EM-Rente, Regress, Altersrente

von
Wellenhimmel

Hallo,

vorweg bitte ich um Nachsicht, wenn ich mich umständlich ausdrücke, ich habe eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung und befinde mich noch im Lernprozess, Danke.

Ich beziehe eine unbefristete EM-Rente, diese ist aufgrund des Rentenbeginns so berechnet, als wenn ich bis zum 62. Lj. gearbeitet hätte.
Durch die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers werden an die DRV Regresszahlungen vorgenommen. Hiervon habe ich jetzt erstmals eine Aufstellung der Summe von der DRV bekommen.
Ich rief dort an und man erklärte mir, dass meine spätere Altersrente dann so wäre, als ob ich immer weiter gearbeitet hätte und ich keinen Rentenverlust durch die Regresszahlungen haben werde.
Hab ich freudig so zur Kenntnis genommen.

Jetzt fällt mir aber das hier dazu ein:
Da meine EM-Rente so berechnet wurde, als wenn ich bis zum 62. Lebensjahr gearbeitet hätte, würden mir "nur" knapp drei Jahre EP fehlen. Durch diesen Unfall habe ich einen GdB von 50 und könnte etwas früher in Altersrente gehen.

Auf der anderen Seite ist es aber so, dass zwischen meiner letzten Rentenberechnung (vor dem Unfall) der zu erwartenden Altersrente und der jetzt gezahlten EM-Rente mehrere hundert Euro liegen und die ausgezahlte Summe mit der damals ausgerechneten EM-Rente ungefähr übereinstimmt.

Also:
Regress = Rentenversicherungsbeiträge von Seiten der Haftpflicht - bedeutet, Altersrente als ob ich bis zum Altersrentenbeginn gearbeitet hätte

Aber:
Jetzt schon Bezug von EM-Rente, Höhe als ob ich bis 62 gearbeitet hätte

Diskrepanz zwischen EM-Rente und mal avisierter Altersrente sehr hoch

Ich verstehe und begreife das njcht.
Kann mir bitte hier jemand diese Sache erklären?

Vielen Dank

von
senf-dazu

Hallo "Wellenhimmel"!

Es ist schwierig, das anhand der wenigen Angaben zu beschreiben, ich will es aber einmal versuchen.
Wenn Sie immer *sehr gut* verdient haben, also an oder über der Beitragsbemessungsgrenze, dann erhalten Sie pro Jahr etwa 2 Entgeltpunkte. Das macht dann über einen Zeitraum von 3 Jahren 6 EP oder etwa 200 Euro.
Die Regelaltersgrenze steigt allerdings auf 67 und Sie werden vermutlich mit 66+ in Rente gehen, sonst wäre keine Zurechnungszeit errechnet worden. Daher wird diese Differenz noch einmal höher sein.

Nun wird auf die EM-Rente ein Abschlag bis zu 10,8 % angerechnet, weil Sie vor dem "normalen" Zeitpunkt die Rente erhalten. Auch dies erhöht die von Ihnen angesprochene Differenz.

Sie sprechen den ausgezahlten Betrag an ... Da beachten Sie bitte, dass noch Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen werden. Auch das ist in dem Betrag auf der Renteninformation noch nicht berücksichtigt (steht aber im "Kleingedruckten").

Also: Wenn Sie immer sehr gut verdient haben, kann ich mir diese Differenz erklären. Aber vielleicht hat noch jemand anderes einen Ansatz dafür?

von
Manuel

Nach meinen Kenntnissen macht die RV lediglich die entgangenen Beiträge, sowie die durch den Unfall vorzeitige zu zahlende EM-Rente geltend (allerdings bin ich im Bereich Regress auch absoluter Laie).
D.h. da bei der EM-Rente Abschläge anfallen, ist die Altersrente später dann nicht so hoch wie bei weiterem arbeiten bis Rentenbeginn. Diese Differenz müsste dann selbst ggü. der Haftpflicht geltend gemacht werden.

von
senf-dazu

Zitiert von: senf-dazu

... Wenn Sie immer sehr gut verdient haben, ...

Korrektur: Da die Hochrechnung in der Renteninformation auf den Daten der letzten 5 Jahre basiert, reicht es, wenn Sie in den letzten Jahren sehr gut verdient haben und entsprechend hohe Beiträge in de Rentenkasse gezahlt haben.

von
Schade

Bei der Komplexität dieser Sachlage wäre anzuraten die Fragen im persönlichen Gespräch bei der nächsten DRV Beratungsstelle zu klären. Dort haben die Kollegen EDV Zugriff auf Ihre individuellen Daten - hier im Forum muss spekuliert werden.

von Experte/in Experten-Antwort

Die Berechnung der künftigen Altersrente ist bei Ihnen durch viele verschiedenen Faktoren beeinflusst, die Sie in Ihrem Beitrag genannt haben. Eine genaue Erläuterung im Rahmen dieses Forums erscheint daher nicht möglich. Wir empfehlen Ihnen, einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch bei Ihrem Rentenversicherungsträger zu vereinbaren. Zu diesem Gespräch sollten Sie neben dem Bescheid über die Rente wegen Erwerbsminderung auch die Berechnung der regressierten Beiträge sowie Ihren Schwerbehindertenausweis mitnehmen. In diesem Gespräch können alle Ihre Fragen beantwortet werden.

von
=//=

Vielleicht lässt es sich so erklären, ich bin allerdings auch Laie, was Regress betrifft.

Grundsätzlich werden bei einer EM-Rente NUR die Beitrags- und Anrechnungszeiten bis zum Eintritt des Leistungsfalles berücksichtigt. AUSSERDEM wird die Zurechnungszeit - hier bis zum 62. Lebensjahr - bewertet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass neben der Zur.Zeit auch regressierte Beiträge anzurechnen sind. Evtl. kann sich ein MA der DRV aus der Regressabteilung hierzu äußern.

Bei einer anschließenden Altersrente werden die regressierten Beiträge bis zum Vormonat des Rentenbeginns der AR berücksichtigt.

von
W*lfgang

Hallo Wellenhimmel,

Tipp: einfach 2 Proberechnungen zu dem frühestmöglichen Altersrentenbeginn und dem mit der Regelaltersrente anfordern - vergleichen, und sehen, ob es überhaupt einen Unterschied gibt.

Sie dürften wohl einen GdB 50 haben, und somit spätestens mit 62 die Altersrente für schwerbehinderte Menschen erhalten können/mit Abschlag ...entsprechend Ihrem Jahrgang vielleicht auch schon ab 60 + xx, ein 1/2 Jahr vor diesem frühestmöglichen Rentenbeginn kümmern Sie sich um diese Probeberechnungen, um die Auswirkungen der 'Regresszahlungen' bei späterem Altersrentenbeginn einschätzen zu können.

Das mit der Hochrechnung der EMRT bis 62 und parallel laufenden Regressbeiträgen vergessen Sie erst mal ganz schnell. Das wird erst interessant, wenn das erste Datum für eine Altersrente ansteht ...siehe oben.

Gruß
w.

von
Mimi

Hallo Wellenhimmel,

als selbst betroffener möchte ich versuchen, die Frage zu beantworten.

Grundsätzliches zum Beitragsregress § 119 SGB X:

Wird ein versicherter Arbeitnehmer der gesetzlichen Rentenversicherung durch einen Unfall verletzt und als Folge hiervon arbeitsunfähig, arbeitslos oder anderweitig in seinen Verdienstmöglichkeiten eingeschränkt oder bezieht er eine Rente wegen Erwerbsminderung, hat der Schädiger unter anderem auch die hierdurch entstehenden Nachteile im Altersrentenaufbau, das heißt einen Beitragsausfall auszugleichen. Durch die Regelung des § 119 SGB X wird der Anspruch des Geschädigten auf Ersatz dieses fremdverschuldeten Rentenschadens treuhänderisch auf den Rentenversicherungsträger übertragen. Der zeitliche Umfang des Beitragsausgleichs hängt von der Dauer der Schädigung ab. Ist der Geschädigte arbeitsunfähig, besteht in der gesetzlichen Rentenversicherung eine Beitragsforderung nach dieser Vorschrift bis zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit; ist der Geschädigte erwerbsgemindert, müssen die Beiträge bis zum Erreichen der Altersgrenzen für die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt werden. Darüber hinaus kann ein Beitragsausgleich bis zum Erreichen der Altersgrenze erforderlich sein, wenn der Geschädigte unfallbedingt weniger verdient und der Minderverdienst durch entsprechende Beitrage auszugleichen ist. Der Berechnung der übergegangenen Beitragsansprüche ist das Arbeitsentgelt zugrunde zu legen, das vor dem schädigenden Ereignis erzielt wurde. Hierbei sind auch durchschnittliche Einkommenszuwächse mit einzubeziehen…

Einzelheiten zum Umfang von § 119 SGB X siehe hier:

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?hl=%C3%9Cbergang+von+Beitragsanspr%C3%BCche&f=SGB10_119R0

Der zeitliche Umfang des Beitragsregress beinhaltet also die Zeit ab Unfallentstehung bis längstens dem Erreichen der Regelaltersgrenze.

Nach § 75 Abs. (4) SGB VI
besteht für eine Rente wegen Alters, ein Anspruch auf Ermittlung von Entgeltpunkte auch für Pflichtbeiträge nach § 119 SGB X, wenn diese nach dem Beginn der Rente aufgrund eines Schadenereignisses vor Rentenbeginn gezahlt worden sind.

Sie sollten darauf achten,

dass der vom Rentenversicherungsträger durchgeführte Beitragsregress nach
§ 119 SGB X auch weiterhin fortlaufen durchgeführt wird, - damit keine Verjährung der auf den Rentenversicherungsträger (treuhänderisch ) übergegangenen Ansprüche eintritt -. In meinem Fall nimmt der RVT dies einmal jährlich vor und schreibt den bei der Haftpflichtversicherung des Schädigers regressierten Beitragsausfall als Pflichtbeitragszeit/Schadenersatz meinem Versichertenkonto gut. Auch ist darauf zu achten, dass der Beitragsregress eine Steigerung durch Einkommenszuwächse beinhaltet (z.B. tarifliche Erhöhungen, die Sie im normalen Berufsleben erzielt hätten, wäre der Unfall nicht passiert)

Ebenso sollte ihr Rechtsanwalt darauf achten,

dass ihre (eigenen) zivilrechtlichen Ansprüche gegenüber der Haftpflichtversicherung des Schädigers nicht verjähren.

Ob und in welcher Höhe der Beitragsregress bislang erfolgt ist, können Sie durch einen aktuellen Versicherungsverlauf erkennen, welchen sie sich durch den Rentenversicherungsträger jederzeit zusenden lassen können.

Nun zu ihrer Frage:

Also:
Regress = Rentenversicherungsbeiträge von Seiten der Haftpflicht - bedeutet, Altersrente als ob ich bis zum Altersrentenbeginn gearbeitet hätte

Aber:
Jetzt schon Bezug von EM-Rente, Höhe als ob ich bis 62 gearbeitet hätte

Diskrepanz zwischen EM-Rente und mal avisierter Altersrente sehr hoch

Richtig ist:

Durch einen erfolgreich durchgeführten Beitragsregress, soll der Versicherte bei der Altersrente also so gestellt werden, als hätte er bis zu Regelaltersrente Beiträge eingezahlt.

Hier ein vereinfachtes Beispiel:
(die genaue Berechnung erfragen sie bitte bei ihren Rentenversicherungsträger)

Unfallbedingter Bezug einer vollen EM-Rente.
Der Berechnung lagen (nur) Beitrags- und Anrechnungszeiten bis zum
Eintritt des Leistungsfalls, zuzügl. einer Zurechnungszeit – hier bis
zum 62. Lebensjahr zugrunde.
Daraus errechnet sich gemäß Rentenbescheid:
z.B. 40 Entgeltpunkte .

Nach Erfüllung aller Voraussetzungen beantragt der Versicherte:

a, ab 63 Jahren Altersrente für Schwerbehinderte

b, ab 65 Jahren Regelaltersrente

(wie gesagt, nur ein Beispiel)

Nun berücksichtigt der Rentenversicherungsträger gemäß § 75 Abs. (4) SGB VI
bei der Neuberechnung, die ihren Versicherungskonto gutgeschriebenen regressierten Beiträge, was zu einer Erhöhung der Entgeltpunkte führt,
woraus sich dann wiederum die Höhe der Altersrente bestimmt.

Bitten sie doch ihren Rentenversicherungsträger um die Zusendung einer Probeberechnung:

a, zur Altersrente für schwerbehinderte Menschen

b, zur Regelaltersrente

unter der Annahme, dass der bislang durchgeführte Beitragsregress, weiterhin bis zum Rentenbezug fortgeführt wird.

Zu beachten ist jedoch:

Das eine zuvor bezogene Erwerbsminderungsrente mit Abschlägen behaftet ist.
Bei einem fortlaufenden Bezug bis zur Umwandlung in eine Altersrente, bleiben diese Abschläge jedoch erhalten, was zu einem Rentenkürzungsschaden in der Altersrente führen kann?

Derzeit ist unklar:

Ob ein solcher Rentenkürzungsschaden (sofern dieser überhaupt eintritt), durch die Haftpflichtversicherung des Schädigers auszugleichen ist?

Zur Thematik siehe hier:

https://www.ihre-vorsorge.de/forum.html?tx_mmforum_pi1[action]=list_post&tx_mmforum_pi1[tid]=21293

http://www.anwaelte-hassfurt.de/beitragsregress.php

http://www.schluender.info/aktuelles/praxis_aktuell/nochmals_ersatzfahiger_rentenkurzungsschaden_2_3_2017

Hinweis:
Dies sind Erkenntnisse eines selbst Betroffenen und stellt keine Rechtsberatung da. Sie sollten sich durch die Beratungsstelle ihres Rentenversicherungsträgers, deren Regressabteilung, bzw. durch ihren Anwalt beraten lassen.

Ihnen weiterhin gute Genesung.