Zuschuss zur Rentenversicherung als Bruttoeinkommen bei der Steuererklärung?

von
Renee

Ich arbeite als selbstständige Dozentin für verschiedene Volkshochschulen. Daher bin ich verpflichtet, in die Gezetsliche Rentenversicherung einzuzahlen. Die VHS zahlt einen Zuschuss vom Verdienst, der die Hälfte der Rentenversicherungsbeiträge für den verdienten Betrag ausmachen soll. Mir wurde jedoch mitgeteilt, dass dieser Zuschuss zu meinem Bruttoeinkommen hinzugerechnet werden soll. Das verstehe ich nicht, denn wenn sich meine gesetzliche Rentenversicherung Beitrage nach meinem Bruttoeinkommen richtet, dann bemisst sich meine Zahlung nicht nur nach meinem Realeinkommen, sondern auch nach dem Zuschuss (der die Hälfte meiner RV-Beiträge zahlen soll, und das sind ein paar Tausend Euro im Jahr). Kann ich den Zuschuss für RV-Zahlungen irgendwie von meinem Gesamteinkommen abziehen?

von
Hinweis

Dies ist ein Renten- und kein Steuerforum!

von
Siehe hier

Zitiert von: Renee
Kann ich den Zuschuss für RV-Zahlungen irgendwie von meinem Gesamteinkommen abziehen?

Nein.
Sie müssen diese bei der Steuererklärung mit angeben. Und das Finanzamt, das für Ihre hier gestellten Steuerrechtlichen Fragen zuständig ist, wird dann mit Steuerbescheid feststellen, inwieweit diese Einkünfte sich auf Ihre Steuerlast auswirken.

Im Übrigen muss auch ein angestellter Beschäftigter die Beitragsanteile des Arbeitgebers mit angeben, da sich daraus dann u.a. die Berechnungen des Höchstabzuges des Vorsorgebetrages ergeben.
Sie sind also demgegenüber nicht benachteiligt.
Freuen Sie sich, dass Sie trotz Selbstständigkeit einen Zuschuss erhalten, das ist durchaus nicht überall üblich.

Sofern Sie dazu noch weitere Fragen haben, hilft Ihnen ein Steuerberater, ein Lohnsteuerhilfeverein oder das Finanzamt direkt.
Die Rentenversicherung ist für die Versteuerung von Einkünften nicht zuständig.

Alles Gute!

von
Siehe hier

ergänzend:

Die Beitragshöhe zur Rentenversicherung für Selbstständige hängt dann wiederum davon ab, was im Steuerbescheid als 'steuerpflichtiges Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit' (bzw. aus noch evtl. anderen steuerpflichtigen Einnahmen) festgestellt und wird dann im Rahmen der Spitzabrechnung (jeweils zum 01.07.) anhand des Steuerbescheides korrigiert.

Experten-Antwort

Hallo, Renee,
Fragen zur Abrechnung Ihrer Einkünfte sowie Fragen zur steuerlichen Bewertung beantwortet Ihnen der Arbeitgeber, das zuständige Finanzamt oder Ihr Steuerberater.
Wenn Sie Fragen zur gesetzlichen Rente haben, können Sie diese hier stellen und wir sind gerne bereit, diese zu beantworten.

von
Renee

Zitiert von: Hinweis
Dies ist ein Renten- und kein Steuerforum!

Naja danke, das weiss ich doch. Aber meine Frage geht nicht um wie viel Steuer ich zahlen muss, sondern um warum meine UNFREIWILLIG bezahlte beitrag, den ich gezwungen bin, an der RV zu zahlen,nicht nur auf meine selbständige Einkommen basiert ist, sondern auch auf ein Zuschuss, der gemeint ist, meinen RV Beitrag zu zahlen. Dann muss ich einfach ein höher RV Beitrag zahlen. Macht einfach kein Sinn.

von
Siehe hier

Zitiert von: Renee
Zitiert von: Hinweis
Dies ist ein Renten- und kein Steuerforum!

Naja danke, das weiss ich doch. Aber meine Frage geht nicht um wie viel Steuer ich zahlen muss, sondern um warum meine UNFREIWILLIG bezahlte beitrag, den ich gezwungen bin, an der RV zu zahlen,nicht nur auf meine selbständige Einkommen basiert ist, sondern auch auf ein Zuschuss, der gemeint ist, meinen RV Beitrag zu zahlen. Dann muss ich einfach ein höher RV Beitrag zahlen. Macht einfach kein Sinn.

Und deshalb sollten Sie einen Steuerberater befragen oder das Finanzamt direkt.

Denn Ihre Rentenversicherungsbeträge bezahlen Sie nicht auf die Beträge, die auf Ihrem Konto anhand der Rechnungen eingehen, sondern nach dem vom Finanzamt festgestellten Gewinn, der im Steuerbescheid als 'steuerpflichtiges Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit' ausgewiesen wird.

Und wie sie dort die Zuschüsse getrennt vom eigentlichen Honorar angeben müssen/dürfen, damit diese nicht mit in den Gewinn 'einfließen', sagen Ihnen die o.g. Stellen. Die kennen das 'Problem' bei versicherungspflichtigen Freiberuflern, wie Sie es sind. Es lässt sich also nur dort lösen. Denn die rentenversicherungsrechtliche Seite ist eindeutig: 'steuerpflichtiger Gewinn' = davon (zzt.) 18,6 % Beitrag.

Oder Sie entscheiden sich für einen festen Beitrag, der unabhängig vom Gewinn bezahlt wird. Aktuell beträgt dieser Betrag 611,94 EUR (2021/West).
Mehr Informationen dazu finden Sie in dieser Broschüre oder wenden sich an Ihre zuständige DRV:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/selbstaendig_wie_rv_schuetzt_aktuell.html;jsessionid=EA690F1973C69A072D06471FC495FB2E.delivery1-1-replication?nn=d3494dd1-3d66-44b3-9e44-2fbd1b8a1b54

Einen schönen Sonntag!

von
Renee

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Antwort. Leider frage ich hier, weil ich bei meinem Finanzamt nachgefragt habe und sie sagten, sie könnten diese Frage nicht beantworten, und ich sollte jemand in der RV fragen. Ich habe letztes Jahr bereits 400 Euro (bei sehr geringem Einkommen) an einen Steuerberater gezahlt, der mir überhaupt nicht geholfen hat. Also hatte ich gehofft, dass irgendwo jemand weiß, wie ich mit dieser Problem umgehen kann. Das deutsche System ist für Freiberufler leider sehr kompliziert und ich verdiene anscheinend nicht genug, um davon zu profitieren. Der Betrag, den ich aus meinem sehr geringen Einkommen in das System einzahle, ist einfach erstaunlich. Ich kann es mir nicht leisten, noch einmal für einen Steuerberater zu bezahlen. Ich merke jedoch, dass dies nicht das richtige Forum ist - ich habe nur hier nachgefragt, weil mir das Finanzamt dazu geraten hat.

von
Siehe hier

Zitiert von: Renee
...Also hatte ich gehofft, dass irgendwo jemand weiß, wie ich mit dieser Problem umgehen kann. Das deutsche System ist für Freiberufler leider sehr kompliziert und ich verdiene anscheinend nicht genug, um davon zu profitieren. ...

Sooo kompliziert ist es eigentlich gar nicht :-)
Fragen Sie doch einfach mal einen Kollegen an der VHS, der/die dort den Kurs 'Steuererklärung' gibt....

https://www.vhs.info/steuererklaerung/

oder hier mal gucken:

https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=19698C25E50FFD370ED2

In Zeile 6 tragen Sie Ihre Zahlung an die RV ein, in Zeile 7 den Betrag, den Sie von der VHS erstattet bekommen.

(Falls in dem Betrag auch ein Zuschuss für KV/PV enthalten ist, muss das natürlich gesplittet werden!).

Es gibt auch für ca. 30 EUR Steuersoftware, die Schritt für Schritt durch die Steuererklärung führt :-)

von
Grimm

Zitiert von: Renee
Ich danke Ihnen sehr für Ihre Antwort. Leider frage ich hier, weil ich bei meinem Finanzamt nachgefragt habe und sie sagten, sie könnten diese Frage nicht beantworten, und ich sollte jemand in der RV fragen. Ich habe letztes Jahr bereits 400 Euro (bei sehr geringem Einkommen) an einen Steuerberater gezahlt, der mir überhaupt nicht geholfen hat. Also hatte ich gehofft, dass irgendwo jemand weiß, wie ich mit dieser Problem umgehen kann. Das deutsche System ist für Freiberufler leider sehr kompliziert und ich verdiene anscheinend nicht genug, um davon zu profitieren. Der Betrag, den ich aus meinem sehr geringen Einkommen in das System einzahle, ist einfach erstaunlich. Ich kann es mir nicht leisten, noch einmal für einen Steuerberater zu bezahlen. Ich merke jedoch, dass dies nicht das richtige Forum ist - ich habe nur hier nachgefragt, weil mir das Finanzamt dazu geraten hat.

Das Finanzamt verweist in steuerrechtlichen Angelegenheiten an die Rentenversicherung?
Ist mal wieder Märchenstunde?

von
Jonas

Hallo Renee,

Sie bekommen für Ihre Lehrtätigkeit ein Honorar. Zusätzlich erhalten Sie einen Zuschuss für Ihre Beitragspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Das Problem ist, dass die VHS nicht Ihr Arbeitgeber ist und die Beiträge direkt an die Rentenversicherung abführen kann. Damit erhöht der Zuschuss letztendlich Ihr Arbeitseinkommen. Ob der Betrag als Zuschuss gekennzeichnet ist, spielt dabei keine Rolle. Rechtlich gesehen stellt der Zuschuss weiteres Arbeitseinkommen dar, welches der Steuerpflicht unterliegt.

Sofern Sie einen einkommensabhängigen Beitrag zahlen, erhöht sich natürlich auch die Beitragsforderung der Rentenversicherung. (Damit erwerben Sie im Übrigen aber auch höhere Rentenansprüche.)

Alternativ können Sie für sich prüfen, ob die Zahlung des Regelbeitrages (2021 = mtl. 611,94 EUR, entspricht einem Einkommen von 39.480 EUR) für Sie günstiger ist.

Grüße
Jonas

von
Siehe hier

Zitiert von: Jonas
...

Das Problem ist, dass die VHS nicht Ihr Arbeitgeber ist und die Beiträge direkt an die Rentenversicherung abführen kann. Damit erhöht der Zuschuss letztendlich Ihr Arbeitseinkommen. Ob der Betrag als Zuschuss gekennzeichnet ist, spielt dabei keine Rolle. Rechtlich gesehen stellt der Zuschuss weiteres Arbeitseinkommen dar, welches der Steuerpflicht unterliegt.

...

Beitragspflichtig bei Selbstständigen ist für die Rentenversicherung das 'steuerpflichtige Einkommen'. Wenn also die VHS zweckgebundene Zuschüsse bezahlt, wie in diesem Fall die VHS Kiel

https://www.gew-sh.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/honorarerhoehung-an-foerde-vhs-gutes-signal-in-schwieriger-zeit/

und das Finanzamt diese Zuschüsse als 'steuerfrei' akzeptiert, dann werden diese Beträge auch nicht in das 'steuerpflichtige Einkommen' mit einberechnet und dann werden darauf auch keine Beiträge zur Rentenversicherung fällig. Siehe auch §3 EStG Punkt 62.

Bei der Steuererklärung sind die Honorare (Einnahmen) und die Zuschüsse (Erstattung) getrennt anzugeben. Zusätzlich stellt sicherlich die VHS auch gern eine Bescheinigung über diese Zuschüsse zur Vorlage beim Finanzamt aus.

von
Jonas

Hallo siehe hier,

die Entscheidung trifft natürlich alleine die Finanzverwaltung

...[/quote]

Beitragspflichtig bei Selbstständigen ist für die Rentenversicherung das 'steuerpflichtige Einkommen'. Wenn also die VHS zweckgebundene Zuschüsse bezahlt, wie in diesem Fall die VHS Kiel

und das Finanzamt diese Zuschüsse als 'steuerfrei' akzeptiert, dann werden diese Beträge auch nicht in das 'steuerpflichtige Einkommen' mit einberechnet und dann werden darauf auch keine Beiträge zur Rentenversicherung fällig. Siehe auch §3 EStG Punkt 62.

[/quote]

Ich glaube jedoch, dass § 3 Nr. 62 EStG hier nicht einschlägig ist.

"Ausgaben des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung des Arbeitnehmers, soweit der Arbeitgeber dazu nach sozialversicherungsrechtlichen oder anderen gesetzlichen Vorschriften oder nach einer auf gesetzlicher Ermächtigung beruhenden Bestimmung verpflichtet ist,.."

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, daher greift § 3 Nr. 62 Satz 1 EStG nicht.

"Den Ausgaben des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung, die auf Grund gesetzlicher Verpflichtung geleistet werden, werden gleichgestellt Zuschüsse des Arbeitgebers zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers
a)für eine Lebensversicherung,
b)für die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung,
c)für eine öffentlich-rechtliche Versicherungs- oder Versorgungseinrichtung seiner Berufsgruppe,

wenn der Arbeitnehmer von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreit worden ist."

Der Arbeitnehmer ist nicht von der Versicherungspflicht befreit worden. Er ist Versicherungspflichtig aufgrund der selbständigen Tätigkeit und zahlt auch keine Beiträge nach den Buchstaben a - c.

Letztendlich sind aber alle Ausführungen egal. Maßgebend für den RV-Träger ist das Einkommen, dass sich aus dem Steuerbescheid ergibt. Die Prüfung obliegt alleine der Finanzverwaltung.

Renee kann diese Frage also nur mit einem Steuerberater oder dem Finanzamt rechtssicher klären.

Die Alternative (Regelbeitrag) sind zudem bereits aufgezeigt worden.

Grüße

Jonas

von
Renee

https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=19698C25E50FFD370ED2

Können Sie mir bitte mitteilen, welche Form das ist? der Link führt nur zu einer allgemeinen Seite des Bundesministeriums.

von
Siehe hier

Zitiert von: Renee
https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=19698C25E50FFD370ED2

Können Sie mir bitte mitteilen, welche Form das ist? der Link führt nur zu einer allgemeinen Seite des Bundesministeriums.

Hoffe, das funktioniert besser:

https://www.formulare-bfinv.de/ffw/content.do?%24csrf=99YTVNZBTNVZNBR2YIOLFAEBK

die Seite, auf die ich mich bezogen hatte war 082 Vorsorgeaufwendungen

Aber ansonsten finden Sie dort auch die anderen notwendigen Formulare für eine Einkommensteuererklärung

Interessante Themen

Rente 

Hinzuverdienstgrenze für Frührentner fällt 2023 weg

Wer als Frührentner arbeiten geht, muss nicht mehr fürchten, dass die Rente gekürzt wird – für ältere Arbeitnehmer ein Anlass, die eigene...

Altersvorsorge 

„Senioren Geld aus der Tasche ziehen“

TV-Werbespots preisen den Teilverkauf als perfekte Form der Immobilienverrentung. Warum ein Experte davon gar nichts hält.

Rente 

Rentenbesteuerung: Diese Regeln gelten für Rentner bei der Steuer

Was wie besteuert wird, wie Rentner die Anlage R richtig ausfüllen und wie sie Steuern sparen können.

Altersvorsorge 

Baukredit mit 50+: Geld gibt’s auch im Alter

Auch ältere Menschen brauchen mitunter ein Darlehen von der Bank für eine Immobilie. Wie die Chancen stehen und was Verbraucherschützer raten.

Altersvorsorge 

Kostenfallen bei der privaten Rentenversicherung

Zu hohe Kosten entpuppen sich oft als Renditekiller bei der privaten Altersvorsorge. Wie Sie zu teure Versicherungen erkennen und Kosten senken.