Arbeiten im EU-Ausland: Unterschied zw. Wohnzeiten und Pflichtbeitragszeiten

von
Deutscher_in_Dänemark

Hallo zusammen,

ich wohne und arbeite seit 1,5 Jahren in Dänemark und lasse mir die Rentenbeiträge als Gehalt auszahlen. (Dies ist für maximal 5 Jahre möglich, da ich kein Däne bin und einer bestimmten Berufsgruppe angehöre). Mittelfristig plane ich wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Anstelle der Beiträge in Dänemark würde ich gerne freiwillig in die Deutsche RV einzahlen. Nun gilt jedoch: "Pflichtbeitrags- oder Wohnzeiten eines Mitgliedstaates verdrängen die für die gleiche Zeit entrichteten freiwilligen Beiträge eines anderen Mitgliedstaates" (http://www.eservice-drv.de/Raa/Raa.do?f=EWGV574-72ART15R2.3.1.1).

Ich zahle nun jedoch keine Pflichtbeiträge (in die Dänische RV), wohne und arbeite aber in Dänemark. Gilt dies als "Wohnzeiten", die mir von der deutschen RV angerechnet werden und dementsprechend freiwillige Beiträge verdrängen?

Hintergrund ist: Mir ist bewusst, dass die Zahlung der Pflichtbeiträge in Dänemark einige Vorteile hätte (z.B. bzgl. Erwerbsminderungsrentenansprüche), jedoch würden meine dänischen Rentenansprüche bis zum Eintrittsalter von 67 Jahren dahinschmelzen, falls ich nur für 3-5 Jahre einzahle und das Geld anschliessend 35-40 Jahre lang verwaltet wird.

von
Schade

"Verdrängen" bedeutet doch lediglich, dass die Zeit insgesamt als Zeit nur einmal anrechnet werden kann: Wenn Sie in einem Land von 01.01.2015 - 31.12.2015 versichert sind (ob als Arbeitnehmer oder als dort wohnender), sind das 12 Monate - wenn Sie parallel dazu in einem anderen Staat noch 12 freiwillige Beiträge haben, haben Sie in diesem Jahr 12 Beiträge (und nicht 24, weil 12 eben "verdrängt" werden).

Wenn Sie in D freiwillig zahlen erwerben Sie sich nur Monate für die Versicherungszeiten, wenn in DK im gleichen Zeitraum keine Monate liegen......ansonsten steigern Sie lediglich die Rente in D.

Dass die freiwilligen Beiträge auf jeden Fall die spätere Rente in D erhöhen - pro heute gezahltem Tausender knapp 5 € mehr Monatsrente - steht auf einem anderen Blatt.

Lassen Sie sich im Grenzgebiet D -DK persönlich beraten, dort müsste jeder versierte Rentenberater das notwendige wissen......

Ob Die Zeit in DK überhaupt irgendwie zählt, wenn Sie dort nichts zahlen, weiß ich in Süddeutschland nicht....wäre schon irgendwie kurios.......

von
Deutscher_in_Dänemark

Hallo Schade, vielen Dank für Deine Nachricht. Dass Beiträge im gleichen Monat nicht doppelt zählen können, ist natürlich verständlich. Ich hatte ein kurzes Telefongespräch mit der RV Nord, die für Fragen bzgl. Dänemark zuständig sind; mir wurde gesagt, dass sich freiwillige Beiträge vermutlich nicht lohnen, wenn diese durch Pflichtbeiträge in Dänemark verdrängt werden.

von
Deutscher_in_Dänemark

... meine vorherige Nachricht wurde zu früh abgeschickt.

Eine zweite Frage, die ich hätte, ist dementsprechend, ob freiwillige Rentenbeiträge letzten Endes weniger wert sind, wenn sie zeitgleich durch Pflichtbeitrags- oder Wohnzeiten verdrängt werden.

Die Berechnung von Entgeltpunkten ist im Falle von verdrängten freiwilligen Rentenbeiträgen offensichtlich anders, wie hier nachzulesen:

"Deutsche freiwillige Beiträge, die bei der anteiligen Berechnung verdrängt werden (Art. 12 Abs. 3 EWGV 987/2009 >>(EWGV 987/2009 Art. 12 G0) >>(EWGV 987/2009 Art. 12 R0)), sind gemäß Art. 43 Abs. 2 EWGV 987/2009 >>(EWGV 987/2009 Art. 43 G0) gesondert zu entschädigen. Den verdrängten freiwilligen Beiträgen sind Entgeltpunkte (aus der autonomen Berechnung) zuzuordnen. Mit diesen Entgeltpunkten ist eine gesonderte Rentenberechnung (Zugangsfaktor, Rentenartfaktor, aktueller Rentenwert) durchzuführen. Der sich daraus ergebende Betrag ist der auf die verdrängten freiwilligen Beiträge entfallende Leistungsanteil ("Rentlein"). Dieser Leistungsanteil ist der Teilrente oder - sofern die Berechnung einer Teilrente nicht in Betracht kommt - dem theoretischen Betrag hinzuzurechnen." (http://www.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=EWGV883-2004ART52R3.1.1.5)

Mir ist jedoch nicht klar, wie sich das in der Praxis auswirkt.

von Experte/in Experten-Antwort

Zunächst kann ich die Aussagen von Schade bestätigen. "Verdrängen" bedeutet nicht, dass Ihnen der freiwillige Beitrag als Wert für die Rentenberechnung verloren geht. Lediglich für die Wartezeit können im betreffenden Jahr dann eben für die Berechnung der zwischenstaatlichen Rente nur die Wohnzeiten herangezogen werden.

Ich gehe davon aus, dass die Zeiten in Dänemark als Wohnzeiten bestätigt werden, eine Auskunft, ob dies tatsächlich der Fall sein wird, kann Ihnen nur der dänische Versicherungsträger erteilen. Unabhängig davon, ob es sich um "reine" Wohnzeiten oder um Wohnzeiten mit einer zeitgleichen versicherungspflichtigen Beschäftigung handelt, wird es zu einer Verdrängung der zeitgleichen deutschen freiwilligen Beitragszeit kommen. In diesem Fall wird dann der Leistungsanteil für freiwillige Beiträge, wie Sie bereits richtig herausgefunden haben, separat berechnet und dem Wert aus der eigentlichen Rentenberechnung hinzugezählt.

Das Ergebnis der Entgeltpunkteberechnung wird unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob die freiwilligen Beiträge verdrängt oder nicht verdrängt werden. Dies hat vorwiegend folgende Ursachen:
1. Die mitgliedstaatlichen Beitrags- und Wohnzeiten werden mit dem Durchschnittswert der Entgeltpunkte für deutsche Beitragszeiten bewertet bevor im zweiten Schritt die Proratisierung auf den deutschen Anteil erfolgt. Bei der Bildung dieses Durchschnittswertes werden verdrängte freiwillige Beiträge außen vor bleiben und der Pro-Rata-Faktor (Verhältnis der deutschen Entgeltpunkt zu den Entgeltpunkten für deutsche und mitgliedstaatliche Zeiten) wird unterschiedlich ausfallen.
2. Bei der Berechnung der Entgeltpunkte für beitragsfreie Zeiten und den Zuschlägen für beitragsgeminderte Zeiten ergeben sich im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung (minimal) unterschiedliche Ergebnisse je nachdem, ob die Wohnzeit oder die freiwillige Beitragszeit berücksichtigt wird.

Ob diese unterschiedlichen Ergebnisse jetzt in der einen oder anderen Konstellation für Sie persönlich günstiger oder ungünstiger ausfallen, kann nicht eingeschätzt werden. Hierzu spielen zu viele individuelle Faktoren eine Rolle. Dies könnte höchstens durch individuelle Probeberechnungen in Ihrem Versicherungskonto näherungsweise ermittelt werden. Da Sie jedoch erst seit kurzer Zeit in Dänemark beschäftigt sind, wären solche Aussagen enorm hypothetisch.

Im Übrigen gebe ich zu bedenken, dass diese ganzen Überlegungen ohnehin vermutlich nicht relevant sind. Wenn - wie ich vermute - Ihr späterer Rentenanspruch auch alleine aufgrund der deutschen Versicherungszeiten besteht, gibt es bei der autonomen (innerstaatlichen) Berechnung keine Verdrängung und die freiwilligen Beiträge werden im Rahmen der Rentenberechnung uneingeschränkt herangezogen. Lediglich bei der anteiligen (zwischenstaatlichen) Berechnung erfolgt die angesprochene Verdrängung. Erfolgen sowohl eine autonome als auch eine anteilige Berechnung, steht Ihnen immer der jeweils höhere Betrag als Rente zu.