ATZ-Rente

von
Jürgen 58

Hallo
Bin Jahrgang 58 mein Arbeitgeber bietet mir ab März 2018 ATZ für 4 Jahre an
2Jahre Arbeitsphase & 2Jahre Freistellungsphase.Habe im März 2018 45 Jahre
eingezahlt und möchte als langjähriger Versicherter Rente mit 63 in Anspruch nehmen.Ich habe aber mit ende der ATZ 49 Jahre eingezahlt.
Wan kann ich nun Abschlagsfrei in die Altersrente gehen weil in meinem Rentenbescheid das Rentenbegindatum mit 1 April 2024 datiert ist.Muß ich mit Abzügen meiner Altersrente rechnen (4 Jahre ATZ das wäre dan März 2022 aber laut Rentenbescheid Rentenbegin 1 April 2024 ) Habe ich dan Abzüge ab
2022-2024 also 2 Jahre ( 7,2 % ) auf meine gesamte Restlaufzeit meiner Altersrente.
Ich bitte darum nicht im Beamtendeutsch zu antworten sondern so das er ein normal Bürger auch versteht.

von
Ehemaliger ATZler

Kurz und knapp an den Fragesteller:

Eines vorweg. Eine ATZ-Rente gibt es nicht.

Jahrgang 1958 bedeutet reguläre Altersrente mit 66 Jahren.
Das Jahr 2024 ist richtig. Eine vorzeitige abschlagsfreie
Rente mit mindestens 45 Jahren Beitragszeiten. (Besonders
langjährig Versicherter) ist frühestens mit dem 64. Lebensjahr zu beanspruchen. Eine Rente mit 63 Jahren ist allerdings auch möglich bei mindestens 35 Beitragsjahren, allerdings mit einem Abschlag von 10,8 Prozent behaftet.

Alles was vor dem 64. Lebensjahr beantragt wird ist mit
entsprechenden Abschlägen zu akzeptieren. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Wenn Ihre ATZ-Zeit nicht bis zu dem Monat greift, wo Sie Ihren 64. Geburtstag feiern, müssen Sie halt vom Ersparten die Zeit überbrücken, eventuell mit einem Minijobs, der ebenfalls
als Zurechnungszeit gewertet wird, bis zur Vollendung des
64. Lebensjahres. Alles Andere ist Wunschdenken, Fehlinformation von Dritten oder die Altersteilzeit nicht
richtig durchgerechnet. In Ihrer Renteninformation stand
es ja bereits.

von
Der Gleiche wie eben

[quote=289237]

Hallo Jürgen 58

Das Sie das besser verstehen, hier noch eine Erläuterung zu meiner obigen Antwort auf Ihre Frage.

Die abschlagsfreie Rente für besonders langfristig versicherte Rentenbeitragszahler (ab 45 Jahren Beitragszeit, entspricht genau 540
Beitragsmonate) wurde mit 63 Jahren für den Jahrgang 1952 beschlossen.
Mittlerweile jetzt im neuen Jahr 2018 sind das schon 6 Monate mehr. Bedeutet
mit jedem späteren Geburtsjahrgang kommen 2 Monate dazu. Beispiel: Jahrgang 1954 = 63 + 4
Jahrgang 1955 = 63 + 6
Jahrgang 1956 = 63 + 8
Jahrgang 1957 = 63 + 10
Jahrgang 1958 = 64 + 0
Jahrgang 1959 = 64 + 2
Jahrgang 1960 = 64 + 4
Jahrgang 1961 = 64 + 6
Jahrgang 1962 = 64 + 8
Jahrgang 1963 = 64 + 10
Jahrgang 1964 = 65

Angenommen Sie wären Jahrgang 1964 könnten Sie mit 65 Jahren ab 45 Jahren Beitragszeit = 540 Monate abschlagsfreie in Rente gehen.

Alternativ, wenn die 45 Jahre nicht erfüllt sind, aber mindestens 35 Versicherungsjahre vorhanden wären, kann man mit 63 Jahren die Rente mit 14,4 Prozent Abschlag in Kauf nehmen. Ob derjenige dazu bereit ist/wäre
ist fraglich. Um das in Zahlen auszudrücken:

Vereinfachte Rechenweise
z.B. 2.000 Brutto-Rente minus 14,4 % Abschlag = 288, ergibt 1.712 brutto
minus KVrR zurzeit 10,95 % = 187,46 ergibt netto 1.524,54 als monatliche Rente.

Jedes darauf folgende Jahr zum 1. Juli kann eine Erhöhung stattfinden, oder auch nicht (?) Bitte die eventuelle Erhöhung des Zusatzbetrages der KK mit einbeziehen. Falls diese nur um 0,1 % steigt sind das bei 2.000 brutto Rente
schon wieder 2 € weniger.

Übrigens die Steuer will auch noch Ihren Obulus,
falls Sie nichts abzusetzen haben, außer 102 € Werbungskosten und der KV, halten Sie bei o.g. monatlichen Brutto-Rentenbezug so zwischen 60 und 80
€ monatlich zurück für die Steuernachzahlung.

So ich hoffe, Ihnen die Annehmlichkeiten eines Rentenbezugsempfängers ausführlich dargelegt zu haben und Ihre ursprüngliche Frage damit umfänglich beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
nach 48,8 Jahren beruflichem Engagement.

von
ehemaliger ATZler und der Gleiche von eben

Leider habe ich auch eine schlechte Nachricht für Sie!

Da ich gerade von Steuernachzahlung schrieb. In Ihrem Fall wenn Ihr erstmaliger Rentenbezug im Jahr 2024 beginnt, wird Ihre Jahresrente mit 84 % besteuert. 16 Prozent wäre Ihr lebenslanger Rentenfreibetrag.

Als Beispiel wieder genannt:
2.000 monatlich x 12 = 24.000 minus 3.840 ergibt zu versteuernde Jahresrente von 20.160 €. Jede jährliche Erhöhung kommt dazu.

Sorry hatte ich bei beiden Antworten vergessen zu erwähnen.

Die einen freuen sich auf die Rente, wenn die Nettozahlungen bekannt sind, viele bekommen Frust. Nicht ärgern heißt die Devise, sondern das arbeitsfreie Leben möglichst lange genießen!

Wenn ich Ihnen einen gut gemeinten Rat zum Schluss mit auf den Weg geben darf: Vereinbaren Sie die Dauer der gesamten ATZ mit Ihrem jetzigen Arbeitgeber bis zu dem Monat in dem Sie 64 Jahre alt werden, ansonsten sind die Verluste zu hoch, außer Sie akzeptieren es.
Alternativ: Sie verzichten auf die angebotene ATZ und arbeiten bis zum 64. Lebensjahr weiter. Oder Sie fragen mit 60 Jahren bei Ihrem Arbeitgeber nochmal nach. 60 Jahre + anschließend 4 Jahre ATZ auf den Monat genau
ergäbe dann ebenfalls eine abschlagsfreie Rente mit 64 als besonders langjähriger Versicherter. Dabei ist es völlig egal ob Sie 46-49 Beitragsjahre hinter sich haben.

Maßgeblich sind immer volle 45 Jahre (540 Monate) und in Ihrem Fall das Geburtsjahr 1958 was abschlagsfreie Rente mit Vollendung des 64. bedeutet.

PS: Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Ihr derzeitiger Arbeitgeber Sie ziemlich schnell loswerden will. Warum bietet er nicht gleich 6 Jahre ATZ an? oder erst in 2 Jahren? Diesem müsste es doch geläufig sein, dass Sie nicht vor dem 64. Lebensjahr abschlagsfrei in Rente gehen können? War bei mir anders. Na ja nicht jede
Personalabteilung handelt da im Interesse ihres Arbeitnehmers.

Mit freundlichem Gruß
ehemaliger ATZler

von
suchenwi

> "Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Ihr derzeitiger Arbeitgeber Sie ziemlich schnell loswerden will. Warum bietet er nicht gleich 6 Jahre ATZ an?"

Mitarbeiter einigermaßen sozialverträglich loszuwerden ist natürlich die Hauptmotivation der ATZ. Bin auch in ATZ, bei meinem süddeutschen Elektrokonzern galt die strikte Regel "Ende zum frühestmöglichen Rentenbeginn", also 63 mit Abschlägen.
Habe ich trotzdem unterschrieben und bereue es auch nicht. Wenn dann noch eine Abfindung gezahlt wird, kann man die für freiwillige RV-Beiträge nutzen (Vordruck V0210) und den Abschlag so rechnerisch verringern (wovon ein Großteil durch Steuerminderung gegenfinanziert ist).
Spätestens in ATZ lohnt es sich, Begriffe wie "Sonderausgaben Altersvorsorge" und "Höchstbeitrag Knappschaft" kennenzulernen.... ;^)

von Experte/in Experten-Antwort

Die Personen, die im Jahr 1958 geboren wurden, dürfen die abschlagsfreie Altersrente an besonders langjährig Versicherte (mindestens 45 Jahre Wartezeit) mit 64 Jahren in Anspruch nehmen. Dies wäre also im Jahr 2022 der Fall.

Das Datum 01.04.2024 ist bestimmt der Beginn Ihrer Regelaltersrente. Dieser Rentenbeginn wird routinemäßig in den Renteninformationen ausgewiesen. In den Renteninformationen wird nie auf die Möglichkeiten einer vorzeitigen Altersrente eingegangen. Dies teilt die Deutsche Rentenversicherung auf Antrag in einer Rentenauskunft mit.

von
W*lfgang

Zitiert von: Jürgen 58
Bin Jahrgang 58 mein Arbeitgeber bietet mir ab März 2018 ATZ für 4 Jahre an

Hallo Jürgen 58,

wenn Sie im März 1958 geboren sind, passt doch die 4-jährige ATZ genau bis zum abschlagsfreien Rentenalter 64 zum 01.04.2022.

Wenn Sie im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, sind das genau die Bedingungen für ATZ:
- mindestens 60 Jahre alt
- ATZ bis max. zum ungekürzten Rentenbeginn.

Wenn Sie mit dem reduzierten Gehalt in diesen 4 Jahren auskommen (rd. 70 % des letzten Netto im ÖD) und den damit verbundenen minimal geringeren Rentenbetrag verschmerzen können, dann rein in die ATZ. Alternativ müssten Sie bis 31.03.2022 durcharbeiten, um die Rente nach 45 Jahren ohne Abschlag erhalten zu können.

Gruß
w.