Entgeltpunkte für berufliche Ausbildung

von
siriustag21

Entgeltpunkte für berufliche Ausbildung
§ 74 SGB VI Begrenzte Gesamtleistungsbewertung
„…Fachschulausbildung oder der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme werden insgesamt für höchstens drei Jahre bewertet, vorrangig die beitragsfreien Zeiten der Fachschulausbildung und der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme…“
Dem steht § 71 Abs. 3 SGB VI entgegen, in dem es lautet:
Bei der Anwendung von Satz 1 Nr. 2 gelten die ersten 36 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen für Zeiten einer versicherten Beschäftigung oder selbständigen Tätigkeit bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres stets als Zeiten einer beruflichen Ausbildung.“

1. Was gilt nun wann? Vorrangig die Fachschulausbildung oder die ersten 36 Monate mit Pflichtbeiträgen?

Die Bewertung einer Berufsausbildung ergibt zusätzliche Entgeltpunkte offensichtlich nur bei der Berechnung der Grundbewertung. Aber die Entgeltpunkte für die Berufsausbildung werden weder als solche noch als „Entgeltpunkte für beitragsgeminderte Zeiten bei der „Summe der Entgeltpunkte“ berücksichtigt. Beitragsfreie Zeit der Fachschulausbildung dagegen fließt mit Zusatzpunkten neben den Entgeltpunkten für Beitragszeiten in die „Summe der Entgeltpunkte“ ein.

2.Wo sind da die Rechtgrundlagen für diese unterschiedliche Wertung?

von
W*lfgang

Hallo siriustag21,

ich denke, Sie bringen da 2 Berechnungsmodalitäten durcheinander.

das eine sind die 'echten' EP für Berufsausbildung und/oder Fachschule im Rahmen der 'EP für beitragsfreie und beitragsgeminderte Zeiten' und das andere die Vorabermittlung des maßgebenden Gesamtleistungswertes, um diese Zeiten damit überhaupt auf- bzw. bewerten zu können.

Bei der Gesamtleistungsbewertung werden _immer_ ('stets') die ersten 36 Monate einer Pflichtbeitragszeit als Quasi-Berufsausbildung bewertet/hier ein EP-Wert von 0,0833 (100 % Einkommen) zugeordnet - auch wenn 'nur' eine normale Beschäftigung mit geringerem Wert in den ersten 36 Monaten Pflichtbeitragzeit vorlegen hat - und selbst wenn die nach der Fachschule liegt. Hier geht es zunächst nur um die Ermittlung des bestmöglichen Durchschnittswerts für alle damit zu bewertenden Zeiten.

Bei der 'Begrenzung' geht es dann um die 'echten'/zusätzlichen EP für die Gesamtsumme aller EP. Die Begrenzung besagt, das nur max. noch 3 Jahre dieser beiden Ausbildungsarten zu bewerten sind – die Fachschule eben zuerst, da hier grundsätzlich keine Beiträge gezahlt worden sind/ 0 EP ...damit volle Bewertung von max. 0,0625 EP/Monat möglich. Kommt jetzt noch zusätzlich eine Lehrzeit/versicherungspflichtige Berufsausbildung ins Spiel, geht die 'leer' aus, wenn bereits 36 Monate für pauschale Aufwertung für die reine Fachschule verbraucht sind.

Kompliziert wird es, wenn die Fachschule gleichzeitig eine Umschulungsmaßnahme mit Leistungen des 'Arbeitsamtes' gewesen ist, und damit auch gleichzeitig Pflichtbeitragszeit wegen beruflicher Ausbildung. Keine Sorge, bei dieser parallelen 'Mehrfachversicherungszeit' wird inzwischen der bestmögliche EP-Wert/auch bezogen aufs ganze Versicherungsleben – ggf. unter Außerachtlassung einer eigentlich anrechenbaren/schlechterstellenden (Ausbildungs)Zeit – für Sie ermittelt.

Gruß
w.

von
chi

Das sind völlig unterschiedliche Regelungen, die einander nicht widersprechen.

In § 71 geht es darum, einen Gesamtleistungswert zu bestimmen (eine Art monatlicher Durchschnitt der Entgeltpunkte über das Erwerbsleben). Hier gehen bei der Berechnung bestimmte Zeiten mit einem höheren Wert ein als sie in Wirklichkeit haben, das erhöht also den Durchschnitt. Außerhalb dieser Berechnung hat das keinerlei Auswirkung, diese selben Zeiten werden für die eigentliche Rentenberechnung mit ihrem realen Wert angesetzt (sofern es nicht eine separate Regelung gibt, die etwas anderes vorsieht).

In § 74 geht es dann darum, den vorher bestimmten Gesamtleistungswert auf gewisse Zeiträume (u.a. Fachschulausbildung) anzuwenden, für die sonst sehr niedrige oder gar keine Entgeltpunkte berücksichtigt werden würden.

Übrigens fällt die unbezahlte Fachschulausbildung gar nicht unter die erste Regelung, weil keine „Pflichtbeiträge für Zeiten einer versicherten Beschäftigung oder Tätigkeit“ vorliegen.

von
siriustag21

Zitiert von: W*lfgang
Hallo siriustag21,

ich denke, Sie bringen da 2 Berechnungsmodalitäten durcheinander.

das eine sind die 'echten' EP für Berufsausbildung und/oder Fachschule im Rahmen der 'EP für beitragsfreie und beitragsgeminderte Zeiten' und das andere die Vorabermittlung des maßgebenden Gesamtleistungswertes, um diese Zeiten damit überhaupt auf- bzw. bewerten zu können.

Bei der Gesamtleistungsbewertung werden _immer_ ('stets') die ersten 36 Monate einer Pflichtbeitragszeit als Quasi-Berufsausbildung bewertet/hier ein EP-Wert von 0,0833 (100 % Einkommen) zugeordnet - auch wenn 'nur' eine normale Beschäftigung mit geringerem Wert in den ersten 36 Monaten Pflichtbeitragzeit vorlegen hat - und selbst wenn die nach der Fachschule liegt. Hier geht es zunächst nur um die Ermittlung des bestmöglichen Durchschnittswerts für alle damit zu bewertenden Zeiten.

Bei der 'Begrenzung' geht es dann um die 'echten'/zusätzlichen EP für die Gesamtsumme aller EP. Die Begrenzung besagt, das nur max. noch 3 Jahre dieser beiden Ausbildungsarten zu bewerten sind – die Fachschule eben zuerst, da hier grundsätzlich keine Beiträge gezahlt worden sind/ 0 EP ...damit volle Bewertung von max. 0,0625 EP/Monat möglich. Kommt jetzt noch zusätzlich eine Lehrzeit/versicherungspflichtige Berufsausbildung ins Spiel, geht die 'leer' aus, wenn bereits 36 Monate für pauschale Aufwertung für die reine Fachschule verbraucht sind.

Kompliziert wird es, wenn die Fachschule gleichzeitig eine Umschulungsmaßnahme mit Leistungen des 'Arbeitsamtes' gewesen ist, und damit auch gleichzeitig Pflichtbeitragszeit wegen beruflicher Ausbildung. Keine Sorge, bei dieser parallelen 'Mehrfachversicherungszeit' wird inzwischen der bestmögliche EP-Wert/auch bezogen aufs ganze Versicherungsleben – ggf. unter Außerachtlassung einer eigentlich anrechenbaren/schlechterstellenden (Ausbildungs)Zeit – für Sie ermittelt.

Gruß
w.


Zunächst vielen Dank an W*lfgang und chi für die Erklärungen!
In den ersten drei Pflichtversicherungsjahren habe ich eine Lehre gemacht. Diese wurde mit 2,3342 EP bewertet und zu den "Entgeltpunkten für alle Beitragszeiten" addiert und findet sich in der "Summe der Entgeltpunkte für die Grundbewertung" wieder.
Die Lehre wird bei der "Bewertung beitragsgeminderter Zeiten" aber nicht bewertet, obwohl sie doch eine "beitragsgeminderte Zeit" ist. Warum nicht?
Nach der Lehre hatte ich eine mehr als dreijährige Fachschulausbildung (ohne Pflichtbeiträge). In der "Bewertung beitragsfreier Zeiten" wurde die Fachschulausbildung mit 36 Monaten und 2,25 EP bewertet. Diese EP wurden bei der Bildung der "Summe der Entgeltpunkte" zu den Entgeltpunkten für Beitragszeiten addiert. Aber es wurden keine EP für beitragsgeminderte Zeiten für die Lehre aufgeführt.
Warum ist das so?
Gruß siriustag21

von
W*lfgang

Zitiert von: siriustag21
(...) Warum ist das so?

Hallo siriustag21,

alles richtig bewertet im Rahmen der jeweilige Berechnungsabschnitte nach den gesetzlichen Vorgaben.

Sollte ich jetzt es fies sein und sagen: DAS IST EBEN SO nach den Berechnungsvorschriften im SGB 6 ...ist es auch! Zum tieferen Verständnis dazu müssten Sie eine entsprechende Ausbildung im SV-Recht absolvieren/alternativ ein paar viele Jahre Berufserfahrung haben, dann können Sie das alles nachvollziehen und mit den gesetzlichen Vorgaben wunderbar abgleichen = passt. Persönliche Empfindlichkeiten/ich sehe das anderes, sind ohne Bedeutung ...

Als Einstieg in die Materie Rentenrecht empfehle ich hier nur die erweiterten Rechtsauslegungen der DRV

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/

und sich Fallbezogen da durchzuhangeln. Die Nacht ist lang und kalt, erwärmen Sie sich an den sogar mit Fallbeispielen erklärenden Texten ... ;-)

Gruß
w.

von
DRV

Suchen Sie sich im Internet auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung die Termine über Vorträge zur Erklärung der Rentenberechnung raus und melden sich dort an.
Danach sind Sie hoffentlich schlauer. Solch detaillierte Erläuterungen der Rentenberechnung, wie Ihre Frage erfordert, führen in einem Forum dann doch zu weit.

Experten-Antwort

Hallo, Siriustag21,

ergänzend zu den Aussagen von W. und Chi möchten wir Ihnen den Ratschlag geben, die Fragen zur Rentenberechnung bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV in Ihrer Nähe abschließend zu klären. Grundsätzlich werden diese Berechnungen durchgeführt um Sie ggfs. „besser zu stellen“. Treffen für Sie im selben Zeitraum mehrere Sachverhalte zusammen, wir der höhere Entgeltpunkte-Wert für diesen Zeitraum maßgebend und fließt in die Rentenberechnung ein.