Zeiten für Grundrentenanspruch

von
Netti´57

Sie schreiben: "Wenn die Höhe Ihres Grundrentenanspruchs später ausgerechnet wird, zählt nur die Zeit, in der Sie mindestens 30 Prozent des jeweils aktuellen Durchschnittsentgelts aller Versicherten verdient haben.Diese Marke liegt derzeit bei monatlich 1.014 Euro."

Was muss ich unter "Zeit" verstehen? Tage, Monate oder ein Kalenderjahr?
Bei mir sieht z.B. 2020 so aus: ich habe 3 Monate mit überdurchschnittlichem Gehalt gearbeitet, dann wurde ich ab April arbeitslos, und jetzt mit August habe ich einen Minijob mit RV neben Arbeitslosengeld. Bis Ende des Jahres wird mein Jahresbrutto 12.168 € erreichen.

Eine weitere Frage: ich habe längere Zeit im Ausland gearbeitet. Wie wird festgestellt, ob ich während dieser Zeit zw. 30 und 80 Prozent „des jeweils aktuellen Durchschnittsentgelts aller Versicherten” verdient habe?
Danke im Voraus!

von
Berater

Hier finden Sie bisher mögliche Antworten auf viele Fragen zur Grundrente.
Mehr wird Ihnen aktuell niemand sagen können.
Abwarten ist hier das Gebot der Stunde.

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/FAQ/grundrente/grundrente_faq_liste.html#509e0636-4dc5-402b-9d15-d1d855f90c72

von
Jonny

Man muss zwischen Grundrentenzeiten und Grundrentenbewertungszeiten unterscheiden.
Zunächst einmal die Frage: Ist die Zeit überhaupt eine Grundrentenzeit?
Zeiten aus einem Minijob gehören nicht dazu. Auch Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe bzw. ALG II sind keine Grundrentenzeiten.
Dann kommt die Frage: Umfassen die Grundrentenzeiten mindestens 33 Jahre?
Dazu zählen in aller Regel auch vergleichbare Zeiten im Ausland aufgrund von Sozialversicherungsabkommen.

Dann kommt die Frage, ob es sich um Grundrentenbewertungszeiten handelt.
Dazu gehören in jedem Fall die genannten 3 Monate mit Gehalt. Allerdings zählen diese – betrachtet für jeden Kalendermonat für sich – nicht mehr zu den Grundrentenbewertungszeiten, wenn sie nicht mindestens die von Ihnen für ein Kalenderjahr erwähnten 30 % (= 0,3 Entgeltpunkte) erreichen, genauer gesagt für einen Kalendermonat 0,0250 Entgeltpunkte.

Mit dem „überdurchschnittlichen“ Gehalt erreichen Sie aber den erforderlichen Mindestwert; das ergäbe ja z.B. bei einem Gehalt von 120 % (= 1,2000Entgeltpunkte / Jahr bzw. 0,1000 /Monat. Diese Zeiten (also auch die über 80 %) zählen als Grundrentenbewertungszeiten mit.
Bei Auslandszeiten in der EU geht man normalerweise von dem Durchschnittswert aus, der vorher oder nachher in Deutschland erzielt wurde.

Überschreitet der Wert aus allen Grundrentenbewertungszeiten im gesamten Versicherungsleben pro Kalendermonat aber 0,0667 Entgeltpunkte (= gut 80 % / Jahr) gibt es keinen Zuschlag an Entgeltpunkten für langjährige Versicherung (der Begriff „Grundrente“ ist völlig fehl am Platz). Viele Zeiten über 80 % können also dazu führen, dass Zeiten zwischen 30 und 80 % an Verdienst den Maximalwert von 80 % überschreiten und es deshalb keinen Zuschlag gibt.

Vermutlich können Sie aber - insbesondere wegen der Zeiten im Ausland - noch ziemlich lange warten, bis Sie einen Bescheid erhalten.

Experten-Antwort

1. Zunächst einmal ist festzulegen, welche Zeiten zu den Grundrentenzeiten zählen. Hierunter sind im Wesentlichen Zeiten zu berücksichtigen wie Pflichtbeitragszeiten für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit. Auch zu berücksichtigen sind Pflichtbeitragszeiten aufgrund einer geringfügigen Beschäftigung. Darüberhinaus zählen hierzu u. a. auch Pflichtbeitragszeiten aufgrund der Kindererziehung und der Pflege sowie Zeiten des Leistungsbezugs bei Krankheit oder medizinischer oder beruflicher Rehabilitation, soweit diese Zeiten Pflichtbeitragszeiten oder Anrechnungszeiten sind.
Keine Grundrentenzeiten sind Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld, Zeiten mit freiwilligen Beiträgen oder z. B. die Zurechnungszeit.

2. Grundrentenbewertungszeiten sind Zeiten mit mindestens 0,025 Entgeltpunkten pro Monat.

3. Der Zuschlag an Entgeltpunkten ergibt sich aus dem kalendermonatlichen Durchschnittswert an Entgeltpunkten aus allen Grundrentenbewertungszeiten.

4. Sind Zeiten in einem anderen Mitgliedstaat u.a. der EU, des EWR, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich als Grundrentenzeiten zhu berücksichtigen, wird der Zuschlag bei der innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Leistung immer getrennt geprüft und berechnet.

von
Netti´57

Vielen lieben Dank an alle von Ihnen!