Große Witwenrente und Einkommensanrechnung

von
Hess

Ich bin 67 Jahre. Kriege Altersrente und eine geringfügige Beschäftigung (bis 450€).
Habe Bescheid für große Witwenrente gekriegt, dass auf meine Altersrente der Minijob 450,00€ angerechnet wird.
Meine Frage ist: ich verdiene nicht jeden Monat 450,00€ dazu, jeden Monat unterschiedlich. Muss ich jeden Monat das Einkommensnachweiss der Rentenversicherung schicken oder wird das einmal im Jahr überprüft? Danke für Antwort

von
W*lfgang

Hallo Hess,

Stichtag ist immer der 01.07. Hier wird das aktuelle Einkommen mit dem Durchschnittswert des Vorjahreseinkommen verglichen. Dafür müssen Sie nichts weiter machen, das geht automatisch.

Ist das aktuelle Einkommen allerdings um mehr als 10 % geringer/auf Dauer, als das zuletzt maßgebende Einkommen, sollten Sie sofort einen Neuberechnungsantrag stellen.

Frage: Ihr Minijob ist sicher versicherungsfrei. Damit werden die 450 EUR voll als Einkommen bei der Witwenrente gezählt. Verzichten Sie daher sofort auf die Versicherungsfreiheit (Mitteilung an Arbeitgeber) und künftig werden nicht mehr die vollen 450 EUR, sondern nur noch 270 EUR als Einkommen bei der Witwenrente berücksichtigt.

Die Versicherungspflicht im Minijob kostet Sie gerade mal 16,65 EUR, dafür ist die Witwenrente deutlich höher. Natürlich erwerben Sie damit auch weitere eigene Rentenansprüche, was bei jeweils zum 01.07. steigender eigener Altersrente hintenrum zu (kleinen!) Kürzungen bei der Witwenrente führt. ABER: unterm Strich fahren Sie mit dieser Lösung am Besten.

Ihre nächste Beratungsstelle wird Ihnen das noch mal im Detail erläutern können.

Gruß
w.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Hess,

den Ausführungen von W*lfgang schließe ich mich grundsätzlich an. Sie müssen nicht jeden Monat einen Einkommensnachweis einsenden. Da Ihre Altersrente ebenfalls auf die große Witwenrente angerechnet wird, sollten Sie sich auf jeden Fall, bevor Sie sich für den Verzicht auf die Versicherungsfreiheit entscheiden, an Ihren zuständigen Rentenversicherungsträger beziehungsweise an eine Beratungsstelle wenden.

von
Hess

Vielen Dank für Eure Antwort. Habe noch eine Frage: Mein Minijob ist versicherungsfrei. Habe diesen Monat 350,00€ bekommen, angenommen nächsten Monat bekomme 200,00. Rechnet Rentenversicherung trotzdem immer 450,00€? Eigentlich sind das schon um 10% geringer als das letzte Einkommen, dann könnte ich Neuberechnungsantrag jeden Monat stellen? Verstehe ich das richtig?

von
Hess

Vielen Dank für Eure Antwort. Habe noch eine Frage: Mein Minijob ist versicherungsfrei. Habe diesen Monat 350,00€ bekommen, angenommen nächsten Monat bekomme 200,00. Rechnet Rentenversicherung trotzdem immer 450,00€? Eigentlich sind das schon um 10% geringer als das letzte Einkommen, dann könnte ich Neuberechnungsantrag jeden Monat stellen? Verstehe ich das richtig?

von
egal (der Erste)

Das Einkommen müsste voraussichtlich dauerhaft um mindestens 10 % geringer sein. Inwiefern das dann der Fall ist, wenn es jeden Monat unterschiedlich hoch ist und dann zwischendurch vielleicht doch mal wieder 450 EUR beträgt, ist nicht so einfach zu beurteilen. Das Beste wäre, für einen gewissen Zeitraum konstant mindestens 10 % weniger zu bekommen.
Da Sie bereits 67 Jahre alt sind, haben Sie die Regelaltersgrenze bereits erreicht, somit dürfte ein Verzicht auf die Versicherungsfreiheit für Sie gar nicht mehr möglich sein...

von
egal (der Erste)

War grad ein wenig voreilig und pauschal von mir bezüglich des Verzichts auf die Versicherungsfreiheit.
Sie können nur dann nicht auf die Versicherungsfreiheit verzichten, wenn die geringfügige Beschäftigung bereits vor Beginn Ihrer Altersrente bestand UND Sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen haben.

von
Hess

Zitiert von: egal (der Erste)
War grad ein wenig voreilig und pauschal von mir bezüglich des Verzichts auf die Versicherungsfreiheit.
Sie können nur dann nicht auf die Versicherungsfreiheit verzichten, wenn die geringfügige Beschäftigung bereits vor Beginn Ihrer Altersrente bestand UND Sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen haben.

Das habe ich gefunden:
Was gilt für Altersvollrentner NACH Erreichen der Regelaltersgrenze, die ab 1.1.17 einen Minijob aufnehmen?

Nimmt ein Altersvollrentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze ab 1. Januar 2017 einen neuen Minijob auf, ist er mit Ablauf des Monats, in dem er seine Regelaltersgrenze erreicht hat, rentenversicherungsfrei.

Um gleiche Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen, zahlen Arbeitgeber auch für Altersvollrentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze ihren Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung. Dieser Beitrag wirkt sich allerdings nicht rentensteigernd aus.

Neu: Ab 1. Januar 2017 kann ein Altersvollrentner, der seine Regelaltersgrenze erreicht hat, in seinem Minijob auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten und eigene Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. So wird der Rentenbeitrag des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers rentensteigernd berücksichtigt. Die Altersvollrente erhöht sich dadurch zusätzlich zur jährlichen Rentenanpassung zum 1. Juli des Folgejahres um die neu erworbenen Entgeltpunkte aus dem Minijob.

Hinweis: Ohne Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit erwirbt der Altersvollrentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze keine weiteren Entgeltpunkte aus seinem Minijob. Die Höhe der Altersvollrente ändert sich dann -abgesehen von der Rate der Rentenanpassung- nicht mehr. Hat der Altersvollrentner in dem bestehenden Minijob auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung verzichtet, bleibt die Rentenversicherungspflicht für die gesamte Dauer des Minijobs bestehen. Ein nochmaliger Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit nach Erreichen der Regelaltersgrenze ist nicht möglich.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Hess,

eine Minderung des Einkommens kann vom Zeitpunkt der Änderung an berücksichtigt werden, wenn das laufende Einkommen im Durchschnitt voraussichtlich um mindestens 10 % geringer ist als das bisher (zuletzt) berücksichtigte Einkommen.

Hierbei ist eine vorausschauende Beurteilung vorzunehmen. Zu vergleichen ist das bisher berücksichtigte Gesamteinkommen - also Ihre eigene Altersrente und das Arbeitsentgelt aus der geringfügigen versicherungsfreien Beschäftigung - mit dem laufend erzielten Gesamteinkommen. Nachdem die Einnahmen aus der geringfügigen Beschäftigung Monat für Monat unterschiedlich hoch sind (schwankendes Einkommen), ist ein Durchschnitt aus drei aufeinander folgenden Kalendermonaten zu bilden. Dieser Durchschnittsbetrag muss zusammen mit Ihrer Altersrente mindestens 10 % niedriger sein, als das bisher berücksichtigte Gesamteinkommen. Nur dann wird eine neue Einkommensanrechnung (abweichend von der jährlichen Berechnung zum 1. Juli) durchgeführt.

In welcher Höhe das Gesamteinkommen (Altersrente und Arbeitsentgelt) bei Ihrer Witwenrente bisher berücksichtigt wurde, können Sie aus Ihrem Witwenrentenbescheid ersehen ("Zusammentreffen von Rente und Einkommen").

Hierzu noch ein Beispiel:

Bisher berücksichtigtes monatliches Einkommen:
Arbeitsentgelt aus einem versicherungsfreien Minijob 450,00 Euro
Altersrente (1000,00 Euro ./. 14 % Pauschalabzug) 860,00 Euro

= Gesamteinkommen 1310,00 Euro

Das laufende Einkommen beträgt:
Arbeitsentgelt aus einem versicherungsfreien
Minijob
August 350,00 Euro
September 300,00 Euro
Oktober 200,00 Euro
Durchschnitt aus diesen 3 Monaten (850,00 Euro : 3 ) 283,33 Euro
Altersrente (1000,00 Euro ./. 14 % Pauschalabzug) 860,00 Euro

= Gesamteinkommen 1143,33 Euro

Das neue Gesamteinkommen in Höhe von 1143,33 Euro ist um mindestens 10 % geringer als das bisher berücksichtigte Gesamteinkommen (1310,00 Euro - 10 % = 1179,00 Euro) und kann daher ab August berücksichtigt werden, sofern entsprechende Nachweise vorgelegt werden.

von
Hess

[quote=284478]Hallo Hess,

Ihr Minijob ist sicher versicherungsfrei. Damit werden die 450 EUR voll als Einkommen bei der Witwenrente gezählt. Verzichten Sie daher sofort auf die Versicherungsfreiheit (Mitteilung an Arbeitgeber) und künftig werden nicht mehr die vollen 450 EUR, sondern nur noch 270 EUR als Einkommen bei der Witwenrente berücksichtigt.

Habe eine Frage: Wenn ich auf Versicherungsfreiheit verzichte,
wie wird dann Minijob angerechnet? Wieso wird dann nur 270,00 EUR statt 450,00 EUR als Einkommen gerechnet? Es werden doch dann nur 3,7% RV von 450,00 EUR abgezogen.

Danke für Antworten

von
Genervter

Zitiert von: Hess
[quote=284478]Hallo Hess,

Ihr Minijob ist sicher versicherungsfrei. Damit werden die 450 EUR voll als Einkommen bei der Witwenrente gezählt. Verzichten Sie daher sofort auf die Versicherungsfreiheit (Mitteilung an Arbeitgeber) und künftig werden nicht mehr die vollen 450 EUR, sondern nur noch 270 EUR als Einkommen bei der Witwenrente berücksichtigt.

Habe eine Frage: Wenn ich auf Versicherungsfreiheit verzichte,
wie wird dann Minijob angerechnet? Wieso wird dann nur 270,00 EUR statt 450,00 EUR als Einkommen gerechnet? Es werden doch dann nur 3,7% RV von 450,00 EUR abgezogen.

Danke für Antworten

Was hat das denn mit Ihrer Ausgangsfrage zu tun?
Sie sollten nicht innerhalb eines Threads ständig neue Fragen stellen, da auch Experten nicht ständig schon beantwortete Threads neu lesen!
Eröffnen Sie besser einen Thread mit einem neuen Thema!

von
egal (der Erste)

Auf die tatsächlichen Abzüge kommt es bei der Einkommensanrechnung nicht an. Verzichten Sie auf die Versicherungsfreiheit, wird die Beschäftigung wie jede andere "normale" versicherungspflichtige Beschäftigung behandelt. D. h., es werden zunächst pauschal 40 % vom Bruttoentgelt angezogen und das so ermittelte pauschale Nettoentgelt wird für die Einkommensanrechnung zugrunde gelegt (450 EUR - 40% = 270 EUR). Genau deshalb lohnt es sich ja ganz besonders in dieser Konstellation.

von Experte Experten-Antwort

Hallo Hess,

ob Sie - wie W*lfgang geschrieben hat - auf die Versicherungsfreiheit in Ihrer geringfügigen Beschäftigung verzichten können, hängt davon ob, wie Ihr Fall gestaltet ist:

- Wenn Sie die geringfügige Beschäftigung bereits vor dem 1.1.2013 aufgenommen haben, dann sind Sie in dieser Beschäftigung Kraft Gesetzes versicherungsfrei. Auf diese Versicherungsfreiheit können Sie auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze verzichten.

- Falls die Beschäftigung ab dem 1.1.2013 aufgenommen wurde, dann ist sie Kraft Gesetzes versicherungspflichtig. Versicherungspflicht besteht nur dann nicht, wenn Sie auf Antrag von der Versicherungspflicht befreit wurden. Ist dies der Fall, dann können Sie nach Erreichen der Regelaltersgrenze nicht wieder versicherungspflichtig werden, d. h. der seit dem 1.1.2017 mögliche Verzicht auf die Versicherungsfreiheit wegen Bezug einer Altersvollrente nach Erreichen der Regelaltersgrenze ist nicht möglich.

von
Hess

Hallo,
verstehe nicht so richtig. Ich kriege seit 2016 Altersrente, ab 08/2017 habe ich Minijob aufgenommen. Die beiden Monate waren versicherungsfrei. Heisst es für mich, dass ich kein Recht habe auf Verzicht der Versicherungsfreiheit?
Danke

von
Hess

Hallo,
verstehe nicht so richtig. Ich kriege seit 2016 Altersrente, ab 08/2017 habe ich Minijob aufgenommen. Die beiden Monate waren versicherungsfrei. Heisst es für mich, dass ich kein Recht habe auf Verzicht der Versicherungsfreiheit?
Danke

von Experte Experten-Antwort

Hallo Hess,

Sie können in Ihrem Fall auf die Versicherungsfreiheit verzichten.

Da die Beschäftigung ab dem 1.1.2013 aufgenommen wurde, ist sie zwar grundsätzlich versicherungspflichtig. Wegen des Bezugs einer Vollrente wegen Alters ab Erreichen der Regelaltersgrenze besteht aber Versicherungsfreiheit. Hierauf können Sie für die Zukunft verzichten.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 02.10.2017, 15:15 Uhr]