Befundberichte, Termin Gutachter

von
Karla

Hallo ans Forum,

ich habe eine Frage. Ich habe einen Antrag zur Weitergewährung meiner Erwerbsminderungsrente gestellt.Alle aktuellen und ausführlichen Befundberichte, sowie Unterlagen meiner KH-Aufenthalte lagen bei.
Nun werde ich zu einem Gutachter bestellt.

Muss dieser Gutachter die Berichte meiner Ärzte und der Kliniken mit ins Gutachten einfliessen lassen oder kann er sich weigern diese zu lesen?
Ich habe von einer Bekannten gehört das ihre gesamten Arztberichte aussen vor gelassen wurden. Ist dies möglich?
Ich bin das erste mal bei einem Gutachter. Was erwartet mich dort?

Mit freundlichen Grüßen

Karla

Experten-Antwort

Hallo Karla,

der Rentenversicherungsträger übersendet dem Gutachter mit der Beauftragung die dem Rentenversicherungsträger vorliegenden medizinischen Unterlagen.
Der Gutachter wird dann die Unterlagen entsprechend sichten und bei dem Untersuchungstermin ein unabhängiges ärztliches Votum über Ihren aktuellen Gesundheitszustand erstellen.
Im Anschluss wird ein schriftliches Gutachten mit dem Votum des Gutachters an den Rentenversicherungsträger gesandt. Dort werden erneut alle medizinischen Unterlagen inklusive des neuen Gutachtens durch den beratungsärztlichen Dienst des Rentenversicherungsträgers geprüft und ein abschließendes Votum zu Ihrem Antrag erstellt.
Im Anschluss erhalten Sie einen entsprechenden Bescheid, ob die Erwerbsminderungsrente weitergezahlt wird und wenn ja für welchen Zeitraum.

von
Karla

Vielen Dank für Ihre ausführliche Erläuterung.

Bedeutet "unabhängiges Votum" das der Gutachter die aktuellen Berichte und Unterlagen nicht berücksichtigt? Meine Ärzte kennen meinen Gesundheitszustand über Jahre. Für den Gutachter bin ich eine völlig fremde Person und er für mich.

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Karla

Experten-Antwort

Hallo Karla,

der Gutachter bekommt die medizinischen Unterlagen und wird diese sichten. Er wird sich aber ein eigenes Urteil über Ihren Gesundheitszustand bilden.
Der ärztliche Dienst des Rentenversicherungsträgers wird abschließend ein Votum fällen, indem sämtliche medizinische Unterlagen geprüft werden.

von
Karla

Vielen Dank für die Informationen.

MfG

Karla

von
Armin Jäger

Das mit den Gutachtern ist Humbug und Larifari. Wie kann ein Gutachter die Krankheit eines Menschen in einigen Minuten ausreichend beǵutachten? So etwas geht doch gar nicht. Ein Arzt, der einen Patienten vielleicht seit Jahrzehnten behandelt und dessen Krankengeschichte gründlich kennt, darf keine Begutachtung machen, weil er befangen ist. Dafür aber ein neutraler Gutachter, der dafür einige Minuten zur Verfügung hat. Grotesk!!!

von
Karla

Guten Tag Herr Jäger, ich bin auch wie vor den Kopf gestoßen wenn ich das lese. Ich bin ganz Ihrer Meinung! Ein mir völlig fremder Mensch soll in kürzester Zeit über meine zukünftige Existenz entscheiden. Nun hoffe ich zumindest auf einen fairen und objektiven Ablauf. Zu verbergen habe ich rein gar nichts, aber in Anbetracht dieser Tatsache steigt in mir eine unheimliche Angst hoch und bin auch äusserst skeptisch.

Mit freundlichen Grüßen

Karla

von
=//=

Der Unterschied zwischen Haus- oder behandelndem Arzt und einem Gutachter des Sozialmedizinischen Dienstes der DRV ist ganz einfach der, dass der behandelnde Arzt zwar angeben kann (und wird), dass der Patient die und die Krankheit hat und unmöglich noch arbeiten kann.

Die Gutachter der DRV dagegen müssen alle ärztlichen Unterlagen genau sichten und bilden sich dann ein abschließendes Urteil. Zum Beispiel kann auch jemand einen Schwerbehindertenausweis von 80 % haben, das spiegelt aber auch nur das Krankheitsbild wieder. Wenn jemand eine schwere Krankheit hat, kann er u.U. trotzdem weiterhin mehr als 6 Stunden arbeiten und ist somit nicht erwerbsgemindert. Ein Gutachter wird nicht erst zum Untersuchungstermin die Unterlagen prüfen, sondern vorher. Das bekommt der Patient/Versicherte doch gar nicht mit. Und wenn ein Gutachten in Auftrag gegeben wird, bedeutet es ganz eindeutig, dass die vorliegenden Unterlagen eben nicht ausreichen.

Man kann auch völlig unnötig Ängste vor der Begutachtung schüren.

von
Karla

Vielen Dank auch für Ihre Erkläuterungen =//=!

Ich muss sowieso zu diesem Gutachter ob ich es nun gut finde oder nicht! Und wie gesagt ich
habe nichts zu verbergen und gehe dennoch mit einer gewissen Skepsis dorthin.
Warum die Unterlagen nicht ausreichten kann ich nicht verstehen, da alles im Detail angegeben war. Trotz allem ist es nun so und ich hoffe ganz sehr dass meine Ängste unbegründet sind und der Gutachter erkennt dass sich mein Gesundheitszustand nicht gebessert hat.

MfG
Karla

von
=//=

"Warum die Unterlagen nicht ausreichten kann ich nicht verstehen, da alles im Detail angegeben war."

GENAU das ist es, was ich meinte. Aus Sicht Ihres Arztes und aus Ihrer Sicht waren die Unterlagen ausreichend, aus sozialmedizinischer Sicht der DRV aber offensichtlich nicht. Aus diesem Grund sollen Sie auch noch zum Gutachter.

von
Karla

Ja anscheinend ist dies so. Mehr kann ich aber auch vor Ort nicht sagen, als das was bereits vorliegt. Es ist in der Tat sehr genau geschildert.
Naja, nun lass ich mich einfach überraschen.

MfG

Karla

von
KSC

Hut ab, Armin Jäger!
Sind Sie Mediziner, dass Sie "das mit den Gutachtern als Humbug" abtun können?
Haben Sie irgendwelche medizinischen Detailkenntnisse?
Können Sie wirklich beurteilen ob ein Gutachter seinen Job verantwortungsvoll ausübt oder nicht?

Dann sollten Sie sich umgehend bei der DRV als Leiter des medizinischen Dienste bewerben, weil Sie ja dermaßen kompetent sind. Wenn Sie den Job dann haben, dürfen Sie "bei den Gutachtern mal so richtig aufräumen" und die werden Ihnen auch dankbar sein, weil endlich mal einer da ist der so wirklich Ahnung hat und durchblickt.

:)

von
karlchen

Hallo KSC,

leider kommt es nicht selten vor, dass dann die Gutachten nach Widerspruch bzw. Klagen beim SG, vom Gutachter des SG ( Beauftragter Gutachter durch dass SG) einkassiert werden.

Demnach kann man schon mal zu dem Schluß kommen das denn da etwas schief gelaufen sein müsste. Denn dann merkwürdiger weise lenkt auch die DRV ein und bewilligt dann die beantragte Rente.

Darum solte man auch alle Rechtswege ausschöpfen. Denn weiss man als Begutachteter denn ob und welche Unterlagen von der DRV zum Gutachter gesendet wurden????

Klar ist natürlich auch dass im wesentlichen nicht davon auszugehen ist, dass Gutachter nun alle unseriös bzw. fahrlässig arbeiten, klar ist aber auch, dass die Gutachter der DRV vom Auftraggeber bezahlt werden für die Gutachten.

Leider muss man bei einigen Gutachter feststellen das diese Ihre Praxis auch darauf eingerichtet haben und schon garnicht mehr selbst begutachten, sondern Ärzte dafür in einer gem. Praxis eingestellt haben, also damit auch dass Einkommen generieren.

Und ich denke dass wenn solche Gutachter mehr heitlich Rentenpositiv begutachten würden, dass dann erheblich weniger Gutachten seitens des Auftragbebers zustande kommen würden.

Aber dieses Problem von erstellen von Gutachten ist ja nicht nur im Rentenverfahren so, es ist eben schwierig auch als Gutachter solch ein Gutachten zu erstellen.

Und es gibt im allg. eben auch fehlgutachten aber wie gesagt muss man sich dann halt wehren dass steht einem ja dann frei.

Karla machen Sie sich keine Gedanken ,lassen Sie sich nach dem Gutachten eine Kopie von der DRV zusenden und sollte in diesem Gutachten ungereimtheiten stehen, bzw. nichtzutreffende Beurteilungen dann bitte Widerspruch einlegen und ebend Begründen.

Es gibt immer solche und solche aber lassen Sie sich nicht durch andere verunsichern, es gibt sehr viele neutrale Gutachter auch wenn diese von der DRV beauftragt werden. Sie haben immer die möglichkeit zu Widersprechen und zu klagen,also alles Gute.

von
=//=

Was hat es denn damit zu tun, dass die Gutachter (Sie meinen wohl die Ärzte des Sozialmedizinischen Dienstes) von der DRV bezahlt werden??? Auch sämtliche anderen Mitarbeiter werden von der DRV bezahlt und müssen trotzdem nur nach dem Gesetz handeln. Oder meinen Sie, dass eine gewisse "Quote" von den Ärzten erwartet wird, weil sie ihr Gehalt von der DRV beziehen? Da liegen Sie völlig falsch und ich halte das für eine unqualifizierte Unterstellung.

Wenn die Kapazität des SMD aufgrund der Flut der Anträge nicht ausreicht oder zeitgemäß keine Untersuchung stattfinden kann, werden schon mal externe Begutachter beauftragt. Bei der DRV Bund geht das ja gar nicht anders, denn sie hat ja bundesweit die Versicherten zu betreuen.

von
MAbuster

Aus 2 wesentlichen Gründen ist die RV bei der Beurteilung an einem neutralen Gutachter interessiert;

1. Oftmals besteht ein persönliches vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Dies "kann" zu gefälligeren Gutachten führen

2. Die Einschätzung der Belastungsfähigkeit eines Antragstellers ist sehr kompliziert. Vertraute Ärzte neigen dazu das Patientenwohl und den ausgeübten Beruf über das Allgemeinwohl der Gesellschaft zu stellen. Ein Rehaarzt sagte in einem Vortrag vor Publikum "Für mich und die RV ist Maßstab, ob jemand noch 3 oder 6h als Parkplatzwächter sitzen kann - alles andere wie z.B. ausgeübter Beruf interessiert nicht".

Es besteht somit ein erheblicher Unterschied. Leider.

von
Silvia

Hallo Karla

So wie ich es lese, liegen bereits aussagefähige ärztliche/klinische Berundberichte vor, welche Sie der DRV mit Ihrer Antragstellung auch zur Einsichtnahme zur Verfügung stellten.

Vor mehr als zehn Jahren stand ich in gleicher Situation und auch ich wurde im Weiterbewilligungsverfahren zu einer erneuten Begutachtung gebeten.

Auch ich war zuvor natürlich aufgeregt und skeptisch.
Die von der DRV dazu beauftragte externe Gutachterin stellte sich mir gegenüber jedoch höflich und keinesfalls voreingenommen dar.

Gut vorbereitet, aufgrund der ihr vorliegenden Vorbefundungen (meine Krankenakte), stellte sie mir einige gezielte Fragen und unterzog mich auch einer körperlichen Untersuchung.

Wie bereits in den Vorbefunden dokumentiert und festgestellt, hielt auch sie mich als weiter arbeits- und erwerbsunfähig und merkte an, dass auch längerfristig mit keiner gesundheitlichen Besserung zu rechnen sei, vielmehr, wie seit Jahren zu beobachten, mit einem stetig progredientem Verlauf.

Innerhalb von nur elf Tagen nach Begutachtungstermin erhielt ich den Weiterbewilligungsbescheid.

Die persönliche Begutachtung hat die Aussagen der Vordokumentationen meiner behandelnden Ärzte untermauert und abschliessend dazu beigetragen, dass der SMD der DRV die befristete EM in eine unbefristete EM (bis zur Regelaltersrente) umwandelte.

Vielleicht ging es dem SMD der DRV genau darum, die vorliegenden Befunde unabhängig gutachterlich noch einmal prüfen und bestätigen zu lassen, um nicht alle drei Jahre erneut darüber entscheiden zu müssen, wenn bereits die vorliegenden Dokumentationen darauf hinweisen, dass das Leistungsbild auch zukünftig nicht mehr ausreichen wird, um wieder erwerbsfähig zu werden.

Mir war es im Nachhinein lieber diesem einen Gutachtertermin nachzukommen, als alle drei Jahre einen Weiterbewilligungsantrag stellen zu müssen.

Bleiben Sie bitte zuversichtlich, Ihre Vorbefunde sagen auch ganz bestimmt schon eine Menge aus und diese werden und müssen auch bei der begutachtenden Entscheidung gewürdigt werden.

Alles Gute für die Zukunft wünscht Ihnen Silvia

von
Karla

Ich möchte mich bei allen im Forum für ihren Rat und ihre Hilfe bedanken.

Besonders aber bei "Silvia" für die mutmachenden Worte. Das hat mich wieder etwas aufgebaut, da es mir gar nicht gut ging die letzten Tage. Es freut mich für Sie, dass Sie Erfolg hatten mit ihrer Rentengewährung :-).

Ich bin nach wie vor skeptisch, aber ich sehe es dennoch so, dass ich wirklich krank bin und wenn der Gutachter das nicht erkennt werde ich das Gutachten anfechten. Ich hoffe allerdings das dies alles nicht nötig ist und hoffe auf eine faire und objektive Beurteilung.

Mit freundlichen Grüßen

Karla

von
R.R.

Zitiert von: MAbuster
Aus 2 wesentlichen Gründen ist die RV bei der Beurteilung an einem neutralen Gutachter interessiert;

1. Oftmals besteht ein persönliches vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Dies "kann" zu gefälligeren Gutachten führen

2. Die Einschätzung der Belastungsfähigkeit eines Antragstellers ist sehr kompliziert. Vertraute Ärzte neigen dazu das Patientenwohl und den ausgeübten Beruf über das Allgemeinwohl der Gesellschaft zu stellen. Ein Rehaarzt sagte in einem Vortrag vor Publikum "Für mich und die RV ist Maßstab, ob jemand noch 3 oder 6h als Parkplatzwächter sitzen kann - alles andere wie z.B. ausgeübter Beruf interessiert nicht".

Es besteht somit ein erheblicher Unterschied. Leider.

Leider besteht aber umgekehrt auch eine gewisse Neigung von Gutachtern umgekehrt der RV helfen zu wollen:
Meine Frau leidet unter einer unheilbaren schweren Nervenerkrankung. Eine geringfügige Tätigkeit auszuüben ist ihr nur unter großen Schmerzen möglich(z.B. Staubsaugen), längeres Sitzen ist ihr überhaupt nicht möglich ohne vor Schmerzen wieder aufzuspringen, längeres Stehen oder geringe Anstrengung genauso, Stress dito. Eine Ausübung von Tätigkeiten >3h wurde ihr von 4 voneinander unabhängigen Ärzten attestiert.
Der von der RV ausgesuchte Gutachter war ein Neurologe, hat sie jedoch nicht untersucht, sondern nur über einen Fragebogen befragt. Seine "Begutachtung" gipfelte in einem Frage-Antwortspiel in welchem er fragte, ob sie sich vorstellen könne zu Arbeiten, meine Frau antwortete sie möchte schon gerne, aber... Dies führte zu seinem Gutachten, sie könne täglich mehr als 6 Stunden arbeiten (vermutlich wenn man eine liegende Tätigkeit findet..) - Da ist man doch froh, dass es "unabhängige" Gutachter gibt.

von
R.R.

Zitiert von: MAbuster
Aus 2 wesentlichen Gründen ist die RV bei der Beurteilung an einem neutralen Gutachter interessiert;

1. Oftmals besteht ein persönliches vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Dies "kann" zu gefälligeren Gutachten führen

2. Die Einschätzung der Belastungsfähigkeit eines Antragstellers ist sehr kompliziert. Vertraute Ärzte neigen dazu das Patientenwohl und den ausgeübten Beruf über das Allgemeinwohl der Gesellschaft zu stellen. Ein Rehaarzt sagte in einem Vortrag vor Publikum "Für mich und die RV ist Maßstab, ob jemand noch 3 oder 6h als Parkplatzwächter sitzen kann - alles andere wie z.B. ausgeübter Beruf interessiert nicht".

Es besteht somit ein erheblicher Unterschied. Leider.

Leider besteht aber umgekehrt auch eine gewisse Neigung von Gutachtern umgekehrt der RV helfen zu wollen:
Meine Frau leidet unter einer unheilbaren schweren Nervenerkrankung. Eine geringfügige Tätigkeit auszuüben ist ihr nur unter großen Schmerzen möglich(z.B. Staubsaugen), längeres Sitzen ist ihr überhaupt nicht möglich ohne vor Schmerzen wieder aufzuspringen, längeres Stehen oder geringe Anstrengung genauso, Stress dito. Eine Ausübung von Tätigkeiten >3h wurde ihr von 4 voneinander unabhängigen Ärzten attestiert.
Der von der RV ausgesuchte Gutachter war ein Neurologe, hat sie jedoch nicht untersucht, sondern nur über einen Fragebogen befragt. Seine "Begutachtung" gipfelte in einem Frage-Antwortspiel in welchem er fragte, ob sie sich vorstellen könne zu Arbeiten, meine Frau antwortete sie möchte schon gerne, aber... Dies führte zu seinem Gutachten, sie könne täglich mehr als 6 Stunden arbeiten (vermutlich wenn man eine liegende Tätigkeit findet..) - Da ist man doch froh, dass es "unabhängige" Gutachter gibt.

von
Herbert

Die Gutachter der Rentenversicherung sind nicht neutral, weil sie von der Rentenversicherung bezahlt werden.

Falls sie für den Versicherten ein positives Gutachten feststellen, müssen sie damit rechnen keinen Auftrag von der Rentenversicherung zu bekommen. das System ist schon nicht richtig, weil der Gutachter von der Rentenversicherung beauftragt wird.

Das müsste sich ändern.