Bitte um Hilfe

von
Josi

Hallo und zwei Fragen,
ich beziehe seit einiger Zeit teilweise Erwerbsminderungsrente. In Abklärung einer Altersrente ab 2017 habe ich mir noch einmal genauer den Bescheid angesehen. Ist es korrekt, daß von allem Entgeltpunkten der Zugangsfaktor wegen vorzeitiger Inanspruchnahme gekürzt wird, obwohl ja letztlich nur die teilweise Erwerbsminderungsrente gezahlt wird? Ich hatte bisher angenommen, daß z.B. von 60 Entgeltpunkten nur die Hälfte genommen wird, weil ja auch nur die Hälfte in Anspruch genommen wird und dann nur von 30 Entgeltpunkten der Zugangsfaktor gekürzt wird und die restlichen Entgeltpunkte ungekürzt verbleiben.
Die zweite Frage, ich könnte nächstes Jahr die abschlagsfreie Altersrente ab 09/17 beantragen, habe jetzt aber erfahren, dass Schwangerschaftsschutzfristen nicht zählen. Nun ist es so, dass bei einem Kind Arbeitsausfalltage dafür erfaßt wurden und beim ersten Kind nicht. Diese Zeiten würden mir also zunächst fehlen. Wieso werden diese Zeiten unterschiedlich bewertet und was kann ich dagegen tun?
Gruß
Josi

von
Klugpuper

Hallo Josi.

Eine Antwort.

Durch die Mutterschutzfristen können Sie ggf. einen Monat für die 45 Jahre verloren haben, wenn Ihr erstes Kind eher Richtung Monatsanfang geboren ist. Dann kann es sein, dass zwischen der vorangegangenen Beschäftigung (anrechnenbar für die 45 Jahre) und der Kinderberücksichtigungszeit ab Geburt (anrechnenbar) ein Kalendermonat liegt, der nur mit Mutterschutzfrist (nicht anrechnenbar auf die 45 Jahre) belegt ist.
Dieser Fall betrifft aber in Regel nur das erst Kind, sodass maximal ein Monat "verloren" geht.

von
Rentenberater

Der Rentenberechnung für die tw. Erwerbsminderungsrente liegen alle Entgeltpunkte, die bis dahin erzielt wurden zuzüglich der Zurechnungszeit zu Grunde. Dementsprechend sind alle Entgeltpunkte von der Kürzung auch bei einer späteren Rente betroffen.
Nicht betroffen sind die Entgelpunkte, welche nach Bezug der Erwerbsminderungsrente erwirtschaftet wurden.

Die Schwangerschaftszeit ist eine sogenannte Anrechungszeit, welche in der Berechnung nicht gesonder bewertet wird. Diese schließt nur Lücken, welche sich Negativ auswirken können.

Um darüber eine Aussage treffen zu können, ob Ihnen hierdurch ein rechtlicher Nachteil entsteht, ist es wichtig zu wissen, welche Altersrente ab 09/17 abschlagsfrei bezogen werden kann.

von
Lux

Zitiert von: Rentenberater

Der Rentenberechnung für die tw. Erwerbsminderungsrente liegen alle Entgeltpunkte, die bis dahin erzielt wurden zuzüglich der Zurechnungszeit zu Grunde. Dementsprechend sind alle Entgeltpunkte von der Kürzung auch bei einer späteren Rente betroffen.

Bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung ist nur die hälft der Entgeltpunkt von der Kürzung betroffen!

§ 77 Abs. 3 SGB VI:
Für diejenigen Entgeltpunkte, die bereits Grundlage von persönlichen Entgeltpunkten einer früheren Rente waren, bleibt der frühere Zugangsfaktor maßgebend.
Dies gilt nicht für die Hälfte der Entgeltpunkte, die Grundlage einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung waren.

von
Manuel

Ich verweis hier kurz und kanpp auf den Gesetzestext des § 77 Abs. 3 SGB VI:

"Für diejenigen Entgeltpunkte, die bereits Grundlage von persönlichen Entgeltpunkten einer früheren Rente waren, bleibt der frühere Zugangsfaktor maßgebend. Dies gilt nicht für die Hälfte der Entgeltpunkte, die Grundlage einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung waren. "

D.h. bei der Umwandlung in eine abschlagsfrei Vollrente fallen nur auf die Hälfe der der teilweise EM zugrunde gelegten Entgeltpunkte Abschläge an.

von Experte/in Experten-Antwort

Bei Bezug einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wird nur die Hälfte Ihrer erwirtschafteten Entgeltpunkte tatsächlich als Rente ausgezahlt. Folglich erhält auch nur diese Hälfte der in Anspruch genommenen Entgeltpunkte den Abschlag.
Bei der Berechnung der Folgerente erhält die nicht in Anspruch genommene Hälfte der Entegeltpunkte und die aus Versicherungszeiten nach Eintritt der Erwerbsminderung erworbenen Rentenanwartschaften den Abschlag der für die Folgerente maßgebend ist. Bei Gewährung einer ungeminderten Altersrente wären diese Rententeile dann ohne Abschlag.
Schwangerschaftszeiten werden in der gesetzlichen Rentenversicherung als Anrechnungszeiten bewertet. Bei der Rentenberechnung erfolgt eine Bewertung aus dem Durchschnittswert aus Ihrem Versicherungskonto. Sie können diese Bewertung aus der Anlage zum Rentenbescheid unter der Rubrik Bewertung von beitragsfreien und beitragsgeminderten Zeiten nachlesen.
Grundsätzlich werden gesetzliche Mutterschutzfristen als Anrechnungszeiten berücksichtigt. Für Zeiten im Beitrittsgebiet (ehem. DDR) erfolgt dies regelmäßig über Arbeitsausfalltage, die am Jahresende gesammelt ausgewiesen werden. Bei fehlenden Angaben von Arbeitsausfalltagen oder bei Geburten außerhalb des Beitrittsgebietes werden Anrechnungszeiten entsprechend den Schutzfristen angerechnet.
Anrechnungszeiten wirken sich bei der Rentenberechnung aus, werden jedoch nicht bei der Wartezeit von 45 Jahren angerechnet.
Wegen der Ursache der fehlenden Mutterschutzfrist Ihres ersten Kindes empfehlen wir Ihnen eine persönliche Vorsprache bei Ihrer örtlichen Beratungsstelle.

von
Josi

Hallo und zunächst lieben Dank für die vielen Antworten.
Ich glaube, ich habe irgendeinen Denkfehler in meinen Überlegungen, deshalb vielleicht noch einmal meine Daten.
Entgeltpunkte 56 Zugangsfaktor 1,000
Verminderung für 27 Kalendermonate 0,081
für 56 Punkte beträgt der Zugangsfaktor 0,919 - und das ist meine Frage: Warum für alle 56 Punkte und nicht nur für die, die durch die teilweise Erwerbsminderung in Anspruch genommen worden sind, also für 28 Entgeltpunkte? Mir verbleiben damit 52 Punkte und wenn ich in die Altersrente mit Abschlägen gehen würde, wird doch dann doppelt gekürzt für den Teil, den ich garnicht in Anspruch genommen habe.
Meine zweite Frage bezog sich auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Wenn ich das richtig gelesen habe, zählt die Mutterschutzfrist nicht zur Wartezeit von 45 Jahren, d.h. ich kann damit erst später diese Rente erhalten. Ist schon kurios, zu Kindern gehört nun mal eine Schwangerschaft und die Zeit in der man garnicht arbeiten darf, zählt nicht.
Gruß Josi

von
senf-dazu

Zitiert von: Josi

... Ist schon kurios, zu Kindern gehört nun mal eine Schwangerschaft und die Zeit in der man garnicht arbeiten darf, zählt nicht.

Das war auch im Bundestag Bestandteil einer Debatte (siehe Plenarprotokoll vom 24.09.2015), allerdings sah die Groko nicht die Notwendigkeit, hier eine Regelung zu schaffen ... So ist dann auch der Gesetzestext verfasst worden.
Da hilft nur, den MdB Ihres Wahlkreises dazu zu befragen oder dagegen zu klagen ...

von
Mitleser

Zitiert von: Lux

Zitiert von: Rentenberater

Der Rentenberechnung für die tw. Erwerbsminderungsrente liegen alle Entgeltpunkte, die bis dahin erzielt wurden zuzüglich der Zurechnungszeit zu Grunde. Dementsprechend sind alle Entgeltpunkte von der Kürzung auch bei einer späteren Rente betroffen.

Bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung ist nur die hälft der Entgeltpunkt von der Kürzung betroffen!

§ 77 Abs. 3 SGB VI:
Für diejenigen Entgeltpunkte, die bereits Grundlage von persönlichen Entgeltpunkten einer früheren Rente waren, bleibt der frühere Zugangsfaktor maßgebend.
Dies gilt nicht für die Hälfte der Entgeltpunkte, die Grundlage einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung waren.


Mitleid gebührt den Ratsuchenden, die sich erwartungsvoll an den User @Rentenberater wenden und nur Falschauskünfte erhalten.
Es ist nicht das erste Mal, dass jemand seine Falschauskünfte korrigiert hat.

Vielen Dank, @Lux!

von
MB

Allen Müttern, die ihr erstes Kind in der ersten Dekade des Monats geboren haben, erhalten den Vormonat vor der Geburt nicht als Wartezeit für die Rente für besonders langjährig Versicherte (Rente45/63) anerkannt. Das ist so, weil für die Schwangerschaftszeit, wo die werdende Mutter (richtigerweise) per Gesetz nicht arbeiten darf, keine Beitragsleistung an die Rentenversicherung erfolgt.
Dieser Monat ist also nicht nur "verloren"(in Anführungszeichen), sondern echt verloren für die Rente 45/63.
Den Sachverhalt des nicht berücksichtigten Monats für die Wartezeit der Rente45/63 gibt es so seit der Einführung der Rente für besonders langjährig Versicherte in 2012. Explizit wird dieser fehlende Monat in der Renteninfo nicht ausgewiesen und schätzungsweise über 95% aller betroffenen Mütter wissen dies auch nicht.
Man muß schon sehr präzise den gesamten Versicherungsverlauf aufdröseln, um auf diese Lücke zun stoßen. Das Rentenrecht ist in diesem Punkt frauendiskriminierend, verfassungswidrig und eigentlich völlig inaktzeptabel.
Den MDB ihres Wahlkreises einzuschalten hilft gar nichts, weil das Problem im politischen Berlin abgefrühstückt ist. Nachdem alle Fraktionen und Fraktionsvorsitzenden des Bundestages nach dem Vorliegen des ersten Entwurfes des Rentenleistungsverbesserungsgesetzes (gültig ab 01.07.2014) noch im ersten Quartal 2014 über diesen Sachverhalt informiert wurden und keinerlei Reaktionen erfolgten, wurde die Problematik mit der Petition 51802 dem Deutschen Bundestag am 21.04.2014 eröffnet. Aufgenommen hat die Problematik leider nicht die Regierungskoalition sondern die Opposition und hat einen entsprechenden Gesetzes-Änderungsvorschlag über die Anrechnung von Zeiten des Mutterschutzes (Bundestagsdrucksache 18/4107) eingebracht. Die erste Lesung dazu war am 05.03.2015, die in nicht öffentlicher Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales am 17.06.2015 erarbeitete Beschlußempfehlung (Bundestagsdrucksache 18/5279) und die abschließende zweite und dritte Lesung war am 24.09.2015 mit der ablehnenden Entscheidung des Bundestages (ich habe diese unsägliche Debatte persönlich auf der Zuschauertribüne des Deutschen Bundestages miterleben dürfen).
Das Petitionsverfahren wurde am 30.03.2016 abgeschlossen (Prot. 18/56 S. 88-92) - ich erspare mir zu diesem Schriftstück hier momentan jeglichen Kommentar dazu.
Sie sind aber bestimmt nicht chancenlos, wenn sie gegen den Sachverhalt klagen (auch der Frauenauschuß des DGB hatte sich in gleicher Sache an die Abgeordneten der SPD in Berlin gewandt - wäre für sie unterstützend), aber ob in der verbleibenden Zeit bis 09/2017 das entschieden wird - ???

von
Josi

Ich gebe Ihnen vollkommen recht, d.h. mir fehlen fast die Worte.... Aber nachdem ich jetzt gesehen habe, dass ich von der sogenannten "Mütterrente" auch nichts habe, da ich ich bei beiden Kindern sofort wieder gearbeitet habe, ich hatte aus vielerlei Gründen gar keine andere Wahl, fällt mir als alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern, die heute beide fleißige "Beitragszahler" sind, nichts mehr ein.
Gruß
Josi