Datenschutz bei der Deutschen Rentenversicherung

von
Thomas333

Guten Tag,

mein Nachbar sagte, dass seine Frau bei der Deutschen Rentenversicherung arbeitet. Kann sich die Angestellte in Kassel Informationen und Krankheitsverläufe von einem Versicherten holen, der von der Rentenversicherung in Berlin die Rente bezieht? Wie weit haben die Angestellten der Deutschen Rentenversicherung Zugriff auf die Daten von den Versicherten? Sind alle Akten digitalisiert?

von
KSC

Das auszuführen würde wohl dieses Forum sprengen.

Generell kann man sagen, dass der Datenschutz eingehalten wird und dass die Mitarbeiter an die Informationen kommen, die sie für die Aufgabenerfüllung benötigen.

Der Rentensachbearbeiter in Kassel (DRV Hessen) hat keinen Zugriff auf Gutachten oder Arztberichte eines Kunden der DRV Bund, der in Ostfriesland wohnt und im bayrischen Wald zur Reha war.

Der Pförtner in Augsburg hat überhaupt keinen Zugriff auf Versichertendaten.

Der Berater in einer Beratungsstelle hat hingegen Zugriff auf Versicherungskonten, aber Arztberichte kann er nicht einsehen.

Usw.

Die Digitalisierung ist bei den verschiedenen RV Trägern sicherlich unterschiedlich geregelt und unterschiedlich weit vorangeschritten. Es würde mich wundern wenn bei der DRV Bund alles genauso wäre wie bei der DRV Saarland oder Oldenburg-Bremen.
Und auch auf digitalisierte Vorgänge hat nicht jeder Mitarbeiter Zugriff (s.o.)

von
Mitarbeiter

Ich könnte auf die Daten eines Großteils meiner Nachbarn zugreifen. Und was würde mir das bringen? Gar nichts. Die verdienen nicht mehr oder weniger und werden auch nicht kränker oder gesünder dadurch. Und über meine dadurch gewonnen Erkenntnisse könnte ich ja nicht mal reden. Ich risikier' doch nicht meinen sicheren Arbeitsplatz nur um damit anzugeben, was ich tolles über Meier, Huber, Müller weiß. In der Regel misst man seinen eigenen Daten sowieso mehr Bedeutung bei, als sie für andere wirklich haben.
Mir ist es einmal passiert, dass ich tatsächlich eine Akte eines Bewohners meines 3000-Seelen-Dorfes in der Hand hatte, in der heikle Daten waren. Ehrlich gesagt, mir war's peinlich - da standen Sachen, die wollte ich gar nicht wissen. Ich hab' die ganz schnell zugeklappt und wegen Befangenheit meinem Kollegen gegeben.

von
vbc

Hallo,
es nicht so, dass jeder Mitarbeiter Zugriff auf +80.000.000 Konten hat.
Im Übrigen gibt es beim Rentenversicherungsträger (von denen es 16 an der Zahl gibt) keinen "Krankenheitsverlauf". Es gibt bestensfalls Diagnosen, die nach der Eingabe für die normale Sachbearbeitung nicht einmal mehr sichtbar sind (zumindest bei EM-Renten, bei Reha dürfte es ähnlich sein).
Die Digitalisierung ist bei den Rentenversicherungsträgern unterschiedlich vorangeschritten. Jeder Mitarbeiter erhält eine Prüfziffer. Zu dieser Prüfziffer ist nur ein bestimmter Stamm von Versicherungskonto einsehbar; nämlich der, für dessen Fallbearbeitung man zuständig sein/werden könnte (getrennt nach Geburstdaten und (teils) Wohnort).
Es wäre zwar nicht wie ein Sechser im Lotto, dass Ihre Nachbarin genau auf Ihr Konto Zugriff hätte - doch ein Fünfer mit Zusatzzahl würde es in etwa beschreiben.

Wie kommen Sie denn darauf, dass Ihr Nachbarin Interesse daran hätte - und dabei gegen die eigenen Datenschutzrichtlinien vorsätzlich verstößt - in Ihren RENTENversicherungsverlauf zu schauen?
Wieso unterstellen Sie soetwa? Gauben Sie, dass die Mitarbeiter den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben als Privatkontakte durchzusichten?
Die Datenschutzrichtlinien werden von jeden Mitarbeiter (zumindest kenne ich es so) einmal im Jahr gegengezeichnet. Das heißt natürlich längst nicht, dass dadurch der Misbrauch verhindert wird, doch im Fall der Fälle riskiert man gegen Verstoß seine Anstellung im öffentlichen Dienst (und zwar überall). Warum sollte Ihre Nachbarin dieses Risiko eingehen?

Ferner: Wenn Sie eine Rente aus Berlin beziehen (und scheinbar) in Kassel wohnen, erhalten Sie vermutlich von der DRV Bund Ihre Rente. Da meines Wissen nach die DRV Bund keine Außenstelle in Kassel hat (Sacbearbeitung nur in Berlin, Gera, Stralsund), wird Ihre Nachbarin vermutlich nicht bei der DRV Bund arbeiten und somit auch keinen Zugriff haben (falls man unterstellen würde, dass Ihr Nachbarin überhaupt gehofft hat Zugriffberechtigungen zu haben).

P.S.: Auf die o.g. Gegenfragen dürfen Sie auch antworten.

von
Thomas333

Zitiert von: vbc

Hallo,
es nicht so, dass jeder Mitarbeiter Zugriff auf +80.000.000 Konten hat.
Im Übrigen gibt es beim Rentenversicherungsträger (von denen es 16 an der Zahl gibt) keinen "Krankenheitsverlauf". Es gibt bestensfalls Diagnosen, die nach der Eingabe für die normale Sachbearbeitung nicht einmal mehr sichtbar sind (zumindest bei EM-Renten, bei Reha dürfte es ähnlich sein).
Die Digitalisierung ist bei den Rentenversicherungsträgern unterschiedlich vorangeschritten. Jeder Mitarbeiter erhält eine Prüfziffer. Zu dieser Prüfziffer ist nur ein bestimmter Stamm von Versicherungskonto einsehbar; nämlich der, für dessen Fallbearbeitung man zuständig sein/werden könnte (getrennt nach Geburstdaten und (teils) Wohnort).
Es wäre zwar nicht wie ein Sechser im Lotto, dass Ihre Nachbarin genau auf Ihr Konto Zugriff hätte - doch ein Fünfer mit Zusatzzahl würde es in etwa beschreiben.

Wie kommen Sie denn darauf, dass Ihr Nachbarin Interesse daran hätte - und dabei gegen die eigenen Datenschutzrichtlinien vorsätzlich verstößt - in Ihren RENTENversicherungsverlauf zu schauen?
Wieso unterstellen Sie soetwa? Gauben Sie, dass die Mitarbeiter den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben als Privatkontakte durchzusichten?
Die Datenschutzrichtlinien werden von jeden Mitarbeiter (zumindest kenne ich es so) einmal im Jahr gegengezeichnet. Das heißt natürlich längst nicht, dass dadurch der Misbrauch verhindert wird, doch im Fall der Fälle riskiert man gegen Verstoß seine Anstellung im öffentlichen Dienst (und zwar überall). Warum sollte Ihre Nachbarin dieses Risiko eingehen?

Ich befürchte, mein Nachbar würde meine Vorerkrankungen in ganzem Dorf ausplaudern.

von
Dr. Lokan

Ich kann mir gut vorstellen, daß es Detektivunternehmen oder darauf spezialisierte Personen schon möglich ist, an gewisse empfindliche Daten von Personen bei Unternehmen zu kommen. Egal welche Unternehmen, Anstalten oder Behörden es sind. Da gibt es immer Mittel und Wege, die aber sicher nicht legal sind.

Das sollte man schon im Hinterkopf behalten und entsprechend bei Bedarf vorsichtig agieren.

von
Liesl von der Post

Zitiert von: Dr. Lokan

Ich kann mir gut vorstellen, daß es Detektivunternehmen oder darauf spezialisierte Personen schon möglich ist, an gewisse empfindliche Daten von Personen bei Unternehmen zu kommen. Egal welche Unternehmen, Anstalten oder Behörden es sind. Da gibt es immer Mittel und Wege, die aber sicher nicht legal sind.

Das sollte man schon im Hinterkopf behalten und entsprechend bei Bedarf vorsichtig agieren.

Du Klugscheisser, das ist doch nichts besonderes. Wenn man über eine Person was wissen will, drückt man einem Krankenkassenmitarbeiter einen Fünfziger in die Hände und der schaut dann im PC nach welche Krankheiten und Problemchen bei dieser Person gespeichert sind. Aus die Maus.

von
Dr. Göbel

Zitiert von: Thomas333

Ich befürchte, mein Nachbar würde meine Vorerkrankungen in ganzem Dorf ausplaudern.

Gibt es auch in Ihrem Dorf Menschen, die bei einer Krankenkasse arbeiten? Die sehen doch vielmehr, welche Krankheiten Sie haben. Vor denen sollten Sie genauso viel Angst haben, dass Sie Ihre Leidensgeschichten im Dorf rumposaunen.
Das selbe betrift auch die Mitarbeiter von Arztpraxen (und Krankenhäuser), die Sie aufsuchen. Auch die haben Zugriff auf Ihre Krankengeschichte.
Bei mir war es eine Anstegung von Diarrhoe durch die DRV selbst.

von
Thomas333

In dem Forum fühlt man sich eher niedergeschlagen als aufgebaut.

von
KSC

Ihr Nachbar müsste schon saublöd sein, wenn er Ihre Krankheiten im Dorf rumposaunen würde und dann auch noch damit angibt, dass sich seine Frau die Daten beschafft hat.

Sorry, das halte ich für ein Hirngespinst, kann es sein dass Sie sich für zu wichtig halten.

Ob Thomas333 gesund oder krank ist, interssiert doch - außer Ihnen- keinen.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo, Thomas333,

als Mitarbeiterin der Deutschen Rentenversicherung unterliegt auch Ihre Nachbarin den Bestimmungen des Datenschutzes. Ob diese nun tatsächlich Zugriff auf persönliche Daten von Ihnen hat kann hier nicht ausgeschlossen werden. Grundsätzlich ist es von Aufgabe und Funktion des Mitarbeiters abhängig, in wieweit Daten eingesehen werden können. Nach Ihrer Schilderung scheint die Nachbarin bei der DRV Hessen beschäftigt zu sein – Sie erhalten allerdings Ihre Rente von der DRV Bund.
Dieser Umstand führt dazu, dass – immer voraus gesetzt die Nachbarin interessiert sich überhaupt für Ihre persönlichen Daten – die Daten nur von ganz wenigen Mitarbeitern (z.B. Berater der Auskunfts- und Beratungsstellen) eingesehen werden können. Verschafft sich ein Berater Überblick in einem „fremden“ Konto, wird dies im Versicherungskonto des Versicherten dokumentiert. Die Daten, welche nach der Anforderung dem Mitarbeiter zur Verfügung stehen, ermöglichen dann immer noch keinen Zugriff auf ärztliche Unterlagen bzw. Befunde.
Die Digitalisierung schreitet in allen Dienststellen der Regionalträger bzw. den Bundesträgern unterschiedlich voran. Es ist durchaus möglich, dass Ihre Akte bereits digitalisiert ist. Dies ist allerdings kein Freibrief dafür, dass alle Mitarbeiter der DRV Zugriff auf diese Akte haben. Hier gelten ebenfalls dieselben Datenschutzbestimmungen für die Mitarbeiter. Die Datenschutzbestimmungen können bei der DRV auch persönlich von Ihnen eingesehen werden. Sie können auch nachfragen, ob Ihr Rentenversicherungskonto von anderen Dienststellen angefordert worden ist.
Wir wünschen Ihnen – auch in Zeiten vieler weltweiter Datenschutzaffären – dass Sie Vertrauen in diese Regelungen der DRV haben. Ein Missbrauch kann allerdings nie ausgeschlossen werden. Diese Garantie können auch wir Ihnen nicht geben. Allerdings wird penibel dafür Sorge getragen, dass die Bestimmungen eingehalten werden.