wann ist man rehaunfähig?

von
Manja

Hallo zusammen,
ich habe eine stationäre Reha wegen Depressionen und sozialer Phobie bekommen, sehe mich aber psychisch nicht in der Lage, die Reha anzutreten, ich fühle mich seelisch einfach nicht stabil genug, so lange aus meiner gewohnten und sicheren Umgebung gerissen zu werden, habe große Angst von zu Hause weg zu müssen und vor den vielen fremden Menschen, der Umgebung, das würde alles nur noch verschlimmern, fühle mich grad wie gelähmt und innerlich tot, kann mein Arzt mich für rehaunfähig schreiben? Ich würde eine ambulante Therapie für sinnvoller erachten.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Manja!

Eine Reha kommt selbstverständlich nur in Betracht, wenn Sie gesundheitlich dazu in der Lage sind. Es ist gut denkbar, dass für Sie zur Zeit eine stationäre Reha nicht in Frage kommt und nach Alternativen gesucht werden muss. Teilen Sie dem Sachbearbeiter der Reha-Abteilung (schriftlich oder telefonisch) Ihre persönliche Situation dar - es ist wichtig, dass man gemeinsam nach einer Lösung sucht, miteinander spricht. Evtl. ist es hilfreich, dass Sie Ihren Arzt zurate ziehen. Fragen Sie bitte den Sachbearbeiter, ob ein Befund/ärztliche Stellungnahme erforderlich ist (Nur wenn der Rentenversicherungsträger dies verlangt, werden von ihm auch die Kosten getragen).
Im Übrigen hilft Ihnen auch eine Auskunfts- und Beratungsstelle der Rentenversicherung bzw. eine Servicestelle für Rehabilitation weiter!

von
Manja

Vielen Dank für die Expertenantwort!

Ich komme grad von meiner Psychiaterin und habe ihr meine Lage geschildert. Sie war gar nicht nett zu mir: 'Erst wollen Sie eine Reha und dann wieder nicht? Ich schreibe Sie nicht rehaunfähig, ich setze mich in meiner Freizeit hin und schreibe mühevoll einen Arztbericht für die Reha und nun ziehen Sie alles zurück?'

Sie hat mich ziemlich unter Druck gesetzt, jedenfalls fühlte ich mich so, nun sind wir überein gekommen, dass sie ein Attest schreibt, damit ich in eine Klinik hier in der Nähe komme mit den Worten 'was wollen Sie jetzt, wir müssen endlich mal eine Lösung finden'

Besser geht es mir nun nicht wirklich :(((

von
Krämers

Hätte ihre Psychiaterin Sie Rehaunfähig geschrieben hätten Sie ganz sicher keinerlei Probleme mit der RV und/oder der Krankenkasse hinsichtlich Absage der Reha bekommen. Ob die gute Frau Sie jetzt zu Recht als Rehafähig ansieht bleibt natürlich dahingestellt und kann sicher von hier aus nicht beantwortet werden. Die von ihr gebrachte Argumentation wegen ihrem Bericht zum Rehaantrag und Sie jetzt noch zusätzlich so unter Druck zu setzen, ist natürlich nun überhaupt nicht nachvollziehbar und eigentlich ein Unding ! Sie sollten sich überlegen , ob Sie bei der dort dann noch in guten Händen sind...

Vielleicht spielen aber auch med. Gründe für die Psychiaterin eine Rolle und die hat die ihnen nur nicht gesagt ? Psychiater testen oft auch ihre Patienten auf ihre aktuelle Belastungsfähigkeit und setzen die bewusst dann unter Druck um zu schauen wie man so darauf reagiert. Normalerweise stehen die Psychiater ja gerade bei Depressiven voll hinter dem Patieten, was ja auch ganz ganz wichtig ist. Warum das bei ihnen jetzt scheinbar nicht (mehr ) der Fall ist bleibt offen und diese Frage kann , wenn nur von ihnen oder ihrer Ärztin beantwortet werden. Aus ihren Schilderungen geht schon so etwas hervor, wie eine gewisse Vermeidungshaltung, was ja gerade bei sozialer Phobie typisch ist. Und vielleicht will die Psychiaterin gerade das durchbrechen mit der Reha ?

Aus meiner Sicht sollten Sie die Reha jetzt zumindest mal antreten und vor allem diese dann auch positiv angehen. Letztlich können Sie ja nicht wissen was genau auf Sie dort zukommt und ob das nicht doch hilfreich für Sie dann sein wird. Ich denke ihre Einstellung zur Reha ist einfach viel zu negativ besetzt - was sicher auch ihrer Erkrankung geschuldet ist.

Wenn es denn vor Ort wirklich nicht geht können Sie ja noch in Absprache mit den Rehaärzten die Reha jederzeit auch abbrechen. Das würde dann auch nicht negativ für Sie ausgelegt werden und hätte normalerweise jedenfalls dann keine weiteren Konsequenzen für Sie.

Und ausserdem ist eine Rehaklinik in der Nähe des Heimatortes gerade bei psychisch Erkrankten nun auch nicht immer und unbedingt so gut, wenn z.b. das heimatliche und/ oder häusliche Umfeld bei der Erkrankung eine ursächliche Rolle spielt....Dann ist es oft besser sich sehr weit von daheim entfernt behandeln zu lassen um einfach mal ganz zur Ruhe zu kommen.

Ob ihnen eine ambulante Therapie helfen würde, bleibt ebenfalls Spekulation. Das kann ihre Psychiaterin und/oder die RV unter Umständen auch völlig anders sehen.

Alles Gute und viel Erfolg in der Reha.

von
Manja

vielen Dank für Ihre Meinung, Krämers.

Ich denke, genauso wird es sein, die Psychiaterin möchte mich unbedingt in einer stationären Reha sehen wegen der sozialen Phobie.

Gut aufgehoben fühle ich mich bei ihr nicht mehr, ich war heute auch erst das zweite Mal dort. Sie meinte noch, wenn ich die Reha einfach nicht antrete ohne Gründe, dann war sie meine Ärztin und ich bräuchte nicht mehr zur ihr kommen. Das werde ich auch so nicht, Psychiater gibt es genug und dadrunter sicherlich auch gute.

von
Krämers

Das " Einigeln" bei einer sozialen Phonie bringt Sie nicht nur nicht weiter, sondern im Gegenteil schadet ihnen dieses Verhalten immer weiter und weiter... So schwer wie das auch fällt, müssen Sie um mittel- bis langfristig Besserung zu erfahren diesen Kreislauf durchbrechen und zwar mit aller Macht. Sonst wird es für immer so bleiben wie es jetzt ist. Und dazu ist eine stationäre Reha als erster Schritt schon mal genau richtig.

Aber das wissen Sie ja selbst.

Naja, wenn Sie heute erst das 2. Mal bei ihr waren sieht die Sache natürlich wieder völlig anders aus. Ich dachte Sie wären dort schon Monate oder sogar Jahre in Behandung und man kennt sich somit beidseitig aufs dem Effeff. Nach so kurzer Zeit kann die Psychiaterin ihre Erkrankung nun aber noch nicht detailliert einschätzen. Da finde ich das Verhalten von ihr von heute ihnen gegenüber und ihre Aussagen aber schon sehr grenzwertig. Ob Sie mir der weiter glücklich werden bleibt abzuwarten. Sie sollten da auch mehr auf ihr Bauchgefühl schauen als auf ihren Verstand. Wenn es bei jedem weiteren Besuch jetzt Bauchgrimmen bei ihnen gibt können Sie das gleich knicken und dann sollten Sie auch nicht scheunen sich einen neuen Arzt zu suchen.