Widerspruch §71 zu §74

von
Wolf

§71 (3) Satz 2 gibt für berufl. Ausbildung mindestens 0,0833 EP, §74 beschränkt dies aber auf 75% und limitiert zusätzlich auf 0,0625. Wie soll man das verstehen ?

von
Schwarzwälder

Das ist kein Widerspruch. § 71 ist die Norm für die Ermittlung des Gesamtleistungswertes. Dieser Wert wird für die Bewertung der beitragsfreien und beitragsgeminderten Zeiten benötigt. Dabei werden bestimmten Zeiten Werte zugeordnet, die aber nur als "Zwischenergebnis" von Bedeutung sind. Dieser gesamte Berechnungschritt dient nur zur Ermittlung des Gesamtleistungswertes (sozusagen der Durchschnittswert aller Zeiten). Mit diesem Wert wird dann "weitergearbeitet". Dafür ist dann wiederum § 74 zuständig. Nun werden die beitragsfreien und beitragsgeminderten Zeiten tatsächlich bewertet.
Die Werte aus § 71 spielen somit für die Rentenhöhe nur eine indirekte Rolle. Ich hoffe das war einigermaßen verständlich ausgedrückt. Die Gesamtleistungsbewertung hats in sich ;o)

Experten-Antwort

Die Bewertung von Zeiten ohne Beitragsleistung bzw. Höher-Bewertung von z.B. Zeiten der Berufsausbildung, die erfahrungsgemäß gering entlohnt waren, orientiert sich an der individuellen Beitragsleistung des einzelnen Versicherten während seines gesamten Versicherungslebens. Dabei ist neben der Höhe der Beiträge auch die Beitragsdichte, nämlich die tatsächliche Beitragsanzahl im Verhältnis zur möglichen Beitragsanzahl in einem belegungsfähigen Zeitraum (§ 72 Abs.2 SGB VI) von Bedeutung.

§ 71 SGB VI beschreibt die sogenannte Gesamtleistungsbewertung. Hierbei handelt es sich um genau diese Findung des oben beschriebenen Gesamtleistungswertes. Wenn man so will, ein Zwischenschritt bzw. -wert VOR der eigentlichen direkten Bewertung der Zeiten. Die direkte Bewertung von Zeiten der Berufsausbildung ist dann in § 74 SGB VI beschrieben, und da erfolgen die von Ihnen zitierten Begrenzungen.

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