Entscheidet RV über Bewilligung Reha oder Umwandlung in Rente?

von
Sandra

Guten Morgen,

Ich bin seit 13.03.18 krank mit Diplopie/Fatigue und einer chronisch entzündlichen ZNS Erkrankung. Mein Neuro hat mir eine Reha vorgeschlagen zum Versuch mich evtl wieder arbeitsfähig zu bekommen. Antrag liegt seit ca. 2 Wochen zur Bearbeitung bei der RV.

Am Mittwoch habe ich ein Schreiben bezüglich des Antrages bekommen. Nach ihren Unterlagen sei wohl meine Erwerbsfähigkeit gegenwärtig erheblich gefährdet. Daher haben sie wohl alle Unterlagen dem MDK vorgelegt und der ist zur Ansicht gekommen, das die Einschränkungen die sich aus meiner Krankheit ergeben so gravierend sind, das er eine erhebliche Gefährdung bzw bereits eine Minderung meiner Erwerbsfähigkeit vorliegt. Deshalb fordere man mich zum Rehaantrag auf, der auch als Rentenantrag gelten kann, wenn eine erfolgreiche Rehabilitation nicht zu erwarten ist. Da ich ja bereits einen Antrag gestellt hätte, würde sich ein erneuter Antrag erübrigen, allerdings würde ich noch über die Mitteilungspflicht usw hingewiesen.

Nun zu meiner Frage:
Handelt es sich hierbei einfach um einen Standarttext, den jeder bekommt oder bedeutet das, das nach Beurteilung der Ärztlichen Unterlagen die KK denkt, das mich eine Reha auch nicht Arbeitsfähig machen wird? Diese also zwecklos sein wird?
Kann die RV nach Aktenlage ähnlicher Ansicht sein, eine Reha deshalb ablehnen? Und statt dessen eine Erwerbsminderungsrente prüfen? Wie lange dauert sowas? Entscheidet die RV auch nur nach Aktenlage oder gibt es ein Gespräch?

Würde mich über eine Antwort sehr freuen.

Liebe Grüße & schönes Wochenende

von
???

Dieses Schreiben vom Mittwoch kommt aller Wahrscheinlichkeit von Ihrer Krankenkasse und ist eine Aufforderung nach § 51 SGB V. Das bedeutet, dass Ihre Krankenkasse Sie für einen Rentenfall hält und deswegen Ihr Entscheidungsmöglichkeiten bzgl. der Reha-Antrages und einer möglichen Umdeutung eingeschränkt hat. Sie dürfen diese Anträge nur noch mit Zustimmung Ihrer Krankenkasse zurückziehen oder abändern.

Die DRV teilt nicht immer die Auffassung der Krankenkassen. Für die DRV ist dieses Schreiben eigentlich nur ein Hinweis darauf, dass Sie ein größeres gesundheitliches Problem haben, was Ihnen aber wahrscheinlich nicht wirklich neu ist. Ob und welche Leistung die DRV nun bewilligt, ist von diesem Schreiben völlig unabhängig.

Ob eine Begutachtung noch erfolgt, lässt sich hier nicht beurteilen, da es vom Einzelfall abhängt. Ein Gespräch wird nicht durchgeführt.

von
Schorsch

Ihrer Krankenkasse ist es übrigens egal, ob Sie nach einer eventuell erfolglosen medizinischen Reha-Maßnahme rentenberechtigt sind oder nicht.

Falls nicht, darf sie zur Beantragung einer beruflichen Reha-Maßnahme (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben) auffordern, da Sie dann die DRV offensichtlich für voll erwerbsfähig hält.

MfG

von
Klar

Liest sich den 51 SGB V überhaupt jemand durch?

Versicherten, deren Erwerbsfähigkeit nach ärztlichem Gutachten!

So ein Bescheid der KK kann man mormal mit Widerspruch angreifen. Es wird immer so getan, als ob die KK jedes Recht hat das eigene Dispositionsrecht einzuschränken und einfach ins blaue hinein eine Aufforderung zur Reha oder Teilhabe machen darf. Dem ist aber nicht so. Es ist ja nun mehrfach gerichtlich geklärt worden, dass die KK ein medizinisches Gutachten erstellen muss und wenn das zeigt, dass die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist darf sie lt. Gesetz dazu auffordern. Mittlerweile wird ja einfach alles hingenommen ala wird schon stimmen.

Auch eine Begutachtung nach Aktenlage ist NICHT ausreichend. Es muss iSd 51 IMMER eine persönliche Begutachtung erfolgen. Lt Gerichte, da es einen massivem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Versicherten darstellt, darf das nicht aus bloßer Aktenlage erfolgen.

Da Sie aber den Rehaantrag schon gestellt haben könnten Sie eben nur ihr Dispositionsrecht retten mit einem Widerspruch. Wenn das Ihnen eh alles wurscht ist lassen Sie es einfach weiterlaufen. Ob die KK Sie für erwerbsgemindert hält oder nicht ist dem sozialmedizinischen Dienst der DRV völlig gleich.

Experten-Antwort

Hallo Sandra,

von ??? wurden Ihre Fragen bereits richtig beantwortet. Da Sie bereits einen Reha-Antrag gestellt haben, sind Sie der Aufforderung der Krankenkasse bereits zuvor gekommen und haben daher Ihre Pflicht erfüllt.

Ob der Rentenversicherungsträger der Auffassung der Krankenkasse folgt kann nicht beantwortet werden. Die Entscheidung des Rentenversicherungsträger bleibt abzuwarten.

von
Schorsch

Zitiert von: Klar

So ein Bescheid der KK kann man mormal mit Widerspruch angreifen.

Und die Krankenkassen können und werden einen unbegründeten Widerspruch postwendend abweisen.
Zitiert von: Klar

Es ist ja nun mehrfach gerichtlich geklärt worden, dass die KK ein medizinisches Gutachten erstellen muss und wenn das zeigt, dass die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist darf sie lt. Gesetz dazu auffordern.

Ja und?
MDK-Gutachten waren und sind bei Dauerkranken schon immer Standard.
Entweder wird nach Aktenlage entschieden oder nach persönlicher Begutachtung.

Die paar gerichtlichen Einzelfallentscheidungen, die rechtswidriges Verhalten der Krankenkassen festgestellt haben, waren bisher die große Ausnahme und nicht die Regel.

Außerdem darf die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten von den Krankengeldbeziehern erwarten, dass diese intensiv an ihrer Genesung mitwirken und auch zumutbare Reha-Maßnahmen in Anspruch nehmen.

Ihre Aufregung ist daher nicht nachvollziehbar.

MfG

von
Sandra

Vielen Dank für Eure Antworten :-)

Das die KK mich so einschätzt, hab ich auch so interpretiert, das machte mir ja so Kopfzerbrechen!

Mir ist schon klar, das ich widersprechen könnte, aber eine Reha ist für mich im Augenblick wieder ein Strohhalm an den ich mich klammere, um endlich wieder fit zu werden!
Mit meinem momentanen Geusndheitszustand bin ich nicht fähig, 6 Stunden täglich durch unser Krankenhaus zu laufen! Ich kann durch die Doppelbilder nicht mal Auto fahren, oft bin ich schon überfordert und brauche Pause, während ich meine 100% Schwerbehinderte 14 jährige Tochter für die Schule morgens fertig mache. Kein Tag ist gleich, nichts planbar!
Ich hoffe, das bei der Reha etwas daran geändert werden kann, denn sonst habe ich mit gerade mal 43 Jahren keinen Plan, wie es weitergehen soll!

Zumindest weiß ich jetzt, das die RV nicht unbedingt der gleichen Meinung sein muss, wie die KK ;-)

Dann übe ich mich weiter in Geduld und hoffe, das der Reha Antrag bewilligt wird!

Nochmal vielen Dank & schönes Wochenende

von
Sandra

Meine Frage hat sich erstmal erübrigt, denn heute Mittag hatte ich ein Telefonat mit meiner KK, musste etwas fragen wegen meiner Hausärztin, da hat die nette Dame in meiner Akte nachgeschaut, ob es schon was Neues gibt, ich noch so: ach, das ist doch erst zwei Wochen in Bearbeitung! Aber siehe da, die KK hat bereits die Bewilligung für meine ambulante Reha vorliegen. Darf direkt 4 Wochen zur Reha. Ein Schreiben für die Reha Klinik wegen Termin mit Vorzug ist wohl genauso raus, wie ein Schreiben an mich. Das ging ja mal richtig schnell :-)

von
Schorsch

Zitiert von: Sandra
da hat die nette Dame in meiner Akte nachgeschaut, ob es schon was Neues gibt, ich noch so: ach, das ist doch erst zwei Wochen in Bearbeitung! Aber siehe da, die KK hat bereits die Bewilligung für meine ambulante Reha vorliegen. Darf direkt 4 Wochen zur Reha. Ein Schreiben für die Reha Klinik wegen Termin mit Vorzug ist wohl genauso raus, wie ein Schreiben an mich. Das ging ja mal richtig schnell :-)

Das freut mich für Sie und beweist mal wieder recht eindrucksvoll, dass das permanente Rumgehacke auf diese "bösen" Krankenkassen, die kein Druckmittel und keine Schikane auslassen, um die armen Krankengeldbezieher unter Druck zu setzen, in den allermeisten Fällen total überzogen ist.

Ich hatte in den letzten fünf Jahrzehnten auch noch nie einen Grund, meinen Krankenkassen unlautere Methoden vorzuwerfen, obwohl ich die deutlich mehr gekostet habe als ich an Beiträgen eingezahlt hatte.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Reha und gute Besserung!

MfG

von
Schade

Es gab doch überhaupt keinen Grund sich aufzuregen oder Sorgen zu machen!

Sarah hat ne Reha beantragt und die Kasse hat sie kurz danach aufgefordert genau das zu tun, was sie eh schon gemacht hat, nämlich einen Rehaantrag zu stellen.

Und jetzt warten alle in Ruhe ab ob und was die Reha bringt.

von
Rentenuschi

Zitiert von: Schorsch
Ihrer Krankenkasse ist es übrigens egal, ob Sie nach einer eventuell erfolglosen medizinischen Reha-Maßnahme rentenberechtigt sind oder nicht.MfG

Nein, das ist der Krankenkasse ganz und gar nicht egal. WENN eine Rente bewilligt wird, bekommen die nämlich ihr Krankengeld (zumindest teilweise) zurück.

Darauf spekulieren die Kassen mehr oder weniger offensichtlich und mehr oder weniger intensiv.

MfG

von
Schorsch

Zitiert von: Rentenuschi

Nein, das ist der Krankenkasse ganz und gar nicht egal. WENN eine Rente bewilligt wird, bekommen die nämlich ihr Krankengeld (zumindest teilweise) zurück.

Stimmt! Diesen Aspekt hatte ich nicht berücksichtigt.

MfG