Witwenrente (ins Ausland und Berechnungsgrundlagen)

von
Sriram

Guten Tag!!
Liebe Forum-Experten,
ich hoffe Sie können ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Das wäre toll.
Ausgangslage:
Ich männlich ( 50 Jahre alt) seit 25 Jahren Angestellter. Auf dem letzten jährl. Renteninformationsschreibe der RV stand folgender Wert: wg. voller Erwerbsminderung bekämen sie 1434,- EUR Rente.

Ehefrau (47 J.) , selbstständig, > 10 Jahre verheiratet

Nun zu meinem Anliegen:
Meine Frau und ich beabsichtigen aus Gesundheitsgründen ins europ. Ausland (Schweden) auszuwandern. Wir werden als in D keiner weiteren Beschäftigung nachgehen. Das heißt für mich, es werden keine weiteren Beiträge eingezahlt. Ob wir in Schweden Arbeit finden ist ungewiss. D.h. wir werden als dort von unseren Ersparnissen leben (knapp aber sollte gehen). Stellt sich nun die Frage nach der Hinterbliebenenversorgung für meine Frau im Fall der Fälle.
Die Wartezeit ist ja mehr als erfüllt.

1.Wie hoch wäre die Witwenrente (große WR), wenn ich vor meiner Altersrente (67)?
a) Also z.B. Todesfall mit 55 J. Wie hoch sind Abzüge in Prozent?
b) Sind die o.e. ca. 1434 EUR dann die Berechnungsgrundlage für die WR?
c) Werden die Abzüge dann Jahr für Jahr weniger , bis dann volle Höhe erreicht ist?
2. Wie hoch wäre die volle WRente für meine Frau , wenn ich dann schon im Altersrentenbezug war. 55% von 1434 EUR? Bekäme sie die volle WR schon vor meinem theoretischem 67. LJ? Also schon mit 62,63,64?

3. Auszahlung ins europ. Ausland dürfte kein Problem sein , oder?

4. Bleiben die bisher erworbenen Renten (Erwerbsminderungsrente s.o.) als Grundlage der WR bestehen, d.h. erworbene Ansprüche verfallen auf keinen Fall?

5. Wird die WR (oder später meine Altersrente) hier in D versteuert? Oder in Schweden?

6. Würden Auszahlungen aus Kapital-Lebensversicherungen (alle Laufzeit >12 Jahre) bei der WR verrechnet? Spielt es evtl. eine Rolle, ob diese dann als Einmalzahlung oder als Rentenzahlung ausgezahlt werden?

7. Frage zur Höhe meiner Altersrente. Im Info schreiben steht das meine bislang erreichten Rentenanwartschaften die Summe XXXEUR nach heutigem Stand erreicht haben.
Ist das die Höhe der zu erwartende Altersrente (unverfallbar?), wenn ich nichts mehr einzahlen würde?

Tausend Dank vor ab fürs Antworten.
LG Sriram

von
-/-

Gegenfrage: Sind beide Versicherungskonten geklärt? Die Beantwortung aller Fragen würde Sinn und Zweck des Forums sprengen. Hier ist eine persönliche Beratung angesagt. Setzen Sie sich bitte mit der nächsten Beratungsstelle zwecks Terminabsprache in Verbindung.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Sriram,

grundsätzlich kann eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung auch ins Ausland gezahlt werden.

Sollten Sie vor Vollendung des 62. Lebensjahres versterben, hat die Witwenrente einen Abschlag von maximal 10,8 % Prozent, je nachdem in welchem Jahr der Tod eintritt aber auch geringer. Dieser einmal festgestellte Abschlag bleibt bestehen, er verringert sich nicht mehr.
Die Höhe der Witwenrente wird individuell zum Todestag ausgerechnet, aber im Prinzip kann man von 55 % des Wertes für die volle Erwerbsminderungsrente ausgehen, weil auch bei der Hinterbliebenenrente eine Zurechnungszeit zu berücksichtigen ist.
Bei Tod nach dem 62. Lebensjahr hat die Witwenrente keinen Abschlag.
Auch bei vorherigem Altersrentenbezug wird die Witwenrente individuell bestimmt und errechnet sich aus 55 % des Wertes, der sich dann für eine Altersrente ergeben würde.
Dabei wird berücksichtigt, dass die Witwenrente mindestens aus den Entgeltpunkten errechnet wird, die schon bei der Altersrente Grundlage waren (sog. Besitzschutz).

Der in der Renteninformation ausgewiesene Betrag für die Erwerbsminderungsrente ist der Rentenbetrag, den Sie erhalten würden, wenn Sie jetzt erwerbsgemindert würden, oder die Witwe davon 55 %, wenn Sie jetzt versterben würden. Beachten Sie aber, dass in diesem Betrag ein Wert für eine Zurechnungszeit bereits enthalten ist. Die Zurechnungszeit bewirkt, dass Sie so gestellt werden, als hätten Sie bis zum 62. Lebensjahr noch weitergearbeitet. Dafür wird ein Durchschnittswert aus allen Ihren bisherigen Verdiensten zugrunde gelegt. Wenn Sie also nicht weiterarbeiten, wird der Wert für die Zurechnungszeit und damit auch der Wert für die Erwerbsminderungsrente sinken.
Der in der Renteninformation genannte Betrag für die zu erwartende Altersrente ist der Betrag, der sich auch ohne weitere Beitragszeiten ergibt.

Ob die Renten aus Deutschland in Deutschland oder in Schweden versteuert werden, erfragen Sie bitte beim Finanzamt.

Die Auszahlung der Lebensversicherung hat für die Altersrente keine Auswirkungen.
Bei Zahlung eine Witwenrente könnte es evtl. zu einer Einkommensanrechnung kommen, wenn es sich um die eigene Lebensversicherung der Witwe handelt.

von
Sriram

DANKE für die ausführliche Antwort.

Hierzu nochmal:
....Wenn Sie also nicht weiterarbeiten, wird der Wert für die Zurechnungszeit und damit auch der Wert für die Erwerbsminderungsrente sinken.

Wie hoch wäre denn der Abzug wg. der dann "verminderten" Zurechnungszeit? Kann man das grob sagen. Also 1-2% oder mehr Richtung 10%. Gibt es einen Anhaltspunkt.
In welchen Prozenten bewegt man sich da "grob"?
Danke für die Unterstützung. Sriram

von
W*lfgang

Zitiert von: Sriram
Wie hoch wäre denn der Abzug wg. der dann "verminderten" Zurechnungszeit? Kann man das grob sagen. Also 1-2% oder mehr Richtung 10%. Gibt es einen Anhaltspunkt. In welchen Prozenten bewegt man sich da "grob"? Danke für die Unterstützung. Sriram
Sriram,

wenn die Zurechnungszeit irgendwann mal ganz weggefallen ist, dann schauen Sie auf den mittleren Betrag (jetzt erreichte Rente aus den bis zum Tag xx.xx.xxxx erfassten Zeiten). Dieser Betrag wird als Regelaltersrente ohne Abschlag dargestellt. Davon ziehen Sie 10,8 % Abschlag bei EM-Rente ab, der Rest ist der Auszahlungsbetrag (ohne (künftige) deutsche Kranken-/Pflegeversicherung).

Sobald Sie hier nach Ende der letzten Pflichtversicherung ins Ausland/Schweden gehen und dort keine schwedischen Versicherungszeiten erwerben, ist der EM-Anspruch nach 2 Jahren 'Lücke' weg - dann gilt der Mittelbetrag minus 10,8 %.

Und nein, Sie können den EM-Spruch auch nicht mit freiwilligen Beiträgen (aus Schweden heraus besteht die Möglichkeit zur freiwilligen Rentenversicherung in D) aufrechterhalten.

Gruß
w.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Sriram,
die mögliche Minderung für die Bewertung der Zurechnungszeit läßt sich nicht konkret benennen.

Gehen Sie im schlechtesten Fall von dem Wert für die Regelaltersrente aus.

von
Sriram

DANKE an alle für die Antworten !!!!!!!

von
W*lfgang

Zitiert von: W*lfgang
Sobald Sie hier nach Ende der letzten Pflichtversicherung ins Ausland/Schweden gehen und dort keine schwedischen Versicherungszeiten erwerben, ist der EM-Anspruch nach 2 Jahren 'Lücke' weg - dann gilt der Mittelbetrag minus 10,8 %.

Gruß
w.

:

"- dann gilt der Mittelbeitrag minus 10,8 %" NICHT MEHR (der EM-Rentenanspruch ist ja dann weg). Erst mit erneutem Aufbau von 36 Monaten Pflichtbeiträgen, auch in Schweden, wird dieser Anspruch für den _danach_ liegende EM-Fall wieder hergestellt.

Gruß
w.