Erläuterung Zugangsfaktor

von
Barbara

Hallo miteinander,

ich liefere vorab erst mal meine Eckdaten:

geb. 06.1956
(seit 04.2004 GdB v. 60, nur so als Zusatzinfo)
seit 04.2010 volle EMR auf Dauer

Der Abzug bei meiner EMR sind ja die vollen 10,8% weil ich leider so früh in die EMR eintrat (im Alter von 54 Jahren), also der höchst abziehbare Satz (36 Monate x 0,3% als generelle Obergrenze) vom Zugangsfaktor 1.
Bis hierhin habe ich alles verstanden und verinnerlicht. Dachte ich bisher.

Jetzt bin ich beim Stöbern in meinem EM-Rentenbescheid aufgrund meines 63 Geburtstages auf einen Absatz unter "Zugangsfaktor" gestoßen, in dem Folgendes steht:
"Die Verminderung ergibt sich aus der Anzahl der Kalendermonate für die Zeit vom 01.07.2016 bis 30.06.2019
vervielfältigt mit dem Faktor 0,003."

Wieso ausgerechnet diese beiden gezielten Jahreszahlen? Wieso 0,003 als Faktor?
Haben diese Jahreszahlen etwas mit meinem 63.Geburtstag zu tun, der ja grad im Juni 2019 war?
Ändert sich jetzt die Höhe der laufenden EMR-Zahlung?

Wird meine Altersrente, wenn ich sie mit 65 Jahren und 10 Monaten dann höher sein, also keine 10,8% Abzug mehr haben?

Ich danke allen schon jetzt fürs Lesen und die Zeit, denn gerne würde so einen Rentenbescheid auch im Detail verstehen.

Barbara

von
Schade

36 Monate (die 3 Jahre zw. 60 und 63) mal 0,3% ergibt eben die 10,8 % Abschlag.

Ist halt so und gesetzlich so definiert.

Wenn die EM Rente bis zur Altersrsrente durchläuft und Sie in dieser Zeit keine Beiträge mehr zahlen und sich in dieser Zeit auch keine Gesetze ändern wird die Altersrente - und zwar egal wann sie beginnt - tupfengleich im Betrag sein wie die bisherige EM Rente.

Und dann ist die Abschlagsfrage rein theoretischer Natur.

von
Schade

Ergänzung:

Und die laufende EM Rente ändert sich natürlich auch nicht, warum denn auch sollte eine seit Jahren laufende EM Rente jetzt urplötzlich höher werden?

Das einzige was sich zum 01.07. ändert ist die Rentenanpassung von ca 3%.

:)

von
W°lfgang

Zitiert von: Barbara
Jetzt bin ich beim Stöbern in meinem EM-Rentenbescheid aufgrund meines 63 Geburtstages auf einen Absatz unter "Zugangsfaktor" gestoßen, in dem Folgendes steht:
"Die Verminderung ergibt sich aus der Anzahl der Kalendermonate für die Zeit vom 01.07.2016 bis 30.06.2019
vervielfältigt mit dem Faktor 0,003."

Hallo Barbara,

der 01.07.2019 wäre bei Ihnen der abschlagsfreie Beginn der EM-Rente gewesen - ausgehend vom Jahrgang und Rentenbeginn.

Durch den 3 Jahre früheren Rentenbeginn werden 0,3 % pro Monat von der Rente abgezogen - nicht vom Auszahlungsbetrag, sondern von der bis zum Rentenbeginn ermittelten Entgeltpunkten. Hierfür sorgt der Zugangsfaktor.

Bei Zugangsfakt x 1,0 gerechnet, hätte die Rente keine Abschlag, bei 10,8 % Abschlag ergeben sich x 0,892. Da 36 Monate vorgezogen x 0,3 % (dezimal umgerechnet) = 0,003 x 36 = 0,108, vermindert sich der Zugangsfaktor auf x 0,892

Die bisher mit dem geminderten Zugangsfaktor berechneten Zeiten bleiben auch bei einer Folgerente mit diesem Zugangsfaktor (Anschlag) belegt. Heißt: da kommt bei der Altersrente weder ein neuer Abschlag dazu, noch fällt er bei einer Altersrente bei eigentlich später möglichem Beginn der Altersrente weg.

Lediglich 'neue' Versicherungszeiten, die grundsätzlich rentenrechtlich erst nach der bisherigen Zurechnungszeit 'neue' Punkte bringen, erhalten den dann bei Altersrentenbeginn maßgebenden Zugangsfaktor ...ob dann in Summe die Altersrente überhaupt höher ausfallen würde? - um das vorher festzustellen, dafür kreisen wir beide mal um den rentenmathematischen Olymp, oder lassen im Bedarfsfall die DRV eine Probeberechnung mit fiktiven Daten erstellen ;-)

Gruß
w.

von
Barbara

Ich wären den Streithähnen sehr verbunden, wenn sie ihren Kleinkrieg auf einem anderen Weg als hier unter meiner Bitte um Unterstützung austragen würden. Da bitte ich um Verständnis.

Ich bin jedem von Ihnen wirklich außerst dankbar für eine sachliche Antwort, die mir auch weiter geholfen hat im Verständnis zu meinem Rentenbescheid.

Einige Sachen waren mir ja schon klar, auch was ein Zugangsfaktor ist und wo die 10,8 % Abzüge herkommen, aber diese Jahreszahlen hatten mich irritiert. :-)
Meine Überlegung ist aktuell, ob ich jetzt mit 63 Jahren durch meinen GdB in die Altersrente wechseln sollte oder damit noch warte.
Dazu habe ich hier in diesem Forum auch etwas gefunden, von dem ich gerne wüsste, ob das richtig ist, was ein Experte in einer Antwort schrieb:
------------------
".. bei der Umwandlung der EMR in eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen würde sich der spätere Rentenbeginn dahin gehend auswirken, dass mit jedem Monat, den man später in die Renten startet der Abschlag von 10,8% um jeweils 0,3% schrumpft."

(Zu finden ist dieser Thread hier:
https://www.ihre-vorsorge.de/expertenforum/forum/detail/wie-lange-emr.html
--------------------------------

Zusätzlich habe ich durch durch einen geringfügigen Hinzuverdienst einige wenige über die Jahre angesammelte RP (allerdings im Nullkomma-Bereich) angesammelt. Wie die sich geldtechnisch auf meine Rente auswirken kann, muss mir dann im Vorfeld noch durch eine DRV-Proberechnung sagen lassen. Ein ganzer Punkt ist es insgesamt sicher nicht, aber jeder Euro im Portemonai zählt später.

Ich frage mich also gerade: Mit 63 und 9 Monaten in die Altersrente wechseln oder bis 65 und 9 Monate oder gar länger warten?
Gibt es eigentlich eine Regelaltersgrenze für Menschen mit Behinderung für die Rente. (Betonung liegt auf "Regel-"). Im Zusammenhang mit der zitierten Antwort oben gesehen.

Danke noch einmal!
Barbara

von
KSC

Erst wenn Sie die Probeberechnung haben sind Sie schlauer, weil erst dann wissen Sie was rauskommt.

Und warten würde eben bedeuten dass die jetzt durch den aktuellen Minijob anfallenden Punkte hinzukämen....aber die kommen auch als Zuschlag bei der Regelaltersrente dazu, wenn Sie sofort die Altersrente beantragen.

Eine Regelaltesrente für Schwerbehinderte gibt es nicht.
Das Regelalter erreichen Sie jahrgangsabhängig mit 65+.

Jahrgang 53 65+7 Mo
Jg 54 65+8
Jg 55 65+) usw. und ab Jg 58 geht es dann in 2 Monatsschritten weiter bis der Jg 64 bei 67 gelandet ist.

Vieles was man so im Internet liest ist Theorie und nicht einfach zu verstehen weil die Materie sehr komplex ist.
Manchmal hilft da eher ein Beratungsgespräch von Mensch zu Mensch.

von
Barbara

Vielen Dank KSC!

Sie haben natürlich Recht, dass eine definitive Auskunft nur in einem persönlichen Gespräch mit der DRV herauskommen kann. Das werde ich natürlich auch in Angriff nehmen.
Ich informiere mich nur gern im Vorfeld etwas zur Materie, damit ich nicht ganz so das "Baby Schimmerlos" bei solchen Gesprächen bin.
Die Bescheide sind immer schwierig zu verstehen für Laien wie mich. Oft habe ich mich schon gefragt, wer sich so ein wahnwitziges, kompliziertes System ausgedacht hat, dass der "end-user" nur noch Bahnhof versteht. Ich habe Wochen gebraucht, um mich da ansatzweise durch zu wühlen.

UNd ich bin echt dankbar, dass es hier eine Anlaufstelle für Fragen gibt :-)

Ein schönes Wochenende allen hier!
Barbara

Experten-Antwort

Hallo Barbara,

aufgrund der Probeberechnung werden Sie die konkrete Rentenhöhe erfahren, die Sie bei einer Umwandlung in die Altersrente zu erwarten haben.

Evtl. bekommen Sie etwas mehr Rente, weil z.B. nach dem Eintritt der Erwerbsminderung Beiträge gezahlt wurden, sich also insgesamt mehr sog. Entgeltpunkte ergeben als bei der Berechnung der EMR. Nur für die zusätzlich ermittelten Entgeltpunkte wird der sog. Zugangsfaktor dann erstmalig bestimmt.

Es kann auch andere Gründe geben, die Sie bezüglich des Zeitpunktes der Umwandlung in die Altersrente bedenken sollten. Z.B. kann der Zeitpunkt der Umwandlung Einfluss auf den Beginn oder Wegfall einer Betriebsrente oder privaten Rente haben. Evtl. haben Sie auch eine Riesterrente, dann wären Sie allein als Altersrentnerin ab dem folgenden Kalenderjahr nicht mehr unmittelbar förderberechtigt.

Bei einem Beratungsgespräch (ggf. verbunden mit der Antragsaufnahme) in einer Auskunfts- und Beratungsstelle werden diese und ggf. weitere Aspekte besprochen. Bitte bringen Sie die Probeberechnung dafür mit.