Arbeitsmarktrente bei ruhendem Arbeitsverhältnis

von
Bea

Hallo,
ich würde mich sehr über jede hilfreiche Antwort/Erfahrung freuen, bin so verunsichert...
Mein aktueller Stand:
51 Jahre alt, aktuell seit Sept.'15 krank geschrieben (vorher schon immer häufige und teilweise lange Krankmeldungen), nach langem Kampf (über 2 Jahre) im Juni rückwirkend teilweise EU-Rente anerkannt bekommen bis Herbst 2017. Im Juni dann Mitteilung vom Geschäft, dass mein Arbeitsverhältnis (Vertrag mit reduzierter Arbeitszeit auf 5 Stunden täglich) nun bis Herbst 2017 ruhe. Lebe momentan von teilweiser EU-Rente und Krankengeld, welches noch bis Mitte März 2017 gezahlt wird, dann Aussteuerung.
VDK rät mir, meinen Arbeitgeber um Hilfe zu bitten - sie sollen bestätigen, dass sie mir keinen leistungsgerechten Arbeitsplatz mehr anbieten können, damit ich einen Antrag auf Arbeitsmarktrente stellen kann.
Bevor ich jetzt auf meinen Arbeitgeber zugehe, möchte ich doch ein paar Zweifel/Fragen meinerseits abklären.
1. Ruhendes Arbeitsverhältnis mit bereits reduziertem Stundenumfang - kann der Arbeitgeber auf einmal sagen, dass er keinen adäquaten leidensgerechten Platz ab Mitte März bzw. Herbst 2017 anbieten kann?
2. Kann man überhaupt Arbeitsmarktrente beantragen, wenn man noch in einem ruhenden Arbeitsverhältnis steht, oder muss man nicht zwingend arbeitslos sein? VDK meint, dass ruhendes Arbeitsverhältnis ausreicht zur Beantragung!?
3. Ich soll laut VDK auf keinen Fall kündigen, heißt das, dass wenn ich als Voraussetzung aber arbeitslos sein müsste, ich dann meinen Arbeitgeber um Kündigung bitten soll, oder um Auflösevertrag?
4. Laut VDK soll ich keinen Widerspruch einlegen (sowieso schon zu spät) bzw. keinen Antrag auf Volle EU-Rente stellen, weil ihres Erachtens - wenn ich jetzt mit meinen vielen Krankheitsbildern und Einschränkungen keine volle EU-Rente bekommen habe, würde ich diese im nächsten Anlauf bestimmt auch nicht schaffen. Darum soll ich den "erfolgsversprechenderen" Weg der Arbeitsmarktrente gehen.

Was meinen Sie zu meinem Fall/meinen Umständen?

Ich hoffe, ich habe mich (als Laie) einigermaßen verständlich ausgedrückt, sonst bitte gerne rückfragen.

Vielen Dank im Voraus für alle Antworten/Meinungen...

Gruß Beate

von
Sarah

Zitiert von: Bea

Hallo,
ich würde mich sehr über jede hilfreiche Antwort/Erfahrung freuen, bin so verunsichert...
Mein aktueller Stand:
51 Jahre alt, aktuell seit Sept.'15 krank geschrieben (vorher schon immer häufige und teilweise lange Krankmeldungen), nach langem Kampf (über 2 Jahre) im Juni rückwirkend teilweise EU-Rente anerkannt bekommen bis Herbst 2017. Im Juni dann Mitteilung vom Geschäft, dass mein Arbeitsverhältnis (Vertrag mit reduzierter Arbeitszeit auf 5 Stunden täglich) nun bis Herbst 2017 ruhe. Lebe momentan von teilweiser EU-Rente und Krankengeld, welches noch bis Mitte März 2017 gezahlt wird, dann Aussteuerung.
VDK rät mir, meinen Arbeitgeber um Hilfe zu bitten - sie sollen bestätigen, dass sie mir keinen leistungsgerechten Arbeitsplatz mehr anbieten können, damit ich einen Antrag auf Arbeitsmarktrente stellen kann.
Bevor ich jetzt auf meinen Arbeitgeber zugehe, möchte ich doch ein paar Zweifel/Fragen meinerseits abklären.
1. Ruhendes Arbeitsverhältnis mit bereits reduziertem Stundenumfang - kann der Arbeitgeber auf einmal sagen, dass er keinen adäquaten leidensgerechten Platz ab Mitte März bzw. Herbst 2017 anbieten kann?
2. Kann man überhaupt Arbeitsmarktrente beantragen, wenn man noch in einem ruhenden Arbeitsverhältnis steht, oder muss man nicht zwingend arbeitslos sein? VDK meint, dass ruhendes Arbeitsverhältnis ausreicht zur Beantragung!?
3. Ich soll laut VDK auf keinen Fall kündigen, heißt das, dass wenn ich als Voraussetzung aber arbeitslos sein müsste, ich dann meinen Arbeitgeber um Kündigung bitten soll, oder um Auflösevertrag?
4. Laut VDK soll ich keinen Widerspruch einlegen (sowieso schon zu spät) bzw. keinen Antrag auf Volle EU-Rente stellen, weil ihres Erachtens - wenn ich jetzt mit meinen vielen Krankheitsbildern und Einschränkungen keine volle EU-Rente bekommen habe, würde ich diese im nächsten Anlauf bestimmt auch nicht schaffen. Darum soll ich den "erfolgsversprechenderen" Weg der Arbeitsmarktrente gehen.

Was meinen Sie zu meinem Fall/meinen Umständen?

Ich hoffe, ich habe mich (als Laie) einigermaßen verständlich ausgedrückt, sonst bitte gerne rückfragen.

Vielen Dank im Voraus für alle Antworten/Meinungen...

Gruß Beate


Hallo Beate,

eine Arbeitsmarktrente kann man nicht beantragen. Sie tritt dann ein wenn man Teil erwerbsgemindert ist und der Teilzeitarbeitsmarkt als verschlossen gilt. Letztendlich können nur Sie beurteilen, wie weit noch Ihre Leistungsfähigkeit vorhanden ist. Ich würde mich vom VDK nicht beirren lassen. Ganz wichtig ist, daß Ihre Krankenakte auf den neuesten Stand ist und sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt und Facharzt darüber. Auf gar keinen Fall würde ich von selbst das Arbeitsverhältnis kündigen.
Sicherlich bekommen Sie hier noch weitere Tipps und Ratschläge. Oder schauen Sie sich im Internet um es gibt noch weitere hilfreiche Forums.
Wünsche Ihnen alles Gute.

P. S. Ich habe mit 53 Jahren die volle Erwerbsminderungsrente. Ich ganz alleine und mein Facharzt waren der Meinung es geht nicht mehr.

LG
Sarah

von
Herz1952

Zitiert von: Sarah

P. S. Ich habe mit 53 Jahren die volle Erwerbsminderungsrente. Ich ganz alleine und mein Facharzt waren der Meinung es geht nicht mehr.

Sehr interessant. Der Gutachter hatte also kein Mitspracherecht? Wäre der Gutachter zu einer anderen Einschätzung gekommen, hätten Sie und Ihr Facharzt ihn einfach überstimmt?

von
Rentenberater

Hallo,

also kündigen ist eine ganz blöde Idee, da der Arbeitsmarkt dann nicht für Sie als verschlossen gilt.

Üben Sie noch eine Beschäftigung aus, steht dies dem Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente nicht entgegen, wenn Sie dauerhaft AU sind und das Arbeitsverhätnis beendet wird.

Eine Beschäftigung steht der Rente nicht entgegen, wenn eine Arbeitslosmeldung erfolgt ist und die Tätigkeit weniger als 15 h in der Woche ausgeübt wird. (Hierbei beachte Hinzuverdienst von max. 450 EUR) .

Aufgrund der innehabenden Teilzeitstelle von 5h täglich ist nicht von einem verschlossenen Arbeitsmarkt auszugehen. Ihr Arbeitgeber kann mitteilen, dass er Sie nicht mehr in dieser Stundenanzahl nicht weiter beschäftigen kann. Dies ist jedoch arbeitsrechtlich zu prüfen.

von
James

Zitiert von: Herz1952

Zitiert von: Sarah

P. S. Ich habe mit 53 Jahren die volle Erwerbsminderungsrente. Ich ganz alleine und mein Facharzt waren der Meinung es geht nicht mehr.

Sehr interessant. Der Gutachter hatte also kein Mitspracherecht? Wäre der Gutachter zu einer anderen Einschätzung gekommen, hätten Sie und Ihr Facharzt ihn einfach überstimmt?

Hallo Herz1952,

Sie müssen nicht gleich alles auf die Goldwaage lege. Klar hat der Gutachter ein Mitspracherecht. Aber letztendlich entscheide ich ob ich noch weiterhin arbeiten kann oder ich die Erwerbsminderungsrente beantrage.
Noch einen schönen Tag.

Mfg

von Experte/in Experten-Antwort

Nachdem Sie bisher einen Teilzeitarbeitsplatz mit einer auf 5 Stunden täglich reduzierten Arbeitszeit inne haben, besteht deswegen nur Anspruch auf eine teilweise Erwerbsminderungsrente.
Solange Ihr Arbeitsverhältnis in dieser Form Bestand hat - auch wenn dieses nunmehr ruht - ändert sich am Sachverhalt nichts.
Eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten nämlich nur die Versicherten, die noch 3 bis 6 Stunden täglich arbeiten können, das verbliebene Restleistungsvermögen aber nicht in Erwerbseinkommen umsetzen können. Für diesen Personenkreis gilt der Arbeitsmarkt als verschlossen.
Weiteres hängt jetzt vom Verhalten Ihres Arbeitgebers ab. Sofern dieser Ihnen zukünftig keinen Teilzeitarbeitsplatz bieten kann, wird die Möglichkeit des Bezuges von voller Erwerbsminderungsrente geprüft. Dann empfehlen wir Ihnen, mit Ihrem Rentenversicherungsträger Kontakt aufzunehmen.

von
Herz1952

Hallo James,

Ihnen auch einen schönen Tag vom "richtigen Herz". Habe auch noch einen guten Ratschlag, bzw. dieser wurde Ihnen auch schon gegeben.

Auf keinen Fall kündigen, denn solange Ihr Arbeitsverhältnis noch besteht, haben Sie auch noch Anspruch auf Krankengeld, solange die 78 Wochen noch nicht rum sind. Ich nehme an, dass die Dauer bis März 2017 generell besteht, da auf die letzte Tätigkeit abzustellen ist. Eine Verweisungstätigkeit durch die KK wäre unzulässig.

Alles weiter muss sich dann zeigen.

Alles Gute

von
Herz1952

Sorry,

betrifft natürlich in erster Linie "Bea", die hier Hilfe braucht.

von
Beate

Hallo!

Boah, soviele (und auch hilfreiche) Antworten/Ratschläge - Euch allen wirklich vielen Dank!!!

Ihr konntet meine Unsicherheit etwas nehmen, v.a. fühle ich mich in meinem "logischen" Gedankengang bestätigt, auch bei meinem daraus resultierenden Gefühl, dass der VDK nicht immer alles so ganz richtig weiß.

Somit folgende Erkenntnis für mich - auf keinen Fall kündigen, mit Arbeitgeber rede ich mal was unter arbeitsrechtlicher Akzeptanz evtl. bzgl. "kein Teilzeitarbeitsplatz für mich nach Ablauf der Rente in Aussicht". Wenn es da keine Möglichkeit/Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers gibt, werde ich nochmal den Weg Richtung Voll-EU-Rente mit meinen Ärzten gehen, da ich leider über die Jahre hinweg nicht mehr zu meiner alten Leistungsfähigkeit zurück finden konnte und mir mittlerweile nicht mal mehr als diese 3 Arbeitsstunden täglich möglich wäre, sondern eher max. 1 Stunde am Stück und das auch nicht jeden Tag. Hätte nie gedacht, dass ich mal so wenig belastbar werde.

Aber wie hier schon besprochen - es liegt eben auch an den Gutachtern. Und da habe ich nur sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ein Orthopäde der sich nicht mal die Mühe machte, meine Unterlagen anzuschauen, nicht mal meine aktuellen langwierigen Beschwerden hören wollte. Nein, bücken sie sich mal (geht nur ein bisschen unter Schmerzen), drücken Sie mal meine Hand, drehen sie den Kopf zur Seite (auch nicht ganz möglich...) - und dann, das wars sie können jetzt gehen. Und im Bericht lese ich nachher, dass ich alles problemlos und beschwerdefrei durchführen konnte. Da hab ich jedes Vertrauen verloren und verstehe viele, die mit ihren Gutachtern hadern.

Also - nochmals Danke und drückt mir die Daumen, dass die Gerechtigkeit am Ende siegt. Egal auf welchem Wege. Allen anderen, die auch noch kämpfen - ganz viele starke gute Nerven (aber wer hat die krankheitsbedingt noch) und Durchhaltekraft.l

Liebe Grüße - Beate