freiwilige Beitragszahlungen

von
Merle Janssen

Ich bin zum 31.12.2015 per Abfindung aus dem Beruf ausgeschieden wegen Verlustes des Arbeitsplatzes. Im Jan. 2016 habe ich 150000 Euro ( Brutto ) per Fünftelregelung erhalten. Ich habe kein Arbeitslosengeld beantragt und werde dieses Jahr keine neue Tätigkeit aufnehmen, also k e i n weiteres Einkommen erzielen. Krankenversichert bin ich bei meinem Mann in der Familienvers. Jetzt meine Frage: Kann ich einen freiwilligen Rentenbeitrag als Einmalzahlung leisten ?
Wenn ja wie hoch maximal?

von
W*lfgang

Hallo Merle Janssen,

eine Einmalzahlung ist nur für abgelaufene (beitragsfreie) Zeiträume möglich, also erst für 2016 anteilig - frühere Jahre/Lücken sind nicht nachzahlungsfähig. Ausnahme: Sie sind noch nicht 45 Jahre alt und frühere schulische Ausbildungen stehen dafür begrenzt noch zur Verfügung.

Zum Jahresende 2016 bzw. spätestens zum 31.03.2017 wäre eine größere Nachzahlung für 2016 möglich - bei Höchstbeitrag für 12 Monate 13912,80 €. Steuerrechtlich könnte es interessant sein, die Einzahlung noch in 2016 vorzunehmen. Dazu müssen Sie auch rechtzeitig einen Antrag stellen, so August vielleicht – der Bescheid braucht ja auch ein paar Tage, die Einzahlungsfrist beträgt im Inland 3 Monate.

Erwarten Sie sich vom Rentenzuwachs nicht zu viel, der Höchstbeitrag führt für sich allein gesehen zu einer Bruttorentensteigerung (bereits mit der Rentenerhöhung ab 01.07.2016 kalkuliert) von rd. 62 € mtl., vor etwaigem Abschlag, vor Abzug KV/PV, vor ggf. fälliger ESt. Real brauchen Sie daher 25 - 30 Jahre, um Ihr eingezahltes Kapital über die erhöhte Rente zu 'erleben' ...wenn nicht der Steuervorteil 'eingerechnet' werden könnte - das kann Ihnen aber nur dafür zugelassenes Fachpersonal durchrechnen (Steuerberater, Lohnsteuerhilfeverein, Fachanwalt für Steuerrecht).

Aus Rentensicht könnte auch eine Probeberechnung sinnvoll sein, insbesondere wenn Sie beabsichtigen, künftig mehrfache Jahreshöchstbeiträge zu platzieren, ob damit noch andere positive Auswirkungen auf abgelaufene Zeiten erzielt werden können ...immerhin würde sich der Gesamtleistungswert (Durchschnittswert aller Zeiten) erhöhen.

Aber: Ihr EM-Rentenanspruch wird nach Ablauf von 2 Jahren vmtl. erstmal weg sein - die Ausnahme über den Erhalt via freiwilligen Beiträgen muss individuell geklärt werden. Da Sie sich nicht Alo gemeldet haben (Sperrfrist natürlich), scheidet die Option, den EM-Anspruch über die bloße Alo-Meldung abzusichern, zwar noch nicht aus (im Rentenkonto ist seit 01.01.2016 bereits eine 'Lücke' entstanden), nur würde es bedeuten, dass Sie sich den 'Anforderungen' der AfA an Sie stellen auf Dauer stellen müssen, um die 'Vorversicherungszeit' für die EM-Rente wirksam zu erhalten.

Daher: zunächst Informationen in der nächsten Beratungsstelle einholen über alle Aspekte, die mit der freiwilligen Zahlung verbunden sind.

Gruß
w.

von
Jonny

Sollten Sie vorzeitig eine Altersrente z. B. Für langjährig Versicherte erhalten können, ist eine Einmalzahlung zur Vermeidung von Abschlägen auch vorher möglich (§ 187a SGB VI). Lassen Sie sich eine Rentenaukunft geben und bitten Sie dbei um die Angabe des möglichen Beitrags
Meint jedenfalls
Jonny

von
Glimpnickel

Zitiert von: Jonny

Meint jedenfalls
Jonny

Wer braucht denn schon deine Meinung?!

von
****

Hallo Merle Janssen,

W*lfgangs Ertragsberechnungen sind wie immer sehr pessimistisch oder sein Taschenrechner ist kaputt.
Natürlich muß man bei der Zahlung freiwiliger Beiträge in die RV einiges beachten um den maximalen Ertrag zu erhalten, aber in Anbetracht der hohen Abfindungszahlung wäre schon aus Steuerlicher Sicht eine Einzahlung sehr interessant.
Die in 2016 gezahlten freiwilligen Beiträge können im Rahmen des Sonderausgabenabzuges zu 82% Steuermindernd geltend gemacht werden ( 13920 x 82%= 9355.-Euro).

Bei der hohen Abfindung und unter der Annahme das der Gatte ebenfalls Steuerpflichtiges Einkommen hat, werden sie in 2016 wohl einen Steuersatz von 40-50% haben.
Durch den Sonderausgabenabzug würde sich also das zu versteuernde EK um 9355.- Euro veringern, das heißt sie zahlen ca. 3700.- bis 4700.- Euro weniger Steuern.
Wenn sie diese Steuerersparnis in die Renditeberechnung einbeziehen haben sie das eingezahlte Geld über die Netto-Rente nach 12,5 bis 14 Jahren wieder raus, nicht eingerechnet die Jährlichen Rentensteigerungen oder spätere Steuerzahlung f.d. Renteneinkünfte.
PS
Noch eine Anmerkung am Rande, mit der Fam.versicherung in der KV könnte es m.E. Probleme geben wegen der Abfindung, spätestens wenn sie bei der Prüfung der Einkommen, der KK den Einkommensteuerbescheid vorlegen müssen, wird diese feststellen das sie entsprechend hohes eigenes EK weit über der Hinzuverdienstgrenze f.d. Fam.versicherung erzielt haben und ggf. die Beiträge nachfordern.

von
W*lfgang

Zitiert von: ****
W*lfgangs Ertragsberechnungen sind wie immer sehr pessimistisch
****,

bezogen auf die reine 'Rendite' in der DRV, eher real, entsprechen den jährlichen 'Wasserstandsmeldungen' der DRV zu diesem Thema.

Andererseits weise ich im Kontext auch auf andere Einflüsse hin, die die Einzahlung optimieren könnten, wie z. B. die Steuerersparnis ...nur bin ich kein 'Steuerfuchs', um das ansatzweise beurteilen zu können/geschweige ich denn die derzeitige Lebens-/Finanzlage einschätzen wollen würde - da haben Sie mir einiges voraus ;-) Gut so, denn dann beschäftigt sich Merle nicht nur mit den Auswirkungen in der DRV, sondern holt - wie empfohlen - auch Rat von anderen 'beteiligten' Stellen ein.

Gruß
w.

von
Gacki

Zitiert von: W*lfgang

Zitiert von: ****
W*lfgangs Ertragsberechnungen sind wie immer sehr pessimistisch
****,

bezogen auf die reine 'Rendite' in der DRV, eher real, entsprechen den jährlichen 'Wasserstandsmeldungen' der DRV zu diesem Thema.

Andererseits weise ich im Kontext auch auf andere Einflüsse hin, die die Einzahlung optimieren könnten, wie z. B. die Steuerersparnis ...nur bin ich kein 'Steuerfuchs', um das ansatzweise beurteilen zu können/geschweige ich denn die derzeitige Lebens-/Finanzlage einschätzen wollen würde - da haben Sie mir einiges voraus ;-) Gut so, denn dann beschäftigt sich Merle nicht nur mit den Auswirkungen in der DRV, sondern holt - wie empfohlen - auch Rat von anderen 'beteiligten' Stellen ein.

Gruß
w.

Oh je, oh je, der Quassel-w. !
So kriegst du nie schöne Ostereier! Höchstens welche aus Gacki!

von Experte/in Experten-Antwort

Ich danke den Forumsteilnehmern für die Beantwortung von Frau Janssens Frage. Auch ich empfehle aber den Besuch einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung für weitere Auskünfte. Auch die Nachfrage bei der Krankenversicherung, hinsichtlich der kostenlosen Familienversicherung, halte ich für sehr sinnvoll. Ein Kontakt mit der Agentur für Arbeit kann auch nicht schaden. Möglicherweise entfällt die Sperrfrist wegen der Abfindung, wenn Sie den Bezug des Arbeitslosengeldes um ein Jahr hinausschieben.

Was die Rentabilität von freiwilligen Rentenversicherungsbeiträgen angeht, ist sich die Fachpresse ziemlich einig und zeigt mit entsprechenden Berechnungsbeispielen, dass es bei den derzeitigen Zinssätzen kaum sichere Alternativen gibt. Sofern die entsprechenden Mittel vorhanden sind, können Sie übrigens auch beide Möglichkeiten der zusätzlichen Beitragszahlung nutzen (frw. Beiträge und die Zahlung des Ausgleichbetragen zur Abwendung einer Rentenminderung). Auch hier ist eine steuerrechtliche Beratung hinsichtlich der Verteilung der Beitragszahlungen sicherlich sinnvoll. Machen Sie sich einen Ausdruck Ihrer Frage mit den Antworten der Forumsteilnehmer und nehmen diesen mit zu den jeweiligen Beratern. Die Experten werden Dankbar für die Anregungen der anderen sein.