Vorzeitige Altersrente nach/während Selbständigkeit

von
SilverGeneration

Laut letzter Renteninfo erfülle ich die Voraussetzungen für die Altersrente wegen langjähriger Versicherung. In den letzten Jahren war ich selbständig (als Freiberufler) tätig. Dieses Geschäft habe ich jetzt weitgehend heruntergefahren, möchte es aber während der Rente vorerst angemeldet lassen und im Rahmen der (mir in ihrer Höhe bekannten) Hinzuverdienstgrenzen weiterbetreiben. Allerdings werden die Einkünfte weiterhin sehr unregelmäßig sein.

1. Gilt die Hinzuverdienstgrenze der Angestellten von nunmehr € 450,- (bzw. zweimal das Doppelte) auch für Selbständige strikt Monat für Monat ?
2. Oder gelten für Selbständige Jahressummen ?
3. Welchem Monat/Jahr werden die Einkünfte genau zugerechnet ? Dem Monat/Jahr, in dem die Zahlung erfolgte ? oder die Rechnung gestellt wurde ? oder die Leistung erbracht wurde ?
4. Konkret: Ich habe im September 2012 die letzte Arbeitsleistung erbracht, Anfang Oktober die Rechnung dafür gestellt (über € 1.000,- zzgl. USt) und diese im November vollständig bezahlt bekommen. Ab wann steht mir (wenn ich seitdem die Zuverdienstgrenzen strikt einhalte) die vorzeitige Altersrente zu ?
4a. ab Oktober, da ich nur bis September tatsächlich gearbeitet habe ?
4b. ab November, da ich vorher die letzte Rechnung gestellt habe und spätere Zahlungen quasi nur noch von Lust und Laune des Kunden abhingen ?
4c. ab Dezember, weil alle Zahlungen vorher eingegangen waren ?
4d. erst ab Januar 2013, weil in 2012 die Summe aller Einkünfte insgesamt noch deutlich über 14x450 = € 6.300,- lag ?
5. Entsprechend - wenn ich schon seit längerem vorzeitige Altersrente bezogen hätte und gemäß dem obigen Fall im September einmalig eine Arbeitsleistung im Wert von € 800,- + USt erbracht hätte (Rechnung im Oktober, Zahlung im November) - welchem Monat wäre das als erhöhter Hinzuverdienst zugerechnet worden ?

Vielen Dank schon mal für die Antworten.

Experten-Antwort

Zu 1.)
Ab dem 01.01.2013 gelten die Hinzuverdienstgrenzen für selbständig Tätige in Höhe von 450€ monatlich. Die Möglichkeit der doppelten Überschreitung im Kalenderjahr gibt es nur wenn eine monatliche Gewinnermittlung erfolgt. Bei der gängigen pauschalen Gewinnermittlung (Jahresgewinn : Anzahl der Tätigkeitsmonate) handelt es sich um gleichbleibende Einkünfte und eine doppelte Überschreitung ist nicht möglich. Ausnahme stellt die Änderung des pauschalisiert ermittelten Einkommens zum Jahreswechsel dar.
Zu 2.-5.)
Es gelten die allgemeinen Gewinnermittlungsvorschriften des Einkommensteuerrechts. Somit ist dies abhängig von der Art der Gewinnermittlung. Auskünfte hierzu erteilt ihn ein Steuerberater. Die Rentenversicherung orientiert sich hier weitgehend an das Steuerrecht (Zuflussprinzip).

von
SilverGeneration

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Mal sehen, ob mein Steuerberater damit was anfangen kann.

von
SilverGeneration

Jetzt aber doch noch einmal eine Frage an den Rentenexperten: Wenn mein Steuerberater bestätigen wird, dass die o.g. Einkünfte komplett noch in der jährlichen Gewinnermittlung 2012 erfasst werden, kann ich dann schon ab 1.1.2013 die vorgezogene Rente beziehen ? Wie gesagt, der Gesamtgewinn 2012 liegt noch über allen Hinzuverdienstgrenzen, und die Gewinnermittlung 2013, die dann zeigen wird, dass ich 2013 nicht zuviel verdient habe, kann ich ja frühestens Anfang 2014 vorlegen ?

von
DarkKnight RV

Hallo SilverGeneration,

ich finde die Antwort des Experten leider etwas zu kurz geraten.

Grundsätzlich gilt bei Selbständigen die pauschale Ermittlung des Einkommens. Dies bedeutet, dass der Gewinn (Steuerbescheid) durch die Anzahl der Moante geteilt wird, in denen die selbständige Tätigkeit steuerrechtlich angemeldet war. Waren Sie das ganze jahr selbständig tätig, wird der Gewinn durch 12 geteilt. In diesem Fall müssen Sie die Grenze von 5.400 Euro (12 x 450 Euro ab 2013) einhalten. Ein Überschreitensrecht oder die Multiplikation mit 14 ist nicht möglich!

Ein Überschreitensrecht besteht bei Slebständigen nur, wenn sie ihren monatlichen Gewinn durch eine Gewinn/Verlustrechnung nachweisen. Insgesamt muss die Summe dann mit dem Gewinn im Steuerbescheid übereinstimmen. Entscheiden Sie sich für die monatliche Betrachtung, kommt eine pauschale betrachtung nicht mehr in Frage. Sie können sich also nicht das Günstigste aussuchen!

Bei Selbständigen gilt das Zuflussprinzip. das heißt, die Einnahmen werden berücksichtigt, wenn sie geflossen sind (wie im Steuerrecht).

Kommen wir zum Jahr 2012.

Wenn Sie durch ihren Steuerberater nachweisen können, dass sie im Dezember 2012 keien Einnahmen aus ihrer selbständigen Tätigkeit haben, könnten Sie auch schon die Rente ab dem 1.12.2012 bekommen!!

Hilfreich wäre noch gewesen, wenn Sie geschrieben hätten, wann sie geboren sind. Dann hätte man den Rentenbeginn auch noch "überprüfen" können!

von
SilverGeneration

Vielen Dank für die hilfreichen Ergänzungen, DarkKnight RV.

Zitiert von: DarkKnight RV
Grundsätzlich gilt bei Selbständigen die pauschale Ermittlung des Einkommens.

Ja, das wird auch bei mir jährlich gemacht.

Zitiert von: DarkKnight RV
Hilfreich wäre noch gewesen, wenn Sie geschrieben hätten, wann sie geboren sind. Dann hätte man den Rentenbeginn auch noch "überprüfen" können!

September 1949 - den Anspruch hätte ich theoretisch also schon ab 1.10.2012 gehabt (Wartezeit 35 J. ist auch erfüllt). Steht so in meiner "Rentenauskunft" von 2011. In der "Renteninformation" von 2012 wird diese Rentenart allerdings gar nicht mehr erwähnt.

von
DarkKnight RV

Sie können auch jetzt noch die Rente rückwirkend ab 1.10.2012 beantragen (im Dezember 2012).

Wenn Sie ihren monatlichen Gewinn nachweisen können!!

Im Oktober haben Sie nach Ihren Beschreibungen keinen Gewinn gehabt. Im November hätten Sie dann nur Anspruch auf eine Teilrente oder keinen Anspruch mehr. Und im Dezember würde erneut ein Anspruch bestehen!

Nachweisen können Sie die Gewinne z. B. auch durch Kontoauszüge, aus denen hervorgeht, wann Sie die Zahlungen erhalten haben!

Wenn Sie natürlich ab Oktober die Rente beanspruchen ist der Abschlag geringfügig höher. Sind alles Überlegungen, die man anstellen muss!

Vielleicht doch mal eine Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV aufsuchen!!

von
SilverGeneration

Vielen Dank, DarkKnight,

so langsam lichtet sich der Nebel. Jetzt muss ich noch mit dem Steuerberater reden, und dann sollte die Chose klar sein.

Ein Beratungstermin bei der örtlichen DRV-Niederlassung ist bereits anberaumt. Meine Fragerei hier dient primär dessen Vorbereitung. Die richtigen Fragen fallen mir nämlich immer nur dann ein, wenn ich mindestens 80% der Antworten schon vorher kenne. :-)