EU-Rente abgelehnt

von
Streifchen

Hallo,

es geht um meinen Vater. er ist 64 und hat sein ganzes Leben nichts anderes gemacht als LKW zu fahren. vor 1 1/2 Jahren hatte er einen sehr schweren LKW-Unfall und ist seither krankgeschrieben. Er ist kein LKW-Fahrer, der von A nach B fährt und irgendwelche Paletten ablädt, sondern arbeitet auf Baustellen mit tonnenschwerem Schüttgut. Diese Arbeit kann er nicht mehr ausüben, da er weder schwer heben noch schwer tragen oder sonst körperlich schwere Tätigkeiten mehr machen kann. Zudem leidet er an Herzrhythmusstörungen und PTBS.

Deshalb haben wir die Rente beantragt. Ich muss dazu sagen, dass er noch keine Altersrente beantragen kann, da er zwischendurch 10 Jahre damit selbständig war. Er kann also keine Rente für langjährig Versicherte beantragen. für Schwerbehinderte auch nicht, da er nur einen GdB von 30 zugesprochen bekommen hat.

vor 4 Tagen war er beim Gutachter und heute kam die Ablehnung der EM-Rente. Noch nichtmal eine Teil-Rente wird bewilligt. Er könnte mehr als 6 Stunden in seinem Beruf arbeiten. Hallo???

Fällt mein Vater noch unter den Berufsschutz?

Er wird jetzt Widerspruch einlegen. Zudem gehts direkt zum VdK und zum Anwalt.

Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Die wollen ernsthaft einen 64-jährigen Mann mit PTBS und Herzrhythmusstörungen auf einen 40Tonner setzen und über deutsche Autobahnen schicken und zudem (er hat auch Osteoporose und Osteochondrose) ihn der sehr hohen Gefahr für Knochenbrüche aussetzen. achja, Diabetes hat er auch.

was können wir noch tun?

von
W*lfgang

Zitiert von: Streifchen
was können wir noch tun?
Streifchen,

Sie haben die richtige Entscheidung schon selbst getroffen:

> Er wird jetzt Widerspruch einlegen. Zudem gehts direkt zum VdK und zum Anwalt.

In med. Sachen brauchen Sie die Hilfe von damit versierten Personen - in Richtung Anwalt sollte es aber einer sein, der sich speziell damit auskennt, und nicht nur Rechtsbehelfe formulieren kann. Wenn der VdK in dieser Richtung 'gut' ist und spezielle Anwälte heranziehen kann, reicht das schon aus.

Die (VdK wie Anwälte) kennen sich aus mit Aktenanforderung/Einsicht und Auswertung der soz.med. Befunde und der abgeleiteten (richtigen?) Entscheidung der DRV/wo 'Hebel' anzusetzen sind.

Gruß
w.

von
Mufasa

Hallo,

vor 01.01.1961 Geborene haben Berufsschutz. Bitte gehen Sie gezielt vor. Legen Sie Widerspruch ein. Die Begründung reichen Sie dann gemeinsam mit dem VDK nachdem Akteneinsicht genommen wurde, ein. Ich denke mal das Ihr Vater mit 64 Jahren bald in Rente gehen kann. Fordern Sie eine Rentenauskunft an. Nehmen Sie Ihren Hausarzt und Fachärzte mit ins Boot. Lassen Sie sich das nicht gefallen und kämpfen Sie für Ihr Recht.
Viel Erfolg.

Mfg

von
W*lfgang

Zitiert von: Mufasa
Ich denke mal das Ihr Vater mit 64 Jahren bald in Rente gehen kann.
änzend: Jahrgang 52 ist erst mit 65+6 dran. Obwohl schon zu hinterfragen ist, warum nur 10 Jahre 'Luft'/Selbständigkeit im Rentenkonto nicht für 35 Jahre Mindestversicherungszeit für die AR an langjährig Versicherte *) reichen sollten?!

In die 'Nahtlosigkeitsregelung wechseln'/ALG (2 Jahre Anspruchsdauer) mitnehmen, so kann es auch laufen. Als Ferndiagnose untauglich, da man nicht die tatsächlichen Verhältnisse kennt. Rentenberatung könnte zielführender sein, um diesen Teil aufzuklären.

*) hat natürlich einen Abschlag, insofern wird hier ggf. nur taktiert ./. EM-Rente ohne Abschlag ;-)

> vor 1 1/2 Jahren hatte er einen sehr schweren LKW-Unfall

Leistungen der Unfallversicherung beantragt oder 'privater Unfall'/oder 'Schädigung' zu gering/unter 20 %? - dann wegen Geringfügigkeit/nicht wirklich 'schwerer' Arbeitsunfall mit laufender Entschädigungsleistung bereits abgelehnt und auch nicht DRV-relevant, das in ihre EM-Entscheidung einbeziehen zu müssen.

Trotzdem: Widerspruch ist der beste Weg ...wenn nicht die AfA 'anstandslos' das ALG zahlt – wie gesagt, dazu weiß man zu wenig.

Gruß
w.

von
Streifchen

Die BG wird im Januar bzw. Februar den MdE und damit Verletztenrente prüfen. Die wird sich aber wohl sehr an die Entscheidung der Rentenversicherung halten wollen und ebenfalls ablehnen. Zumindest ist das unsere Befürchtung.

Für die 35 Rentenjahre fehlen wohl ein paar Jahre (DDR). So genau weiß ich das nicht. Da müsste ich mal nachforschen.

Das mit dem ALG mit der Nahtlosigkeitsregelung habe ich auch schon gelesen. aber da zieht das Amt wohl, nach dem was ich so im Netz lesen konnte, das Gutachten der Rentenversicherung heran. was ja nun erstmal besagt, dass er vollschichtig arbeiten könne. damit viele das schonmal weg.

gut, er könnte normales ALG beantragen und sich entgegen der Richtigkeit gesundschreiben lassen. aber das hilft ihm ja auch nicht. er ist nun mal nicht arbeitsfähig.

von
W*lfgang

Zitiert von: Streifchen
Das mit dem ALG mit der Nahtlosigkeitsregelung habe ich auch schon gelesen. aber da zieht das Amt wohl, nach dem was ich so im Netz lesen konnte, das Gutachten der Rentenversicherung heran. was ja nun erstmal besagt, dass er vollschichtig arbeiten könne. damit viele das schonmal weg.
...eben nicht. Wenn er danach noch voll einsatzfähig ist, ist er erst recht fürs 'Arbeitsamt' vermittelbar/Nahtlosigkeitsregelung greift (hier muss nur ein Restleistungsvermögen von 3 Std. bestehen).

> Für die 35 Rentenjahre fehlen wohl ein paar Jahre (DDR). So genau weiß ich das nicht. Da müsste ich mal nachforschen.

Hat er bisher nie eine Kontenklärung gemacht, seine DDR-Zeiten über den grünen/alten SV-Ausweis nachgewiesen?

Stöbern Sie mal in seinen alten DRV-Versicherungsunterlagen, was da/DRR-Zeiten drinsteht. Eine Rentenauskunft/aktuell erfasste Zeiten können Sie für Ihn auch hier anfordern – bzw. sollte bereits mit dem Ablehungsbescheid als aktueller Versicherungsverlauf mitgeschickt worden sein.

https://www.eservice-drv.de/SelfServiceWeb/

Sollte in 14 Tagen unter seiner Anschrift bei ihm vorliegen - ist der DDR-Teil da noch nicht drin, na dann wird es Zeit ...obwohl das _eigentlich_ jetzt/zuletzt bei dem Rentenantrag hinterfragt/geklärt sein sollte. Aber, man weiß ja nie, wie das Rentenverfahren/Klärung gelaufen ist …

Besser wäre es, das direkt/umgehend in der nächsten Beratungsstelle zu hinterfragen, erspart viel Arbeit!

Gruß
w.

von
Schleifchen

die Kontenklärung wurde gemacht. alle Zeiten sind enthalten. er hat die 45 Jahre nicht voll, aber die 35 Jahre hätte er erfüllt. für uns kommt das aber nicht in Frage. wenn er den Arbeitsunfall nicht gehabt hätte, dann hätte er noch weiter gearbeitet. er hat den Unfall ja nicht in der Freizeit oder dergleichen gehabt, sondern während er für seine Rente geschuftet hat. und das tut er schon sein ganzes Leben.

für uns sieht das so aus, als würde man ihn in die abschlagsträchtige Altersrente zwingen wollen. aber wir werden wohl notfalls klagen. ist ja gemeingefährlich meinen Vater in seinem Zustand in den Straßenverkehr zu schicken, mit einem 40Tonner. was das bewirken kann, haben wir ja nun diese Woche erst in Berlin gesehen.

das ALG nach der Nahtlosigkeitsregelung wird es nicht geben, weil es das nur dann gibt, wenn die Rentenversicherung noch nicht über eine Erwerbsunfähigkeit entschieden hat. da es aber bereits gemacht wurde, gibts dann auch kein NahtlosAlg.

von
Schade

Ihr Vater hat 35 Jahre und kann damit jederzeit die AR für langjährig Versicherte bekommen. Wenn er dies wegen der (geringen) Abschläge nicht will, ist das seine Privatsache.

Was bei Widerspruch oder Klage rauskommt bliebe abzuwarten. Ob er die Zeit mit Krankengeld und/oder ALG überbrücken kann wäre mit Krankenkasse oder Arbeitsamt zu klären.
Ob es mit Arbeitsamt und / oder Krankenkasse Probleme gibt, kann im Rentenforum nicht abgeschätzt werden.

von Experte Experten-Antwort

Hallo Streifchen,

Ihr Vater könnte zwar aufgrund seines Geburtsjahrgangs Berufsschutz haben, aber wahrscheinlich nicht von der Tätigkeit her. Voraussetzung ist nämlich, dass er als qualifizierter Berufskraftfahrer eingestuft wird. Die Tätigkeit eines qualifizierten Berufskraftfahrers geht über die Tätigkeit eines einfachen Kraftfahrers hinaus. Ein Berufskraftfahrer führt zum Beispiel regelmäßig die Wartung seines Fahrzeugs durch und kann auch kleinere Reparaturen durchführen. Eine bloße Fahr- und ggf. Ladetätigkeit reicht nicht aus, um als qualifizierter Berufskraftfahrer anerkannt werden zu können.

Wenn Ihr Vater kein qualifizierter Berufskraftfahrer ist und somit keinen Berufsschutz hat, wird sein Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt betrachtet. Kann er noch i r g e n d e i n e leichte Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt mindestens 6 Stunden täglich ausüben - zum Beispiel als Pförtner, an einem Service-Telefon, als Bürohilfskraft oder ähnliches - ist er nicht erwerbsgemindert. Es kann also sein, dass Ihr Vater die Tätigkeit als Lkw-Fahrer nicht mehr ausüben kann, aber dennoch nicht erwerbsgemindert ist.

Da Ihr Vater bereits Wiederspruch eingelegt hat, wird die Rentenversicherung ihre Entscheidung jetzt erst einmal überprüfen. Sollte auch im Widerspruchsverfahren keine Erwerbsminderung festgestellt werden, können Sie Klage beim Sozialgericht erheben. Das Sozialgericht überprüft die Entscheidung des Rentenversicherungsträgers nochmals und lässt regelmäßig eine weitere Begutachtung durch einen unabhängigen Gutachter durchführen.

Wenn Ihr Vater keinen Anspruch auf Krankengeld mehr hat, empfehle ich Ihm, sich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Wenn er die Voraussetzungen erfüllt hat (z. B. Anwartschaftszeit), hat er einen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sollte die Agentur für Arbeit aufgrund der Feststellung des Rentenversicherungsträgers die Nahtlosigkeitsregelung nicht anwenden, hat ihr Vater im Umkehrschluss Anspruch auf "normales" Arbeitslosengeld.

von
Schleifchen

ja er ist ein qualifizierter Berufskraftfahrer. steht auch in den Unterlagen, die wir zugesandt haben. er macht die Wartung und auch kleinere Reparaturen und noch vieles andere auch.

über den Vorschlag Service-Telefon und Bürokraft musste ich grade schmunzeln. mein Vater weiß noch nicht mal wie man einen PC anmacht. der hat sogar noch ein altes Tasten-Handy mit Schwarz-Weiß-Display. er ist schon damit überfordert handschriftlich einen Brief zu schreiben.

von
Schade

....aber die Tatsache dass er "nix büromäßiges kann" weil ihn das sein Leben lang nicht interessiert hat ist ja auch kein Grund ihm Rente zu zahlen.......

Sollen wir dann auch einen 40 jährigen Arbeiter bei der Müllabfuhr berenten, der wegen der Bandscheiben nicht mehr körkerlich arbeiten soll?

Und Grund der Berentung wäre: der kann keinen Brief schreiben, der kann den PC nicht anschalten, o.ä.
Da gilt dann halt, wer zu spät kommt......

von
Herr Blum

[quote=265629]
....aber die Tatsache dass er "nix büromäßiges kann" weil ihn das sein Leben lang nicht interessiert hat ist ja auch kein Grund ihm Rente zu zahlen.......

Sollen wir dann auch einen 40 jährigen Arbeiter bei der Müllabfuhr berenten, der wegen der Bandscheiben nicht mehr körkerlich arbeiten soll?

Und Grund der Berentung wäre: der kann keinen Brief schreiben, der kann den PC nicht anschalten, o.ä.
Da gilt dann halt, wer zu spät kommt......e
[/
Wir wissen alle das dies nur bei Beamten geht das man als 40 jähriger nichts mehr anderes machen kann und deshalb in Pension geschickt wird.

von
Streifchen

lernen kann man alles... das ist mir klar. aber wo und vor allem wann den Job finden, wo der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer erstmal bei Adam und Eva anlernen muss.

nochmal zur Erinnerung mein Vater ist bereits 64 und hat Berufsschutz. und seine Ärzte halten ihn für 100% dauerhaft arbeitsunfähig.

laut BG-Arzt soll er wegen der Lendenwirbelbrüche nicht lange sitzen. lange stehen kann er deswegen auch nicht. von den Brüchen liegen die Dornfortsätze noch frei im Muskelgewebe. die wachsen nicht wieder an die Lendenwirbel dran.

egal was er machen würde, da beisst sich die Katze immer wieder in den Schwanz. ich würde gerne mal diejenigen sehen die hier unken, was sie selbst in dieser Situation machen würden.

von
Streifchen

würde er denn noch einen Anspruch auf eine Teilhabe am Arbeitsleben haben?

über die Rentenversicherung ja nicht, da es ein Arbeitsunfall war, auch wenn er noch andere Krankheiten hat, die nichts mit dem Unfall zu tun haben.

die BG hat uns schon vor einem Jahr ein Nein gegeben, da die Teilhabe dann erst fertig wäre, wenn er weniger Monate vor der Altersrente steht. nicht wirtschaftlich.

für das Arbeitsamt würde dann wohl das selbe gelten.

mal ungeachtet dessen, er würde eine Teilhabe bewilligt bekommen: er wird jetzt ausgesteuert. d.h. nach der Aussteuerung würde es trotz Teilhabe auch kein Übergangsgeld geben?

von
zufälliger Leser

Zitiert von: Streifchen

egal was er machen würde, da beisst sich die Katze immer wieder in den Schwanz.

Jetzt übertreibst Du aber ein wenig. Dein Vater hat einen Anspruch auf Altersrente, da er 35 Jahre Wartezeit hat. Er möchte diese Altersrente nur nicht, weil er dann einen Abschlag hat.

Hallo??? Das Leben ist kein Wunschkonzert!!!

Ich möchte auch gern mit 64 ohne Abschlag in Rente gehen. Kann ich aber nicht. Also bitte nicht auf hohem Niveau jammern, wenn es eigentlich keinen Grund dafür gibt!!!

Zitiert von: Streifchen

ich würde gerne mal diejenigen sehen die hier unken, was sie selbst in dieser Situation machen würden.

Die anderen haben nicht geunkt, sondern versucht, Deinen sehr einseitigen Blickwinkel zu erweitern.

von
Max1964

Zitiert von: Streifchen

nochmal zur Erinnerung mein Vater ist bereits 64 und hat Berufsschutz. und seine Ärzte halten ihn für 100% dauerhaft arbeitsunfähig.

(...)

ich würde gerne mal diejenigen sehen die hier unken, was sie selbst in dieser Situation machen würden.

so Schönredner bzw. Schönschreiber gibt es überall. sei es "im Auftrag" oder aus vermeintlicher political correctness im "Sozialstaat" BRD.

die DRV lehnt an EMR alles ab, was irgendwie geht. durch viel Interpretationsspielraum im Zweifelsfall eben nicht zu Gunsten, sondern Ungunsten des Versicherten.

bei den bestehenden Krankheiten würde ich mir das Widerspruchs- und Klageverfahren nicht antun und die mögliche Altersrente beziehen und die Füße hochlegen.