2 Arbeitslosigkeit vor Regelaltersrente

von
grokon

Hallo,
ich bin Jahrgang 5/54 und in einem ungekündigtem Arbeitsverhältnis. Die Geschäftsleitung hatte uns heute eröffnet, das die Firma im Jahr 2018 aller Voraussicht nach geschlossen wird.
Für mich persönlich bedeutet das, sofern ich ab 2018 keine neue Anstellung bekomme, werde ich wohl noch bis zur Regelaltersrente in die Arbeitslosigkeit abrutschen.
hat jemand verlässliche Information, in wie weit das auf die Höhe meiner Altersrente Auswirkung hat?

Meine letzte Renteninformation aus 2014 weist eh schon nur eine Rente zum 1.02.2010 von 960,--€ aus.

Wird sich nun durch die zu erwartende Arbeitslosigkeit die zu erwartende Rente noch weiter reduzieren?

Über eine sachkundige Antwort würde ich mich sehr freuen

dank und alles liebe

GroKon

von
W*lfgang

Zitiert von: grokon
hat jemand verlässliche Information, in wie weit das auf die Höhe meiner Altersrente Auswirkung hat?
grokon,

die Auswirkungen auf die Regelaltersrente - so lange wird Ihr ALG fast reichen - sind minimal. In dieser Zeit ALG 1 werden weiterhin 80 % Ihrer bisherigen Beiträge an Ihr Rentenkonto gezahlt.

Beispiel: Sie haben bisher 30.000 EUR Bruttojahreseinkommen gehabt, macht 25 EUR Monatsrente für 1 Jahr Arbeit aus. Zahlt das 'Arbeitsamt' nur 80 % Beiträge, gehen Ihnen gerade mal 5 EUR Monatsrente für 1 Jahr verloren - bis 65 + 8 / Ihre Regelaltersgrenze fehlen Ihnen keine 10 EUR, als hätten Sie bis dahin weitergearbeitet. Und selbst wenn Sie eine AR vor 65 + 8 beantragen müssten/ALG kurz vorher ausläuft/Anspruch auf 2 Jahre begrenzt, noch ein 5er weniger - mehr macht das nicht aus.

Gruß
w.

von
GroKon

Vielen Dank für die sehr informative Antwort. Das gibt mir ein wenig Ruhe.

Ich habe irgendwo gelesen, das sich die Arbeitslosigkeit von 24 Monaten 2 Jahre vor Erhalt der Regelrente auf die Rentenhöhe negativ auswirken kann, sofern es sich nich um eine Insolvenz des Arbeitgebers oder eine Firmenschließung handelt.

Ich bin eine 54 er Jahrgang mit Errreichung des Rentenalters zum 01.02.2020. Nuß ich mir von meinem Arbeitgeber bescheinigen lassen, das ich auf Grund einer beabsichtigten Firmenschließung gekündigt werde?

Weiß jemand, wie hier der Sachverhalt zu händeln ist?

Danke

GroKon

von
senf-dazu

Hallo grokon,

Sie werfen zwei Dinge durcheinander.
1. Während der Arbeitslosigkeit werden weiter Rentenbeiträge gezahlt, wie W*lfgang es beschrieben hat. Erst beim Arbeitslosengeld kommen keine Rentenbeiträge mehr aufs Rentenkonto.
2. Wenn Sie die "Rente ab 63" in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie die Wartezeit von 45 Jahren erfüllen. Hier wurde dann die Regel ins Gesetz geschrieben, dass für diese Wartezeit in den letzten beiden Jahren vor Rentenbeginn die Zeit der Arbeitslosigkeit nicht zählt bzw. nur in bestimmten Fällen. Hier geht es um die *Wartezeit*, Rentenbeiträge kommen in dieser Zeit trotzdem dazu.

Alles klar?

von
GroKon

danke für die sachliche Information. Die Gerüchteküche sorgt halt hier manchmal für Verwirrung.

Trotzdem noch einmal die Frage, muß ich den Grund der Arbeitslosig die letzten 2 Jahre vor der Regelaltersrente bekannt geben, oder reicht der Deutschen Rentenversicherung die einfache Bescheinigung des Job Center.

Ich frage deshalb, ist die Firma erst einmal erloschen, wird eine derartige Bescheinigung nicht einfach im Nachhinein zu bekommen sein.

Danke

von
SuchenUndFragen

Wie senf-dazu geschrieben hat, hat der Grund der Arbeitslosigkeit bei der Altersrente zum "normalen" Termin keinerlei Auswirkungen. Daher ist auch keine entsprechende Bescheinigung erforderlich.

von
GroKon

Vielen Dank an alle für die tollen Informationen.

ich habe für meinen teil nun Klarheit

Alles liebe

GroKon

von
Herz1952

Klitzekleine Berichtigung zum Beitrag von senf-dazu:

Er meinte, erst beim Arbeitslosengeld II (H4) kommen keine Beiträge mehr dazu.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo GroKon,

ergänzend zu den Anmerkungen empfehle ich Ihnen, dass Sie sich bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung informieren, ob beispielsweise eine andere Altersrente ohne Abschläge in Betracht kommt, sofern Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht bis zum Beginn der Regelaltersrente (Regelaltersgrenze: 65 Jahre + 8 Mon.) besteht.

Mit freundlichen Grüßen

von
senf-dazu

Zitiert von: Herz1952

Klitzekleine Berichtigung zum Beitrag von senf-dazu:

Er meinte, erst beim Arbeitslosengeld II (H4) kommen keine Beiträge mehr dazu.


Richtig!
Danke für die Korrektur.

von
W*lfgang

Hallo Groko,

> Trotzdem noch einmal die Frage, muß ich den Grund der Arbeitslosig die letzten 2 Jahre vor der Regelaltersrente bekannt geben, oder reicht der Deutschen Rentenversicherung die einfache Bescheinigung des Job Center.

zunächst ist die Agentur für Arbeit (AfA) (früher: Arbeitsamt) in den ersten 2 Jahren zuständig. Und hier/AfA wäre es bereits wichtig, eine Bescheinigung über die betriebsbedingte Kündigung vorzulegen, da Sie andernfalls mit eine Sperrfrist von 12 Wochen rechnen müssen, sprich: kein ALG/kein Einkommen.

Die AfA meldet der DRV lediglich eine 'Pflichtbeitragszeit wg. Arbeitslosigkeit', der ausschlaggebende Grund wird nicht dem Rentenkonto gemeldet.

Jobcenter/gemeinhin "Hartz4" ist erst nach Auslaufen ALG 1 zuständig und auch nur dann, wenn Sie bedürftig sind. Das Jobcenter wird Sie aber nicht mehr als 'Kunden' aufnehmen und zahlen, da Sie dann das 63. Lbj. vollendet haben und somit bereits 'zwangsverrentungsfähig sind.

> Ich frage deshalb, ist die Firma erst einmal erloschen, wird eine derartige Bescheinigung nicht einfach im Nachhinein zu bekommen sein.

Eben, was man hat das hat man, könnte auch für die DRV wg. der 45 Jahre nützlich sein.

Gruß
w.

von Experte/in Experten-Antwort

Folgende Vorgehensweise sollten Sie beachten:
1. Nach der Kündigung haben Sie zunächst Anspruch auf Arbeitslosengeld. Hier ist die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit gegeben.
2. Anspruch auf Regelaltersrente für den Geburtsjahrgang 1954 besteht ab dem 65. Lebensjahr und 8 Monate. Diese Rente wird ohne Abschlag geleistet. Voraussetzung ist lediglich eine Versicherungszeit von fünf Jahren. Weitere versicherungsrechtliche Voraussetzungen sind nicht zu erfüllen.
3. Anspruch auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte besteht, wenn eine Versicherungszeit von 45 Versicherungsjahren zurückgelegt wurde. Hierbei ist zu beachten, dass die Leistungen der Arbeitsförderung jedoch in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn nur berücksichtigt werden, die Leistung durch eine Insolvenz oder vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers bedingt war.

von
GroKon

Danke für die Info, habe durch dieses Forum einiges an Klarheit bekommen.

Alles liebe

grokon