Ausgesteuert und nach Reha Arbeitsunfähig entlassen

von
S.W.

Med. Dienst vom Arbeitsamt hat Rehamaßnahmen beantragt,nachdem ich von der Krankenkasse ausgesteuert wurde. Die Reha habe ich angetreten und bin Arbeitsunfähig entlassen worden.
Habe ich Anspruch auf irgendwelche Übergangsgelder bis die RV entschieden hat , wie es weitergeht ?

von
Herz1952

Sie sollten sofort einen Rentenantrag stellen und diesen dem Arbeitsamt vorlegen. Dann stellen Sie sich mit der "Restleistung" dem Arbeitsamt zur Verfügung, damit Sie weiterhin ALG 1 erhalten (falls Sie zeitlich noch einen Anspruch haben).

Das ALG 1 wird dann bis zum Entscheid über die Rente bezahlt. Sie müssen ja nicht die Rente auf Dauer bekommen, ein Anspruch besteht schon, wenn voraussichtlich 6 Monate Erwerbsunfähigkeit vorliegen.

In Ihrem Fall kann auch folgendes sein, nämlich dass das Arbeitsamt bis zu 6 Wochen Lohnfortzahlung leistet (es hat somit Arbeitgeberfunktion). Bis dahin sollten Sie aber das genannte Prozedere (EM-Rentenantrag) in die Wege geleitet haben, bzw. Sie werden dann vom Arbeitsamt auch zu diesem Schritt aufgefordert werden, falls keine wesentliche Besserung erfolgt.

LTA-Maßnahmen z.B. durch die RV können eigentlich auch erst sinnvoll erfolgen, wenn Sie arbeitsfähig sind. Aber das prüft auch die RV z.B. bei der Rentenantragsstellung.

Sie sollten sich auch nochmal mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzten, wie es bei Ihnen kurzfristig weitergeht.

Noch zu beachten: Dem Arbeitsamt keine weiteren AU-Bescheinigungen vorlegen, wenn Sie den Rentenantrag gestellt haben, sonst entfällt der Anspruch auf ALG 1 (nicht vermittelbar).

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo S.W.,

ich würde an Ihrer Stelle die Arbeitsagentur kontaktieren und das weitere Vorgehen besprechen.
Unter Umständen kann es sinnvoll sein, ein Rentenververfahren (Rente wegen Erwerbsminderung) einzuleiten, da ein Anspruch auf ALG I nicht dauerhaft besteht und Sie sonst nach Auslaufen des ALG I Anspruchs ALG II beantragen müssten. Denn so lange, wir Sie arbeitsunfähig sind, wird ihr Anspruch auf Krankengeld nicht wieder aufleben.

von
Silvia

Zitat des Experten:
"da ein Anspruch auf ALG I nicht dauerhaft besteht und Sie sonst nach Auslaufen des ALG I Anspruchs ALG II beantragen müssten."

Eine ALG II-Leistung würde anschließend gesondert zu prüfen sein und käme zum Tragen, sofern das/ein Familieneinkommen keinen ausreichenden finanziellen Bedarf abdecken kann.

Da das Antragsverfahren und die Prüfung, ob eine Erwerbsminderung vorliegt und somit eine EM-Rentenleistung zu zahlen ist, sich meist sehr umfangreich und ggf. langwierig gestaltet, sollte in der Tat umgehend ein EM-Rentenantrag gestellt werden, sofern noch nicht geschehen.

ALG I (Nahtlosigkeitsregelung §145 SGB III) nach Aussteuerung durch die KK wird in der Regel maximal für 1 Jahr gezahlt/bewilligt (altersabhängig sind auch längere Anspruchsvoraussetzungen möglich).

Dieses 1 Jahr (aufgrund der Nahtlosigkeit) des ALG I -Bezugs ist bei einem womöglich anhängigem Widerspruchs- und/oder Klageverfahren, welches sich sehr oft nach Rentenantragstellung ergibt, schnell vorbei und man steht dann ggf. eine gewisse Zeit ohne weitere eigene Anspruchsvoraussetzungen da, bis über den Rentenantrag (hoffentlich) abschließend positiv entschieden wurde.

Nicht lange abwarten und sich lieber fachlich rentenrechtlich beraten lassen und umgehend handeln.

Gruß und alles Gute für die Zukunft Silvia