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Wie errechnen sich die 0,54 %?

von
wipet

Die Rentenanpassung zum 01.07.2007 wird mit 0,54 % ausgewiesen und mitgeteilt.

1.) W e r hat die 0,54 % ausgerechnet?

2.) Welche Fakten, welche Zahlengrößen haben ausgerechnet auf die 4 als zweite Zahl hinter dem Komme geführt?

3.) W e r kann die 0,54 % einmal "vorrechnen", damit ich das auch selbst einmal nachrechnen kann?

4.) Wo können die betroffenen Rentner/innen diese 0,54 % auf ihre Richtigkeit prüfen lassen, wenn begründete Zweifel bestehen?

MfrGr und vielem Dank.

von
Bernhard

Hier finden Sie eine Aufschlüsselung, wie sich einzelne Faktoren der Rentenformel ausgewirkt haben:

http://www.ihre-vorsorge.de/Rentenanpassung-zweimal-plus-einmal-minus.html

Die Grundlage sind neben der gesetzlichen Vorschrift auch statistische Daten, und für deren Verlässlichkeit gilt ein bekannter Spruch, der Winston Churchill zugeschrieben wird: "Ich traue, keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe."

Was soll es auch? Herauskommen muß einfach ein Ergebnis, das die gesetzliche Rentenversicherung ohne zusätzliche Beiträge und Zuschüsse finanzieren kann, und wenn das nach dreimal 0 % eben 0,54 % sind, dann ist es so.

Sollte tatsächlich ein Fehler in der komplizierten Berechnung stecken, dann wird schnell wieder das Gesetz geändert. Sollte es in Zukunft nicht reichen, ditto. Sollten unerwartete Überschüsse auftreten, nun, der Staat kann das Geld auch brauchen, also ditto.

Rechnen ist hier nicht angesagt, sondern allenfalls politischer Druck.

Experten-Antwort

Dem Link von user Bernhard ist lesenswert. Den weiteren Ausführungen aber ist entgegenzuhalten, dass mit der dynamischen Rente die vergangenen 50 Jahre hinweg, ein anpassungsfähiges und leistungsfähiges Konstrukt geschaffen wurde, durch dass die Rentner weitgehend an der Lohnentwicklung der Volkswirtschaft teilnehmen können.
Durch die Rentenanpassungen hat sich die gesetzliche Rente eines Durchschnittsverdieners mit 45 Versicherungsjahren seit 1957 von 241 DM (rund 123 Euro) auf mittlerweile 1.176 Euro erhöht – eine nominale Steigerung um rund 850 Prozent immerhin.

Im Hinblick auf die bevorstehenden demographischen Veränderung musste die Anpassungsformel verändert werden – was zum einen mit dem RV-Nachhaltigkeitsgesetz 2004 und zum zuletzt im April 2007 mit dem Nachholfaktor durch das RV Altersgrenzenanpassungsgesetz („Rente mit 67“) beschlossen wurde.

Die Fragen die man sich im Zusammenhang mit der Rentenanpassungsformel stellen darf, sind u.a. auch

- Welches Entgelt aus dem Datenbestand der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird zur Ermittlung der Entwicklung der Lohnkomponente verwendet und warum ?

- Welche Auswirkungen haben zum einen Rentnerquotient und zum anderen der Nachhaltigkeits (Gewichtungs) faktor auf die Rentenanpassungsformel ?

- Berücksichtigt der Altersvorsorgeanteil in ausreichendem Maße die tatsächliche Anzahl der abgeschlossenen Altersvorsorgeverträge mit staatlicher Förderung ?

Etc. etc.

Ob man zur Beurteilung der Anpassungsformel mit all seinen Zusammenhängen und Wirkungen nun ein Finanzmathematiker oder Volkswirt sein muss, sei dahin gestellt. Wenn es auch zutreffend ist, dass die Anpassungsformel in den vergangenen Jahren an Komplexität (damit Intransparenz) zugenommen hat.

Kurios dabei dürfte aktuell sein, dass sich aufgrund der stufenweisen Anhebung der Altersgrenzen durch die Reform zur Rente mit 67 das – in der Theorie existente – Verhältnis von Beitragszahlern zu (Äquivalenz)Rentnern verbessert, dies somit (einstweilen) positiv in die Rentenanpassungsformel einfließt.

Der eigentliche Hintergrund zur Einführung dieses Faktors im Jahre 2004 war indes das stufenweise dämpfen der Rentenanpassung. Diese unterbliebene Dämpfung will man nun mit dem Nachholfaktor ab 2011 nachholen, was der frühere Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Prof. Ruland, unlängst auch im Rahmen einer Tagung näher vorstellte, vgl. http://www.deutsche-rentenversicherung-bayreuth.de/nn_49146/DRVOM/de/Inhalt/Servicebereich2/Presse/01__Pressemitteilung/Ober-und_20Mittelfranken/Sozialrechtstagung.html

...sowie http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_7112/SharedDocs/de/Inhalt/04__Formulare__Publikationen/03__publikationen/Publikationen/Fachzeitschrift__DRV/DRV__Hefte__Deutsch/2007/2-3/6__gasche.html

So gesehen, können sich diejenigen glücklich(er) schätzen, wenn Sie noch vor Einführung des Nachholfaktors in Rente gehen – freilich eine weiterhin positive Entwicklung der Volkswirtschaft (Lohnentwicklung aus VGR) vorausgesetzt.

Ob es da den Ottonormalversicherten beruhigen mag, dass sich die Wissenschaft mit den einzelnen Parametern und deren Funktionswiese regelmäßig beschäftigt, ist natürlich die Frage......

Vgl. aber u.a. http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_12448/SharedDocs/de/Inhalt/04__Formulare__Publikationen/03__publikationen/Publikationen/Fachzeitschrift__DRV/DRV__Hefte__Deutsch/2005/8__9/3__Brall__Duenn__Fasshauer.html (die Schriftenreihe kann m.E. aber nachbestellt werden)

http://www.bwl.tu-darmstadt.de/vwl3/lehre/fipovor/Kapitel%205_Tragfaehigkeit_2007_Teil%201.pdf
(was zum einen nicht als Schleichwerbung verstanden, zum anderen aber auch nicht selbsterklärend sein dürfte)

http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/ziffer/z313_328j04.pdf
(Eine von vielen Beurteilungen des Parameters Nachhaltigkeitsfaktor aus der 2004er Reform)

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_7112/SharedDocs/de/Inhalt/04__Formulare__Publikationen/03__publikationen/Publikationen/Fachzeitschrift__DRV/DRV__Hefte__Deutsch/2005/12/bomsdorf.html

http://www.gvg-koeln.de/xpage/objects/pub_info/docs/32/files/ID-316.pdf

sowie die Informationen zur Rente mit 67 auf der Internetpräsenz des Bundesarbeitsministeriums; des Sachverständigensrates zur Beurteilung der Gesamtwirtschaftlichen Lage, und den einschlägigen sites die sich mit Sozialpolitik und Rente beschäftigen, u.a. ja auch www.sozialpolitik.de

Dies dürfte die Frage weitgehend beantworten.

MfG