Zeiten beruflicher Ausbildung "Zeitpunkt der Aufstockung auf 0,0833 EGPT je Monat"?

von
LS

mir liegt ein Rentenbescheid aus Mai 1998 vor, in dem zwar in Anlage 3 die Zeit der beruflichen Ausbildung im Umfang von 36 Monaten, davon 24 Mon. Lehre, als beitragsgemindert eingeordnet wurde, in Anlage 4 wurde aber keine Aufwertung dieser Monate auf 0,0833 EGPT je Monat vorgenommen, die insoweit dann bei der Vergleichsbewertung nicht mehr alsd "bg" gelten, im vorliegenden Fall aber Monate "bg" geblieben sind.
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Frage an die Kenner der Materie:
Ab wann galt die Regelung der Aufstockung (Hochwertung) auf 0,0833 je Monat für Zeiten der beruflichen Ausbildung?
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Bin für Hinweise dankbar.

von
haesvau

Die Bewertung mit 0,0833 EP/mtl. i. R. der Gesamtleistungsbewertung wurde meines Wissens erst durch das Altersvermögensergänzungsgesetz ab 01.01.2002 eingeführt.

von
PQ

Zeiten einer tatsächlichen Berufsausbildung werden in der Rentenberechnung als beitragsgeminderte Zeiten berücksichtigt und können nach § 71 SGB VI einen Zuschlag an Entgeltpunkten nach der Gesamtleistungsbewertung erhalten.

Für die Gesamtleistungsbewertung werden jedem Kalendermonat mit Zeiten einer beruflichen Ausbildung mindestens 0,0833 Entgeltpunkte zugrunde gelegt und diese Zeiten insoweit nicht als beitragsgeminderte Zeiten berücksichtigt.

Die Zeiten der tatsächlichen Berufsausbildung sind durch geeignete Unterlagen nachzuweisen. Die Anerkennung kann auch für die Zeit vor Vollendung des 17. Lebensjahres erfolgen, entsprechend dem tatsächlichen Umfang der Ausbildung; eine günstigere Bewertung erhalten die Ausbildungszeiten vor dem 17. Lebensjahr jedoch nicht.

Als beitragsgeminderte Zeit werden ab dem Rentenbeginn 01.01.2009 jedoch nur noch 36 Kalendermonate der beruflichen Ausbildung bewertet. § 74 SGB VI sieht zudem vor, dass die Bewertung der Zeiten einer beruflichen Ausbildung und der Fachschulausbildung oder der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme zusammen auf einen Zeitraum von max. 36 Kalendermonaten begrenzt wird, wobei die Zeiten der Fachschulausbildung und der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme den Vorrang haben.

von
LS

User/in PQ, leider kann ich aus der Darlegung nicht entnehmen, ab wann die Hochrechnung auf 0,0833 vorzunehmen war und die Zeiten der beruflichen Ausbildung insoweit nicht mehr als beitragsgemindert zu gelten hatten.

Ist die Hochrechnung im Bescheid vom Mai 1998 vergessen worden oder galt die Regelung damals noch nicht.?
Ab wann galt sie?

von
LS

Der Hinweis von "haesvau" hat mich auf die Spur gebracht.
Ein noch vorhandener Gesetzestext aus der RV-Literatur dürfte wohl massgeblich sein.
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Gebe ihn für andere Interessierte hier noch mal wieder:
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Fassung des § 71 Abs. 1 SGB VI ab 01.01.2002:
"(1) Beitragsfreie Zeiten erhalten den Durchschnittswert an Entgeltpunkten,
der sich aus der Gesamtleistung an Beiträgen im belegungsfähigen
Zeitraum ergibt. Dabei erhalten sie den höheren Durchschnittswert
aus der Grundbewertung aus allen Beiträgen oder der Vergleichsbewertung
aus ausschließlich vollwertigen Beiträgen.
Für die Ermittlung
des Durchschnittswertes werden jedem Kalendermonat mit Zeiten einer
beruflichen Ausbildung mindestens 0,0833 Entgeltpunkte zugrunde
gelegt und diese Kalendermonate insoweit nicht als beitragsgeminderte
Zeiten berücksichtigt."
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Danke für Bemühungen

Experten-Antwort

Hallo LS,

im Rahmen der Rentenberechnung muss ein sogenannter Gesamtleistungswert ermittelt werden. Dieser Wert ergibt sich aus der Grund- und der Vergleichsbewertung.

Der Wert der Grundbewertung errechnet sich aus allen Beiträgen.
Der Wert der Vergleichsbewertung errechnet sich ausschließlich aus vollwertigen Beiträgen.

Zwecks Ermittlung des Gesamtleistungswertes wird in der Grundbewertung für die Zeiten der beruflichen Ausbildung fiktiv mindestens ein monatlicher Wert von 0,0833 Entgeltpunkten zugrundegelegt. Hierdurch zählen die Zeiten der beruflichen Ausbildung fiktiv für die Grundbewertung nicht mehr als
beitragsgeminderte Zeiten.

Im Rahmen der Vergleichsbewertung werden für die Ermittlung des Wertes aus der Vergleichsbewertung u.a. die beitragsgeminderten Zeiten nicht berücksichtigt. Daher erscheinen diese Zeiten nicht bei der Vergleichsbewertung.

Der höhere Wert (Gundbewertung oder Vergleichsbewertung) ist dann der Gesamtleistungswert. Dieser Wert ist wichtig für die tatsächliche Bewertung von beitragsfreien Zeiten sowie beitragsgeminderten Zeiten.

In der Rentenberechnung werden die Entgeltpunkte für alle rentenrechtlichen Zeiten ermittelt und ergeben die Gesamtzahl Ihrer Entgeltpunkte.
Beitragsgeminderte Zeiten, wie z.B. Zeiten der beruflichen Ausbildung erhalten dann mindestens 75 % des Gesamtleistungwertes maximal aber 0,0625 Entgeltpunkte monatlich.

Hierdurch werden die in der beruflichen Ausbildung erwirtschafteten - naturgemäß geringen - Entgeltpunkte aufgestockt.

von
LS

Da ich selbst ein Rentenberechnungsprogramm entwickelt habe, mit dem ich alle Bescheide der BRD ab 1992 bis auf die 4 Stelle nach dem Komma der Anlagen 3 bis Anlage 6 überprüfen kann, weiß ich auch um diese Sachverhalte.
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Wußte lediglich den Beginn der Hochrechnung auf 0,0833 nicht mehr zeitlich einzuordnen, was sich aber inzwischen geklärt hat.
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Hinsichtlich der beruflichen Ausbildung meine ich aber, fehlt in Ihrer Darlegung der Verweis auf die Besonderheit für Zeiten beuflicher Ausbildung im Zusammenhang mit der Berechnung des Leistungswertes aus der Vergleichsbewertung
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Für die Berechnung des Leistungswertes aus der Grundbewertung ist völlig unerheblich, ob es sich um Monate vollwertiger Zeiten handelt oder um Monate, die beitragsgemindert sind, egal, aus welchem Grund.

Bis Rentenbeginn 12-2001 gab es keine Hochwertung, da blieben die Monate beruflicher Ausbildung als beitragsgeminderte Monate in der Grundbewertung, in der Vergleichsbewertung hingegen blieben sie außen vor, weil sie ja beitragsgemindert waren und daselbst ja nur vollwertige Zeiten einfließen die nicht beitragsgemindert sind.
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Anders dagegen ab 01-2002.
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Durch die Hochwertung auf 0,0833 für jeden Monat beruflicher Ausbildung, der diesen Wert selbst nicht erreicht, sind die Monate bereits in der Grundbewertung nicht mehr als beitragsgeminderte Monate enthalten, sondern da schon als vollwertige Monate.
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Sie gehen jetzt in die Vergleichsbewertung als vollwertige Monate ein, obwohl sie in Anlage 3 als beitragsgemindert gelten und auch in Anlage 4 wieder als beitragsgemindert in Erscheinung treten und dafür zusätzliche EGPT ermittelt werden.
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Allein durch die formale Wandlung der beruflichen Ausbildungszeiten in vollwertige Beitragszeiten wird eine Verschleierung mit überwiegend benachteiligender Wirkung vorgenommen, weil dadurch der Leistungswert aus der Vergleichsbewertung seltener der Höher ist und Gesamtleistungswert wird.

Trotzdem danke für Ihre Darlegung

von
Interessierte

Wo kann man denn so ein Rentenberechnungsprogramm erhalten?

von
LS

Wiill hier dazu keine weiteren Ausführungen machen.
Im Beitrag:
RE: RE: RE: @ alaiye, ergänzende Bemerkung
LS 15.07.2009
finden Sie meine Mailadresse, Sie können mich dann kontaktieren und wir Einzelheiten klären.

von
Gigi

Wie lange will man denn @LS in eigener Sache noch Werbung machen lassen.
Der selbsternannte Rentenberechner, der ein besseres Pogramm als die Rentenversicherungsträger haben will, fragt bei Schwierigkeiten immer hier im Expertenforum nach.
Man gibt ihm dann auch noch konkret Anwort und eröffnet ihm sodann die Möglichkeit für sich selbst zu werden.
Verrückte Welt

Gigi

von
Lustig

Lassen sie den armen Kerl doch. Wer so toll ist, und das auch noch immer jedem präsentieren (..ich habe ein eigenes Rentenberechnugnsprogramm geschrieben...)muss, der braucht sowas!!!

Also einfach mal schreiben wie toll er ist, und das er ja Applaus verdient :-)))

Lachen ist schliesslich immer noch die beste Medizin!!!Ich find solche Leute zum totlachen :-))

von
Keith Moon

Liebe Gigi, lieber Lustig,

im Unterschied zu manch anderem hier anzutreffenden Zeitgenossen ist unser Freund und Mitstreiter "LS" seit vielen Jahren ehrenamtlich als Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung in einer norddeutschen Großstadt tätig und hat es gewiss nicht nötig, irgendwelche persönliche Werbung für sich oder die von ihm entwickelten Programme zu machen. Das "LS" sein Wissen hier im Forum der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung stellt, verdient uneingeschränkte Anerkennung anstatt gehässiger Bemerkungen.

von
LS

Danke Keith Moon für Stellungnahme.
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Bin schon stolz darauf, mit 77 Jahren noch so vit zu sein, ein solches Berechnungsprogramm in vollem Umfang zu beherrschen.
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Stolz bin ich auch, weil ich wohl bisher der einzige in Deutschland bin, der ein solches Programm als Privatperson entwickelt hat, ohne jemals bei der DRV oder BfA gearbeitet zu haben, das aber 100 % tig funktioniert.

Ich habe nie gesagt, dass es besser sei als das der BfA oder oder, es ist lediglich vorteilhafter gestaltet, was den Vergleich mit eigenen Bescheiden angeht.

Und wer solche Detailkenntnisse besitzt, kann auch gut beraten, wovon man sich bisher tausendfach überzeugen konnte.

von
Iris

Keith Moon,

JA, ne iss klar!

von
Lustig

Ich schlage LS für den Posten des Bundeskanzlers vor. Jemand der so grandios ist, sollte der wichtigste Mann Deutschlands werden, obwohl der das ja eigentlich schon ist.

Und hätte er im 3. Schuljahr noch besser aufgepasst, wüsste er das man fit mit "f"schreibt. Aber gut, wer als einziger auf der ganzen Welt...

von
Hmmmm

Mal so nebenbei, der WICHTIGSTE Mann im Staat ist nicht der Kanzler, sondern der Bundespräsident.