Witwenrente zusätzlich zur eigenen Rente?

von
Habakuktib

Hallo, eine einfache Frage, die leider aus den 7 doppelseitigen Witwenrentenbescheid meiner Mutter nicht hervorgeht.
Frage: Wird die Witwenrente zusätzlich zur eigenen Rente gezahlt?
Mein Vater ist im letzen Dezember verstorben. Seine Bruttorente betrug ca. 1500,-€, die Rente meiner Mutter beträgt ca. 700,-€. Nun bekommt meine Mutter eine großen Witwenrentenbescheid über 900,-€. Erhält sie diese 900,-€ (nach Abzug der Freibeträge) zusätzlich zu ihrer eigenen Rente von 700,-€?
Danke!

Experten-Antwort

Hallo Habakuktib,

dem Witwenrentenbescheid können Sie aus der Anlage 8 entnehmen, dass die Einkommensanrechnung bei der Witwenrente für Ihre Mutter geprüft wurde. Der anzurechnende Rentenbezug Ihrer Mutter liegt unter dem zurzeit gültigen Freibetrag i.H.v. 718,08 Euro/ mtl., daher erfolgt bei der Witwenrente keine Kürzung.
Ihre Mutter erhält daher zuzätzlich zu ihrer eigenen Rente auch noch die Witwenrente i.H.v. 60 % der bisherigen Altersrente Ihres verstorbenen Vaters.
Aus beiden Renten ist natürlich noch anteilig der Beitrag zur Kranken- und Pflegebeitrag abzuziehen.

von
Habakuktib

Sehr geehrte Expertin,
danke für Ihre schnelle Antwort!

Die Einkommensanrechnung auf Seite 8 hatte ich gestern abend nicht gefunden, (und meine Mutter erst recht nicht!) Aber auf einer der hinteren Seiten, im Kleingedruckten den Hinweis das man die Höhe der eigenen Rente angeben soll, und ich habe dann den Unkehr-Schluss gezogen, dass die "eigene" Rente wohl dann vermutlich weitergezahlt wird!

Ich weiss nicht wer Sie sind und an welcher Stelle Sie in der Rentenversicherung sitzen?(Name und Qualifikation wäre auch als Zusatz Ihrer Antwort in einem Forum mehr als nur nett)
Aber würden Sie bitte bei Ihren Bescheiden einmal an Ihre Durchschnitts-Kunden denken! Ihr Durchschnitts-Kunde ist 1. Älteren Datums, 2. Hat noch nie einen Witwenrentenbescheid in der Hand gehalten, 3. Muß unzählige Formulalitäten und Behördengänge alleine machen, weil der unterstützende Partner fehlt!
Warum erscheint der Hinweis der Einkommensanrechnung erste auf Seite 8! Warum nicht direkt auf Seite 2 oder 3? Eine Zeile unterhalb der Auszahlungsumme würde genügen!
Folgende Punkte haben mich und meine Mutter, die beide hoffen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte zu sein, besonders verwirrt:
Warum ist in dem Bescheid an MEINER MUTTER immer von persönlichen Entgeltpunkte die Rede, wenn eigentlich die Entgeltpunkte des Verstorbenen gemeint sind? Meine Mutter mußte daher davon ausgehen, dass Ihre persönlich Rente nochmal berechnet wird! Warum wird auf Seite 3 erst die Bruttorente meines Vaters genannt, dann die Kranken/Pflegkassebeiträge meiner Mutter abgerechnet, dann wird vom Brutto meines Vaters 60% abgezogen, dann wird wieder von diesem Ergebnis die Kranken/Pflegebeiträge abgezogen um dann. endlich auf Seite 3, die Netto-Witwenrente auszuweisen! Warum so umständlich????

Vielleicht sind Sie so freundlich meine Kritikpunkte an die richtige Stelle weiterzuleiten, in der Hoffnung, dass einmal meine Frau ihren Witwenbéscheid, auch als Akademikerin mit 2 Staatsexamen sofort richtig deuten kann, und nicht wie meine Mutter als erstes in tiefe Verzweifelung gestürzt wird.

Mit freundlichen Grüßen
M. Symanek

Experten-Antwort

Hallo Habakuktib,

leider sind die Rentenbescheide aufgrund des umfangreichen Rentenversicherungsrechts ggf. nicht einfach zu lesen.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, eine Beratung und somit Hilfestellung in einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Anspruch zu nehmen.

Der Begriff der persönlichen Engeltpunkte ist übrigens immer im Zusammenhang mit dem Versicherten zu sehen, welcher in diesem Fall der Verstorbene ist, da ja aus seinen persönlichen Versicherungszeiten die Grundlage für die Berechnung der Rente gebildet wird.

Der Rentenanspruch Ihrer Mutter auf die eigene Versichertenrente bleibt unangetastet, da sich im Versicherungsleben Ihrer Mutter selbst nicht verändert hat.

von
Habakuktib

Hallo Frau Namenlos,

1. die Rentenbescheide sind nicht einfach zu lesen aufgrund des umfangreichen Rentenversicherungsrechtes, sondern weil sie von Behördenmitarbeitern gemacht werden, die sich offensichtlich keine Gedanken über ihre Lesbarkeit machen (müßen)!
Oder um es einmal auf den Punkt zu bringen: Gerade wenn das Rentenversicherungsrecht so kompliziert ist, müssten die Bescheide um so verständlicher sein!

2. der Verweis auf die Beratungsstellen ist mehr als billig! In dem Fall meiner Mutter handelt es sich um einen der einfachsten Witwen-Renten-Fälle überhaupt. (eine gemeinsame Ehe über 50 Jahre, zum Todeszeitpunkt beide Rentner, Rente der Hinterbliebenen unter Freibetragsgrenze) Wenn IHRE Bescheide oder die ihrer Kollegen nicht in der Lage sind bei einem so einfachen Fall ein verständliches Schreiben anzufertigen, und deshalb auf eine Beratung hinweisen müßen, wann dann??? Hier ein Verbesserungsvorschlag: Sie schicken die Bescheide direkt an die Beratungsstellen, die sich dann an die Hinterbliebenen wenden, und in zwei einfachen Sätzen erläutern, wozu Ihre 8 Seitigen-Schreiben nicht in der Lage sind!

3. Zitat: "Der Begriff der persönlichen Engeltpunkte ist übrigens immer im Zusammenhang mit dem Versicherten zu sehen, welcher in diesem Fall der Verstorbene ist, da ja aus seinen persönlichen Versicherungszeiten die Grundlage für die Berechnung der Rente gebildet wird. " Hier sollte Ihre Behörde dann einmal konsequent sein und dann den Versicherten, auch persönlich, anschreiben! Ich vermute mein Vater ist im Himmel, die Postleitzahl ist mir leider entfallen ;)

Spass bei Seite: Dies ist ein klassisches Beispiel, dass nicht die Rentenberechnung kompliziert ist, sondern die Sprache die ihre Behörde pflegt! Würde Ihre Behörde einfach "persönlichen Entgeltpunkte", durch "Entgeltpunkte des Verstorbenen" ersetzten, würden alle Welt es verstehen. (Wo wir wieder bei Punkt 1 wären)

Ich bin mir aber auch nicht sicher ob Sie meine letzte Antwort richtig verstanden haben! Das waren keine Fragen an Sie, sondern Kritikpunkte verbunden mit einer persönlichen Aufforderung an Sie, für die Menschen für die Sie tätig sind, unseren Vätern und Müttern, den Rentern, es so einfach und gut wie möglich zu machen.
Deshalb bitte, bitte setzen Sie sich in Ihrer Behörde persönlich für verständliche und lesbare Formulare und Bescheide ein!

Mit freundlichen Grüßen
M. Symanek

von
Stefan

Ich kann Sie beruhigen , derzeit wird an der Überarbeitung sämtlicher Bescheide gearbeitet. Leider ist der Witwenrentenbescheid noch nicht "dran gekommen". Leider dauern solche Umformulierungsprozesse seine Zeit (die Formulierungen müssen in verschiedenen Gremien vorgestellt und ggf. überarbeitet werden).

Meines Erachtens ist es jedoch bei, aller berechtigten Kritik, nicht ganz nachvollziehbar dass am besten alles auf der ersten Seite stehen soll. Ein Empfänger des Bescheids sollte diesen scon ganz durchlesen (kann man ja auch etappenweise machen), ich denke soviel sollte schon zumutbar sein.

Und bitte glauben Sie dem Experten, dass das Rentenversicherungsrecht wirklich kompliziert ist und nicht nur kompliziert dargestellt wird.

von
-_-

Der Rentenbescheid ist so aufgebaut, dass dem eigentlichen Bescheid die individuellen Berechnungsanlagen folgen. Gleich auf der ersten Seite kann man lesen, dass es sich um eine Hinterbliebenenrente aus der Versicherung des Verstorbenen handelt. Wie man auf die Idee kommen kann, dass es sich bei den nachfolgenden Berechnungen in den Anlagen dann um die persönlichen Entgeltpunkte der eigenen Rente und nicht die des Verstorbenen handeln könnte, ist mir daher nicht einsichtig.

Die gesetzliche Rentenversicherung muss sich bei den Formulierungen an die gesetzliche Terminologie halten. Insofern sind bestimmte gesetzliche Vorgaben auch nicht durch eine beliebige andere Bezeichnung ersetzbar. Der Begriff "Persönliche Entgeltpunkte" ist beispielsweise in § 66 SGB VI definiert - siehe http://bundesrecht.juris.de/sgb_6/__66.html .

Wenn Sie sich die einem Rentenbescheid zugrunde liegenden Gesetzestexte ansehen, werden Sie sicher feststellen, dass die Bescheide vergleichsweise verständlich formuliert sind. Weil der Laie dennoch möglicherweise erläuternde persönliche Hilfe benötigt, gibt es ein sehr umfassendes kostenloses Beratungsangebot der Deutschen Rentenversicherung. Beispielsweise steht auf jedem Rentenbescheid eine Telefonnummer der Sachbearbeitung.

Weiter erreichen Sie das bundesweit kostenlose Servicetelefon unter 0800 10004800. Nutzen Sie das - die Deutsche Rentenversicherung beantworten Ihnen Ihre Fragen.

Unter http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum.html können Sie sich die örtlichen Beratungsangebote anzeigen lassen. Sie haben die Möglichkeit, nach telefonischer Voranmeldung persönlich vorzusprechen und sich den Bescheid erläutern zu lassen.

von
Ergänzung

Außerdem kann sich ein einfacher Berater nicht für etwas einsetzen in einer so großen Behörde. Sie stellen sich das wohl etwas zu einfach vor !