Was tun Erwerbsminderungsrentner???

von
Megallodon

Hallo,

das studieren dieses Forums zeigt mir, dass Menschen trotz einer Erwerbsminderung nach einem (neuen) (lebens-)Sinn suchen. Es gibt sehr viel Fragen bzgl. Beschäftigung, selbständiger Tätigkeit, Studium, Ehrenamt etc. Ich finds toll, dass Menschen trotz ihrer Krankheit nicht den Mut verlieren und neue Wege im Rahmen ihrer Möglichkeiten suchen. Gern würde ich an dieser Stelle wissen, was Em-Renter neben den o.a Dingen so tun. Also insbesondere wäre ich gespannt auf sehr individuelle, kreative neue Wege, die einem ja auch eine Krankheit noch immer läßt. Über Beiträge, die sicher auch Anregung für viele andere hier sein können, würde ich mich sehr freuen.

von
Maxi

Kreative neue Wege -schön wärs! Die meiste Zeit geht dafür drauf, alleine und mit Therapeuten die vorhandenen körperlichen, geistigen, psychischen Einschränkungen etwas zu verbessern oder zumindest nicht schlimmer werden zu lassen und sich dann von diesen Aktivitäten wieder zu erholen!
Ich denke, das geht sehr vielen EM-Rentnern so.

von
°-.-°

So ist es ,
nichts sehen ,nichts hören,nichts sprechen ,keinen Druck,dafür ist für mich das Internet der ideale "Ansprechpartner" wenn es zu viel wird kann ich jederzeit klick machen ohne lange eine Erklärung abzugeben warum und weshalb ich diese Entscheidung tätige.
Im Internet finde ich Rat ohne endloses Warten kann einkaufen ohne Gedrängel,ohne beklaut zu werden,ohne von genervtem Verkaufspersonal zum unüberlegtem Kauf genötigt zu werden.
Alles andere hat mich krank gemacht,selbst meine Arztbesuche ( warten,warten)tragen nicht zum Wohlbefinden bei.

Freundlicher Gruß
°-.-°

von
Birdie

Ein schönes und interessantes Thema, das eigentlich in einem 'Expertenforum' überrascht.
Keine Erwerbsminderung ist wie die andere, und wie die beiden ersten Antworten gezeigt haben, gibt es sicherlich Rentner, deren Erkrankung dazu führt, dass sie sich mit nichts anderem mehr beschäftigen wollen oder können.
Man kann sich aber auch mit dieser Frage befassen: Was kann ich noch tun? Zu was fühle ich mich noch in der Lage? Will ich mich wirklich nur noch um mich selbst und meine Krankheit drehen oder möchte ich mich nicht lieber mit der Situation arrangieren und sehen, ob ich noch etwas bewegen kann?
Ich selber kann aus eigener Erfahrung glücklicherweise nichts dazu sagen, aber ich kenne genügend Betroffene, die diesen Weg gewählt haben. Einer z.B. hat seine Liebe zur Fotographie entdeckt. Er sieht die Straßen, die er täglich geht - z.B. auf dem Weg zum Arzt - und die Menschen, denen er mehr oder weniger zufällig begegnet, aus einem völlig neuen Blickwinkel und hat sich so schon nahezu zu einem Fotokünstler entwickelt.
Ein anderer ist zum 'ehrenamtlichen Opa' geworden. Im örtlichen Kindergarten ist er ein gern gesehener Gast, er kann den Kindern Dinge erzählen, von denen sie sonst vermutlich nie etwas hören würden.

Eine junge Frau wurde mit 25 Jahren zur EU-Rentnerin. Sie wollte sich damit nicht abfinden hat sich nach und nach ein kleines Dienstleitungsunternehmen aufgebaut. Ihre Krankheit hat sich nicht begessert, sie sitzt nach wie vor im Rollstuhl. Aber erwerbsunfähig ist sie seit 2 Jahren nach 8 Jahren Rentenbezug nicht mehr.

von
Megallodon

Hallo Birdie,

ich find, dass es vielfach doch genau um dieses Thema geht. Klar, die Fragen richten sich hier eher nach rechtlichen Dingen, gleichwohl implizieren sie aber doch meist den Wunsch nach Teilhabe, eben im Rahmen der "jeweiligen Möglichkeiten", denn wie Sie schreiben, ist ja jede Erwerbsminderung individuell. Und wer eben erstmal keine Möglichkeit mehr auf einen konventionellen Arbeitsplatz hat, der sucht sich eben andere Felder. Die kurzen Auszüge aus ihren "Beispielen" find ich super. Das ist genau das, was ich meine. Es geht eben darum, sich trotz einer Krankheit oder Behinderung seinen persönlichen Sinn zu geben. Da wird ein Mensch auf einmal kreativ und entdeckt den Fotoapparat. Daraus entickelt sich, wie sie schreiben, ein künstlerisches Talent. Dahinter steckt die Philosophie, sich trotz seiner Einschränkungen Sinn zu geben. Außerdem entwickelt dieser Mensch ja auch die Fähigkeit einen alternativen Weg zur Kontaktaufnahme mit seiner Umwelt und erlebt diese dann, wie Sie sagen, völlig anders. Und wer weiß, vielleicht wird die Kunst auch eines Tages mal materiell gewürdigt. Ich würde es von Herzen gönnen. Ebenso das Beispiel mit dem "ehrenamtlichen Opa". Hier erfährt jemand eben dadurch Anerkennung, dass er etwas weiter gibt, was ja in unserer Wissensgesellschaft angeblich nicht mehr so gefragt ist, nämlich (Lebens-) erfahrung etc. Und die Frau mit dem Rollstuhl ist für mich der "Oberhammer". Jemand, der sich trotz so eines schweren Schicksals nicht aufgibt und gar ein Unternehmen gründet und dem es dadurch gelingt, sogar seine Erwerbsminderung zu überwinden, also ehrlich, davor wirklich allerhöchsten Respekt. Ich würd gern noch Hunderte oder mehr Beispiel dieser Art hören. Ihre Beispiele sind alle sehr individuelle Wege, sich mit seinem Schicksal auseinanderzusetzen und trotz einer Erwerbsminderung wieder etwas zu tun. Das berufliche Rehasystem hat ja als Rehaziel immer den ersten Arbeitsmarkt im Auge. Hier könnten wir vielleicht von anderen Ländern, wie etwa Australien, lernen. Ich meine, eine Gesellschaft ist nur dann human, wenn Sie auch dem Schwächsten einen Platz bietet. Da dies aber hier nicht so gepflegt wird, ist es umso wichtiger, dass Menschen eben Eigeninitiative ergreifen. Wer nicht mehr anderweitig arbeiten kann, braucht eben eine Nische....Bitte mehr davon!!!

von
Megallodon

Hallo,

vielen Dank für ihren Beitrag. Sie treten also über das Internet mit ihrer Umwelt in Kontakt? Alles andere hat Sie krank gemacht?

von
Maxi

Die Beispiele klingen ja nett, das "können" vorausgesetzt.
Ich bin eben kaputt, wenn ich mit ÖNV insgesamt 3 Std. zur Therapie unterwegs war, und ohne geht es nicht weiter.
Geringe Belastbarkeit nach einer schweren Erkrankung ist leider nicht selten.
Meine Fotoausrüstung hatte ich vorher gerade mit einem schönen, teuren Zoom komplettiert, das ich aber wegen der gesundheitlichen Eischränkungen nicht mehr halten kann.
Tuben aufkriegen zum Ölmalen ist ebenso nicht.
Internet ist für mich unabdingbar. Zum Einkaufen, um die meisten Sachen nicht schleppen zu müssen. Oder Gebrauchtbücher-Plattformen für sonst teure Fachbücher. Technische u.a. Informationen anstatt Rumrennen, bis man mal einen hilfreichen Verkäufer findet. Um Kontakte zu den früheren Kollegen und Bekannten zu halten, weil ich nicht mehr sehr mobil bin. Und um Informationen zu finden, denn das ist bei den meisten Ärzten sehr schwierig. Entweder haben sie wenig Ahnung oder, wenn ja, erzählen sie oft so verkürzt und vereinfacht, dass man nicht wirklich was damit anfangen kann. Da hab ich auf Webseiten oder in einem Forum für Leidensgenossen deutlich mehr gefunden. Übrigens auch sehr hilfreiche Tipps zu Spezialisten in Kliniken.

Zu viel mehr werden die physischen Möglichkeiten auch vorerst nicht reichen.

von
Rosanna

Ich möchte auch noch von einem Beispiel berichten, wie sich manche nicht aufgeben:

Junge Frau, ca. 27 Jahre alt, durch Unfall völlig erblindet, ist nach längerer Einweisung auf einer speziellen Schule auf den Arbeitsplatz als Telefonistin bei uns eingestellt worden. Sie hat sich in der Nähe des Büros eine Wohnung gesucht und läuft alleine jeden Tag ins Geschäft. Zur Zeit wird ihr Arbeitsplatz mit sämtlichen notwendigen Utensilien ausgestattet. Wo manch andere sehende Telefonistin schon Schwierigkeiten haben kann (mehrere Bildschirme und Tastaturen - heutzutage wird ja nicht mehr "gestöpselt", endlose Tel.Listen etc.), geht sie ganz forsch ans Werk und läßt sich nicht unterkriegen!!!

Diese Frau hat meinen größten Respekt!

von
Megallodon

Hallo,

das ist auch ein tolles Beispiel. Und darf ich fragen, in welcher Branche Sie tätig sind???

von
Rosanna

Sie werden´s nicht glauben: bei der Dt. Rentenversicherung. ;-))

von
Megallodon

Hallo Rosanna,

das macht ja nix...;-)..Auf jeden Fall ein gutes Beispiel. Ich bin allerdings primär auf der Suche nach denjenigen, die eben nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sein können und sich durch Findung einer Nische ihren persönlichen Sinn trotz ihrer Erwerbsminderung gegeben haben, solche Menschen also, wie von Birdie berichtet. Aber trotzdem vielen Dank für ihr Beispiel..

von
Birdie

Hallo Megallodon,

ich kenne die Situation in Australien nicht, halte aber das hiesige System eigentlich auch schon im Großen und Ganzen für respektabel. Sicherlich ist es das vornehmliche Ziel der 'Leistungen zur Teilhabe', die Betroffenen in den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren, denn dies ist das Feld, auf das der Gesetzgeber und die Exekutive - also auch der Reha-Träger - Zugriff haben. Alles andere, also z.B. ehrenamtliche Tätigkeiten wie mein 'Ehren-Opa' oder die Entwicklung von persönlichen Talenten, können doch immer nur aus dem eigenen Antrieb des Betroffenen kommen.
Wenn jemand durch eine Krankheit oder Behinderung in seinem weiteren Leben beeinträchtigt wird, gibt es immer verschiedene Wege, damit umzugehen. In Deutschland wird nun mal grundsätzlich lieber gejammert als zugepackt, da legt sich schon mal jemand mit einer Influenza zum Sterben hin. Da werden Informationen über die eigene Krankheit gesammelt - was grundsätzlich erst mal nicht verkehrt ist - diese dann aber vornehmlich dazu genutzt, sich gegenseitig mit Leidensgenossen damit zu übertrumpfen, wem es denn nun dreckiger geht.
Im Wartezimmer eines mir bekannten Arztes hängt ein Hinweis, in dem die wartenden Patienten darum gebeten werden, nicht gegenseitig ihre Leidensgeschichten und Diagnosen auszutauschen...

Und dann gibt es eben auch noch diejenigen wie meine Beispielfälle, Rosannas Kollegin oder - wie ich vermute - Sie, Megallodon. Sie ergeben sich nicht in Ihr 'Schicksal' sondern sagen sich: "Shit happens - mach's Beste draus!" Diese Menschen verdienen meinen Respekt und jede erdenkliche Unterstützung.

von
Megallodon

Hallo Birdie,

Sie haben völlig recht, die Tätigkeit in Nischen außerhalb des konventionellen Arbeitsmarktes kann nur aus eigenem Antrieb erfolgen. D.H. allerdings jedoch nicht, dass nicht auch dies gefördert werden darf.

Im Übrigen geht es mir tatsächlich nur um diejenigen, die eben wie in Ihren Beispielen einen neuen, den Umständen angepaßten Weg, einen neuen Sinn, gefunden haben. Meine Intention für diese Frage war, dass ich möglichst viele Beispiele erhalte und diese dann dokumentiere. Ich dachte, dass man durch narrative Interviews (qualitative Sozialforschung) den Lebensweg dokumentieren kann, wie es dann zu dem Leid kam und wie es einen verändert und trotz Erwerbsminderung einen neuen Weg (Sinn) finden läßt. Natürlich ist es nicht einfach, hier Leute zu finden, die bereit sind, ihr Schicksal, natürlich in anonymisierter Form zu erzählen. Zunächst wollte ich erstmal abwarten, ob in diesem Forum überhaupt eine Reaktion hierauf erfolgt.

Letztendlich bietet es für alle einen Nutzen, denn seine eigene Geschichte zu erzählen, wie gesagt anonymisiert, kann auch sehr befreiend sein.

von
Megallodon

P.S. Oh, das klingt etwas mißverständlich. Die Leute sollen natürlich nicht hier im Forum alles erzählen, sondern ein narratives Interview wird schon persönlich und allein geführt. Hier sollte lediglich ein Anstoß gegeben werden respektive eine Bereitschaft signalisiert werden.

von
SHG

Hallo,Bin Ehrenamtlich Tätig und habe Kontakt zu mehren Ehrenamtlichen anderer Fachrichtungen die auch mit in mein Krankheitsbild passen.
Unter anderem stand die Frage im Raum ,warum Arrangieren sich so wenig Ehrenamtliche im Gesundheitliche Bereich allgemein. Eine Selbsthilfe aus mit Psychicher ausrichtung antwortet-Ja wenn die sich Ehrenamtlich Einsetzen können diese auch Arbeiten gehen und sind nicht mehr Voll EU. Ich kann das nicht nachvollziehen da der Tägliche Aufwand Steuerbar ist und auf Max 2 STD . Wie ist hier die Erfahrung anderer?

von
Rosanna

Hallo SHG,

das ist die dämlichste Ausrede, die ich je gehört habe! Es gibt mit Sicherheit tausende von EM-Rentnern, die sich in irgendeinem Bereich (soz. Bereich, Verein etc.) ehrenamtlich nützlich machen. Danach fragt kein Mensch bei der DRV, denn es ist in jeder Hinsicht RENTENUNSCHÄDLICH!

Dass sich im gesundheitlichen Bereich nicht so viele Menschen ehrenamtlich betätigen, hat mit Sicherheit den Grund, dass es auch die SCHWIERIGSTE Aufgabe ist bzw. sein kann.

Das fängt m.E. bei der ehrenamtlichen Betätigung bei/mit Behinderten, kranken und alten Menschen an. Das kann einfach nicht jeder machen, auch nicht jeder Gesunde. Wenn man dann noch selbst krank bzw. erwerbsgemindert ist, lassen das die geistigen und körperlichen Kräfte oftmals nicht zu. Meiner Meinung nach muß man für solche Aufgaben "geboren" sein. Jeder Mensch hat andere Kompetenzen. Ich vermute mal, dass deswegen im gesundheitlichen Bereich weniger Ehrenamtliche (auch Gesunde) tätig sind.

Ist nur MEINE Meinung dazu.

von
Megallodon

Hallo Rosanna,

da Sie ja bei der DRV tätig sind, habe ich nochmal eine Frage an Sie. Sie berichteten von dem Beispiel der Telefonistin. Wie ich lesen durfte, gibt es bei der DRV eine kombinierte Ausbildung/Studium zum Dipl.-Verwaltungswirt. Gibt oder gab es auch Menschen, die diese Ausbildung/Studium als Rehamassnahme durchlaufen haben, insbesondere wenn sie bereits EM-Rente bezogen haben?