Befreiung vom Versorgungswerk

von
Fragender

Hallo Experten,
ich war und bin jetzt auch nach Beginn meiner Regelaltersrente (habe Zeiten aus einer früheren Beschäftigung in der gesetzlichen Rentenversicherung) als Architekt weiter tätig beim gleichen Arbeitgeber. Ich wurde in dieser Tätigkeit als Architekt von der Deutschen Rentenversicherung von der Versicherungspflicht befreit. Ich selbst und auch mein Arbeitgeber haben also KEINE Beiträge zur Rentenversicherung zahlen müssen.
Nun meint mein Arbeitgeber, dass er, da ich jetzt in der Regelaltersrente bin, doch wieder Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen muss, ich aber selbst nicht. Stimmt denn das, das mein Arbeitgeber jetzt für mich Beiträge zahlen muss, nur weil ich jetzt Regelaltersrente beziehe?
Danke!

von
chi

Werden noch Beiträge ans Versorgungswerk gezahlt?

Experten-Antwort

Hallo Fragender,

Sie können sich bei dem geschilderten Sachverhalt von den Rentenversicherungsbeiträgen befreien lassen.

von
Batrix

Ist es nicht eigentlich so, dass bei Altersvollrentenbezug ab Erreichen der Regalaltersgrenze automatisch Versicherungsfreiheit besteht und somit KEINE Rentenbeiträge aus der Beschäftigung zu leisten sind?!?

Eine Befreiung ist m.E. nach nicht notwendig (und auch nicht möglich, da gar keine Versicherungspflicht besteht!).

Der Arbeitgeber muss seine Anteile jedoch weiterhin zahlen, die kommen dann der Versichertengemeinschaft zu Gute.

Unabhängig davon gilt eine Befreiung von der Versicherungspflicht wegen Mitgliedschaft im Versorgungswerk weiter, sofern sich Arbeitgeber und Arbeitsplatz nicht verändern...

von
Martin

Für Beschäftigte, die eine Versorgung einer berufsständischen Versorgungseinrichtung beziehen, muss der Arbeitgeber seinen Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung entrichten. Geregelt ist das in § 172 SGB VI.

von
chi

Bisher waren Sie von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreit. Voraussetzung dafür war die Zahlung von Beiträgen an das Versorgungswerk. Da Sie (laut Aussage an anderer Stelle) jetzt nicht mehr einzahlen, hat sich die Befreiung erledigt. Jetzt sind Sie aber versicherungsfrei, weil Sie die Regelaltersgrenze erreicht haben und eine Vollrente beziehen (vermutlich); nicht wegen einer Versorgung aus dem Versorgungswerk, denn die ist nicht beamtenähnlich.

Dann ist das so richtig: Sie müssen wegen der Versicherungsfreiheit selbst keine Beiträge in die Rentenversicherung zahlen, aber der Arbeitgeber seinen Anteil schon, auf Grund des schon erwähnten § 172 SGB 6. Von diesen „halben“ Beiträgen haben Sie persönlich nichts.

Jetzt könnten Sie überlegen, ob Sie nicht auf die Versicherungsfreiheit verzichten wollen. Als Folge müßten Sie selbst auch wieder Beiträge zahlen, würden aber jährlich Zuschläge auf Ihre Rente bekommen. In die würden Ihre Beiträge und die des Arbeitgebers eingehen.

von
W*lfgang

Zitiert von: chi
Jetzt könnten Sie überlegen, ob Sie nicht auf die Versicherungsfreiheit verzichten wollen. Als Folge müßten Sie selbst auch wieder Beiträge zahlen, würden aber jährlich Zuschläge auf Ihre Rente bekommen. In die würden Ihre Beiträge und die des Arbeitgebers eingehen.

Ergänzend:

Sogar ziemlich lukrativ ...wenn nicht die Amortisierungsphase und das Alter wäre ;-)

In etwa 9 Jahren sind die RV-Beiträge/gewählte Pflichtversicherung, durch die erhöhte Rente wieder zuhause. Ohne dabei positiv zusätzlich erwartete/künftige Rentenanpassungen nebst Zuschlägen auf die 'neuen' Rentenansprüche, steuerliche Absetzbarkeit/Altersvorsorgebeiträge, zunächst keine KV/PV-Beiträge (sofern mit Rente und Gehalt freiwillige GKV, bei PKV sieht es noch positiver aus) zu berücksichtigen. Daneben bleibt vielleicht im Rahmen einer Hinterbliebenenrente noch ein zusätzlicher Mehrbetrag übrig.
Negativ gesehen steigt natürlich auch der steuerpflichtige Anteil der Rente, was eher zu vernachlässigen sein sollte.

> @Fragender: Nun meint mein Arbeitgeber, dass er, da ich jetzt in der Regelaltersrente bin, doch wieder Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen muss, ich aber selbst nicht. Stimmt denn das, das mein Arbeitgeber jetzt für mich Beiträge zahlen muss, nur weil ich jetzt Regelaltersrente beziehe?

Warum ist das wohl so? Da ein AG auch rechnen kann, würde er natürlich nur rüstige Regelaltersrentner beschäftigen, um sich schlicht die RV-Beiträge zu sparen, um sein Produkt/seine Dienstleistung gewinnmaxiert zu Lasten der Sozialsystem und der Mitbewerber auf den Markt zu bringen ...er spart bei Ihnen schon andere SV-Beiträge ein, insofern sind Sie für ihn schon 'billiger', als ein 'normal' Beschäftigter.

Gruß
w.

von
ICKE

Zitiert von: chi
Jetzt sind Sie aber versicherungsfrei, weil Sie die Regelaltersgrenze erreicht haben und eine Vollrente beziehen (vermutlich); nicht wegen einer Versorgung aus dem Versorgungswerk, denn die ist nicht beamtenähnlich.

Neben dem Bezug einer Altersvollrente nach Erreichen der Regelaltersgrenze und dem Bezug einer beamtenrechtlichen oder beamtenähnlichen Versorgung wegen Alters führt auch der Bezug einer entsprechenden Leistung von einem berufsständischen Versorgungswerk zur Versicherungsfreiheit.

Das ändert hier im vorliegenden Fall nichts am Ergebnis, aber ich wollte das mal ergänzen für ggf. andere Fälle bzw. Konstellationen...