Widerspruchsfrist Rentenbescheid

von
Susi

Seit Sommer 2014 beziehe ich eine große Witwenrente. Jetzt erst habe ich bemerkt, dass mir der Rentenwert Ost und nicht der Rentenwert West berechnet wurde. Mein Mann war Kapitän in Reedereien mit Sitz in Westdeutschland und ich wohne auch in Westdeutschland.
Ich verstehe nicht, wie so ein Fehler möglich ist.
Frage: Es heißt gegen einen Rentenbescheid kann ich 6 Wochen Widerspruch einlegen. Nun bin ich völlig aus dieser Frist, ist ein Widerspruch und Neuberechnung (evtl. Nachzahlung) trotzdem noch möglich?

Danke für die Antworten.

von
Marko

Zitiert von: Susi

Neuberechnung (evtl. Nachzahlung)

Der Rentenwert (Ost/West) richtet sich danach, in welchem Rechtskreis die Beitragszeiten zurückgelegt worden sind.

1.) Ist es nicht vielmehr so, dass in Ihrer Rentenberechnung sowohl Ost- als auch West- Entgeltpunkte vorhanden sind?
Der Rechtskreis der Beitragszeiten richtet sich im Übrigen nicht nach dem eigenen Wohnsitz oder gar nach dem Sitz des Arbeitgeber. Vielmehr kommt es darauf an wo die Beschäftigung hauptsächlich ausgeübt wurde; bei Seeleuten gilt es aber eine Besonderheiten zu beachten (§§ 9 und 10 Abs. 3 SGB IV Beschäftigungsort -> Heimathafen des Seeschiffs; nicht der Sitz der Reederei ist maßgebend).
2.) Wenn am Ende des Tages aus den Entgeltpunkten Ost -> West werden (würden), dann erfolgt des Weiteren keine Nachzahlung - nein, Sie bekommen eine Überzahlung!!! Und da Ihnen das scheinbar bewusst war, kann man Ihnen auch Bösgläubigkeit im Sinne des § 45 SGB X unterstellen und Sie zur Erstattung der Überzahlung ab Rentenbeginn verpflichten.
3.) Wie es zu solch einem Fehler kommt?: Die Rentenversicherung in erster Linie davon abhängig ist, dass die Arbeitgeber richtig melden. Dafür bekommen die Arbeitnehmer auch zumindest einmal jährlich eine Bescheinigung zur Sozialversicherung um dies überprüfen zu können; von der Rentenversicherung in regelmäßigen Abständen Renteninformationen/Rentenauskünft und die Leistungsbezieher einen entsprechenden Rentenbescheid mit dem zur Rentenberechnung zu Grunde liegendem Versicherungsverlauf, in dem auch der Rechtskreis angegeben wird.
Ich rate Ihnen eine Beratungsstelle aufzusuchen und ggf. vorab die Bescheinigungen des Arbeitgebers rauszusuchen.
4.) Sollte die Widerspruchsfrist von einem Monat bereits abgelaufen sein (so steht es auch in Ihrem Rentenbescheid), können Sie dennoch einen "Überprüfungsantrag" stellen. Im Zweifel können Sie diesen auch gleich bei der Beratungsstelle aufnehmen lassen.
--> "Es heißt" ...6 Wochen-Frist... Wer oder was ist denn "es"?

von
KSC

Einfach kurz schriftlich eine "Überprüfung" beantragen.

Dann wird sich klären ob ein Fehler vorliegt oder ob alles OK ist und Sie nur irgendwas falsch verstanden haben.

von
Susi

Mein Mann war in verschiedenen Reedereien mit Heimathafen Hamburg angestellt. Böswilligkeit ist wohl arg überzogen, da ich grundsätzlich nichts davon habe auf den West-Rentenwert zu verzichten. Mir ist im Bescheid die Ost-Berechnung erst heute aufgefallen und scheinbar voll und nicht anteilig. Da es sich um die Arbeitsstätten meines Mannes und nicht um meine handelte und meine Kenntnisse darüber eingeschränkt waren, ist mir Böswilligkeit sicher nicht zu unterstellen.

Ich werde Morgen bei der Knappschaft anrufen und die Sache klären.

Bei den 6 Wochen handelte es sich um einen Fehler meinerseits, ich meinte 4 Wochen, hatte mich aber vertippt und bereits abgeschickt.

von
Marko

Da beim ersten Lesen scheinbar nicht richtig verstanden:
hier noch einmal in der Zusammenfassung

zu 1.) Heimathafen des Seeschiffes ist maßgebend; nicht der Sitz der Reederei = das sind zwei verschiedene Dinge.
zu 2.) ..."da ich grundsätzlich nichts davon habe auf den West-Rentenwert zu verzichten..." -> Ost-Entgeltpunkte sind höherwertiger als West-Entgeltpunte. Sie verzichten daher auf nichts: Wenn Sie eine West-Berechnung durchsetzen wollen, SINKT der zu berechnende Rentenbetrag.
zu 3.) Wenn Sie jetzt (aus eigenem Antrieb) feststellen, dass die Rente falsch berechnet wurde, Sie das Verfahren einleiten und bei der Richtigstellung der Berechnung eine Überzahlung entsteht, kann man Ihnen auch unterstellen, dass Sie den Fehler auch bereits beim aufmerksamen Durchlesen des Rentenbescheides (beim Empfang) hätten erkennen müssen.
zu 4.) nicht vier Wochen --> 1 Monat

von
Susi

Zitiert von: Marko

Da beim ersten Lesen scheinbar nicht richtig verstanden:
hier noch einmal in der Zusammenfassung

zu 1.) Heimathafen des Seeschiffes ist maßgebend; nicht der Sitz der Reederei = das sind zwei verschiedene Dinge.
zu 2.) ..."da ich grundsätzlich nichts davon habe auf den West-Rentenwert zu verzichten..." -> Ost-Entgeltpunkte sind höherwertiger als West-Entgeltpunte. Sie verzichten daher auf nichts: Wenn Sie eine West-Berechnung durchsetzen wollen, SINKT der zu berechnende Rentenbetrag.
zu 3.) Wenn Sie jetzt (aus eigenem Antrieb) feststellen, dass die Rente falsch berechnet wurde, Sie das Verfahren einleiten und bei der Richtigstellung der Berechnung eine Überzahlung entsteht, kann man Ihnen auch unterstellen, dass Sie den Fehler auch bereits beim aufmerksamen Durchlesen des Rentenbescheides (beim Empfang) hätten erkennen müssen.
zu 4.) nicht vier Wochen --> 1 Monat

Danke für Ihre Mühe, wie qualifiziert sie sind sehe ich daran, dass sie behaupten Rentenwert-Ost wären höherwertiger als Rentenwert-West.
Zu Antwort 4: Veräppeln kann ich mich auch alleine.

Schönen Abend noch

von
Marko

Zitiert von: Susi

Danke für Ihre Mühe

Gern geschehen.
Aber ich vermute, dass das hier Ironie sein soll. Was an meinen Aussagen soll falsch sein?

Zitiert von: Susi

wie qualifiziert sie sind sehe ich daran, dass sie behaupten Rentenwert-Ost wären höherwertiger als Rentenwert-West.

Im Übrigen sollten Sie mich richtig zitieren: Nicht der Rentenwert-Ost ist höherwetiger als der West sondern die ENTGELTPUNKTE-Ost sind (im Kombination mit dem Rentenwert Ost) höherwertiger.
Ich versuche Ihnen nur zu helfen.
Aber beratungsresistenten Menschen kann und will ich auch nicht mehr weiterhelfen.

Zitiert von: Susi

Zu Antwort 4: Veräppeln kann ich mich auch alleine.

Kennen Sie den Unterschied zwischen 4 Wochen und einem Monat?

von
Susi

Zitiert von: Marko

Zitiert von: Susi

wie qualifiziert sie sind sehe ich daran, dass sie behaupten Rentenwert-Ost wären höherwertiger als Rentenwert-West.

Im Übrigen sollten Sie mich richtig zitieren: Nicht der Rentenwert-Ost ist höherwetiger als der West sondern die ENTGELTPUNKTE-Ost sind (im Kombination mit dem Rentenwert Ost) höherwertiger.
Ich versuche Ihnen nur zu helfen.
Aber beratungsresistenten Menschen kann und will ich auch nicht mehr weiterhelfen.

Gut, ich habe das zur Kenntnis genommen und frage hiermit den Experten, der/die sicher Morgen hier antworten wird, ob dies so richtig ist und wie ich mich verhalten sollte. Jetzt bin ich ganz verwirrt. Bisher bin ich davon ausgegangen ich bin mit "Westberechnung" besser gestellt.

von
Marko

Zitiert von: Susi

wie ich mich verhalten sollte. Jetzt bin ich ganz verwirrt. Bisher bin ich davon ausgegangen ich bin mit "Westberechnung" besser gestellt.

Und ich dachte Ihnen geht es darum, dass die Rente richtig berechnet wird und nicht wie Sie bestmöglich besser gestellt werden.
Konsequenterweise sollten Sie daher auf jeden Fall einen Überprüfungsantrag stellen; alles andere wäre ja... naja... Thema Bösgläubigkeit ist ja oben schon beschrieben worden.

von
GroKo

Zitiert von: Susi

Zitiert von: Marko

Da beim ersten Lesen scheinbar nicht richtig verstanden:
hier noch einmal in der Zusammenfassung

zu 1.) Heimathafen des Seeschiffes ist maßgebend; nicht der Sitz der Reederei = das sind zwei verschiedene Dinge.
zu 2.) ..."da ich grundsätzlich nichts davon habe auf den West-Rentenwert zu verzichten..." -> Ost-Entgeltpunkte sind höherwertiger als West-Entgeltpunte. Sie verzichten daher auf nichts: Wenn Sie eine West-Berechnung durchsetzen wollen, SINKT der zu berechnende Rentenbetrag.
zu 3.) Wenn Sie jetzt (aus eigenem Antrieb) feststellen, dass die Rente falsch berechnet wurde, Sie das Verfahren einleiten und bei der Richtigstellung der Berechnung eine Überzahlung entsteht, kann man Ihnen auch unterstellen, dass Sie den Fehler auch bereits beim aufmerksamen Durchlesen des Rentenbescheides (beim Empfang) hätten erkennen müssen.
zu 4.) nicht vier Wochen --> 1 Monat

Danke für Ihre Mühe, wie qualifiziert sie sind sehe ich daran, dass sie behaupten Rentenwert-Ost wären höherwertiger als Rentenwert-West.
Zu Antwort 4: Veräppeln kann ich mich auch alleine.

Schönen Abend noch


Das mit dem Veräppeln ist Dir ja gut gelungen.

von
Schorsch

Zitiert von: Susi

Danke für Ihre Mühe, wie qualifiziert sie sind sehe ich daran, dass sie behaupten Rentenwert-Ost wären höherwertiger als Rentenwert-West.
Zu Antwort 4: Veräppeln kann ich mich auch alleine.

Schönen Abend noch


Dafür, dass Sie noch nicht einmal richtig lesen können, nehmen Sie Ihren Mund aber ganz schön voll.

MfG

Experten-Antwort

KSC ist zuzustimmen. Sie sollten bei der DRV Knappschaft-Bahn-See einen Überprüfungsantrag stellen. Ob in Ihrem konkreten Fall ein Fehler vorliegt, kann letztlich nur Ihr zuständiger Rentenversicherungsträger prüfen.
Zu den Entgeltpunkten Ost kann grundsätzlich gesagt werden:
Bei der Berechnung der Entgeltpunkte werden als Maßstab für die Durchschnittseinkommen die westdeutschen Entgelte herangezogen.
Da aber zu Beginn der Vereinigung und auch noch aktuell die Verdienste in den neuen Ländern deutlich niedriger als im Westen liegen, wird eine Hochwertung der individuellen Arbeitsentgelte im Osten auf das Westniveau vorgenommen.
Im Ergebnis sind die Entgeltpunkte Ost zahlenidentisch mit den Entgeltpunkten West.
Ein niedrigeres Rentenniveau (Ost) ergibt sich allein dadurch, dass die Entgeltpunkte Ost mit dem aktuellen Rentenwert (Ost) zu vervielfältigen sind.

von
W*lfgang

Zitiert von: Susi
Bisher bin ich davon ausgegangen ich bin mit "Westberechnung" besser gestellt.
Susi,

diese 'Problem' hat inzwischen auch Politik erkannt, wenn es um die 'Angleichung' Ost- an Westrente geht - dass es da doch ein paar berechnungstechnische Feinheiten gibt, die ins Negative führen können.

Vertrauen Sie Markos Antwort, der kann das schon richtig beurteilt! :-)

Allerdings, in dem jugendlichen Alter – also der Marko ;-) - schon so flappsig/dünnhäutig auf Widerrede zu reagieren ...das steht nur den älteren zu *g

Gruß
w.

von
Susi

Zitiert von: W*lfgang

Zitiert von: Susi
Bisher bin ich davon ausgegangen ich bin mit "Westberechnung" besser gestellt.
Susi,

diese 'Problem' hat inzwischen auch Politik erkannt, wenn es um die 'Angleichung' Ost- an Westrente geht - dass es da doch ein paar berechnungstechnische Feinheiten gibt, die ins Negative führen können.

Vertrauen Sie Markos Antwort, der kann das schon richtig beurteilt! :-)

Allerdings, in dem jugendlichen Alter – also der Marko ;-) - schon so flappsig/dünnhäutig auf Widerrede zu reagieren ...das steht nur den älteren zu *g

Gruß
w.

Danke!
Ich habe mich noch mal hingesetzt und haben den Rentenbescheid genau durchgeackert. Das Problem war, dass ich immer nur "Ost" gelesen habe.
Somit bin ich davon ausgegangen, dass alles nach Ost abgerechnet wird. Über das Internet konnte ich dann den Hinweis finden, dass wo kein Ost steht nach West berechnet wird, steht bloß eben nicht dahinter :P
Lange Rede kurzer Sinn: Die Berechnung Ost wurde nur anteilig durchgeführt, macht bei mir ca. 11 EUR aus. Der Rest auf "Westbasis".
Ich bin ja nun Laie und habe echt wenig Ahnung, aber DAS mußte jetzt geklärt werden.

Also alles ok!

Gruß

von
W*lfgang

Zitiert von: Susi
Über das Internet konnte ich dann den Hinweis finden, dass wo kein Ost steht nach West berechnet wird, steht bloß eben nicht dahinter
Susi,

denn die Rentenberechnung mit Entgeltpunkten (EP) wurde bereits 1989 (Gesetzentwurf) erfunden - damals gab es nur 'West-Berechnung', da musst man nicht extra 'West' dahintersetzen ;-) Erst zum 01.01.1992 hat sich dann rentenrechtlich der Osten 'eingemeinden' lassen und zur Differenzierung der dort erzielten EP wurde ein (OST) drangehängt.

Gruß
w.