arbeitsverhältnis/krank/EM-Rente/BU-Rente ??

von
Maike

Hallo zusammen,
hier geht es um meine Mutter am 13.11.1956 geboren (also vor 1961 !).
Aufgrund einer schon lange andauernden hohen Belastungssituation schleppt sie sich nur noch mühsam jeden Tag zur Arbeit, weint viel und der Arzt würde sie gern mit der Diagnose "Anpassungsstörung" arbeitsunfähig schreiben. Da sie aber Ende Februar ihre 45 Vers. Jahre für die abschlagfreie Rente mit 63+8 Monate zusammen hat, versucht sie, noch so lange durchzuhalten. Wenn sie jetzt ab März 2019 vom Arzt krank geschrieben wird bekommt sie dann nach der LFZ 72 Wochen Krankengeld und kann zum 01.08.2020 die abschlagsfreie Rente für bes. langj. Versicherte beantragen? oder bekommt sie vorher eine andere Rente statt Krankengeld und wenn ja welche mit wieviel Abschlägen. Sie ist auf das Geld angewiesen und traut sich deshalb nicht zum Arzt. Sie hat ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis und dort steht, das "... es endet, wenn die Voraussetzungen für den Bezug einer gemäß § 43 SGB VI rentenberechtigten Erwerbsminderung erfüllt sind oder eine Berufsunfähigkeit im Sinne § 240 Abs. 2 SGB VI vorliegt." Leider bekomme ich meine Mutter nicht in die Beratungsstelle, da ihr das peinlich ist.

von
Rentenuschi

Ihre Mutter kann (theoretisch) die 72 Wochen Krankengeld beziehen und dann in die Altersrente wechseln.

Es wird keine Rente automatisch bewilligt, Rente muss immer beantragt werden.

ABER:

Es kann sein, dass die Krankenkasse dabei nicht mitspielt.
Die Krankenkasse hat das Recht, Ihre Mutter zur Stellung eines Reha-Antrages aufzufordern, sofern " die Erwerbsfähigkeit erheblich gefährdet oder gemindert ist" (§ 51 SGB V).

Das passiert immer dann, wenn die Krankenkasse davon ausgeht, dass der Bezug von Krankengeld länger dauern wird. Die Wahrscheinlichkeit ist, gerade kurz vor der Altersrente, ziemlich hoch.

Ihre Mutter wird dann vom medizinischen Dienst der Krankenkasse (MdK) begutachtet und dann wird entschieden.

Fordert die KK Ihre Mutter auf einen Reha-Antrag zu stellen, hat sie 10 Wochen dafür Zeit.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1.) Der Reha-Antrag wird bewilligt und die Maßnahme war erfolgreich. Dann kann Ihre Mutter (theoretisch) bis zur Altersrente wieder arbeiten gehen

2.) Die Reha wird bewilligt, ist aber nicht erfolgreich.
Dann wird der Reha-Antrag gem. § 116 Abs. 2 Nr. 2 in einen Rentenantrag (Rente wegen Erwerbsminderung) umgedeutet.

2.) Der Reha-Antrag wird abgelehnt, weil eine Besserungsaussicht nicht besteht.
Auch in diesem Fall wird der Reha-Antrag automatisch als Rentenantrag (Rente wegen Erwerbsminderung) gilt (§ 116 Abs. 2 Nr. 1 SGB VI).

In beiden Fällen (2+3) kann Ihre Mutter dieser "Umdeutung" nicht, bzw. nur mit Zustimmung der Krankenkasse widersprechen, da das Gestaltungsrecht mit der Aufforderung der Krankenkasse einen Rehaantrag zu stellen, eingeschränkt wurde.

Erfahrungsgemäß lassen sich manche Krankenkassen nicht einmal dann erweichen, wenn nach Ende der Reha bereits ein Anspruch auf die Altersrente besteht. Sie bestehen dann auf das Verfahren für eine Erwerbsminderungsrente.

Also.. je länger Ihre Mutter Krankengeld bezieht, umso größer ist die Chance, dass eine Aufforderung zur Reha-Antragstellung von der KK ins Haus flattert.

Sofern Ihre Mutter noch keine Reha bekommen hat, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die vielleicht sogar ganz nützlich ist.

MfG

von
Albert

Zitiert von: Maike
Hallo zusammen,
hier geht es um meine Mutter am 13.11.1956 geboren (also vor 1961 !).
Aufgrund einer schon lange andauernden hohen Belastungssituation schleppt sie sich nur noch mühsam jeden Tag zur Arbeit, weint viel und der Arzt würde sie gern mit der Diagnose "Anpassungsstörung" arbeitsunfähig schreiben. Da sie aber Ende Februar ihre 45 Vers. Jahre für die abschlagfreie Rente mit 63+8 Monate zusammen hat, versucht sie, noch so lange durchzuhalten. Wenn sie jetzt ab März 2019 vom Arzt krank geschrieben wird bekommt sie dann nach der LFZ 72 Wochen Krankengeld und kann zum 01.08.2020 die abschlagsfreie Rente für bes. langj. Versicherte beantragen? oder bekommt sie vorher eine andere Rente statt Krankengeld und wenn ja welche mit wieviel Abschlägen. Sie ist auf das Geld angewiesen und traut sich deshalb nicht zum Arzt. Sie hat ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis und dort steht, das "... es endet, wenn die Voraussetzungen für den Bezug einer gemäß § 43 SGB VI rentenberechtigten Erwerbsminderung erfüllt sind oder eine Berufsunfähigkeit im Sinne § 240 Abs. 2 SGB VI vorliegt." Leider bekomme ich meine Mutter nicht in die Beratungsstelle, da ihr das peinlich ist.

Das Risiko diese 72 Wochen auszuschöpfen wäre fatal. In den meisten Fällen kommt die EMR. Ihre Mutter solltd wenn möglich wieder arbeiten gehen und dann wieder sich krank schreiben lassen.

von
Daniela

Ich würde ihr raten zu kündigen, falls sie 3 Monate Sperrzeiten finanziell durchhalten kann.
Ist es medizinische vertretbar, dass sie ihren Arbeitsplatz nicht leisten kann, währe evtl sogar eine Kündigung ohne Sperrzeiten möglich, da könnte man mit der AfA drüber sprechen.
Das Alg1 wird dann reichen um Abschlagsfrei in Rente zu gehen.

von
Rentenuschi

Zitiert von: Daniela
Ich würde ihr raten zu kündigen, falls sie 3 Monate Sperrzeiten finanziell durchhalten kann.
Ist es medizinische vertretbar, dass sie ihren Arbeitsplatz nicht leisten kann, währe evtl sogar eine Kündigung ohne Sperrzeiten möglich, da könnte man mit der AfA drüber sprechen.
Das Alg1 wird dann reichen um Abschlagsfrei in Rente zu gehen.

Diese Zeiten würden jedoch für die Wartezeit der Rente für besonders langjährig Versicherte NICHT mitzählen!

MfG

von
Kaiser

Zitiert von: Rentenuschi
Zitiert von: Daniela
Ich würde ihr raten zu kündigen, falls sie 3 Monate Sperrzeiten finanziell durchhalten kann.
Ist es medizinische vertretbar, dass sie ihren Arbeitsplatz nicht leisten kann, währe evtl sogar eine Kündigung ohne Sperrzeiten möglich, da könnte man mit der AfA drüber sprechen.
Das Alg1 wird dann reichen um Abschlagsfrei in Rente zu gehen.

Diese Zeiten würden jedoch für die Wartezeit der Rente für besonders langjährig Versicherte NICHT mitzählen!

MfG

Da Deine Mutter im Februar Ihre 45 Beitragsjahre, nach Deinen Angaben erreicht hat, spielt es keine Rolle mehr, ob die Zeit der Alo ab März bei der Wartezeit von 45 Jahren noch mitzählt.

von
Daniela

Eben, ich würde drüber nachdenken.
Bisschen Krankschreiben usw. Kann sie sich ja auch vorher, denn sooooo schnell reagiert die Krankenkasse ja nun auch wieder nicht.
Vielleicht kommt frühestens nach 3, eher nach 4-6 Monaten die Aufgorderung zum Rehaantrag.
Dann noch plus 10 Wochen..

Experten-Antwort

Hallo,

wie Sie an den bisherigen Antworten erkennen können, gibt es viel zu beachten. Aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn sich Ihre Mutter selbst informiert und einen Termin in der Beratungsstelle vereinbart. Im Gespräch kann man dann auch Rückfragen sofort beantworten.

Mit freundlichen Grüßen