Wechsel zwischen Voll-und Teilrente

von
Hotti

Hallo,
folgender Sachverhalt: Angenommen jemand entscheidet sich mit 63 Jahren die Vollrente (mit dann eben 14,4% Abschlag) zu beziehen. Die Vollrente wird nun ausgezahlt. Jetzt überlegt es sich der Neurentner und möchte doch in eine Teilrente wechseln.
a) Ist sowas überhaupt möglich? (Ich meine hiermit nicht die Kürzung , die z.B. vorgenommen wird, wenn der Rentner wieder arbeitet und "zu viel" verdient und daher die Vollrente gekürzt würde.)

b) Angenommen der Vollrentner würde nun in eine 50%ige Teilrente wechseln (sofern möglich). Und weiter angenommen, er würde die "gesamte" Vollrente dann erst wieder zum regulären Renteneintrittsalter beziehen wollen....Wie würden die 50% der Vollrente (auf die er ja dann doch wieder verzichtet hat, wegen Rückkehr in die die Teilrente) dann bewertet? Bleibt es bei der Kürzung um 14,4% oder würde es für diesen Teil dann keine Kürzung mehr geben?
Vielen Dank!

von
W°lfgang

Hallo Hotti,

a) der Wechsel in eine Teil(Wunsch)rente ist jederzeit möglich - zum nächsten Monatsersten.

b) die nicht weiter in Anspruch genommen EP (der halben Rente/oder andere Teilrentenwahl) würden mit einem neuen Zugangsfaktor ermittelt werden - schlicht gesagt, wie lange der Verzicht bis Regelaltersrente (oder wahlweise der neuen/früheren Vollrente) gedauert hat. Die Berechnungsmodalitäten sind da etwas 'kompliziert', sodass ein vormalig voller Abschlag von 14,4 % auf die 'Restrente' entfallen kann oder doch noch ein Teilabschlag zu machen wäre. Da gibt es eine 'Zeitschiene' bis zum erneuten Wechseln in Vollrente zu beachten ...

Gruß
w.

von
Frage

Fragt sich nur, welchen Grund (Hinzuverdienst ausgeschlossen), es für ein derartiges Szenario geben sollte?

Experten-Antwort

Hallo Hotti,

dem Beitrag von „W°lfgang“ kann ich zustimmen.

Kleine Ergänzung zu b):

Der bereits geminderte Zugangsfaktor erhöht sich für den Teil der Rente, der nicht mehr in Anspruch genommen wird für jeden Kalendermonat der „Nichtinanspruchnahme“ um 0,3%. Für die Kalendermonate, in denen Sie die Vollrente beziehen bzw. bezogen haben, erfolgt natürlich keine Erhöhung des Zugangsfaktors.

Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie sich z. B. nach 3 Monaten Vollrente entschließen, eine 50% Wunschteilrente zu beziehen und Sie die Altersrente erst mit der Regelaltersgrenze wieder als Vollrente beziehen, verringert sich der Abschlag von 14,4% für die Hälfte der Entgeltpunkte auf 0,9%. (Da Sie ja die ersten 3 Monate bereits die volle Rente bezogen haben).

von
Hotti

Zitiert von: Frage
Fragt sich nur, welchen Grund (Hinzuverdienst ausgeschlossen), es für ein derartiges Szenario geben sollte?

Es geht hierbei um einen möglichen Trick. Um seine VBL-Rente aus dem öff. Dienst zu bekommen, muss man erst eine Vollrente aus der gesetzl. Rente bekommen, vorher gibt es nichts. Wenn man nun diese Bedingung erfüllt, würde diese gezahlt. Im Anschluss dann Wechsel von Voll- in Teilrente der GRV. Allerdings würde die VBL-Rente dann auch im gleichen Verhältnis - also in diesem Fall als 50%ige Teilrente gezahlt. Aber man bekäme sie schon früher.
Vielleicht geht sowas auch mit den anderen Zusatzversorgungskassen des öff. Dienstes (ZVK), der privatrechtlichen bAV's- wie einer Pensionskasse etc. Dann könnte man ggf. schon früher Teilrenten der VBL, Pensionskasse + der gesetzl. Rente bekommen. Leider sind in Deutschland die Altersvorsorge-Systeme so gestrickt, dass man erst sehr spät - in der Regel mit dem 65 / 67. Lebensjahr darüber verfügen kann. Sicher kein Zufall...

von
Hotti

Zitiert von: Experte/in
Hallo Hotti,

dem Beitrag von „W°lfgang“ kann ich zustimmen.

Kleine Ergänzung zu b):

Der bereits geminderte Zugangsfaktor erhöht sich für den Teil der Rente, der nicht mehr in Anspruch genommen wird für jeden Kalendermonat der „Nichtinanspruchnahme“ um 0,3%. Für die Kalendermonate, in denen Sie die Vollrente beziehen bzw. bezogen haben, erfolgt natürlich keine Erhöhung des Zugangsfaktors.

Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie sich z. B. nach 3 Monaten Vollrente entschließen, eine 50% Wunschteilrente zu beziehen und Sie die Altersrente erst mit der Regelaltersgrenze wieder als Vollrente beziehen, verringert sich der Abschlag von 14,4% für die Hälfte der Entgeltpunkte auf 0,9%. (Da Sie ja die ersten 3 Monate bereits die volle Rente bezogen haben).

Gilt das auch für den Fall eines zu hohen Hinzuverdienstes, also wenn ein nebenher arbeitender Rentner seine (gekürzte) Altersvollrente vor dem regulärem Zugangsalter in Anspruch genommen hat?

von
VBL

Zitiert von: Hotti
Zitiert von: Frage
Fragt sich nur, welchen Grund (Hinzuverdienst ausgeschlossen), es für ein derartiges Szenario geben sollte?

Es geht hierbei um einen möglichen Trick. Um seine VBL-Rente aus dem öff. Dienst zu bekommen, muss man erst eine Vollrente aus der gesetzl. Rente bekommen, vorher gibt es nichts. Wenn man nun diese Bedingung erfüllt, würde diese gezahlt. Im Anschluss dann Wechsel von Voll- in Teilrente der GRV. Allerdings würde die VBL-Rente dann auch im gleichen Verhältnis - also in diesem Fall als 50%ige Teilrente gezahlt. Aber man bekäme sie schon früher.
Vielleicht geht sowas auch mit den anderen Zusatzversorgungskassen des öff. Dienstes (ZVK), der privatrechtlichen bAV's- wie einer Pensionskasse etc. Dann könnte man ggf. schon früher Teilrenten der VBL, Pensionskasse + der gesetzl. Rente bekommen. Leider sind in Deutschland die Altersvorsorge-Systeme so gestrickt, dass man erst sehr spät - in der Regel mit dem 65 / 67. Lebensjahr darüber verfügen kann. Sicher kein Zufall...

Wenn das mal alles so stimmt und die VBL da mitmacht? Die Neuberechnungen sind ja auch ein enormer Verwaltungsaufwand. Das alles nur, damit auch die Betriebsrente anteilig gezahlt wird?
Da bin ich doch mehr als skeptisch.

von
Jonny

Zitiert von: Hotti

Gilt das auch für den Fall eines zu hohen Hinzuverdienstes, also wenn ein nebenher arbeitender Rentner seine (gekürzte) Altersvollrente vor dem regulärem Zugangsalter in Anspruch genommen hat?

Ja, das gilt auch dann. Egal, ob man z.B. nur eine 40%-ige Teilrente gewünscht hat oder ob die Rente wegen des Hinzuverdienstes gerade 40 % beträgt.

Für die in Anspruch genommene Teilrente(hier also 40 %) bleibt es bei der hohen Kürzung durch den Zugangsfaktor. Für den (noch) nicht in Anspruch genommenen Teil (hier also 60 %) fällt die Kürzung durch einen höheren Zugangsfaktor niedriger aus. Hinzu kommen noch die Entgeltpunkte aus den Beiträgen für den erzielten Hinzuverdienst (ab Regelaltersgrenze).

von
W°lfgang

Zitiert von: VBL
Wenn das mal alles so stimmt und die VBL da mitmacht? Die Neuberechnungen sind ja auch ein enormer Verwaltungsaufwand. Das alles nur, damit auch die Betriebsrente anteilig gezahlt wird?
Da bin ich doch mehr als skeptisch.

...schauen Sie sich die Satzung der VBL an. Und ja, die muss da 'mitmachen'!

Und der Verwaltungsaufwand mit diesem Flexirentenwahn betrifft auch ganze andere zusätzlich ...AG, KK, DRV ...und auch die Berater :-))

Gruß
w.
PS: wie hoch wurde doch gleich der zusätzliche Verwaltungsaufwand im Rahmen des Gesetzesentwurfs dazu eingeschätzt? ;-)

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