volle EU Rente und selbständige Nebentätigkeit ausgeschlossen?

von
Jandinia

Hallo Liebe Experten.

Ich beziehe seit 2000 die volle EU Rente und würde gern im Rahmen der Hinzuverdienstgrenze etwas zum Familieneinkommen beitragen. Nicht weil es mir gesundheitlich so blendend geht, sondern weil die Preisentwicklung so extrem voranschreitet. Ich dachte an einen Minijob als Patientenbetreuer(bin ehemalige Krankenschwester und kenne die Defizite des Gesundheitswesens im alltäglichen Klinikbetrieb). Manche würden sich sicher über solch einen Service freuen. Mal was für die Patienten einkaufen oder nur über ihre Sorgen reden, etc. Manch Angehöriger hat auch nicht die Zeit für tägliche Besuche und könnte meine Dienste in Anspruch nehmen.

Dies würde mir gut tun und ich könnte evtl. eine Kleinigkeit hinzuverdien.

Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass eine Selbstständigkeit zum Verlust der EU- Rente führt, auch wenn man unter der Hinzuverdienstgrenze bleibt. Ist dem heute noch so, oder hat sich die gesetzeslage geändert. Könnte ich ein gewerbe anmelden und im Rahmen der Grenze tätig werden oder muss ich den verlust der Ente befürchten?
Vielen Dank im Vorraus,
Jandinia

von
Richard

Bei der "alten" Erwerbsunfähigkeitsrente führt eine selbständige Tätigkeit stets zum Wegfall der Rente.

von
Jandinia

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ja, ich habe damals noch die alte EU-Rente bekommen. Ich weiß zwar, dass sich die Begrifflichkeiten geändert haben, wusste aber nicht, dass die alten EU-Renten unter anderen rechtlichen Gesichtspunkten gehändelt werden. Schade.

Trotzdem nochmals vielen Dank!

Jandinia

Experten-Antwort

Hallo Jandinia,

die Gesetzeslage ist weiterhin unverändert. Wer eine selbständige Erwerbstätigkeit ausübt, kann nach dem bis Ende 2000 geltenden Recht nicht erwerbsunfähig sein. Deshalb besteht für selbständig erwerbstätige Versicherte grundsätzlich kein Anspruch auf Rente wegen Erwerbsunfähigkeit, selbst wenn aus medizinischer Sicht die Annahme von Erwerbsunfähigkeit gerechtfertigt wäre. Dies ist unabhängig von der Höhe des erzielten Einkommens. Da ein Selbständiger nach neuem Recht jedoch voll erwerbsgemindert sein kann, sollte in begründeten Fällen geprüft werden, ob eine Rente wegen voller Erwerbsminderung gezahlt werden kann.

von
Jandinia

Vielen Dank nochmals für die ausführliche Antwort.
Nun, ich will keinesfalls meine Rente in Gefahr bringen.Zumal ich gar nicht weiß, ob dieses Serviceangebot überhaupt angenommen werden würde. Da sind mir zuviele unbekannte Komponenten dabei, die man nicht einschätzen kann.

Leider kann ich keine andere Nebentätigkeit ausüben, wo ich angestellt wäre, da ich von heute auf morgen einen Schub bekommen kann und nicht einsatzfähig bin. Welcher Arbeitgeber macht sowas mit! Nur als Selbstständige könnte ich selbst entscheiden, kann ich einen Auftrag annehmen oder bin ich heute nicht in der Verfassung.
Da sieht man mal wieder wie wenig bei der Gesetzgebung auf solche speziellen Feinheiten geachtet wird. Da gibt es nur entweder- oder, aber so einfach ist das oft nicht.
Also lasse ich es so wie es ist.

Besten Dank!

von
Rosanna

Hallo Jandinia,

"Da sieht man mal wieder wie wenig bei der Gesetzgebung auf solche speziellen Feinheiten geachtet wird. Da gibt es nur entweder- oder, aber so einfach ist das oft nicht."

Das stimmt so NICHT MEHR, denn bei der ab 2001 eingeführten Erwerbsminderungsrente (anstatt der vorherigen Erwerbsunfähigkeitsrente) spielt es keine Rolle mehr, ob eine abhängige oder selbständige Tätigkeit ausgeübt wird!

Etwas wird sich "der Gesetzgeber" dabei gedacht haben, diesen Passus zu streichen... ;-)

MfG Rosanna.

von
Rosanna

Mir ist gerade noch etwas eingefallen:

In der Tageszeitung wird oft inseriert, dass Leute - gerade wie Sie als ehemalige Krankenschwester - händeringend gesucht werden, die genau DAS tun, was SIE tun wollen.

Was hindert Sie denn daran, sich auf eine solche Anzeige zu melden, die Karten auf den Tisch zu legen und anzugeben, dass Sie für die (meist älteren) Leute gerne mal einkaufen, sich um sie kümmern etc., dies aber aufgrund Ihrer eigenen Krankheit nicht so ganz regelmäßig tun können. Sie wissen bestimmt, wie viele ältere alleinstehende Leute dankbar für solche Leistungen sind und dafür auch gerne eine angemessene Entschädigung zahlen oder zumindest ein paar Euro hinlegen. So wäre beiden Teilen geholfen und Sie müßten sich nicht selbständig machen.

Wäre doch einen Versuch wert, oder?

MfG Rosanna.

von
Jandinia

Hallo Rosanna,

leider schaue ich immer nach solchen Inseraten, hatte aber leider noch nie Glück(leben in einer Kleinstadt-in einer Großstadt sieht das bestimmt besser aus).
Überwiegend werden Privatpflegerinnen gesucht, das gibt es häufig.
Dies könnte ich allerdings nicht leisten und ich weiß wie körperlich anstrengend das ist.
Und da kann man auch nicht einfach mal so paar Tage ausfallen.
Ich freue mich ja, dass bei der neuen Gesetzgebung an diese Unterschiede gedacht wurde, für mich ist es allerdings mehr als schade.

Naja, ich halte die Augen offen, vielleicht kommt ja wirklich mal so ein Inserat.

LG, Jandinia

von
Rosanna

Hallo Jandinia,

und wenn SIE mal inserieren? Sie werden sich vielleicht wundern, welche Resonanz kommt.

Ich habe selbst gerade wieder am eigenen Leib verspürt, dass man sich SEHR täuschen kann, wenn man immer nur von sich auf andere schließt. Manche "Hilfsbedürftige" trauen sich vielleicht gar nicht, selbst zu inserieren, wenn sie nur ab und zu mal Hilfe brauchen.

Einen Versuch ist´s meiner Meinung nach auf jeden Fall wert.

VG Rosanna.