Wann wir Höhe des Übergangsgelds während berufl. Reha festgelegt?

von
Koulchen

Hallo,

mein Bruder beginnt morgen mit seiner "beruflichen Reha", einer Umschulung zum Mediengestalter, da er in seinem alten Beruf als Schlosser aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann. Die Maßnahme an sich ist schriftliche bewilligt worden. Zur Höhe des Übergangsgelds lag dem Bewilligungsbescheid (für die eigentliche Maßnahme) ein Merkblatt bei, in dem auf die beiden alternativen Berechnungsmethoden (nach tatsächlichem Einkommen und nach Tariflohn) hingewiesen wurde.

Jetzt ist es allerdings so, daß mein Bruder bis heute keine konkrete Info (sprich: Bewilligungsbescheid) zur Höhe des zu erwartenden Übergangsgelds vorliegen hat. Als er am Donnerstag noch mal persönlich nachgefragt hat, wurde er, wie schon öfter, nicht zu seiner Reha-Beraterin vorgelassen. Man teilte ihm aber mit, man benötige noch die Bescheinigung der Krankenkasse und eine Entgeltabrechnung eines früheren Arbeitgebers. (Zur Zeit steht mein Bruder im Alg II-Bezug.)

Für mich ist das alles irgendwie unverständlich - ich bin immer davon ausgegangen, daß all diese Dinge VOR der Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben geklärt sein müssen und daß die Reha-Berater nach der Berufsfindung/Arbeitserprobung, die mein Bruder erfolgreich absolviert hat, automatisch einen Termin vereinbaren, bei dem genau solche Dinge besprochen werden.

Wie sieht es grundsätzlich aus, wenn sich nicht noch am Montagmorgen, direkt vor der um 11 Uhr beginnenden Umschulung, etwas ergibt? Nach der Standardberechnung würde mein Bruder ja nur rund 50 % seines Alg II erhalten. (Oder mache ich da einen Denkfehler? In den letzten zwei Jahren hatte er die meiste Zeit jedenfalls keine Arbeit bzw. nur einen 1-EUR-Job.) Das wäre entschieden zu wenig für den Lebensunterhalt, während die Berechnung nach dem Tariflohn deutlich freundlicher für ihn aussieht.

Könnte man ihm u.U. lediglich das Übergangsgeld nach der Standardberechnung bewilligen, weil die Maßnahme bereits morgen beginnt und die Berechnung nicht rechtzeitig erfolgt ist? Oder noch schlimmer: gar nichts?

Schon jetzt vielen Dank für alle hilfreichen Antworten!

Gruß
Koulchen

von
???

Ohne die Angaben vom Arbeitgeber kann auch der bemühteste Sachbearbeiter das ÜG für Ihren Bruder nicht berechnen. Und da der ja AlgII bezieht, hat er vermutlich die Leistung für diesen Monat schon voll erhalten. Solte das nicht der Fall sein, sofort einen Nachweis darüber an die DRV senden (sonst wird das ÜG wegen eines evtl. Erstattungsanspruchs der Arge auch noch einbehalten). Im übrigen ist das ÜG in der Regel deutlich höher als der AlgII-Aspruch. Ausnahmen kommen eigentlich nur dann vor, wenn in der Bedarfsgemeinschaft mehrere Kinder leben.

von
Koulchen

Hallo ???,

vielen Dank für die Antwort!

Sie haben recht, für diesen Monat hat mein Bruder noch Alg II erhalten. Aber so langsam sollte sich ja auch mal was mit dem Übergangsgeld tun. Wobei Sie völlig recht haben, daß erst einmal solche Unterlagen wie die des Ex-Arbeitgebers vorliegen müssen, und mein Bruder hat sich zugegebenermaßen nicht übermäßig dahintergeklemmt.

Nur: Wie kann es sein, daß solche "Details" erst ganz kurz vor knapp auffallen, daß er immer kleckerweise dazu aufgefordert wird, einzelne Bescheinigungen nachzureichen (nie eine Gesamtauflistung der fehlenden Papiere erhalten hat) und daß vor allem nicht das Beratungsgespräch nach der Arbeitserprobung/Berufsfindung stattgefunden hat? Ich dachte immer, das ist ein Automatismus, daß zwischen der Arbeitserprobung und dem Beginn der Maßnahme eine Einladung des Reha-Beraters zu einem Termin erfolgt. In diesem Fall lief aber nichts dergleichen, und mein Bruder hat die freundliche Dame immer nur übers Telefon erreichen können, wurde aber nie direkt zu ihr vorgelassen. Das ist doch schon eher ungewöhnlich, oder?

Viele Grüße
Koulchen

von
Sachbearbeiter

Guten Tag,

als Ihrem Bruder die Umschulung bewilligt wurde hat er sicherlich auch ein sogenanntes Merkblat mit em Bescheid erhalten.In diesem Merkblatt steht so ziemlich alles was diese Leistung also die Umschulungh betrifft.Auch sind dem Bescheid die notwendigen Unterlagen zur Erlangen des Übergansggeldes beigefügt.

Nach der Arbeitserprobungs/Berufsfindungsmaßnahme muss ein Beratungsgespräch sattgefunden haben,da sonst ja nicht festgelegt hätten werden können,dass eine Umschulung zm Mediengestalter durchgeführt werden soll.Ihr Bruder muss ja mit der Umschulung einverstanden sein,sonst kann gar keine Leistung bewilligt werden.Auskünfte gibt ihm der Reha-Beratungsdienst der auch den Vorschlag dieser Umschulung Ihrem Bruder gemacht hat.

von
Koulchen

Hallo Sachbearbeiter,

danke für die Info! Ich werde mein verpeiltes Brüderlein mal heute abend anrufen und ihn fragen, warum er bei diesem Termin nicht gleich alles Nötige geklärt hat. Immerhin hat er neben den diversen Merkblättern auch einiges an Literatur zum Thema von mir mitbekommen, und zwar Weihnachten letztes Jahr! Da hätte er schon in der Zwischenzeit mal reinschauen können, dann hätte er gewußt, wonach er fragen muß (zumal ich ihm das in der Zwischenzeit bestimmt zwanzigmal vorgekaut habe).

Falls der Termin aber tatsächlich nicht stattgefunden haben sollte (soweit ich weiß, hat sich der Mediengestalter schon direkt während der Arbeitserprobung ergeben bzw. mein Bruder hatte schon immer Interesse an sowas) - dann würde es doch jetzt allerhöchste Zeit, daß ein persönliches Beratungsgespräch angesetzt wird, oder?

Viele Grüße
Koulchen

von
Sachbearbeiter

Lassen wirs nun gut sein!Diese Umschulung wird sicher ein grosser Erfolg werden für Ihren Bruder.

Experten-Antwort

Hallo Koulchen,

Übergangsgeld wird grundsätzlich erst dann berechnet, wenn die Maßnahme begonnen wurde. Sofern Ihr Bruder die Verdienstbescheinigung rechtzeitig vor Antritt der Umschulung eingereicht hat, kann die Bearbeitung direkt nach Eingang der Aufnahme-/ Beginnbestätigung vorgenommen und dann auch der entsprechende Bewilligungsbescheid erstellt und versandt werden.
Es ist bedauerlich, dass der Rentenversicherungsträger Ihres Bruders für eine persönliche Erörterung der Fragen rund um das Übergangsgeld nicht zur Verfügung stand. Bitte setzen Sie sich direkt mit der Sachbearbeitung des Rentenversicherungsträgers in Verbindung, damit die weitere Bearbeitung jetzt zeitnah erfolgen kann.

von
Koulchen

Hallo Expertin,

besten Dank!

Die Maßnahme hat ja nun schon heute begonnen, d.h. mein Bruder wird die Verdienstbescheinigung und irgendwas von der Krankenkasse, was noch fehlt, auf jeden Fall etwas zu spät einreichen müssen. Aber zumindest hat man ihm in der Ausbildungsstätte zugestanden, auch mal einen halben Tag mit dem Unterricht auszusetzen, wenn es noch solche Dinge zu regeln gibt.

Wegen des Beratungstermins NACH der Arbeitserprobung/Berufsfindung habe ich ihn heute noch mal konkret gefragt - es gab tatsächlich keinen, obwohl die Arbeitserprobung bereits im Juni lief. Andererseits hätte er sich ja auch mal mehr dahinterklemmen können ...

Was die Wahl des Umschulungsberufs betraf, war wohl von allen Seiten soweit alles klar. Das Thema Übergangsgeld ist aber doch noch eines, über das man sprechen müßte - oder kann die Rentenversicherung ohne Rückfrage einen Leistungsbezieher in eine Tarifgruppe einordnen, wenn sie die alternative Berechnung vornimmt?

Viele Grüße
Koulchen

Experten-Antwort

Hallo Koulchen,

bei der Übergangsgeldberechnung wird das Tarifentgelt aus der letzten, überwiegend ausgeübten Beschäftigung, die ohne die Behinderung (ohne die gesundheitlichen Probleme) noch ausgeübt werden könnte, zum Vergleich mit dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt aus den letzten drei Jahren vor der Umschulung, ermittelt. Hierbei fließen die ursprüngliche Ausbildung und die entsprechende Berufspraxis vor der Rehabilitation mit ein. Maßgeblich ist der Tarif für den Monat vor Beginn der beruflichen Reha-Maßnahme (Beispiel: Beginn 15.09.2009 = Vormonat/ Tarif August 2009). Ist das zuletzt erzielte Entgelt höher, wird das tatsächliche Entgelt für die Berechnung zugrunde gelegt, sofern es im Zeitraum von drei Jahren vor der Maßnahme erzielt wurde (Beispiel: Beginn 15.09.2009 = 3-Jahreszeitraum 15.09.2006 - 14.09.2009). Sollte im 3-Jahreszeitraum keine Beschäftigung mehr ausgeübt worden sein, wird das Tarif-Entgelt (wie oben beschrieben) zugrunde gelegt.