Was tun nach Ende Wiedereingliederung bis EM-Rentenbescheid?

von
Samell

Hallo,

ich bin knapp über 30 Jahre. Habe nach einer Tumoroperation jetzt schon 5 Monate Wiedereingliederung hinter mir, mit dem Ergebnis, daß mehr als 5 Stunden Arbeit am Tag für mich nicht möglich sind.
Ich habe deshalb einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt, bzw. der richtige Abgabetermin der Unterlagen fällt genau auf das Ende der Wiedereingliederung. Die Bewilligung oder Ablehnung der, hoffentlich teilweisen) EM-Rente dauert ja bekanntermaßen etwas länger.
Nun stellt sich mir die Frage, wie ich jetzt weiter vorgehen soll?

1. Ich könnte solange zuhause bleiben bis mein Krankengeld (in 9 Monaten) ausläuft. Da würde ich aber durchdrehen. Irgendwas muss man ja machen und 5 Stunden am Tag schaff ich ja auf Arbeit.

2. Mein Arbeitsvertrag wird gleich nach der Wiedereingliederung auf 25h/Wo geändert und ich geh als "gesund" wieder arbeiten. Mein Arbeitgeber ist bereit das zu tun. Nur weiß ich hier ja noch nicht,wie hoch mein Hinzuverdienst zur teilweisen EM-Rente maximal sein darf. Oder kann man den Arbeitsvertrag dann noch einmal anpassen?

3. Ich lass mich wieder "gesund" schreiben, nehme für einige Wochen etwas Jahresurlaub vom letzten Jahr (eine kleine Pause tut ja auch mal wieder gut) und hoffe, daß im Laufe dieser Zeit der Bescheid kommt. Ist es bei dieser Variante möglich, daß es durch die Gesundschreibung Probleme bei der Bewilligung der Rente gibt?

Hintergrund der Überlegungen sind natürlich auch finanzielle Gründe. Nur mit einem 25h/Wo-Job werde ich schon ein ganzes Stück weniger Geld auf meinem Konto haben. Die Rente wird zwar in meinem Alter auch nicht sehr hoch ausfallen. Aber noch 9 Monate zuhause zu sitzen, um mit dem Krankengeld vielleicht ein paar Euro mehr zu bekommen fände ich schrecklich.

Vielleicht kann mir ja jemand hier einen Tipp geben.

Vielen Dank
Sam

von
Schade

Was meinen Sie eigentlich mit "richtiger Abgabetermin...."? Das verstehe ich nicht.
Wenn Sie an einer raschen Klärung interessiert sind verstehe ich nicht, dass Sie auf irgendetwas warten. Da würde ich besser heute als erst übermorgen den Antrag stellen oder alles fehlende nachreichen - dann ist in 2 bis 4 Monaten über die Rente in aller Regel entschieden.

Je länger es dauert bis Sie den Antrag vollständig gestellt haben um so länger dauert es bis die Entscheidung kommt.

Ich persönlich würde auch den Arbeitsvertrag erst ändern wenn über die Rente entschieden ist - sobald die Teilrente klar ist, können Sie Stundenzahl und damit auch den Verdienst an die Hinzuverdienstgrenzen anpassen.

Was machen Sie wenn Sie auf 25 Wochenstunden reduzieren und die Rente abgelehnt wird?
Ist dann der AG noch bereit die Stundenzahl wieder hochzusetzen, wo Sie doch heute freiwillig reduziert haben.

Das mit dem Urlaub wäre eine Option, der Arzt braüchte die Krankmeldung nicht verlängern, Sie nehmen dann den Resturlaub und gewinnen auf jeden Fall Zeit - vielleicht ist bis der Urlaub 2011 und 2012 abgefeiert ist über die Rente entschieden?
Wenn nicht kann Sie der Arzt nach dem Urlaub auch wieder au schreiben.

von
Samell

Danke schon einmal für die schnelle erste Antwort.

Und Entschuldigung, die Sache mit dem Abgabetermin war schlecht beschrieben.

Ich hatte letzte Woche bei der Deutschen Rentenversicherung einen Beratungstermin. Hier wurde der Antrag auch schon einmal 'mündlich' (und auch im Computer) angenommen. Dabei habe ich einige Unterlagen zur Kontenklärung, für die Krankenkasse, den Antrag selbst und andere Forderungen erhalten. Außerdem gab mir der Sachbearbeiter für die Abgabe dieser Unterlagen einen Termin Mitte März.

Bei dem Thema Gesund-Schreibung und Urlaub frage ich mich aber noch, ob es dann Probleme bei der Rentenbewilligung gibt. Es könnte je einer auf die Idee kommen zu sagen: "Sie sind ja wieder gesund, also gibt es keine Rente." - auch wenn ich nur Urlaub nehme und nicht wirklich arbeite...

von
Krämers

Also wenn Sie bereits seit 5! Monaten in der Wiedereingliederung sind, verstehe ich auch nicht das Sie erst jetzt an einen EM-Antrag denken. Man merkt doch schon nach sehr kurzer Zeit ob man der vollen Arbeitsbelastung zukünftlich wieder gewachsen ist oder eher nicht. Mir war in meiner Wiedereingliederung schon in der ersten Woche völlig klar, das das niemals mehr in Vollzeit was wird...

Den Arbeitsvertrag abzuändern bevor der EM-Antrag genehmigt wurde ist nicht anzuraten. Alleine aus arbeitsrechtlichen Gründen, geben Sie damit freiwillig und eigentlich ja ohne Not eventuelle Ansprüche ( z.b. auf eine Abfindung etc. ) gegenüber ihrem Arbeitgeber ( falls es später doch zu einer Trennung kommen sollte - was weiss ja nie und darf einem Arbeitgeber nie vertrauen !! ) aus der Hand. Wie schon geschrieben wurde haben Sie dann womöglich andererseits auch - wenn dem EM-Antrag nicht stattgegeben wird - Probleme die Arbeitszeit wieder hochzusetezen. Das wird ihr AG unter Umständen dann nicht mitmachen und dann ?

Das mit dem Urlaub ist auch keine gute Lösung ( wenn auch durchaus möglich ) denn Sie wissen ja nicht wie lange es dauern wird, bis über den EM-Antrag entschieden wurde. Vielleicht müssen Sie auch noch in den Widerspruch und das alles kann und wird dann viele viele Monate dauern. Glaube kaum das Sie noch soviel Urlaub haben. Ich würde auch nicht bis Mitte März mit der Antragstellung warten , sondern gleich nächste Woche sofort den Antrag stellen. Je früher umso besser ! Kontenklärung etc. pp kann alles nebenher laufen.

Eine EM-Rente können Sie übrigens auch aus einem laufenden und auch ausgeführtem Vollzeitjob bekommen. Sie müssen um eine EM-Rente zu erhalten nicht unbedingt und zwangsläufig krankgeschrieben sein. Natürlich hat eine längere Krankschreibungsvorgeschichte insofern den Vorteil, das bereits ärztliche Unterlagen über Sie existieren welche zur Beurteilung zur Rente dann seitens der RV dann schon mal herangezogen werden können. Aber Voraussetzung / Bedingung für eine EM-Rente ist eine auch längere AU nun nicht. Natürlich ist es aber grundsätzlich für die Bewilligung der EM-Rente " besser " , wenn man während des laufenden Verfahrens weiter krank geschrieben ist und keiner Arbeit nachgeht. Wenn Sie weiterhin Halbtags arbeiten beweisen Sie damit ja zumindest , das Sie nicht voll Erwerbsgemindert ( also unter 3 Std. täglich ) sind.

In dem Fall ist es also schwierig ihnen einen vernünftigen Rat zu geben. Letztlich ist und bleibt es ihre Entscheidung wie Sie jetzt nach der Wiedereingliederung verfahren.

Wenn ihr Ziel unter allen Umständen die EM-Rente ist, würde ich mich wohl nach der WE für eine weitere Krankschreibung entscheiden ( sofern ihr Arzt da auch weiter dann mitspielt ) und auf die Entscheidung zum Rentenantrag warten. Die Kasse kann ja auch nichts machen, da der Antrag ja läuft. Die müssen dann weiter Krankengeld zahlen bis über den EM-Antrag rechtskräftig entschieden wurde. Als " Tpp " kann ich ihnen noch mit auf dem Weg geben, das eine abgebrochene und nicht komplett beendete Wiedereingliederung ein Indiz dafür sein kann , das jemand Erwerbsgemindert ist. So ein Abbruch sollte allerdings dann möglichst frühzeitig in der WE vorgenommen werden und nicht erst nach 5 Monaten. Den idealen Zeitpunkt dazu haben Sie also schon verpasst, aber zu spät es es dafür nie.

Und vielleicht wird man ihnen ja auch sogar eine volle EM-Rente zuerkennen und dann hat sich ihr Problem mit dem Arbeitgeber ja eh erledigt. Sie können dann aber auch dort sogar auf 400€ Basis weiter beschäftigt bleiben.

von
Samell

Warum ich erst so spät zu der Überlegung eines Rentenantrages gekommen bin hat viele, ich denke auch verständliche, Gründe. Zu einem wurde ich wegen eines Gehirntumores operiert, den man durch einen epileptischen Anfall entdeckt hatte. Einige Monate danach war ich für mehrere Monate in einer Tagesklinik in der sich mein postoperativer Zustand/ Befinden sehr gebessert hat. Danach habe ich mit der Wiedereingliederung angefangen - 1 1/2 Monate 4 Stunden täglich, danach 5 Stunden. Danach sollte die Arbeitszeit gesteigert werden, was aber nicht funktionierte. Also wurde noch einmal ein Monat mit 5h/Tag angehängt mit Hoffnung auf Stundenerhöhung danach...usw.

Das Problem bei der Steigerung der Arbeitszeit ist ja, daß man nach Hirntumoroperationen nicht sagen kann, wie schnell und ob überhaupt sich alles wieder regeneriert. Ich habe im Laufe der Monate feststellen müssen, daß ich bei meiner Arbeit als Ingenieur der dauerhaften Konzentrationsanforderung nicht gewachsen bin. Man wird schnell müde, macht Flüchtigkeitsfehler oder ist garnicht mehr richtig bei der Sache. Dies stellt man nicht mit einem Mal und für immer fest. Ein Gehirn kann auch trainiert werden. Es hätte auch sein können, daß sich meine "geistige" Leistungsfähigkeit nach mehreren Monaten mit 5h/Tagen wieder ein ganzes Stück steigert. Und es ist immer noch möglich, daß ich in einem oder zwei Jahren wieder voll arbeiten kann. Aber wer kann das schon beurteilen? Ich muss hier einfach viel mehr Geduld haben, als ich bisher aufbringen konnte.

Weiterhin hängt die Entscheidung über einen Rentenantrag doch auch vom Alter, der Persönlichkeit und dem Umfeld ab. Ich bin knapp über 30 Jahre, bis zu der Operation top fit und immer der Überzeugung gewesen, daß ich locker die 8 Stunden am Tag (und mehr) arbeiten kann. Nun braucht es auch eine gewisse Zeit und nicht nur drei Tage Überlegung sich einzugestehen, daß es eben doch nicht mehr geht.
Auch fehlt manchmal der Zuspruch und die Überzeugungskraft Anderer, die einen eher zu solch einem Schritt bewegen.
Wie viele Menschen sind hier auf sich allein gestellt...?

Hinterher kann immer einer kommen und fragen: "Warum hast du denn nicht schon früher....?"

Nun ja, den Termin im März habe ich auch nicht ganz verstanden. Ich werde jetzt einmal schauen, daß ich alle Unterlagen zusammen suche und den Antrag (möglicherweise noch mit Hilfe von jemand anderem) ausfülle und alles schon früher abgebe.

Vielen Dank auf jeden Fall für die Hinweise zu den verschiedenen Varianten, wie ich die Zeit bis zum Rentenbescheid 'nutze'. Die waren schon sehr hilfreich.
Am Ende werde ich vielleicht doch krank geschrieben bleiben. Und später, mit oder ohne Rente, nur noch Teilzeit arbeiten. Ein 400€-Job mit voller Erwerbsminderungsrente käme für mich wahrscheinlich aber nicht in Frage. Ich bin Alleinstehend und laut dem letzten Rentenbescheid bekäme ich gerade mal 400€ Vollrente. Durch Lehre und Studium usw. ist noch nicht so viel zusammen gekommen. Ich hoffe aber, wenn die Fehlzeiten in meinem Rentenkonto geklärt sind, daß dann noch mehr daraus wird.