Führt Verzicht auf EMR für 24 Monate zu vollem Zugangsfaktor bei AR

von
Joachim

Hallo,
hier war schon öfter die Rede vom Bestandsschutz beim Übergang von EMR in Altersrente und dass dieser bei einer Lücke von mehr als 24 Monaten zwischen EMR und Altersrente entfällt. Damit entfällt auch die Kürzung der Rentenpunkte wegen des EMR-Bezugs und die Altersrente berechnet sich komplett mit dem neuen dann evtl. ungekürzten Zugangsfaktor. Hier nun meine Frage:
Könnte man 24 Monate vor einer abschlagsfrei zustehenden Rente auf die bereits bewilligte und laufend gezahlte EMR verzichten um dann ohne Minderung in die Altersrente zu gehen? Hat also der Verzicht auf eine ansonsten zustehende und auch schon bezogene Rente die gleiche rechtliche Wirkung wie z.B. eine Nichtbeantragung der Verlängerung der EMR oder Wegfall der EMR wegen Arbeitsaufnahme?

von
???

Die Frage ist hier wohl eher, ob sich der Verzicht lohnen würde. Bei einem Verzicht haben Sie nämlich keinen Anspruch auf andere Sozialleistungen, Sie müssten vom Erspartem leben.

Wenn man jetzt einfach mal (stark vereinfacht) rechnet:

1000 € Rente werden 2 Jahre nicht bezogen = 24000 € Verlust
Abschlag 10,8 % entfallen -> "volle" Rente von 1121 €, also monatlich 121 € mehr (ganz schön).
Der Verlust gleicht sich aber erst nach über 16 Jahren aus! Wenn man z.B. mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen kann, muss man über 79 Jahre alt werden.

von
Fortitude one

Hallo,

finden Sie sich einfach damit ab. Die Rente egal welcher Art ist kein Wunschkonzert. User "???" hat es sehr gut anhand eines kleinen Beispiel dargestellt.

Beste Grüße und bestmögliche Gesundheit.

Experten-Antwort

Hallo User Joachim,

ein Verzicht auf die EM-Rente ist nicht möglich, wenn Sie unbefristet bewilligt ist (bis zur Regelaltersgrenze) und auch gezahlt wird, wenn dadurch ein anderer Sozialleistungsträger in die Zahlungspflicht käme. Wie User „???“ bereits ausgeführt hat, müssten Sie von Ihrem Erspartem leben und auch ggfs. die Krankenkassenbeiträge selbst in dieser Zeit bezahlen.
Auch wenn Sie eine Arbeit aufnehmen, ist nicht garantiert, dass Ihnen aus medizinischen Gründen die EM-Rente entzogen wird. Sollte es, trotz Beschäftigung, weiterhin zum Rentenbezug kommen, dann ist ein Verzicht, aus oben genannten Gründen, nicht möglich.
Wenn Sie die Weitergewährung nicht beantragen wollen und dann mindestens 24 Kalendermonate warten, bevor Sie ihre Altersrente beantragen, dann kommt es zu einem anderen Zugangsfaktor.
Jedoch sollten Sie den Gedanken des Users „???“ bedenken, ob sich der Verzicht wirklich rentiert und wann hat sich der Verzicht wieder amortisiert.

von
W*lfgang

Zitiert von: Joachim
Könnte man 24 Monate vor einer abschlagsfrei zustehenden Rente auf die bereits bewilligte und laufend gezahlte EMR verzichten

Ergänzend zu den Vorbeiträgen:

Der bloße 'Verzicht' auf die EM-Rente kommt nicht dem Wegfall (!) eines/dieses Rentenanspruchs gleich, um in den 'Genuss' einer neuen persönlichen Entgeltpunkte-Berechnung (ohne Abschlag) zu kommen.

Gruß
w.

von
Joachim

Hallo Wolfgang,
vielen Dank, das war eigentlich der Kern meiner Frage. Warum ist das so? Gibt es dazu eine Rechtsgrundlage?

von
Upsala

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?f=SGB1_46R2

"Der Verzicht auf die Rente bezieht sich nur auf die Einzelansprüche, das heißt den Anspruch auf Auszahlung der laufend wiederkehrenden monatlichen Rentenzahlung. Das Rentenstammrecht, das heißt das Recht auf Rente dem Grunde nach ist dagegen unverzichtbar. "

Sie können folglich nur auf die Zahlung der Rente verzichten, nicht aber auf das Rentenstammrecht.

Die Rente läuft damit formal weiter - wird nur nicht ausgezahlt.