Freiwillig Beiträge Ausbildungszeiten:Was sind Optimierungsberechnungen?

von
Student

Hallo liebe Rentenexperten,

in den rechtlichen Arbeitsanweisungen zu § 207 SGB VI (Nachzahlung freiwillige Beiträge für Ausbildungszeiten) steht, dass die Rentenversicherung "keine Optimierungsberechnungen" durchführen darf, jedoch wird ein Rat erteilt, "der möglichst nahe an die günstigste Verwendung nachgezahlter Beiträge herankommt".

Was ist eine Optimierungsberechnung? Und was unterscheidet diese genau von einem Rat zur günstigsten Verwendung? Es müsse je beträchtliche Unterschiede sein, wenn bei dem Rat die Pflicht zur Erteilung besteht und die Optimierungsberechnung verboten ist....

von
W*lfgang

Hallo Student,

Optimierungsberechnungen würden sicher papiermäßig bis zum Mond reichen. Variablen:
1 bis alle Monate,
Mindest- bis Centweise Steigerung auf den Höchstbetrag,
Prognose des 'Restversicherungslebens' von null rentenrechtlichen Zeiten bis Beitragsbemessungsgrenze,
erwarteter Rentenbeginn von morgen (EM), Abschläge, bis auch nach Regelaltersgrenze mit Zuschlägen ...

da ließe sich noch einiges finden ...welche Optionen hätten Sie gerne/was trifft mal ein?

Daher erhalten Sie eine lebensnahe Prognose - was kann unter 'normalem' weiteren Versicherungsverlauf erwartet werden, welche Wartezeiten sind interessant, ungekürzte Rente, ggf. Mindest-, Mittel-, Höchstbeitrag – dann ist aber auch schon Schluss mit lustig, max. 1 Std. Beratungszeit :-)

Gruß
w.
PS: ich meine nicht den Erdtrabanten ;-)

von Experte/in Experten-Antwort

Der § 207 SGB VI eröffnet die Option, freiwillige Beiträge für Zeiten einer schulischen Ausbildung, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden, bis zum vollendeten 45. Lebensjahr zu entrichten. Im Rahmen der Beratungspflicht besteht die Möglichkeit, sich eine fiktive Berechnung erstellen zu lassen. Im persönlichen Gespräch kann man abklären, welche Auswirkungen die Nachzahlung einerseits auf die Rentenhöhe, andererseits eventuell auf den Rentenbeginn haben kann. Aufgrund der vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten (Beitragshöhe, Anzahl der nachgezahlten Beitragsmonate) wird dies nur im Rahmen der Beratungspflicht erfolgen, eine Optimierungsrechnung ist aufgrund der Komplexität nicht vorgesehen.

von
Anderer Student

Hi,

zu diesem Thema habe ich ähnliche Fragen.
Ich war bis zum 01. September 2015 immatrikuliert, habe es jedoch versäumt mich arbeitssuchend ohne Bezüge zu melden. Ich bin 29 Jahre. Nun habe ich eine Lücke von 6 Monaten. Habe mir auf der Internetpräsenz der Rentenversicherung Anträge auf freiwillige Beitragszahlungen heruntergeladen. Diese sind ja nur rückwirkend bis zum 1. März 2016 nachzahlbar.

Nun meine Frage: Macht es überhaupt Sinn, dort etwas nach zu zahlen(Anrechnung,spätere Rentenhöhe, etc.), oder handelt es sich nachher um 2-3 Euro höhere Rente?

Der Telefonservice meinte, da ich unter die 35 Beitragsjahre fallen würde, wären es 2-3 Euro Auswirkungen in der Rentenhöhe . Für die 45 Beitragsjahre wäre dies schon anders.

Eine weitere Frage wäre: Könnte mir einer hier genau beschreiben, was man unter Anrechungs-, Beitrags- und Wartezeit versteht?

Beitragszeit ist mir verständlich, das sind die Jahre, wo man sozialversicherungspflichtig in die Rentenkasse eingezahlt hat

Wäre für eine schnelle Beantwortung dankbar.

von
W*lfgang

Hallo Anderer Student,

mit einem Vollzeitstudium kommen Sie nie auf 45 Jahre Wartezeit (demzufolge eine Altersrente ohne Abschlag ab 65 möglich wäre), der Sinn freiwilliger Beiträge dafür entfällt.

Bei der Wartezeit von 35 Jahren (erforderlich, um schon mit 63 Altersrente mit 14,4 % Abschlag zu erhalten) zählen alle Arten von Versicherungszeiten, auch das Studium. Insofern dürften diese zusätzlichen 6 Monate auch hier ohne Bedeutung sein.

Für Erwerbsminderungsrenten: sinnlos.

Die Meldung als Arbeitsuchender hätte auch null Effekt gehabt. Keine direkte Rentensteigerung damit, möglicherweise nicht mal als Anrechnungszeit anrechenbar.

Und in der Tat würden Sie bei Wahl des Mindestbeitrags (84,15 EUR mtl.), keine 2,50 EUR Rentenzuwachs haben - vor Abschlag, vor KV/PV, vor Steuern ;-) *)

Fragen zu Begriffen, Broschüre:
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/03_broschueren_und_mehr/01_broschueren/01_national/von_altersgrenze_bis_zeitrente_rentenlexikon.html

oder Online:
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/01_kontakt_und_beratung/02_beratung/05_lexikon_node.html

Nehmen Sie sich ein paar Nächte Zeit ;-)

PS: Zeit ...der Antrag auf freiwillige Versicherung muss bis zum 31.03. gestellt werden. Dazu reicht bereits eine Terminvereinbarung bei der DRV oder im Rathaus/Versicherungsamt aus, auch wenn man für Sie erst im Sommer wieder Zeit hat - Frist ist auf jeden Fall eingehalten, wann die Beitragszahlung tatsächlich dann erfolgt, ist ziemlich wurscht.

*) möglicher finanzieller Sinn, Sie wählen die Höchstbeiträge, 11xx,00 pro Monat. Senken damit evtl. Ihre Steuerlast in diesem Jahr. Gleichzeitig erhöhen Sie damit den Durchschnittswert (Gesamtleistungswert) Ihrer Rentenzeiten – wenn er denn von Nutzen sein kann.

Tipp: Sie machen doch mal einen Beratungstermin, wenn Sie nicht gerade Sozialversicherungsrecht studiert haben :-)

Gruß
w.

von Experte/in Experten-Antwort

Den Ausführungen von W*lfgang schließe ich mich an. Vielleicht kurz etwas zu den Begrifflichkeiten: Wartezeitmonate sind Kalendermonate, die für den Rentenbeginn ausschlaggebend sind (Vorversicherungszeiten). Je nach Rentenart werden hier unterschiedliche rentenrechtliche Zeiten herangezogen und auch die Gesamtzahl der jeweiligen Monate für die unterschiedlichen Wartezeiten variiert. Beitragszeiten sind Monate, wo entweder freiwillige Beiträge entrichtet werden oder Pflichtbeiträge entstehen (z.B. aufgrund einer versicherungspflichtigen Beschäftigung). Anrechnungszeiten gehören zu den beitragsfreien Zeiten und werden auf bestimmte Rentenarten „angerechnet“. Ob sie sich auch direkt Renten steigernd auswirken, hängt von der jeweiligen Anrechnungszeit ab. Nutzen Sie die kostenlose Möglichkeit eines persönlichen Gespräches in einer der Auskunfts- und Beratungsstellen.