Fehler im Lohnbüro - Gehalt teilweise als nicht RV-beitragspflichtig eingestuft

von
TomR

Hallo,

wenn sich nach zehn Jahren - Forderungen an den damaligen Arbeitgeber längst verjährt - herausstellt, dass weniger Gehalt an die Sozialversicherung gemeldet wurde als tatsächlich ausbezahlt wurde und auch beitragspflichtig gewesen wäre,

und sich dies anhand der Gehaltsabrechnungen belegen lässt,

errechnet sich dann die Rente aus den vom AG gemeldeten Beträgen oder aus dem tatsächlichen Gehalt?

Mit freundlichen Grüßen
Tom

von
Berater

Nur bei Vorsatz verjähren Ansprüche auf vorenthaltenen Lohn erst nach 30 Jahren, sonst schon nach vier Jahren nach Ablauf des Jahres, nach dem sie fällig geworden sind (§ 25 SGB IV).

von
****

Hallo TomR,
das dein Nettoentgelt höher ist als dein RV-Pflichtige Brutto, ist normal nicht möglich, außer dein Gesamt-Bruttoeinkommen übersteigt die Beitragsbemessungsgrenzen der RV/KV/PV um einiges.
Schau Dir doch nochmal deine Dezember-Gehaltsabrechnungen der letzten 10 Jahre genau an und suche dort die RV-Pflichtigen Jahressummen(meistens ganz unten oder auf der rechten Seite) und vergleiche diese mit deinen DEVO/DÜVO Jahresmeldungen für die entsprechenden Jahre und den Beträgen in deinem Versicherungsverlauf, sollten dort Abweichungen vorliegen, ist die erste Anlaufstelle euer Lohnbüro bevor Du irgendwo die Pferde scheu machst und.

Wünsche Dir noch ein anregendes Studium der unterlagen
PS: Die Entgeltpunkte für die Rente werden aus den an die RV gemeldeten Entgelten bis BBG errechnet.

von
TomR

Hallo ****,

Zitiert von: ****
das dein Nettoentgelt höher ist als dein RV-Pflichtige Brutto,

ich entschuldige mich für eine missverständliche Formulierung. Nicht mein Netto war höher als das RV-Brutto, sondern das Brutto (reguläres Gehalt plus 13. Monatsgehalt) war nur zum Teil als RV-pflichtig ausgewiesen. Obwohl die Jahressumme der RV-pflichtigen Gehaltsanteile noch nicht die anteileige (11/12) Beutragsbemessungsgrenze erreicht hatte.

Zitiert von: ****
Schau Dir doch nochmal deine Dezember-Gehaltsabrechnungen der letzten 10 Jahre genau an

Längst gemacht - und darüber ist es mir ja auch aufgefallen: Regelmäßige Gehaltssteigerungen, regelmäßige Erhöhungen der BMG, damit auch regelmäßige Erhöhungen der RV-pflichtigen Anteile. Und eben in diesem einen Jahr plötzlich einen geringeren RV-pflichtigen Anteil.

Zitiert von: ****
und vergleiche diese mit deinen DEVO/DÜVO Jahresmeldungen

Natürlich passen die zusammen, es geht doch darum, dass das 13. Monatsgehalt - IMO zu Unrecht - nur bis zur monatlichen und nicht bis zur anteiligen jährlichen Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt wurde. Und nein - ich hatte ganzjährig denselben Arbeitgeber.

Zitiert von: ****
PS: Die Entgeltpunkte für die Rente werden aus den an die RV gemeldeten Entgelten bis BBG errechnet.

Auch dann, wenn die gemeldeten Entgelte nachweislich falsch
sind?

Mit freundlichen Grüßen
Tom

Experten-Antwort

Hallo TomR,

am besten wäre es, wenn Sie sich einmal mit einem Berater zusammen setzen und die Gehaltsabrechnungen mit den gemeldeten Zahlen vergleichen. Sollten sich die Abweichungen dort nicht erklären lassen, kann der Berater Kopien der Abrechnung zur Überprüfung einsenden.

von
Valzuun

Grundsätzlich wird das verbeitragte Entgelt der Rente zu Grunde gelegt, auch wenn die Beiträge fehlhaft abgeführt wurden. Ist -z.B. wegen Verjährung/ Insolven— nichts mehr zu holen bleibt es auch dabei.

Bedenken Sie auch: Auch Sie haben sich Ihren Beitrag -wenn auch unabsichtlich- gespart.

Einzige (hier aber vermutlich nicht greifende) Chance:
Der Arbeitgeber hat die Beiträge Ihnen in richtiger Höhe abgezogen, aber zu wenig weitergeleitet/gemeldet.

von
Schade

Möglicherweise wurde damals die Abrechnung falsch gemacht - wahrscheinlich wurde Ihnen dann aber auch der Beitrag nicht vom Lohn abgezogen. Und daher entspricht die Rente wieder Ihren gezahlten Beiträgen.

So gesehen werden Sie nach 10 Jahren nichts mehr ausrichten können, vergessen Sie das Ganze und machen kein Fass der Bürokratie auf.

Das bringt zu 99% gar nichts außer bürokratischen Mühen.

von
TomR

Hi,

Zitiert von: Expertin
am besten wäre es, wenn Sie sich einmal mit einem Berater zusammen setzen

Den Termin dafür habe ich schon (Ende nächsten Monats, ich bin wohl nicht der einzige, der Beratung braucht).

Aber den Aufwand der Überprüfung könnte ich mir sparen, wenn deren Ergebnis ohnehin keinen Einfluss auf die Rentenhöhe hätte, weil, wie **** schreibt, die Entgeltpunkte aus den an die RV gemeldeten und nicht aus den tatsächlichen Entgelten errechnet werden.

Einzig die Klärung dieser rechtlichen Frage hatte ich mir erhofft.

von
Schade

Natürlich wird die Rente = Entgeltpunkte aus den gemeldeten Daten errechnet.
Andere liegen doch der DRV gar nicht vor......

von
****

Hallo TomR,
dein nächster Schritt sollte unbedingt der Besuch in eurem Lohnbüro sein bevor Du in die Beratungsstelle gehst.
Alle Lohnabrechnungsprogramme wie z.B. DATEF etc. werden div. Prüfungen unterzogen bevor sie in Betrieben für die Lohnabrechnung und das Meldeverfahren eingesetzt werden dürfen.

Die Abrechnung von Einmalzahlungen/Sonderzahlungen wie z.B. dein Weihnachtsgeld unter Berücksichtigung der BBG im Auszahlungsmonat und der anteiligen Jahres-BBG gehört zu den einfachsten Bestandteilen dieser Programme, wenn hier Fehlerhafte Programme längere Zeit zum Einsatz kämen, kann das für ein Unternehmen Existenzbedrohend werden, weil es sehr schnell zu hohen Beitrags- und Steuernachforderungen kommen kann.
Und da in der Regel alle 4 Jahre die Betriebe vom Betriebsprüfdienst der DRV und des Finanzamtes geprüft werden ist es sehr unwahrscheinlich, das ein solches Problem nicht aufgefallen wäre.
Noch einen schönen Abend