Antrag nach 75 III SGB 6

von
Stephan

Hallo,

die Voraussetzungen für 75 III SGB 6 sind bei mir durch Beiträge gem. 119 I SGB X erfüllt.

Die Frage ist, ob sich dann die Zurechnungszeit gem. 300 III SGB 6 nach den seinerzeitigen Zeiträumen richtet oder schon die Vorzüge der küztlich verlängerten Zurechungszeit geniesst.

Argument wäre, dass man gem. 119 III SGB X keine Nachteile erfahren darf.

von
KSC

Lassen Sie sich doch einfach eine Probeberechnung machen oder stellen ganz einfach den Antrag wenn die Bedingungen erfüllt sind.

Warum "theoretisch rumeiern", weniger kann die Rente ja nicht werden?

Experten-Antwort

Hallo Stephan,

wird Ihre Rente neu festgestellt, wenn nach dem Eintritt der Erwerbsminderung 20 Jahre mit Beitragszeiten zurückgelegt wurden, sollte die neu festgestellte Rente die mittlerweile verlängerte Zurechnungszeit enthalten.
Um ganz sicher zu gehen, können Sie wie der Nutzer KSC vorgeschlagen hat, eine fiktive Probeberechnung anfordern, der Sie das neue Ende der Zurechnungszeit entnehmen können. Diese Berechnung können Sie bei Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger beantragen.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Stephan

Danke für die Hinweise.

Das habe ich auch gemacht, um eine Probeberechnug gebeten.

Die Rentenversicherung hat das allerdings abgelehnt mit dem Hinweis auf Corona und Personalmangel.

Experten-Antwort

Hallo Stephan,

zur Bearbeitungssituation bei einzelnen Rentenversicherungsträgern können wir hier im Forum keine Aussagen treffen.

Aufgrund der Besitzschutzregelungen haben Sie mit der neu festgestellten Rente jedenfalls keine Nachteile zu befürchten.
Eine Verminderung des Zahlbetrags wäre nur möglich, wenn in der bisherigen Rente wegen voller Erwerbsminderung ein Auffüllbetrag nach § 315a SGB VI zu berücksichtigen war. Sollte die beantragte Neufeststellung zu keiner höheren Rente oder gar zu einer Schlechterstellung führen, kann durch Rücknahme des Neufeststellungsantrags die Weiterzahlung der bisherigen Rente wegen voller Erwerbsminderung erreichen werden.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Berater

Zitiert von: Stephan
Danke für die Hinweise.

Das habe ich auch gemacht, um eine Probeberechnug gebeten.

Die Rentenversicherung hat das allerdings abgelehnt mit dem Hinweis auf Corona und Personalmangel.

Haben Sie das schriftlich? Von welchem Rententräger? Das halte ich dann für einen schlechten Witz. In vielen Fällen bietet gerade eine derartige Probeberechnung eine wichtige Entscheidungshilfe. Eine Ablehnung der Erstellung würde ich nicht so einfach akzeptieren.

von
Marion

Zitiert von: Stephan
Hallo,

die Voraussetzungen für 75 III SGB 6 sind bei mir durch Beiträge gem. 119 I SGB X erfüllt.

Die Frage ist, ob sich dann die Zurechnungszeit gem. 300 III SGB 6 nach den seinerzeitigen Zeiträumen richtet oder schon die Vorzüge der küztlich verlängerten Zurechungszeit geniesst.

Argument wäre, dass man gem. 119 III SGB X keine Nachteile erfahren darf.

Ergänzende Nachfrage zu § 75 III SGB 6

Auch bei uns werden aufgrund eines Unfalls Beiträge nach § 119 SGB X eingezahlt.

Ausgangslage/Leistungsfall

- vom 01.06.01 bis 30.11.01
Zuerkennung Rente wegen teilweiser EM (nach Krankengeldbezug)
- vom 01.12.01 bis 30.11.04
Zuerkennung Rente wegen voller EM (Arbeitsmarktrente)
- ab 01.12.04
Zuerkennung Rente wegen voller EM (unter 3 Std.)

Ab welchen Leistungsfall würde eine Neuberechnung nach § 75 greifen ?

Mit der Bitte um ergänzende Antwort
durch das Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Vielen Dank

Experten-Antwort

Zitiert von: Marion

Ergänzende Nachfrage zu § 75 III SGB 6

Auch bei uns werden aufgrund eines Unfalls Beiträge nach § 119 SGB X eingezahlt.

Ausgangslage/Leistungsfall

- vom 01.06.01 bis 30.11.01
Zuerkennung Rente wegen teilweiser EM (nach Krankengeldbezug)
- vom 01.12.01 bis 30.11.04
Zuerkennung Rente wegen voller EM (Arbeitsmarktrente)
- ab 01.12.04
Zuerkennung Rente wegen voller EM (unter 3 Std.)

Ab welchen Leistungsfall würde eine Neuberechnung nach § 75 greifen ?

Mit der Bitte um ergänzende Antwort
durch das Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Vielen Dank


Hallo Marion,

maßgeblich ist der Eintritt der vollen Erwerbsminderung, d. h. der Zeitpunkt, ab dem Ihr Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unter 3 Stunden täglich gesunken ist. Somit ist bei Ihnen also der Leistungsfall für die Rentenzahlung ab 01.12.2004 maßgeblich.

Sobald Sie nach diesem Leistungsfall mindestens 240 Monate mit Beitragszeiten haben, kann Ihre Rente auf Antrag nach § 75 Abs. 3 SGB VI neu festgestellt werden.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Stephan

Darf ich ergänzen:

Bezugspunkt der 20 Jahre Beitragszeit ist der Eintritt der Erwerbsminderung. Das ist nicht notwendig der Leistungsfall.

Wenn bei erstmaliger Beantragung gleich die volle Erwerbsmindungrente bewilligt wird, ist der Leistungsfall grundsätrlich erst 6 Monate später.

Beispiel für forlaufende Zahlung nach §119 SGB X:

1.1.2004 Eintritt der Erwerbsminderung
1.7.2004 Leistungsfall
1.1.2024 240 Beitragsmonate abgelaufen

von
Batrix

Zitiert von: Stephan
Darf ich ergänzen:

Bezugspunkt der 20 Jahre Beitragszeit ist der Eintritt der Erwerbsminderung. Das ist nicht notwendig der Leistungsfall.

Wenn bei erstmaliger Beantragung gleich die volle Erwerbsmindungrente bewilligt wird, ist der Leistungsfall grundsätrlich erst 6 Monate später.

Beispiel für forlaufende Zahlung nach §119 SGB X:

1.1.2004 Eintritt der Erwerbsminderung
1.7.2004 Leistungsfall
1.1.2024 240 Beitragsmonate abgelaufen

Das stimmt nicht! Der Leistungsfall IST der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung!

Mit Leistungsfall wird hier eben der Eintritt der medizinischen Voraussetzung der Leistungsgewährung gemeint, nicht der Zeitpunkt der Leistung im Sinne von Leistungserbringung/Zahlung einer Leistung.

Der 1.7. in Ihrem Beispiel ist lediglich der Rentenbeginn.

von
Stephan

Stimmt, ich habe mich geirrt. Sorry

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