Folgerente - Auswirkungen Minijob

von
Sehr verunsichert

Auf Grund eines anderen Threads bin ich gerade sehr verunsichert.

Bisher hatte ich es immer so verstanden, dass es bei einer Rente, die unmittelbar oder im Zeitraum von 24 Monaten auf eine Erwerbsminderungsrente folgt, einen Besitzschutz gibt. Heißt, für die Folgerente werden die bisherigen persönlichen Entgeltpunkte zu Grunde gelegt und damit fällt die Folgerente nicht niedriger aus (§88 SGB 6).

Nun wurde hier in anderen Beiträgen ausgeführt, dass Minijobs sich sehr wohl negativ auf eine Folgerente auswirken können (Threads zum Thema Pflegegeld bzw. Leistungsfall). Das verstehe ich nicht und bitte hierzu um eine Erklärung mit Hinweis auf die entsprechenden Paragraphen. Danke im voraus.

Experten-Antwort

Zitiert von: Sehr verunsichert
Auf Grund eines anderen Threads bin ich gerade sehr verunsichert.

Bisher hatte ich es immer so verstanden, dass es bei einer Rente, die unmittelbar oder im Zeitraum von 24 Monaten auf eine Erwerbsminderungsrente folgt, einen Besitzschutz gibt. Heißt, für die Folgerente werden die bisherigen persönlichen Entgeltpunkte zu Grunde gelegt und damit fällt die Folgerente nicht niedriger aus (§88 SGB 6).

Nun wurde hier in anderen Beiträgen ausgeführt, dass Minijobs sich sehr wohl negativ auf eine Folgerente auswirken können (Threads zum Thema Pflegegeld bzw. Leistungsfall). Das verstehe ich nicht und bitte hierzu um eine Erklärung mit Hinweis auf die entsprechenden Paragraphen. Danke im voraus.


Hallo Sehr verunsichert,

wenn eine Folgerente geleistet wird, wird diese Rente neu berechnet. Bei dieser Neuberechnung können sich Pflichtbeiträge aus einem Minijob, die neben einer Zurechnungszeit gezahlt wurden, negativ auswirken, da sie zum Beispiel der Gesamtleistungswert, mit dem beitragsfreie und beiragsgeminderte Zeiten bewertet werden, verringern können (§§ 71 ff. SGB VI).

Ergeben sich bei der Folgerente dann niedrigere persönliche Entgeltpunkte als bei der vorhergehenden Rente wegen Erwerbsminderung, greift der Besitzschutz nach § 88 SGB VI, wenn die Folgerente innerhalb von 24 Kalendermonaten nach Wegfall der Vorrente beginnt. Dadurch wird sichergestellt werden, dass die Folgerente mindestens in Höhe der Vorrente gezahlt wird.

Der Besitzschutz greift aber nicht in jedem Fall und kann damit nicht immer die negativen Auswirkungen des Minijobs bei der Folgerente ausgleichen. Einerseits ist der Besitzschutz nur gegeben, wenn die Folgerente innerhalb von 24 Kalendermonaten beginnt. Andererseits kann es sein, dass die persönlichen Entgeltpunkte bei der Folgerente ohne den Minijob höher wären, als die persönlichen Entgeltpunkte der Vorrente. Dann gehen diese höheren Entgeltpunkte quasi verloren.

Selbst wenn der Besitzschutz die negativen Auswirkungen bei der Neuberechnung zunächst vermeintlich vollständig ausgleichen kann, könnten sich die negativen Folgen des Minijobs später noch zeigen. Zum Beispiel, wenn ein Altersrentner eine andere Person neben seiner Altersrente nach Erreichen der Regelaltersgrenze pflegt. Dann kann er durch die Wahl einer 99%-Teilrente seine Rente durch Pflichtbeiträge aus der Pflegetätigkeit aufstocken (§ 76d SGB VI). Diese Pflichtbeiträge trägt die Pflegersicherung allein, wodurch die Aufstockung für viele Rentner attraktiv ist. Aufstocken kann der Rentner allerdings nur die Entgeltpunkte der originären Berechnung der Folgerente, nicht die besitzgeschützen persönlichen Entgeltpunkte. Greift der Besitzschutz, kann der Rentner von zusätzlichen Pflichtbeiträgen aus Pflegetätigkeit nicht oder nicht in vollem Umfang profitieren.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 10.08.2021, 08:45 Uhr]

von
Sim

Guten Tag.
Man schießt sich also bei ausüben eines Minijobs während einer EMR evtl. selbst ins Bein, sollte mal der bestandsschutz nicht greifen?
Das ist ja ein Skandal.
Beispiel.
Lange Zeit nur EMR.
Danach jahrelang zusätzlich kleinen Minijob.
Danach wird mal die EMR neu berechnet, weil man aus voller EMR in teilweise rutscht.
Anschließend wieder volle EMR aus gesundheitl. Gründen und kein bestandsschutz.
Jetzt ist die volle EMR niedriger wegen den minijob. Nicht fair.

Experten-Antwort

Zitiert von: Sim
Guten Tag.
Man schießt sich also bei ausüben eines Minijobs während einer EMR evtl. selbst ins Bein, sollte mal der bestandsschutz nicht greifen?
Das ist ja ein Skandal.
Beispiel.
Lange Zeit nur EMR.
Danach jahrelang zusätzlich kleinen Minijob.
Danach wird mal die EMR neu berechnet, weil man aus voller EMR in teilweise rutscht.
Anschließend wieder volle EMR aus gesundheitl. Gründen und kein bestandsschutz.
Jetzt ist die volle EMR niedriger wegen den minijob. Nicht fair.

Hallo Sim,

für diesen Fall gibt es gewisse Gestaltungsmöglichkeiten. Sie können sich zum Beispiel in Ihrem Minijob von der Versicherungspflicht befreien lassen. Dann spielt der Minijob bei der Gesamtleistungsbewertung keine Rolle mehr und die beschriebene negative Auswirkung tritt nicht ein. Zusätzlich sparen Sie sich ein paar Euro an Beiträgen an die Rentenversicherung, d. h. Ihr Nettoentgelt aus dem Minjob erhöht sich. Aus dem Minijob werden dann bei der späteren Altersrente Zuschläge ermittelt, die zu einer Rentenerhöhung führen können.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Sehr verunsichert

Zitiert von: Experte
Zitiert von: Sehr verunsichert
Auf Grund eines anderen Threads bin ich gerade sehr verunsichert.

Bisher hatte ich es immer so verstanden, dass es bei einer Rente, die unmittelbar oder im Zeitraum von 24 Monaten auf eine Erwerbsminderungsrente folgt, einen Besitzschutz gibt. Heißt, für die Folgerente werden die bisherigen persönlichen Entgeltpunkte zu Grunde gelegt und damit fällt die Folgerente nicht niedriger aus (§88 SGB 6).

Nun wurde hier in anderen Beiträgen ausgeführt, dass Minijobs sich sehr wohl negativ auf eine Folgerente auswirken können (Threads zum Thema Pflegegeld bzw. Leistungsfall). Das verstehe ich nicht und bitte hierzu um eine Erklärung mit Hinweis auf die entsprechenden Paragraphen. Danke im voraus.


Hallo Sehr verunsichert,

wenn eine Folgerente geleistet wird, wird diese Rente neu berechnet. Bei dieser Neuberechnung können sich Pflichtbeiträge aus einem Minijob, die neben einer Zurechnungszeit gezahlt wurden, negativ auswirken, da sie zum Beispiel der Gesamtleistungswert, mit dem beitragsfreie und beiragsgeminderte Zeiten bewertet werden, verringern können (§§ 71 ff. SGB VI).

Ergeben sich bei der Folgerente dann niedrigere persönliche Entgeltpunkte als bei der vorhergehenden Rente wegen Erwerbsminderung, greift der Besitzschutz nach § 88 SGB VI, wenn die Folgerente innerhalb von 24 Kalendermonaten nach Wegfall der Vorrente beginnt. Dadurch wird sichergestellt werden, dass die Folgerente mindestens in Höhe der Vorrente gezahlt wird.

Der Besitzschutz greift aber nicht in jedem Fall und kann damit nicht immer die negativen Auswirkungen des Minijobs bei der Folgerente ausgleichen. Einerseits ist der Besitzschutz nur gegeben, wenn die Folgerente innerhalb von 24 Kalendermonaten beginnt. Andererseits kann es sein, dass die persönlichen Entgeltpunkte bei der Folgerente ohne den Minijob höher wären, als die persönlichen Entgeltpunkte der Vorrente. Dann gehen diese höheren Entgeltpunkte quasi verloren.

Selbst wenn der Besitzschutz die negativen Auswirkungen bei der Neuberechnung zunächst vermeintlich vollständig ausgleichen kann, könnten sich die negativen Folgen des Minijobs später noch zeigen. Zum Beispiel, wenn ein Altersrentner eine andere Person neben seiner Altersrente nach Erreichen der Regelaltersgrenze pflegt. Dann kann er durch die Wahl einer 99%-Teilrente seine Rente durch Pflichtbeiträge aus der Pflegetätigkeit aufstocken (§ 76d SGB VI). Diese Pflichtbeiträge trägt die Pflegersicherung allein, wodurch die Aufstockung für viele Rentner attraktiv ist. Aufstocken kann der Rentner allerdings nur die Entgeltpunkte der originären Berechnung der Folgerente, nicht die besitzgeschützen persönlichen Entgeltpunkte. Greift der Besitzschutz, kann der Rentner von zusätzlichen Pflichtbeiträgen aus Pflegetätigkeit nicht oder nicht in vollem Umfang profitieren.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Danke für die schnelle und gut verständliche Antwort.

von
Sehr verunsichert

Zitiert von: Experte
Zitiert von: Sim
Guten Tag.
Man schießt sich also bei ausüben eines Minijobs während einer EMR evtl. selbst ins Bein, sollte mal der bestandsschutz nicht greifen?
Das ist ja ein Skandal.
Beispiel.
Lange Zeit nur EMR.
Danach jahrelang zusätzlich kleinen Minijob.
Danach wird mal die EMR neu berechnet, weil man aus voller EMR in teilweise rutscht.
Anschließend wieder volle EMR aus gesundheitl. Gründen und kein bestandsschutz.
Jetzt ist die volle EMR niedriger wegen den minijob. Nicht fair.

Hallo Sim,

für diesen Fall gibt es gewisse Gestaltungsmöglichkeiten. Sie können sich zum Beispiel in Ihrem Minijob von der Versicherungspflicht befreien lassen. Dann spielt der Minijob bei der Gesamtleistungsbewertung keine Rolle mehr und die beschriebene negative Auswirkung tritt nicht ein. Zusätzlich sparen Sie sich ein paar Euro an Beiträgen an die Rentenversicherung, d. h. Ihr Nettoentgelt aus dem Minjob erhöht sich. Aus dem Minijob werden dann bei der späteren Altersrente Zuschläge ermittelt, die zu einer Rentenerhöhung führen können.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Ich kann die Verärgerung von SIM sehr gut verstehen. Ich denke jetzt auch schon den ganzen Vormittag über dieses Thema nach.

Mit gesundem Menschenverstand sollte man ja denken, wenn man in die Rentenversicherung einzahlt, wird das mit entsprechenden Beiträgen honoriert. Wenn man jetzt die Erklärung liest, ist es genau umgekehrt. Vereinfacht ausgedrückt, reduzieren die Rentenbeiträge für den Minijob die Rente. Während der Verzicht auf die Rentenbeiträge letztendlich zu einer Rentenerhöhung führt.

Halte mich in letzter Konsequenz: egal was ich tue. In Verbindung mit der Rente sollte ich mich immer vorab erkundigen, welche Auswirkungen mein Tun hat.

von
Rosie

Es könnte vielleicht auch andere Auswirkungen haben, wenn man sich von der Versicherungspflicht befreien läßt.
Eben noch hat man eine Erwerbsminderungsrente, diese wird aber in z.B. 1 Jahr nicht verlängert und wenn man dann zwei Jahre später einen neuen Antrag stellen möchte, fehlen vielleicht ausgerechnet diese versicherungspflichtigen Zeiten. Ich weiß das nicht genau, aber das ist mir beim lesen sofort eingefallen.

von
Sim

wird aber in z.B. 1 Jahr nicht verlängert und wenn man dann zwei Jahre später einen neuen Antrag stellen möchte, fehlen vielleicht ausgerechnet diese versicherungspflichtigen Zeiten.

Falls eine EMR mal nicht verlängert werden sollte,
. Dann wird diese ggf auf eine teilweise gekürzt = weiterhin Versicherungsoflichtig
. Fällt man ist Alg1 = weiterhin Pflichtversichert
. Fällt man ins Krankengeld = Pflichtversichert

Dieses Problem besteht wohl nur, wenn man nach Ablehnung EMR, in H4 fällt!
Oder wie sehe ich das?
Selbst wenn die EMR nicht verlängert werden sollte, könnte man sofort einen minijob annehmen, und Beiträge zahlen. Dann auch keine Lücke bis zur evtl. neuen EMR?

von
Schwach lieber Experte.

Bravo Experte!
Gerade Sie sollten doch wissen, dass Sie mit den negativen Auswirkungen eines versicherungspflichtigen Minijobs eher die Ausnahme als die Regel beschrieben und damit für große Verunsicherung gesorgt haben.
Das ist aber ganz sicher nicht das Ziel hier im Forum. Es wäre Ihre Aufgabe darauf hinzuweisen, dass sich das von Ihnen beschriebene Szenario eher der Ausnahmefall ist, diesen genau zu erläutern, statt Versicherte zu verunsichern.

Mit freundlichen Grüßen

von
Sehr verunsichert

Zitiert von: Schwach lieber Experte.
Bravo Experte!
Gerade Sie sollten doch wissen, dass Sie mit den negativen Auswirkungen eines versicherungspflichtigen Minijobs eher die Ausnahme als die Regel beschrieben und damit für große Verunsicherung gesorgt haben.
Das ist aber ganz sicher nicht das Ziel hier im Forum. Es wäre Ihre Aufgabe darauf hinzuweisen, dass sich das von Ihnen beschriebene Szenario eher der Ausnahmefall ist, diesen genau zu erläutern, statt Versicherte zu verunsichern.

Mit freundlichen Grüßen

Für Bezieher von Erwerbsminderungsrente scheint es ja wohl doch nicht die Ausnahme zu sein.

Und auch, wenn es eine Ausnahme ist, möchte ich doch gerne darüber Bescheid wissen. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ein Minijob (mit RV-Beiträgen) für mich in der Erwerbsminderungsrente negativ ist. Und damit ist mir auf jeden Fall geholfen! Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

von
KSC

Zunächst hat der Minijobber mal 450€ mehr im Geldbeutel, das ist in keinem Fall negativ!

Und in all den Fällen in denen die EM bis zur Altersrente durchläuft sehe ich keinerlei Nachteile.

von
Ihre Entscheidung

Zitiert von: Sehr verunsichert
Zitiert von: Schwach lieber Experte.
Bravo Experte!
Gerade Sie sollten doch wissen, dass Sie mit den negativen Auswirkungen eines versicherungspflichtigen Minijobs eher die Ausnahme als die Regel beschrieben und damit für große Verunsicherung gesorgt haben.
Das ist aber ganz sicher nicht das Ziel hier im Forum. Es wäre Ihre Aufgabe darauf hinzuweisen, dass sich das von Ihnen beschriebene Szenario eher der Ausnahmefall ist, diesen genau zu erläutern, statt Versicherte zu verunsichern.

Mit freundlichen Grüßen

Für Bezieher von Erwerbsminderungsrente scheint es ja wohl doch nicht die Ausnahme zu sein.

Und auch, wenn es eine Ausnahme ist, möchte ich doch gerne darüber Bescheid wissen. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ein Minijob (mit RV-Beiträgen) für mich in der Erwerbsminderungsrente negativ ist. Und damit ist mir auf jeden Fall geholfen! Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Da sieht man wieder, dass Sie es eben nicht verstanden haben und glauben Sie wären ggf. betroffen. Das könnten Sie aber nur sein, wenn die Erwerbsminderungsrente über mehr als 24 Monate wegfällt und Sie dann noch nicht die Altersrente erreicht haben und das ist ganz sicher nicht der „Normalfall“. Aber bitte, Sie selbst sind Ihres Glückes Schmied.

von
Nicht durchdacht

Zitiert von: Schwach lieber Experte.
Bravo Experte!
Gerade Sie sollten doch wissen, dass Sie mit den negativen Auswirkungen eines versicherungspflichtigen Minijobs eher die Ausnahme als die Regel beschrieben und damit für große Verunsicherung gesorgt haben.
Das ist aber ganz sicher nicht das Ziel hier im Forum. Es wäre Ihre Aufgabe darauf hinzuweisen, dass sich das von Ihnen beschriebene Szenario eher der Ausnahmefall ist, diesen genau zu erläutern, statt Versicherte zu verunsichern.

Mit freundlichen Grüßen

Manche übersehen einfach, dass die Experten ursprünglich nur eine konkrete Frage von @Bernd beantwortet hatten, was unzweifelhaft ihre Aufgabe und Ziel dieses Forums ist.

Wer die Expertenantworten genau verfolgt hat und etwas von Rentenberechnung versteht, der erkennt aber auch, dass es sich nicht um einen Ausnahmefall handelt. Man kann sogar sagen, dass es bei einer Rente wegen Erwerbsminderung, die auf Dauer bewilligt wurde, grundsätzlich immer vorteilhafter ist, bei einem Minijob auf die Versicherungspflicht zu verzichten. Die 45 Jahre Wartezeit spielen hier keine Rolle. Lediglich bei einer niedrigen Rente kann man überlegen, ob man mit einem versicherungspflichtigen Minijob die 33 Jahre für die Grundrente anvisiert. Ob das sinnvoll ist, kann ein Fachkundiger anhand des Rentenbescheides recht gut abschätzen.

Ich persönlich glaube allerdings nicht, dass sich die viel kritisierte Grundrente ewig im Gesetz halten wird. Die Gesamtleistungsbewertung wird aber wohl noch länger erhalten bleiben. Daher wüsste ich, auf welches Pferd ich setzen würde.

Die Verunsicherung einiger Teilnehmer dieses Forums finde ich nicht tragisch. Die meisten Menschen denken, Rente ist ein Selbsläufer. Sie wissen nicht, dass sie Gestaltungsmöglichkeiten haben, wie die hier diskutierte Befreiung von der Versicherungspflicht. Natürlich ist man als Laie verunsichert, wenn man zum ersten mal hört, dass man eventuell Nachteile haben könnte, wenn man sich nicht informiert und nicht aktiv wird. Andererseits bekommt man nur so die Chance, aktiv zu werden und Nachteile abzuwenden. Was ist daran schlecht?

Wer hier Kritik an den Experten übt, sollte sich mal fragen, warum es die Befreiung auf Antrag gibt. Vielleicht sollte er seine Kritik an den Gesetzgeber richten, denn mit dieser gesetzlichen Dispositionsmöglichkeit werden die armen Versicherten verunsichert. Das Gesetz widerspricht also dem Ziel dieses Forums, wenn man dem oben zitierten Kritiker Glauben schenken darf. ;-)

Ich kann den Verunsicherten nur empfehlen, dem mehrfach gegebenen Expertenrat zu folgen und sich individuell beraten lassen. Aus Verunsicherung kann bares Geld werden.

@ KSC: Die 450 € hat der Minijobber nur dann im Geldbeutel, wenn er sich von der Versicherungspflicht befreien lässt. Ansonsten hat er höchstens 433,80 €. Ich finde, es ist ein klarer Nachteil 433,80 € anstelle von 450 € im Geldbeutel zu haben.

Wenn Sie, lieber KSC, keine weiteren Nachteile sehen, dann gehen Sie wohl davon aus, dass immer der Besitzschutz greift. Das mag in der Vergangenheit meist der Fall gewesen sein, weil sich über viele Jahre hinweg das Recht für die Versicherten verschlechtert hatte. Wer allerdings die Rechtsentwicklung nach der Jahrtausendwende verfolgt hat, wird feststellen, dass sich das Rentenrecht zuletzt nicht mehr verschlechtert, sondern in einigen Bereichen sogar verbessert hat. Wer also heutezutage nur auf Besitzschutz setzt, ist bisweilen schlecht beraten. Wenn man mehr bekommen kann, ist ein Verweilen auf dem Besitzschutz ein Nachteil. Die Zuschlagsentgeltpunkte lassen grüßen. Die gibt es allerdings nur bei Befreiung von der Versicherungspflicht.

von
Siehe hier

Zitiert von: Sehr verunsichert

Für Bezieher von Erwerbsminderungsrente scheint es ja wohl doch nicht die Ausnahme zu sein.

Und auch, wenn es eine Ausnahme ist, möchte ich doch gerne darüber Bescheid wissen. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ein Minijob (mit RV-Beiträgen) für mich in der Erwerbsminderungsrente negativ ist. Und damit ist mir auf jeden Fall geholfen! Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Sofern Sie 'während' der Zurechnungszeit Ihrer EM-Rente einen Minijob mit Versicherungspflicht ausüben, und dann VORZEITIG wegen vorhandenen GdB >=50 oder eine Rente für langjährig versicherte mit 35 Beitragsjahren beantragen wollen, 'KANN' sich das negativ auswirken.

Muss es aber nicht. Denn niemand zwingt Sie, die SB-Rente oder eine andere Altersrente vorzeitig zu beantragen. Dann wird die EM-Rente bis zum Regelrentenalter weiter bezahlt und die Beiträge aus Ihrem Minijob erhöhen dann die Regelaltersrente.

Bei dem ursprünglichen Fragesteller 'Bernd', der erst seit 2020 EM-Rente bekommt und deshalb bis 65 plus 8 Monate Zurechnungszeit mit drin hat, wäre es jedoch nachteilig, dann die SB-Rente mit 62+ vorzeitig zu beantragen, wenn er zuvor auch noch einen versicherungspflichtigen Minijob hatte. Aber auch er kann ja einfach weiter die EM-Rente beziehen und beantragt nicht vorzeitig eine andere Rentenart.

Es hat also nicht in jedem Fall eine negative Auswirkung!!

Letztendlich ist es aber natürlich Ihre Entscheidung, ob Sie auf die Versicherungspflicht bei einem Minijob verzichten.

Alles Gute!

von
Aha

Zitiert von: Siehe hier
Zitiert von: Sehr verunsichert

Für Bezieher von Erwerbsminderungsrente scheint es ja wohl doch nicht die Ausnahme zu sein.

Und auch, wenn es eine Ausnahme ist, möchte ich doch gerne darüber Bescheid wissen. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ein Minijob (mit RV-Beiträgen) für mich in der Erwerbsminderungsrente negativ ist. Und damit ist mir auf jeden Fall geholfen! Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Sofern Sie 'während' der Zurechnungszeit Ihrer EM-Rente einen Minijob mit Versicherungspflicht ausüben, und dann VORZEITIG wegen vorhandenen GdB >=50 oder eine Rente für langjährig versicherte mit 35 Beitragsjahren beantragen wollen, 'KANN' sich das negativ auswirken.

Muss es aber nicht. Denn niemand zwingt Sie, die SB-Rente oder eine andere Altersrente vorzeitig zu beantragen. Dann wird die EM-Rente bis zum Regelrentenalter weiter bezahlt und die Beiträge aus Ihrem Minijob erhöhen dann die Regelaltersrente.

Bei dem ursprünglichen Fragesteller 'Bernd', der erst seit 2020 EM-Rente bekommt und deshalb bis 65 plus 8 Monate Zurechnungszeit mit drin hat, wäre es jedoch nachteilig, dann die SB-Rente mit 62+ vorzeitig zu beantragen, wenn er zuvor auch noch einen versicherungspflichtigen Minijob hatte. Aber auch er kann ja einfach weiter die EM-Rente beziehen und beantragt nicht vorzeitig eine andere Rentenart.

Es hat also nicht in jedem Fall eine negative Auswirkung!!

Letztendlich ist es aber natürlich Ihre Entscheidung, ob Sie auf die Versicherungspflicht bei einem Minijob verzichten.

Alles Gute!

Damit steht fest, dass der Beitrag von @Nicht durchdacht, nicht durchdacht ist. :-)

von
Nicht durchdacht

Zitiert von: Aha
Zitiert von: Siehe hier
Zitiert von: Sehr verunsichert

Für Bezieher von Erwerbsminderungsrente scheint es ja wohl doch nicht die Ausnahme zu sein.

Und auch, wenn es eine Ausnahme ist, möchte ich doch gerne darüber Bescheid wissen. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ein Minijob (mit RV-Beiträgen) für mich in der Erwerbsminderungsrente negativ ist. Und damit ist mir auf jeden Fall geholfen! Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Sofern Sie 'während' der Zurechnungszeit Ihrer EM-Rente einen Minijob mit Versicherungspflicht ausüben, und dann VORZEITIG wegen vorhandenen GdB >=50 oder eine Rente für langjährig versicherte mit 35 Beitragsjahren beantragen wollen, 'KANN' sich das negativ auswirken.

Muss es aber nicht. Denn niemand zwingt Sie, die SB-Rente oder eine andere Altersrente vorzeitig zu beantragen. Dann wird die EM-Rente bis zum Regelrentenalter weiter bezahlt und die Beiträge aus Ihrem Minijob erhöhen dann die Regelaltersrente.

Bei dem ursprünglichen Fragesteller 'Bernd', der erst seit 2020 EM-Rente bekommt und deshalb bis 65 plus 8 Monate Zurechnungszeit mit drin hat, wäre es jedoch nachteilig, dann die SB-Rente mit 62+ vorzeitig zu beantragen, wenn er zuvor auch noch einen versicherungspflichtigen Minijob hatte. Aber auch er kann ja einfach weiter die EM-Rente beziehen und beantragt nicht vorzeitig eine andere Rentenart.

Es hat also nicht in jedem Fall eine negative Auswirkung!!

Letztendlich ist es aber natürlich Ihre Entscheidung, ob Sie auf die Versicherungspflicht bei einem Minijob verzichten.

Alles Gute!

Damit steht fest, dass der Beitrag von @Nicht durchdacht, nicht durchdacht ist. :-)

Ihr Kommentar ist wohl eher ein nicht durchdachter Schnellschuss.

Die Antwort von @Siehe hier suggeriert, dass @Bernd keine negativen Auswirkungen hat, wenn er nicht vorzeitig in die Altersrente wechselt. Allerdings können die negativen Auswirkungen bei @Bernd auch dann auftreten, wenn er erst mit 65 + 8 in die Altersrente wechselt. Einen Grund dafür kann man den Expertenantworten entnehmen: Niedrige Pflichtbeiträge aus einem Minijob verringern regelmäßig den Gesamtleistungswert, speziell die Grundbewertung. Dieser Effekt tritt unabhängig vom gewählten Rentenbeginn der Altersrente auf. Ist hingegen die Vergleichsbewertung maßgebend, tritt dieser negative Effekt zwar nicht ein. Allerdings werden die niedrigen Pflichtbeiträge aus dem Minijob dann dennoch regelmäßig durch die Bewertung der Zurehnungszeit/Anrechnungszeit wegen Rentenbezugs "aufgefressen". Dieser weitere negative Effekt des "Auffressens" kann verhindert werden, wenn auf die Versicherungspflicht im Minijob verzichtet wird, da die daraus zu ermittelnden Zuschlagsentgeltpunkte von dem Wert für die Zurechnungszeit nicht beinflusst bzw. "aufgefressen" werden.

Das ist Rentenberechnung in der Tiefe - nicht jedermanns Sache!

Ansonsten empfehle ich Ihnen, meine Antwort nochmals genau durchzulesen, denn sie enthielt noch wesentlich mehr Aspekte als den einen, den @siehe hier aufgegriffen hat.

von
Sehr verunsichert

Zitiert von: Siehe hier
Zitiert von: Sehr verunsichert

Für Bezieher von Erwerbsminderungsrente scheint es ja wohl doch nicht die Ausnahme zu sein.

Und auch, wenn es eine Ausnahme ist, möchte ich doch gerne darüber Bescheid wissen. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ein Minijob (mit RV-Beiträgen) für mich in der Erwerbsminderungsrente negativ ist. Und damit ist mir auf jeden Fall geholfen! Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Sofern Sie 'während' der Zurechnungszeit Ihrer EM-Rente einen Minijob mit Versicherungspflicht ausüben, und dann VORZEITIG wegen vorhandenen GdB >=50 oder eine Rente für langjährig versicherte mit 35 Beitragsjahren beantragen wollen, 'KANN' sich das negativ auswirken.

Muss es aber nicht. Denn niemand zwingt Sie, die SB-Rente oder eine andere Altersrente vorzeitig zu beantragen. Dann wird die EM-Rente bis zum Regelrentenalter weiter bezahlt und die Beiträge aus Ihrem Minijob erhöhen dann die Regelaltersrente.

Bei dem ursprünglichen Fragesteller 'Bernd', der erst seit 2020 EM-Rente bekommt und deshalb bis 65 plus 8 Monate Zurechnungszeit mit drin hat, wäre es jedoch nachteilig, dann die SB-Rente mit 62+ vorzeitig zu beantragen, wenn er zuvor auch noch einen versicherungspflichtigen Minijob hatte. Aber auch er kann ja einfach weiter die EM-Rente beziehen und beantragt nicht vorzeitig eine andere Rentenart.

Es hat also nicht in jedem Fall eine negative Auswirkung!!

Letztendlich ist es aber natürlich Ihre Entscheidung, ob Sie auf die Versicherungspflicht bei einem Minijob verzichten.

Alles Gute!

@Siehe her:
So langsam verstehe ich jetzt gar nichts mehr. Wenn ich Ihren Beitrag richtig verstehe, widerspricht er der Expertenantwort. Wieso entfällt bei der vorzeitigen Beantragung einer Schwerbehindertenrente oder vorzeitiger Altersrente mit 63 der Besitzschutz nach §88 SGB 6? Wo ist denn jetzt da mein Denkfehler?

von
Tipp

@Siehe hier und @ Nicht durchdacht liefern nur theoretische Ansätze, die einem Rentenlaien wenig bis gar nicht helfen.

Daher folgender Tipp:
Fordern Sie bei Ihrem zuständigen Rententräger eine Proberentenberechnung Ihrer geplanten Altersrente unter Berücksichtigung einer "fiktiven" versicherungspflichtigen Beschäftigung an und Sie erhalten Ihr Ergebnis der Rentenberechnung schwarz auf weiß und müssen sich nicht auf diese Theoretiker verlassen, die hier in diesem Fall mehr verunsichern als helfen.
Leider denken diese "Hobbyexperten" oft nicht daran, dass hier meistens Rentenlaien die Fragen stellen und unterstellen damit Wissen (z.B. Gesamtleistungswert, Vergleichsberechnung) das Sie nicht haben können.

Allerdings macht so eine Proberentenberechnung nur dann Sinn, wenn Sie schon eine Erwerbsminderungsrente erhalten, was ich Ihrem Beitrag konkret nicht entnehmen konnte.

von
Tipp

Zitiert von: Tipp
@Siehe hier und @ Nicht durchdacht liefern nur theoretische Ansätze, die einem Rentenlaien wenig bis gar nicht helfen.

Daher folgender Tipp:
Fordern Sie bei Ihrem zuständigen Rententräger eine Proberentenberechnung Ihrer geplanten Altersrente unter Berücksichtigung einer "fiktiven" versicherungspflichtigen Beschäftigung an und Sie erhalten Ihr Ergebnis der Rentenberechnung schwarz auf weiß und müssen sich nicht auf diese Theoretiker verlassen, die hier in diesem Fall mehr verunsichern als helfen.
Leider denken diese "Hobbyexperten" oft nicht daran, dass hier meistens Rentenlaien die Fragen stellen und unterstellen damit Wissen (z.B. Gesamtleistungswert, Vergleichsberechnung) das Sie nicht haben können.

Allerdings macht so eine Proberentenberechnung nur dann Sinn, wenn Sie schon eine Erwerbsminderungsrente erhalten, was ich Ihrem Beitrag konkret nicht entnehmen konnte.

Es sollte natürlich "fiktive" geringfügige versicherungspflichtige Beschäftigung heißen.

von
Sehr verunsichert

Zitiert von: Tipp
Zitiert von: Tipp
@Siehe hier und @ Nicht durchdacht liefern nur theoretische Ansätze, die einem Rentenlaien wenig bis gar nicht helfen.

Daher folgender Tipp:
Fordern Sie bei Ihrem zuständigen Rententräger eine Proberentenberechnung Ihrer geplanten Altersrente unter Berücksichtigung einer "fiktiven" versicherungspflichtigen Beschäftigung an und Sie erhalten Ihr Ergebnis der Rentenberechnung schwarz auf weiß und müssen sich nicht auf diese Theoretiker verlassen, die hier in diesem Fall mehr verunsichern als helfen.
Leider denken diese "Hobbyexperten" oft nicht daran, dass hier meistens Rentenlaien die Fragen stellen und unterstellen damit Wissen (z.B. Gesamtleistungswert, Vergleichsberechnung) das Sie nicht haben können.

Allerdings macht so eine Proberentenberechnung nur dann Sinn, wenn Sie schon eine Erwerbsminderungsrente erhalten, was ich Ihrem Beitrag konkret nicht entnehmen konnte.

Es sollte natürlich "fiktive" geringfügige versicherungspflichtige Beschäftigung heißen.

Ja, ich erhalte eine Erwerbsminderungsrente. Unter anderem wegen Angststörungen. Das Thema und die für mich widersprüchlichen Antworten verursachen bei mir inzwischen Panik.

Ich habe bisher keinen Minijob ausgeübt, hatte es aber überlegt. Eine weitere Überlegung ist, dass ich ab Juni 2022 die vorzeitige Altersrente für langjährig Versicherte beantrage. Und war bisher davon ausgegangen, dass ich in diesem Fall (ob mit oder ohne Minijob) Besitzschutz habe nach §88 SGB 6. Einen Antrag auf Berechnung möchte ich aktuell bei der DRV nicht stellen.

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