Vom Segen des Zinseszinses

von
Maria L.

Hallo,

heute gibt es ja einen interessanten Artikel der Redaktion:

http://www.ihre-vorsorge.de/Altersvorsorge-Ausreden.html

"Dieser Zinseszinseffekt ist der Turbo fürs Vermögen. Bei einem monatlichen Sparbeitrag von 100 Euro und einem Zinssatz von vier Prozent sammeln sich in den ersten zehn Jahren 14.719 Euro an. In der zweiten Dekade kommen bereits 22.789 Euro hinzu und in der fünften Dekade sind es zusätzlich 70.669 Euro. Dieses Beispiel zeigt: Zeit ist Geld."

Ich würde da gerne noch was ergänzen. Wer ist schon motiviert, jahrzehntelang zu sparen, wenn er nur 4% Zinsen bekommt, von denen die Inflation schon das meiste wegfrisst?

Ich habe das Beispiel mal mit 8 Prozent Zinsen durchgerechnet:

Bei einem monatlichen Sparbetrag von 100 Euro erhält man dann nach 10 Jahren 18.128 Euro, nach 20 Jahren 57.266 Euro (also nochmal 39.138 zusätzlich), nach 30 Jahren 141.761 Euro (zusätzlich 84.495) und nach 40 Jahren 324.180 Euro (zusätzlich 182.419).

Wer diese Zahlen vielleicht schon unerwartet hoch findet, sollte sich dann nochmal das Beispiel mit 12 Prozent ansehen:

Bei einem monatlichen Sparbetrag von 100 Euro erhält man nach 10 Jahren 22.404 Euro, nach 20 Jahren 91.986 Euro, nach 30 Jahren 308.097 Euro und nach 40 Jahren 979.307 Euro.

Mit nur 100 Euro monatlichem Einsatz kann man so in 40 Jahren annähernd zum Millionär werden! Wer ist jetzt noch unmotiviert, mit dem Sparen so früh wie möglich anzufangen? Renditen zwischen 8 und 12 Prozent (und möglicherweise sogar noch mehr) erhält man locker (und ziemlich sicher!) beim Ratensparen in Aktienfonds mit der richtigen weltweiten Streuung.

Der Kernaussage dieses Beitrags stimme ich natürlich zu: damit der Zinseszins wirken kann, sollte man so früh wie möglich anfangen, das kann durchaus auch mit kleinen Beträgen erfolgen. Aber hochrentable Sparformen sollten es schon sein, sprich: Aktienfonds.

Gruß,
Maria L.

P.S. Meine Zahlen (errechnet mit dem vorschüssigen Rentenendwert) weichen leicht vom Sparplanrechner hier auf ihre-vorsorge.de ab (möglicherweise nur Rundungsfehler, oder eine andere Formel), aber das sind nur unwichtige Details.

von
Schwarzwälder

Oh, es gibt Aktienfonds mit einer garantierten Rendite von 8-12% ???
Da würde ich ja auch gerne was abschliessen.
Schade nur, das laut VErbraucherzentrale noch kein Unternehmen eine derartige durchgehende (und sichere) Rendite nach dem 2. Weltkrieg erreicht hat...

von
Finanzamt

Und die Steuer schlägt auch noch zu!

von
Schwarzwälder

Ja, und wer weiß wie hoch die Steuern auf Aktienerträge in 20-30 Jahren sind?
Und solche "Phantasten" raten dann von einer für viele interessanten Vorsorgemöglichkeit wie der Riesterrente ab.

von
Zinsjäger

Selten so gelacht! Garantierte 12% Zinsen!Selbst wenn ein Aktienfond diesen Wert erreicht, müssen noch Abschluß-, Depot-, An- und Verkaufskosten und die Einkommensteuer berücksichtigt werden. Schnell sind es dann im besten Fall nur noch 6% und wenn´s schlecht läuft sogar ein Minus. Also gilt auch heute noch unflexibel und riskant.

von
Amadé

Aus gutem Grund darf hier keine Werbung für Anbieter vorgenommen werden.

Es gibt Direktbanken und Fondsvermittler die keine Depotgebühren, keine Ausgabeaufschläge und nur geringe Provisionen bei Direkterwerb von Aktien erheben.

Vergleichen Sie mal die Wertentwicklung einer Lebensversicherung des grössten deutschen Versicherungsunternehmens mit der Wertentwicklung der Aktie desselben Unternehmens über einen LÄNGEREN Zeitraum. Welche Anlage hat wohl eine höhere Rendite erwirtschaftet?

In Sachen kurzfristige Geldanlage - da gebe ich Ihnen Recht - sollte man die Finger von Aktien lassen.

von
Maria L.

Hallo Schwarzwälder,

Ihr Einwand ist berechtigt und auch nicht leicht zu beantworten.

Also, zunächst mal zur Steuer: die Riester-Rente muß voll nachgelagert versteuert werden, auf Aktienfonds wird nach neuester Gesetzeslage die Abgeltungssteuer von 25% (plus Soli-Zuschlag und Kirchensteuer) fällig.

Ich zahle aber lieber 25% von einem hohen Ertrag als meinen persönlichen Spitzensteuersatz (u.U. höher als 25%) von einem niedrigen Ertrag.

Die (relative) Sicherheit ergibt sich dadurch, daß man nicht in einen einzelnen Aktienfonds spart, sondern in mehrere weltweit gestreute Fonds. Man nimmt dabei in Kauf, daß einige dieser Fonds vielleicht nur eine sehr geringe Rendite erwirtschaften. Wenn nur ein Fonds mit einer hohen Rendite dabei ist (siehe mein Beispiel mit den 12%), ist es doch egal, was bei den anderen herauskommt. Und natürlich weiß man vorher nicht, welcher der Fonds genau welche Rendite erreichen wird. Man hält sich aber die Möglichkeit offen, eine insgesamt hohe Rendite zu erreichen, wenn man in Fonds spart, die besonders hohe Chancen auf einen zukünftig hohen Ertrag bieten (also z.B. auf Zukunftsbranchen fokussiert sind).

Wenn die 100 Euro aus meinem Beispiel auf 5 Aktienfonds verteilt werden, von denen nur einer 12% effektive Durchschnittsrendite erreicht, dann erzielt man mit diesem einen Fonds in 40 Jahren rund 200.000 Euro. Dazu kommen dann die möglicherweise weit geringeren Erträge aus den anderen Fonds (die Verlustwahrscheinlichkeit ist sehr gering, weil langfristig die Aktienmärkte bisher immer gestiegen sind - die lange Ansparzeit überbrückt damit Konjunkturkrisen - man muß sich ja nur mal ansehen, wie die Aktienmärkte seit dem letzten Crash schon wieder gestiegen sind).

Auch das ist schon ein weit besseres Ergebnis als mit anderen Vorsorgeformen zu erzielen ist. Ganz ohne Risiko geht es nicht, aber festverzinsliche Sparformen bergen auch Risiken, die meines Erachtens viel höher sind (nämlich z.B. das Risiko des Kaufkraftverlusts durch hohe Inflation).

Mir kam das selber ja auch lange "phantastisch" vor, aber nachdem ich mich sehr lange damit beschäftigt habe, bin ich jetzt überzeugt. Für mich war der entscheidende Schritt zum Bewußtseinswandel die Umkehrung meiner Zweifel: was wäre, wenn es wirklich möglich wäre, sich selber im Verlaufe seines Arbeitslebens ein Vermögen zu erwirtschaften, von dem man dann im Alter leben kann - ganz unabhängig von den Risiken gesetzlicher Änderungen bei den staatlich geförderten Produkten? Das eröffnet ganz neue Perspektiven, die geringen Risiken nehme ich dafür in Kauf.

Da hier im Expertenforum längere Diskussionen nicht gewünscht werden, bitte ich darum, bei Interesse selber nachzulesen (und ggf. nachzufragen) in der Finanzuni unter

www.finanzuni.org

Es lohnt sich, wenigstens mal den Versuch zu machen, anders als gewohnt zu denken.

Gruß,
Maria L.

P.S. Amadé, danke für Ihre Unterstützung.

P.P.S. Liebe Redaktion, danke für die bisher nicht erfolgte Löschung. Ich denke, ich schreibe hier jetzt erstmal keinen weiteren Beitrag, um mein Gastrecht in Ihrem Forum nicht zu überdehnen.

von
DN

Hallo!

Eine Anlage in Aktien/Fonds halte ich nur für denjenigen sinnvoll der sich damit auskennt und sich dauerhaft mit der Anlage beschäftigt.

Eine Rendite bei der obigen Anlage von 8 - 12 % ist meines Wissens nach durchaus realistisch und entspricht auch dem Durchschnitt. Bei einer Anlagedauer von 40 Jahren fahren Sie allemal mit einer Anlage in Aktien/Fonds besser als bei einer Anlage in riskoarmen Anlagen - selbst wenn wir Jahre mit Minuszinsen einrechnen.

Steuer und Kosten für das Depot (oder Verwaltungskosten) fallen auch oft bei anderen Anlagen an. Ausgabeaufschläge müssen nicht sein.

Aktiensparen setzt halt starke Nerven, Ausdauer und Fachkenntnis voraus. Langfristig wüsste ich keine bessere Alternative.

von
Zinsjäger

Wenn Sie es sich leisten können langfristig anzulegen, kann ein Aktienfond die richtige Wahl sein. Dies wird von mir nicht bestritten. Haben Sie vor, Eigentum zu erwerben (Wohnung, Hausbau) wird das Geld nunmal benötigt. Es sei denn, Sie benötigen trotz der Aktien kein Darlehen. Bei der LV sollten Sie die Versicherungsleistung berücksichtigen.

von
Schwarzwälder

Na jetzt wo ich weiß wie einfach das ist, ist es ja nur noch eine Frage der Zeit wann ich die erste Million zusammenhabe...
Also da bleibe ich lieber bei der Riesterrente mit 60 Euro Jahresaufwand und 894 Euro staatlicher Förderung. Da reichen auch 12 % "sichere" Verzinsung nicht aus, um diese Beträge bei 60 Euro Sparleistung im Jahr später zu erreichen.

von
Maria L.

Hallo Schwarzwälder,

nur noch mal kurz, dann schweige ich hier:

Wenn Sie so wenig verdienen und gleichzeitig so viele Kinder haben (anders kämen Sie wohl kaum auf die genannten Beträge), sollten Sie natürlich die Riester-Förderung mitnehmen.

Bei der derzeitigen Gesetzeslage (die kann sich aber auch mal wieder ändern) würde ich Aktienfondssparen auch u.a. für wirklich akut von Hartz IV bedrohte Arbeitnehmer nicht empfehlen, weil die Fonds dann vorzeitig zu möglicherweise schlechten Kursen verkauft werden müßten (das Fondssparen funktioniert nur, wenn man für einen langen Ansparzeitraum auf das investierte Geld verzichten kann).

Aber denken Sie an eines: wenn Sie die Riester-Beiträge bis zum Rentenalter fortsetzen wollen, müssen Sie immer 4% des Vorjahreseinkommens als Eigenbeitrag leisten. Das gilt auch, wenn Sie zukünftig vielleicht ein höheres Einkommen haben. Die Kinder werden auch mal erwachsen, dann gibt es keine Kinderzulagen mehr. Die dann zu leistenden höheren Eigenbeiträge stehen für eine andere (höher rentierliche) Vorsorgeform nicht mehr zur Verfügung. Allerdings könnten Sie den Riester-Vertrag dann ruhen lassen und Ihre Eigenbeiträge anders einsetzen.

Gruß,
Maria L.