ALTERSTEILRENTE WEGEN PFLEGE - der (Fehler?) Teufel im Rentenbescheid

von
Modi1969

Hallo zusammen,

nachdem im Thread von Quasimodo zu Par. 76 d SGB VI auch von Expertenseite ausführlich geantwortet wurde, bleibt m.E. eine Frage offen:
Um zu vereinfachen, stelle ich Zahlbeträge und nicht (pers.) Entgeltpunkte dar:
Meine Mutter (76) beantragte im Juli 2017 die Auszahlung ihrer REGELaltersrente als 99%- Teilrente. Hierdurch zahlt die Pflegekasse für Sie seit 1.7.2017 Beiträge in die RV (Pflege meines Vaters).
Bereinigt verlor sie von ihren 200 Euro Altersrente (ohne Mütterrentenzuschlag) 2 Euro ab 7- 2017. So weit, so korrekt.
Aus der Pflege 2017 müssten isoliert betrachtet ca. 4 Euro Rentenanspruch entstehen, die durch den erhöhten Zugangsfaktor (über 170 %) auf ca. 6,80 Euro anwachsen.
Jetzt kam der Zuschlagsrentenbescheid der DRV, der nur knapp 4 Euro Zuwachs brachte. Nach mehrfacher Studie des Bescheides fand ich den Grund: die DRV kürzt die Anwartschaft aus der Pflege um den Wert der Regelaltersrente, der 1% des Ursprungsrentenanspruchs vor Teilrentenzahlung (immer ohne Mütterrente) entsprach, also aus 4 Euro werden 2 Euro, die dann zu 170 % verrentet werden (3,40 Euro). Meine Frage: ist diese Berechnung rechtlich korrekt oder hat sich ggf. bei der DRV der Fehlerteufel eingeschlichen?
Weder in den Medien, noch hier im Portal wurde kommuniziert, dass der Pflegezuwachs nicht voll ausgezahlt, sondern um x% des Ursprungsrentenanspruchs vor Teilrentenzahlung gemindert wird. Die Beispiele im anderen Thread zielen immer auf Besitzschutzregelungen bei Renten mit Anschlägen ab. Wird bei der Zuschlagsberechnung eine richtige Neuberechnung mit Besitzschutzprüfung durchgeführt oder gibt es nur einen ZUSCHLAG zur bisherigen Biografie?
Dass der Pflegezuwachs wiederum nur zu 99 % fließt, solange Teilrente bezogen wird, ist klar.
Ich habe gegen den Zuschlagsrentenbescheid Widerspruch eingelegt und das Verfahren läuft noch. Mich würde trotzdem interessieren, wie die Chancen stehen, dass der Bescheid der Mutter zu ihren Gunsten korrigiert wird, weil die DRV falsch lag.

von
Jonny

@modi1969
Also wenn ich das richtig sehe, wurden aufgrund des 1%-igen Verzichts vom JUL 2017-JUN 2018 jeweils monatlich 2 € nicht gezahlt, was 0,0645 pEP entsprach. Die Teilrente für JUL 2017-JUN 2018 beruhte also nur auf 6,3809 pEP und betrug deshalb 198,00 €
Gleichzeitig konnten mit Beiträgen der Pflegeversicherung (Pflegegrad 2-Pflegegeld) für das zweite Halbjahr 2017 dann 0,1299 Entgeltpunkte mit einem Zugangsfaktor von 1,720 als 0,2234 persönliche Entgeltpunkte gutgeschrieben werden. Diese wirken sich aber erst ab JUL 2018 aus. Damit steigt die (ab JUL 2018 bei Pflegeende im JUN 2018) auf eine Vollrente aus 6,4454 + 0,2234 = 6,6727 pEP an. Hinzu kommt eine Erhöhung der nicht in Anspruch genommenen 0,0645 pEP um einen Zugangsfaktor von 1,060 für das eine Jahr mit der 99%-igen Teilrente = 0,0039 pEP. Das ergibt dann insgesamt 6,6766 pEP bzw. eine mit dem aktuellen Rentenwert von 32,03 € zu berechnende Rente in Höhe von 206,57 €.
Die Pflegebeiträge für das erste Halbjahr 2018 in Höhe von 0,1302 EP * Zugangsfaktor 1,780 = 0,2318 steigern erst ab JUL 2019 die Summe für die dann auszuzahlende Rente auf 6,9045 pEP.
Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren (nur nicht von Kaiser’s, Groko’s oder ähnlichen „Experten“).

von
Jonny

Kleine Ergänzung:
Erst wenn die Pflegezeit ab JUL 2018 wirksam wird, muss die Kürzung um 1% natürlich auch das Mehr aus der Pflege umfassen, da diese ja auch in die Teilrente bis zum Ende der Pflege bzw. Teilrente eingeht.

von
Kaiser

Zitiert von: Jonny
@modi1969
Also wenn ich das richtig sehe, wurden aufgrund des 1%-igen Verzichts vom JUL 2017-JUN 2018 jeweils monatlich 2 € nicht gezahlt, was 0,0645 pEP entsprach. Die Teilrente für JUL 2017-JUN 2018 beruhte also nur auf 6,3809 pEP und betrug deshalb 198,00 €
Gleichzeitig konnten mit Beiträgen der Pflegeversicherung (Pflegegrad 2-Pflegegeld) für das zweite Halbjahr 2017 dann 0,1299 Entgeltpunkte mit einem Zugangsfaktor von 1,720 als 0,2234 persönliche Entgeltpunkte gutgeschrieben werden. Diese wirken sich aber erst ab JUL 2018 aus. Damit steigt die (ab JUL 2018 bei Pflegeende im JUN 2018) auf eine Vollrente aus 6,4454 + 0,2234 = 6,6727 pEP an. Hinzu kommt eine Erhöhung der nicht in Anspruch genommenen 0,0645 pEP um einen Zugangsfaktor von 1,060 für das eine Jahr mit der 99%-igen Teilrente = 0,0039 pEP. Das ergibt dann insgesamt 6,6766 pEP bzw. eine mit dem aktuellen Rentenwert von 32,03 € zu berechnende Rente in Höhe von 206,57 €.
Die Pflegebeiträge für das erste Halbjahr 2018 in Höhe von 0,1302 EP * Zugangsfaktor 1,780 = 0,2318 steigern erst ab JUL 2019 die Summe für die dann auszuzahlende Rente auf 6,9045 pEP.
Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren (nur nicht von Kaiser’s, Groko’s oder ähnlichen „Experten“).

Ja der Jonny. Immer eine Hintertür offen lassen. Könnte ja sein, dass sein Wissen doch nicht so komplex ist, wie er glaubt.
Warum dann nicht gleich die Antwort des Experten abwarten?
So ein Profilierungszwang kann für sich und andere unangenehm sein.

von
Modi1969

Hallo Jonny,

Sie sind mit ihren EP sehr dicht an den Werten des Bescheids. Ihre Berechnung kommt in etwa auf das, was ich letztes Jahr bei Teilrente erwartet hatte. Der entscheidende Unterschied ist, dass die DRV nicht den kompletten Pflegezuwachs (0,1299) mit 170 % verrentet, sondern nur ca. 0,06 EP ( Zuwachs Pflege abzüglich EP aus 1 % der Vollrente bis 06/2017). Somit wird der Zuwachs praktisch halbiert.
Eine rechtliche Grundlage hierfür könnte ich (bisher) nicht finden. Ob Par. 88 SGB 6 hier Ursache ist, war aus den Antworten des anderen Threads nicht klar rauszulesen.
Jetzt könnte man sagen, was soll's, es gibt doch mehr. Die Frage hat aber Grds. Bedeutung, insbesondere wenn die Rente höher ist. Stellt sich ja für den pflegenden Rentner die Frage, wie lange er seine Zuschlags-Rente beziehen muss, um die vorherige Teilrente zu amortisieren. Wenn ich jetzt vom möglichen Zuwachs aus Pflege wiederum das 1 % der Vollrente vor Teilrente abziehen muss, rechnet sich der ganze Aufwand selbst bei hochbetagten Pflegenden eher nicht. Der Sinn der Teilrente würde aber stets anders kommuniziert..
Also -entweder Fehlerteufel DRV oder Teufel im Detail...

von
Groko

Zitiert von: Modi1969
Hallo zusammen,

nachdem im Thread von Quasimodo zu Par. 76 d SGB VI auch von Expertenseite ausführlich geantwortet wurde, bleibt m.E. eine Frage offen:
Um zu vereinfachen, stelle ich Zahlbeträge und nicht (pers.) Entgeltpunkte dar:
Meine Mutter (76) beantragte im Juli 2017 die Auszahlung ihrer REGELaltersrente als 99%- Teilrente. Hierdurch zahlt die Pflegekasse für Sie seit 1.7.2017 Beiträge in die RV (Pflege meines Vaters).
Bereinigt verlor sie von ihren 200 Euro Altersrente (ohne Mütterrentenzuschlag) 2 Euro ab 7- 2017. So weit, so korrekt.
Aus der Pflege 2017 müssten isoliert betrachtet ca. 4 Euro Rentenanspruch entstehen, die durch den erhöhten Zugangsfaktor (über 170 %) auf ca. 6,80 Euro anwachsen.
Jetzt kam der Zuschlagsrentenbescheid der DRV, der nur knapp 4 Euro Zuwachs brachte. Nach mehrfacher Studie des Bescheides fand ich den Grund: die DRV kürzt die Anwartschaft aus der Pflege um den Wert der Regelaltersrente, der 1% des Ursprungsrentenanspruchs vor Teilrentenzahlung (immer ohne Mütterrente) entsprach, also aus 4 Euro werden 2 Euro, die dann zu 170 % verrentet werden (3,40 Euro). Meine Frage: ist diese Berechnung rechtlich korrekt oder hat sich ggf. bei der DRV der Fehlerteufel eingeschlichen?
Weder in den Medien, noch hier im Portal wurde kommuniziert, dass der Pflegezuwachs nicht voll ausgezahlt, sondern um x% des Ursprungsrentenanspruchs vor Teilrentenzahlung gemindert wird. Die Beispiele im anderen Thread zielen immer auf Besitzschutzregelungen bei Renten mit Anschlägen ab. Wird bei der Zuschlagsberechnung eine richtige Neuberechnung mit Besitzschutzprüfung durchgeführt oder gibt es nur einen ZUSCHLAG zur bisherigen Biografie?
Dass der Pflegezuwachs wiederum nur zu 99 % fließt, solange Teilrente bezogen wird, ist klar.
Ich habe gegen den Zuschlagsrentenbescheid Widerspruch eingelegt und das Verfahren läuft noch. Mich würde trotzdem interessieren, wie die Chancen stehen, dass der Bescheid der Mutter zu ihren Gunsten korrigiert wird, weil die DRV falsch lag.

Na Jonny, der wievielte Nick - Name ist das denn?

Experten-Antwort

Hallo Modi1969,

Sie haben ja schon geschrieben, dass Jonny sehr dicht an den Werten des Bescheides dran ist. An dieser Stelle Lob an Jonny! Meines Erachtens hat Jonny lediglich die Zuschlags-Entgeltpunkte nicht ganz korrekt ermittelt, da er sie anhand des aktuellen Rentenwerts 2017 berechnet hat, obwohl der Zuschlag zum 01.07.2018 geleistet wird und damit der aktuelle Rentenwert 2018 maßgebend sein dürfte. Ich komme dann auf einen Zuschlag von 4,- Euro : 32,03 Euro = 0,1249 Entgeltpunkten (ohne Zugangsfaktor).

Entsprechend ergeben sich in der Rente Ihrer Mutter ab 01.07.2018 folgende Entgeltpunkte:

6,3809 EP (= 99 % der bisherigen EP)
+ 0,0645 EP (1 % der bisherigen EP)
+ 0,1249 EP (Zuschlag für Pflegetätigkeit)
= 6,5703 EP

Das sind die Entgeltpunkte für eine VOLLRENTE.

Jetzt kommt das Entscheidende: Da Ihre Mutter weiterhin nur eine 99 %-TEILRENTE bezieht, wird die Rente nur aus 99 % der EP berechnet. Also aus 6,5703 EP x 0,99 = 6,5046 EP.

Bei diesen 6,5046 EP werden zuerst die EP berücksichtigt, die der Rente am längsten zugrunde lagen. Also zuerst die 6,3809 EP und die 0,0645 EP, zusammen also 6,4454 EP. Es verbleiben noch 6,5046 EP – 6,4454 EP = 0,0592 EP, die der 99 %-Teilrente zugrunde zu legen sind. Von dem Zuschlag in Höhe von 0,1249 EP können also bei der Teilrente nur 0,0592 EP berücksichtigt werden, somit nur ca. die Hälfte – wie Sie richtigerweise auch schon festgestellt haben (Zitat: "nur ca. 0,06").

Fazit: Die Zuschlagsentgeltpunkte kommen nur deswegen in der Rente Ihrer Mutter nicht voll zum Tragen, weil die Rente weiterhin nur aus 99 % aller Entgeltpunkte geleistet wird und dabei die zuletzt ermittelten Entgeltpunkte immer nachrangig heranzuziehen sind. Würde Ihre Mutter ab 01.07.2018 eine Vollrente beziehen, würde der Zuschlag auch in voller Höhe berücksichtigt. Momentan RUHEN die Entgeltpunkte aus dem Zuschlag aber in der Rente Ihrer Mutter teilweise, weil Ihre Mutter beantragt hat, dass sie die Rente nur aus 99 % der Entgeltpunkte erhalten möchte (gewählte Teilrente).

Wie gewünscht nenne ich Ihnen auch noch die Rechtsgrundlage, nach der nur 99 % der Entgeltpunkte bei der gewählten Teilrente zu berücksichtigen sind: § 66 Absatz 3 Satz 1 SGB VI.

von
Jonny

@Experte
Danke für die Erläuterung. Aber wird das im Pflegegrad 2 - Pflegegeld von der Pflegekasse versicherte Entgelt für das 2. Halbjahr 2017 in Höhe von 4819,50 € nicht in Entgeltpunkte umgerechnet, wie normalerweise? Nämlich geteilt durch das am 1. Juli 2018 für 2017 bekannte vorläufige Durchschnittsentgelt in Höhe von 37103 € und ergibt damit die von mir genannten 0,1299 EP? Mit dem Zugangsfaktor - bezogen auf das 65. Lebensjahr ergibt das dann doch 0,2166 pEP, oder?

Experten-Antwort

Zitiert von: Jonny
@Experte
Danke für die Erläuterung. Aber wird das im Pflegegrad 2 - Pflegegeld von der Pflegekasse versicherte Entgelt für das 2. Halbjahr 2017 in Höhe von 4819,50 € nicht in Entgeltpunkte umgerechnet, wie normalerweise? Nämlich geteilt durch das am 1. Juli 2018 für 2017 bekannte vorläufige Durchschnittsentgelt in Höhe von 37103 € und ergibt damit die von mir genannten 0,1299 EP? Mit dem Zugangsfaktor - bezogen auf das 65. Lebensjahr ergibt das dann doch 0,2166 pEP, oder?

Hallo Jonny,

wenn Sie unterstellen, dass das versicherte Pflegegeld 4.819,50 Euro betrug, liegen Sie richtig. Nachdem das versicherte Pflegegeld von Modi1969 nicht genannt wurde, habe ich mich ausschließlich an die Daten aus der Sachverhaltsschilderung gehalten, das waren 4,- Euro Rentenzuwachs ohne Zugangsfaktor.

Gerne kann ich aber mein ohnehin schon an Sie erteiltes Lob an Sie auf ein 100%-Lob ausweiten. ;-)

P.S.: In Bezug auf die geschilderte Problematik spielt eine Abweichung bei den Zuschlagsentgeltpunkten in der dritten Dezimalstelle keine entscheidende Rolle.

von
Modi1969

Lieber Experte,
vielen Dank für Ihre Ausführungen. Nach Lesen des Posts waren meine Hoffnungen auf den Fehlerteufel bei der DRV zunächst zerstört. Nachdem ich übers Wochenende die RAA zu Par. 66 gelesen habe, keimt neue Hoffnung auf:
Ich denke, Ihre Ausführungen sind korrekt, wenn es um eine Neuberechnung der Rente zur REGELALTERSGRENZE geht. Im Fall meiner Mutter (REGELALTERSRENTE seit Jahren) müsste es aber wie folgt aussehen:
Es werden Zuschlagsentgeltpunkte nach Par. 66 Abs. 3a SGB VI ermittelt, die dann wiederum nach Par. 77 Abs. 2 Nr. 4 SGBVI einen erhöhten Zugangsfaktor erhalten-im Fall meiner Mutter 170,5 %.
Nehme ich Beispiel 10 zu RAA Par. 77 -letzter Teil – ergeben sich folgende Zuschlags-EP:
0,1399 x 1,705 = 0,2385 EP .
Die so ermittelten EP werden dann entsprechend dem Verhältnis Teil/Vollrente , also zu 99% verrentet.
Im Fall meiner Mutter müssten sich somit 7,56 Euro Zuwachs aus der Pflege 2017 ergeben.
Liege ich mit meinen Schlussfolgerungen richtig (Fehlerteufel System DRV) oder übersehe ich den Teufel im Detail -und wenn Letzteres zutrifft -wo versteckt er sich?

Experten-Antwort

Hallo Modi1969,

Ihr Fehler liegt darin, dass Sie die Zuschlagsentgeltpunkte bei der Teilrente zu 99 % berücksichtigen wollen. Bei einer 99 %-Teilrente werden allerdings nicht alle Entgeltpunkte und Zugangsfaktoren gleichmäßig zu 99 % berücksichtigt, sondern vorrangig die "ältesten" Entgeltpunkte und Zugangsfaktoren zu 100 %. Dadurch werden die Zuschlagsentgeltpunkte als "jüngste" Entgeltpunkte zu weniger als 99 % berücksichtigt, im Fall Ihrer Mutter nur ca. zur Hälfte.

Nachlesen können Sie das in der Rechtlichen Arbeitsanweisung zu § 77 SGB VI im Abschnitt R5.2 im sechsten Absatz:

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_77R5.2

Das Beispiel 10 in der Rechtlichen Arbeitsanweisung zu § 77 SGB VI ist mit dem Fall Ihrer Mutter nicht vergleichbar, da im Beispiel 10 keine Teilrente bezogen wird. Die Besonderheit, dass Entgeltpunkte nicht im vollen Umfang in Anspruch genommen werden, tritt aber gerade nur bei Teilrenten auf.

von
Modi1969

Lieber Experte,

vielen Dank für Ihre Info. Damit meine Mutter den vollen Zuschlag erhält, müsste sie also in die Vollrente rückwechseln. Hiermit verlöre sie aber den Zuwachs aus der Pflege für den/die Monate des VOLLrentenbezugs.
Ob die hieraus entstehende Lösung allerdings "verwaltungseinfach" ist, wage ich zu bezweifeln.
Mir tut die SB leid...

M.E. müssten auch die Artikel auf Ihrer Seite zum Thema Altersrente/Pflege um das kleine, aber wesentliche Detail ergänzt werden..

Experten-Antwort

Zitiert von: Modi1969
Lieber Experte,

vielen Dank für Ihre Info. Damit meine Mutter den vollen Zuschlag erhält, müsste sie also in die Vollrente rückwechseln. Hiermit verlöre sie aber den Zuwachs aus der Pflege für den/die Monate des VOLLrentenbezugs.
Ob die hieraus entstehende Lösung allerdings "verwaltungseinfach" ist, wage ich zu bezweifeln.
Mir tut die SB leid...

M.E. müssten auch die Artikel auf Ihrer Seite zum Thema Altersrente/Pflege um das kleine, aber wesentliche Detail ergänzt werden..


Hallo Modi1969,

richtig, wenn Ihre Mutter in die Vollrente wechselt, wirkt sich der Zuschlag sofort bei der Rentenberechnung aus.

Es ist aber grundsätzlich kein Nachteil, wenn Ihre Mutter weiterhin die 99 %-Teilrente bezieht und der Zuschlag dadurch vorerst teilweise nicht in Anspruch genommen wird. Denn für jeden weiteren Monat, in dem Zuschlagsentgeltpunkte nicht in Anspruch genommen werden, erhöht sich der Zugangsfaktor um weitere 0,005. Wenn Ihre Mutter also erst später in die Vollrente wechselt, wird der Zugangsfaktor entsprechend höher als 1,705 ausfallen.

"Verwaltungseinfach" ist das nicht, da haben Sie Recht. Die Zugangsfaktoren werden allerdings maschinell berechnet, sodass die Sachbearbeitung damit im Normalfall nicht belastet ist.

von
Jonny

Zitiert von: Experte
Hallo Modi1969,

Ihr Fehler liegt darin, dass Sie die Zuschlagsentgeltpunkte bei der Teilrente zu 99 % berücksichtigen wollen. Bei einer 99 %-Teilrente werden allerdings nicht alle Entgeltpunkte und Zugangsfaktoren gleichmäßig zu 99 % berücksichtigt, sondern vorrangig die "ältesten" Entgeltpunkte und Zugangsfaktoren zu 100 %. Dadurch werden die Zuschlagsentgeltpunkte als "jüngste" Entgeltpunkte zu weniger als 99 % berücksichtigt, im Fall Ihrer Mutter nur ca. zur Hälfte.

Nachlesen können Sie das in der Rechtlichen Arbeitsanweisung zu § 77 SGB VI im Abschnitt R5.2 im sechsten Absatz:

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_77R5.2

Das Beispiel 10 in der Rechtlichen Arbeitsanweisung zu § 77 SGB VI ist mit dem Fall Ihrer Mutter nicht vergleichbar, da im Beispiel 10 keine Teilrente bezogen wird. Die Besonderheit, dass Entgeltpunkte nicht im vollen Umfang in Anspruch genommen werden, tritt aber gerade nur bei Teilrenten auf.

„sondern vorrangig die "ältesten" Entgeltpunkte und Zugangsfaktoren zu 100 %.“ Kann das wirklich richtig sein? Oder sieht eine zutreffende Berechnung eher so aus:
Vollrente JUL 2017: 200,00 / 31,03 € = 6,4454 pEP
Verzicht auf 1 % = 0,0645 pEP, Zahlung aus 6,6309 pEP = 198,00 € (mtl. vom JUL 2017- JUN 2018)
Pflege JUL 2017 bis DEZ 2017 Pflegegrad 2 (Pflegegeld) versichert 4819,50 €
geteilt durch 37103 (=bei Wirksamwerden im JUL 2018 prov. Durchschnittsengelt 2017) = 0,1299 EP (@Modi1969: Warum eigentlich 0,1399 EP?)
Wirksam für Vers. geb. im SEP 1941 ab JUL 2018 mit Zugangsfaktor 1,705 = 0,2215 pEP daraus aber auch Verzicht auf 1 % = 0,0022 pEP, Zahlung also nur aus 0,2193 pEP
Gesamtzahlung für JUL 2018 aus 6,6309 pEP (aus Hauptteilrente) sowie 0,2193 pEP (aus Pflegeteilrente 2. Halbjahr 2017) = 6,6002 pEP bei aktuellem Rentenwert JUL 2018 = 211,40 €.

Solange die Pflege bzw. Teilrente noch nicht beendet ist, werden jährlich zum JUL der folgenden Kalenderjahre aus den durch Pflege versicherten Entgelten des vorherigen Kalenderjahres wiederum EP ermittelt und dann mit einem um 0,005 nochmals erhöhten Zugangsfaktor in pEP umgerechnet. Wegen des 1 %-Verzichts wirken sich aber auch diese nur zu 99 % in der Rentenzahlung aus.
Erst nach Pflegeende bzw. Ende der Teilrente erhöht sich ab Folgemonat die zuletzt gezahlte Rente um die nicht in Anspruch genommenen persönlichen Entgeltpunkte die dann entsprechend der Verzichtsdauer mit einem monatlich um 0,005 höheren Zugangsfaktor in die Rente einfließen. So würden z.B. die oben genannten 0,0645 pEP der Hauptteilrente bei Beginn der neuen Vollrente im JAN 2024 um 78 * 0,005 = 39 % erhöht und mit 0,0897 pEP zum Tragen kommen; die 0,0022 pEP für die Pflegeteilrente würden aber nur noch um 66 * 0,005 = 33 % erhöht und mit 0,0029 pEP zum Tragen kommen.

von
Deja vu

Jonny, du musst einfach nur die Antwort des Experten durchlesen, dann machst du auch nicht den selben Fehler wie Modi1969.

von
Matheopa

Zitiert von: Jonny

Vollrente JUL 2017: 200,00 / 31,03 € = 6,4454 pEP
Verzicht auf 1 % = 0,0645 pEP, Zahlung aus 6,6309 pEP = 198,00 € (mtl. vom JUL 2017- JUN 2018)

Verzicht auf 1 % = mehr pEP?

Junge, du darfst nicht ständig den Mathe-Unterricht schwänzen!

von
Jonny

Zitiert von: Matheopa
Zitiert von: Jonny

Vollrente JUL 2017: 200,00 / 31,03 € = 6,4454 pEP
Verzicht auf 1 % = 0,0645 pEP, Zahlung aus 6,6309 pEP = 198,00 € (mtl. vom JUL 2017- JUN 2018)

Verzicht auf 1 % = mehr pEP?

Junge, du darfst nicht ständig den Mathe-Unterricht schwänzen!


@matheopa,
ich werde mich bessern und demnächst an beiden Stellen die richtige Zahl 6,3809 einsetzen. Ändert aber nichts am Ergebnis.

von
Modi1969

Hallo Jonny,

0,1399 war Schreibfehler, 0,1299 sind korrekt.
Muss gestehen, ich tuhe mir mit der Anrechnung der Ursprungs-EP auf die neu erworbenen EP auch sehr schwer, insbesondere da dies nirgends vorher so beschrieben oder beworben wurde. Wenn dies gesicherte Rechtsauslegung ist, haben wir den Detailteufel gefunden.
Wenn man sich dann alte Posts zu diesem Thema aus letztem Jahr oder auch die Artikel zu dem Themengebiet auf dieser Seite ( ganz zu schweigen von Pressemitteilungen der DRV oder Zeitungsartikeln etc. zu dem Thema) in Erinnerung ruft, entspricht die Umsetzung der DRV nicht der obigen Darstellung. Bei meiner Mutter kann ich ja noch sagen, was soll's, sind ja nur 3-4 Euro, sie hat den "Verlust" seit 7/2017 inzwischen ja amortisiert und wenn die Pflege endet, kommt der Rest. Doofer ist es aber doch für Versicherte mit Rente oberhalb 1500 Euro, die dann wegen Pflegegrad 3-4 auf 99 % runter gehen und dann nur einen Bruchteil des Zuwachses aus der Pflege dann auch erhalten. Da werden sich einige, die sich auf Berechnungen der DRV zu dem Thema (ab wann "lohnt" bei welchem PG die Teilrente..) verlassen haben, aber gewaltig wundern - wenn nicht gar auf den Arm genommen fühlen...

von
Jonny

Zitiert von: Deja vu
Jonny, du musst einfach nur die Antwort des Experten durchlesen, dann machst du auch nicht den selben Fehler wie Modi1969.

Und wie sieht dann die Berechnung z.B. mit den erwähnten 100% richtig im Detail aus?

von
Teilrentner

Hallo zusammen, ich verfolge die Diskussion seit einer Weile und bin von den bisherigen Ausführungen der Experten überrascht.

Es kann doch nicht sein, dass durch die 99% Teilrente aus 0,1299 Zuschlags-EP aus Paragraph 76d nun im Wege der Zugangsfaktoren nur noch ca die Hälfte hängen bleiben.

Hierzu mal ein ganz anderes Beispiel:
Altersvollrenten-Bezieher welcher die Regelaltersgrenze überschritten hat möchte, warum auch immer, ab dem 01.07.2017 freiwillige Beiträge zahlen.
Seit dem 01.07.2017 ist dies möglich wenn nach erreichen der Regelaltersgrenze keine Vollrente gezahlt wird, siehe Paragraph 7 Sgb VI.

Der Übersicht halber verzichte ich an der Stelle auf die Darstellung der EP, sondern beziehe mich auf das Beispiel vom Anfang.

Auch hier wäre ja das Ergebnis das nur ca die Hälfte der Beiträge nicht mit in die Berechnung einfließen.

Das finde ich mehr als fraglich.