor Sie den Rechtsweg vor dem Sozialgericht einschlagen können, müssen Sie gegen den jetzigen Rentenbescheid und den dort festgelegten Eintritt der Erwerbsminderung Widerspruch einlegen (Frist beachten!). Es sind alle Nachweise (u. a. ärztlichen Unterlagen) vorzulegen, die den früheren Eintritt einer Erwerbsminderungsrente untermauern.

von
=//=

Da Sie offensichtlich 2004 gegen den Ablehnungsbescheid keinen Widerspruch eingelegt haben, sehe ich für Ihr Vorhaben schwarz. Denn damals wurde ja viel zeitnaher zu 2002 festgestellt, dass Sie nicht erwerbsgemindert sind.

Aus meiner Erfahrung haben solche Widersprüche wenig Aussicht auf Erfolg. Probieren können Sie es natürlich.

von
=//=

Ergänzend sei noch gesagt, dass im Höchstfall bei Stattgabe des Widerspruches der Leistungsfall auf 2002 verschoben würde! Einen Rentenanspruch 10 Jahre zurück hätten Sie aber in keinem Fall, da der Rentenbeginn vom RENTENANTRAG abhängig ist und Sie diesen ja wohl erst jetzt gestellt haben.