Erwerbsminderungsrente

von
Maja

Hallo,

mir ist nach Widerspruch eine volle Erwerbsminderungsrente auf Zeit bewilligt worden.
Bewilligt seit Antragsstellung weil die Voraussetzungen bereits ein Jahr vor Antragsstellung vorgelegen haben.(Also quasi ab Eintritt der AU)
Ist dies für mich ein Nachteil weil die Rente ja befristet ist? Was wäre wenn ich den Widerspruch nicht zurücknehmen würde bzw was passiert dann?
Viele Grüße

von
Fortitude one

Zitiert von: Maja
Hallo,

mir ist nach Widerspruch eine volle Erwerbsminderungsrente auf Zeit bewilligt worden.
Bewilligt seit Antragsstellung weil die Voraussetzungen bereits ein Jahr vor Antragsstellung vorgelegen haben.(Also quasi ab Eintritt der AU)
Ist dies für mich ein Nachteil weil die Rente ja befristet ist? Was wäre wenn ich den Widerspruch nicht zurücknehmen würde bzw was passiert dann?
Viele Grüße

Hallo Maja,

eine erfreuliche Nachricht. Ihr Widerspruch wurde nicht widersprochen. Sie erhalten jetzt eine befristete volle EMR. Dies ist der übliche Weg. Im Bescheid steht für wie lange. Einen Weitergewährungsantrag R0120 sollten Sie spätestens 4-6 Monate davor stellen. Fast alle EMR werden befristet erteilt. Aus diesem Grund würde ich keinen Widerspruch gegen die Befristung einlegen. Schauen Sie das Ihre Krankenakte auf den aktuellen Stand ist. Dann stegt auch für eine Verlängerung nichts im Wege.

Beste Grüße und bestmögliche Gesundheit.

von
Schorsch

Zitiert von: Fortitude one

Schauen Sie das Ihre Krankenakte auf den aktuellen Stand ist. Dann stegt auch für eine Verlängerung nichts im Wege.

Das ist angesichts der Tatsache, dass EM-Renten nur deshalb befristet werden, weil eine Besserung für wahrscheinlich gehalten wird, eine ziemlich gewagte Aussage.
Gilt eine Besserung der Erwerbsminderung als unwahrscheinlich, werden EM-Renten gleich auf unbestimmte Dauer bewilligt.

MfG

von
Carmino

So pauschal ist das falsch.

Zitiert von:
Renten wegen Erwerbsminderung werden grundsätzlich als Zeitrenten geleistet. Die Befristung erfolgt für längstens drei Jahre nach dem Rentenbeginn und kann wiederholt werden.

Unbefristet werden sie nur gezahlt, wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit behoben werden kann. Hiervon wird ausgegangen, wenn

von einer Beseitigung der Erwerbsminderung nicht mehr ausgegangen werden kann (einem Bauarbeiter, der sein linkes Bein verliert wird dieses sicher nicht mehr nachwachsen) oder
die Gesamtdauer der Befristungen bereits neun Jahre beträgt. Nach Ablauf der neun Jahre ist bei weiterem Vorliegen der Erwerbsminderung grundsätzlich eine unbefristete Rente zu leisten. Der Versicherte trägt dafür die Beweislast, dass die Behebung der Minderung der Erwerbsfähigkeit unwahrscheinlich ist und er somit Anspruch auf die Gewährung einer Rente auf Dauer hat.
Eine unbefristete Rente kommt jedoch nicht in Betracht, wenn der Anspruch von der Arbeitsmarktlage abhängig ist. In diesen Fällen wird immer nur eine befristete Rente gewährt.



http://www.rententips.de/rententips/grv/em/03.php

von
Schorsch

Zitiert von: Carmino

Unbefristet werden sie nur gezahlt, wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit behoben werden kann.

Wie schön, dass wir uns eing sind.

MfG

Experten-Antwort

Hallo Maja,

wenn Sie den Widerspruch nicht zurücknehmen und auf eine unbefristete Erwerbsminderungsrente bestehen, wird der Rentenversicherungsträger den Vorgang dem Widerspruchsausschuss vorlegen, welcher dann einen entsprechenden Widerspruchsbescheid erteilt.

Ob ein Festhalten an der unbefristeten Rente sinnvoll ist, kann ich von hier aus allerdings nicht beurteilen. § 102 Abs. 2 SGB VI regelt hierzu folgendes:

„(2) Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und große Witwenrenten oder große Witwerrenten wegen Minderung der Erwerbsfähigkeit werden auf Zeit geleistet. Die Befristung erfolgt für längstens drei Jahre nach Rentenbeginn. Sie kann verlängert werden; dabei verbleibt es bei dem ursprünglichen Rentenbeginn. Verlängerungen erfolgen für längstens drei Jahre nach dem Ablauf der vorherigen Frist. Renten, auf die ein Anspruch unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage besteht, werden unbefristet geleistet, wenn unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit behoben werden kann; hiervon ist nach einer Gesamtdauer der Befristung von neun Jahren auszugehen. Wird unmittelbar im Anschluss an eine auf Zeit geleistete Rente diese Rente unbefristet geleistet, verbleibt es bei dem ursprünglichen Rentenbeginn.“

Experten-Antwort

Hallo Maja,

da Sie davon sprechen, dass Sie den "Widerspruch zurücknehmen" sollen, hat also die zuständige Rentensachbearbeitung bzw. der Sozialmedizinische Dienst Ihren Fall nochmal geprüft und ist dazu gekommen, dass Ihnen - entgegen der ursprünglichen Ablehnung - eine befristete volle EM-Rente zusteht. Das nennt man "Abhilfe" zu Ihrem Widerspruch.

Wenn Sie jetzt der Meinung sind, dass Ihnen eigentlich eine Rente auf Dauer zustehen müsste und Sie deshalb den Widerspruch nicht zurücknehmen, dann wird der Sachverhalt an die Rechtsmittelabteilung weitergegeben und dort entscheidet dann der Widerspruchsausschuss, ob es bei der befristeten Rente verbleibt oder doch noch eine Dauerrente zu zahlen wäre.

Der Unterschied besteht zum einen im Rentenbeginn. Eine Dauerrente beginnt im Monat nach dem Leistungsfall, eine befristete Rente erst im siebten Monat nach dem Leistungsfall. Wenn aber zum Beispiel in dem fraglichen Zeitraum sowieso Krankengeld bezogen wurde, würde das keinen finanziellen Unterschied machen. Und zum anderen muss die befristete Rente eben nach Ablauf der Frist neu beantragt werden.

Allerdings ist zu beachten: Die Befristung ist der Regelfall. Eine Dauerrente wird nur im Einzelfall gezahlt, wenn die Besserung von vornherein unwahrscheinlich ist. Und sollte Ihre volle EM-Rente nur unter Beachtung der Arbeitsmarktlage gezahlt werden (Sie können also noch mind. 3 Stunden, aber nicht mehr 6 Stunden arbeiten, haben aber keinen Teilzeitarbeitsplatz, siehe Bescheid), dann hätte ein weiterer Widerspruch gar keinen Sinn, da hier von Gesetzes wegen nur eine befristete Rente möglich ist.

von
Maja

Hallo,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten.
Kann es denn auch passieren, dass dieser Ausschuss ganz anders entscheidet?

Experten-Antwort

Hallo Maja,

der Widerspruchsausschuss kann anders entscheiden als die Sachbearbeitung (und macht das durchaus auch) - aber auf jeden Fall auch immer nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (hier § 102 SGB VI). Und nachdem es dabei um eine medizinische Einschätzung geht (Besserung möglich oder unwahrscheinlich?), kann man nur schwer über den möglichen Ausgang spekulieren. Viele Hoffnungen würde ich Ihnen nicht machen, wenn es sich nicht um eine eindeutig nicht besserbare Erkrankung handelt. Aber vorhersagen kann ich es nicht....