EU-Rente und Werkstätten

von
Calvin Candie

Hallo, ich 41 Jahre bekomme eine unbefristete EU-Rente wegen voller Erwerbsunfähigkeit.
Ich spiele mit dem Gedanken in einer Werkstatt halbtags zu arbeiten, weil mir einfach die Decke auf dem Kopf fällt. Einen 450€ Job zu bekommen gestaltet sich auch als sehr schwierig.
Meine EU-Rente beträgt ca. 800€

Ich habe gehört das, wenn man 20 Jahre in einer Werkstatt arbeitetet man eine EU-Rente beantragen bzw. neu berechnen lassen kann, zählt das auch für mich da ich ja schon EU-Rente bekomme?

Wenn ja, wie wird mir dieses berechnet? Entfallen dann die 800€ oder wird von denen dann was für die Neuberechnung der Rente mit rüber genommen?

Des weiteren stellt sich mir die Frage, ich werde demnächst geschieden und bekomme Rentenpunkte durch den Versorgungsausgleich, würden diese dann auch entfallen bei einer Neuberechnung der EU-Rente nach 20 Jahren in einer Werkstatt?

Wenn ich in einer Werkstatt nur Teilzeit arbeite, werden dann die vollen Rentenbeiträge angeführt oder wird das dann weniger?

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Calvin Candy,

was Sie meinen ergibt sich aus § 43 Abs. 6 SGB VI (Sechstes Sozialgesetzbuch). Demnach haben die Versicherten, die bereits vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit voll erwerbsgemindert waren und seitdem ununterbrochen voll erwerbsgemindert sind einen Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung, wenn Sie die Wartezeit von 20 Jahren erfüllt haben.
Laut Schilderung Ihres Sachverhaltes dürften die Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt sein.

von
Leonardo DiCaprio

Das haben Sie falsch "gehört".

Eine Umwandlung von einer vollen Erwerbsminderungsrente in eine (andere) volle Erwerbsminderungsrente wird es nicht geben.

Achten Sie beim Hinzuverdienst auf die Grenzen und die Arbeitszeit, sonst droht eine Kürzung (nach jetzigem Recht) - es sei denn Sie sind als behinderte Mensch in einer anerkannten Werkstatt in einem Integrationsprojekt beschäftigt sind; dann hat dies keinen Einfluss auf die Erwerbsminderungsrente.

Sollten Sie eine mehr als geringfüige Beschäftigung ausüben; werden davon ganz normal Beiträge zur Rentenversicherung entrichtet. Im Umkehrschluss erhalten Sie aber entweder
- die volle Erwerbsminderungsrente als Teilrente oder
- eine teilweise Erwerbsminderungsrente oder
- gar nichts mehr.

Je nach dem wie sich das Beschäftigungsverhältnis gestaltet.
Erst wenn Sie dann wieder in eine höherwertige Rente wechseln, z.B.
- mit Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses
- spätestens mit Erreichen der Regelaltersgrenze
fließen jetzt entrichteten Beiträge in die Rentenberechnung mit ein.

P.S.: Es kann einiges über einen Charakter aussagen, wenn man als Pseudonym sich einen Sklaventreiber auswählt

von
Calvin Candie

Ich habe auch einen Schwerbehindertenausweis GdB 50%. Ich möchte die Frage nochmal auf dem Punkt bringen. Wenn ich jetzt 20 Jahre ununterbrochen in einer Werkstatt beschäftigt bin. Würde nach 20 Jahren meine EU-Rente neu berechnet?

von
_ich

Nein!

von
=//=

Zitiert von: Calvin Candie

Ich habe auch einen Schwerbehindertenausweis GdB 50%. Ich möchte die Frage nochmal auf dem Punkt bringen. Wenn ich jetzt 20 Jahre ununterbrochen in einer Werkstatt beschäftigt bin. Würde nach 20 Jahren meine EU-Rente neu berechnet?

Die bisherigen Antworten sind nicht richtig. Die nachfolgende Vorschrift kennen auch die wenigsten, da sie fast nie zum Tragen kommt.

Nach § 75 Abs. 3 Sozialgesetzbuch VI sind auf Antrag des Berechtigten für eine Rente wegen voller Erwerbsminderung im Rahmen einer Rentenneufeststellung Entgeltpunkte auch für Beitrags- und Anrechnungszeiten zu ermitteln, die NACH DEM EINTRITT DER ERWERBSMINDERUNG LIEGEN.

Hierfür müssen aber die NACH EINTRITT DER EM liegenden Beitragszeiten 20 Jahre umfassen, also nach Eintritt der EM Beiträge für 240 Kalendermonate vorhanden sind.

Das ergibt keine neue EM-Rente, sondern die Rente wird lediglich - natürlich unter Einbeziehung der bisherigen Beitrags- und Anrechnungszeiten - neu berechnet.

Auch die ggfls. übertragenen Entgeltpunkte aus dem Versorgungsausgleich werden bei der Neuberechnung berücksichtigt.

Bei behinderten Menschen in einer Werkstatt sind die beitragspflichtigen Einnahmen das Arbeitsentgelt, mindestens 80 % der Bezugsgröße (§ 162 Satz 1 Nr. 2 SGB VI); ab 01/2016 = jährlich 27.888,- EUR.

von
Calvin Candie

Vielen Dank für die Antwort =//=,

eine Frage habe ich noch.

Wenn ich Teilzeit in den Werkstätten arbeite, werden dann auch die vollen Sozialabgaben für mich eingezahlt an Entgeltpunkte oder reduzieren sich diese dann entsprechend?

von
=//=

Zitiert von: Calvin Candie

Vielen Dank für die Antwort =//=,

eine Frage habe ich noch.

Wenn ich Teilzeit in den Werkstätten arbeite, werden dann auch die vollen Sozialabgaben für mich eingezahlt an Entgeltpunkte oder reduzieren sich diese dann entsprechend?

Die Beiträge werden pauschal nach dem o.a. Arbeitsentgelt abgeführt. Ob sich bei einer Halbtagsbeschäftigung eine Änderung ergibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich denke aber nicht...

von
Rob

Die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage (80 % der Bezugsgröße) gilt auch, wenn behinderte Menschen eine Teilzeitbeschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen ausüben. Hierauf haben sich die Spitzenverbände der Sozialversicherung geeinigt.