Hinzuverdienst zu Renten und Witwenrente

von
Jog

Hallo,

habe schon fleißig gegoogelt, steige da aber leider nicht durch, deswegen frage ich nun hier.
Ich bekomme eine Rente von 402,94 € und die Große Witwenrente von 933,41 €. Meine Frage ist nun bis zu welchen Betrag ich was im 450 €-Job hinzuverdienen darf?

Danke
jog

Experten-Antwort

Hallo Jog,
das Thema ist recht umfassend und in schriftlicher Form gar nicht so einfach darstellbar. Ich versuch das trotzdem mal, weise ergänzend aber auch auf die Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung hin. Im Gespräch ist das etwas einfacher zu erläutern.

Wichtig zu wissen: -> 2 (!!) Betrachtungen (..aus Sicht der eigenen Altersrente und ..aus Sicht der Witwenrente)

1) ..aus Sicht der eigenen Altersrente
Aus Sicht der eigenen Altersrente dürfen Sie 6300 Euro/Kalenderjahr nebenher verdienen. Demnach 450/Monat * 12 Monat = 5400 Euro -> unproblematisch. Sollten Sie bereits Ihr persönliches Regelrentenalter (65+) erreicht haben, dann ist aus Sicht der eigenen Altersrente ein Hinzuverdienst unbegrenzt möglich. Also auch dann unproblematisch. Die Witwenrente zählt nicht als Verdienst bei eigenen Altersrentenbezug.

2) ..aus Sicht der Hinterbliebenenrente (Witwenrente)
Bei einer Hinterbliebenenrente wird eigenes Einkommen des überlebenden Ehegatten angerechnet. Hierbei werden die Einkommen pauschal, um gesetzlich vorgegebene Prozentsätze gekürzt (nettoisiert). Wenn die Summe der Einkünfte den Freibetrag (dieser liegt aktuell bei 845,59 Euro für das erste Halbjahr 2019) übersteigt, dann kommt es zu einer Kürzung der Hinterbliebenenrente. Die Kürzung erfolgt ggf. in Höhe von 40%, des den Freibetrag übersteigenden Einkommens.
Soweit die Theorie.
Praktisch haben sie (Minijob mal ausgeblendet) bereits ein Einkommen, welches für die Hinterbliebenenrente bedeutsam ist. Nämlich die eigene Altersrente. Diese liegt bei (gerundet) 400 Euro (ich unterstelle mal, dass es sich hier um eine Bruttorente handelt). Je nach Beginn Ihrer eigenen Altersrente wäre diese pauschal um 13% bzw. 14% zu kürzen (Nettoisierung -> 13% Abzug bei Rentenbeginn vor 2011, 14% Abzug bei Rentenbeginn ab 2011).
Somit würde von Ihrer eigenen Altersrente ein Betrag von 344 Euro verbleiben (400 abzgl. 14%, bei Rentenbeginn vor 2011 blieben bei 13% Pauschalkürzung 348 Euro).
Jetzt kommt der Minijob mit 450 Euro. Auch hier gibt es pauschale Kürzungssätze zur Nettoisierung. Beim Minijob, für den der Arbeitnehmer KEINE eigenen Beitragsanteile zahlt, findet keine Pauschalkürzung statt (Brutto=Netto). Beim Minijob mit Beitragsanteil des Arbeitnehmers wird der Minijobhinzuverdienst pauschal um 40% gekürzt. Also Minijob voll mit 450 Euro relevant, ggf. nach 40% Reduzierung i.H.v. 240 Euro relevant.
Fazit: In allen Fallgestaltungen (Rente um 13 oder 14% gekürzt, Minijob mit oder ohne Beitragsanteil des Arbeitnehmers) werden ihre Einkommen zusammen (eigene RT und Minijob) nicht den Freibetrag von rund 845 Euro übersteigen.
Nur wenn dieser Freibetrag überschritten wird erfolgt eine Kürzung der Witwenrente (40% des übersteigenden Betrages). Hab´ ich z.B. 945 Euro Einkommen, also 100 Euro über dem Freibetrag, dann werden 40% dieser 100 Euro (also 40 Euro) bei meiner Hinterbliebenenrente gekürzt.

von
senf-dazu

Lob für den/die Experten des Tages!

Mit der guten Beschreibung haben Sie glatt Ihre einleitenden Worte widerlegt und dann noch sehr zeitnah geantwortet.
Respekt!

Experten-Antwort

Vielen lieben Dank für die lobenden Worte.
Wir geben unser Bestes und Dank breiter und zumeist großartiger Unterstützung, sowohl von den Experten wie auch von Besuchern, Gästen und anderen Teilnehmern am Forum, klappt das oftmals ziemlich gut.
Daher will ich den Dank auch gerne an alle Unterstützer*innen hier auf der Plattform weitergeben.

von
W°lfgang

Zitiert von: senf-dazu
Lob für den/die Experten des Tages!

N'abend zusammen,

auch meine/unmaßgebliche Meinung! ;-)

Die Beiträge sind 'erste Sahne' ...nicht nur der hier oftmals grob rudimentären Experten-Klotz auf kleine Stifte/diffuse Randfragen, sondern im Speziellen detailliert - und vor allen Dingen "auf den/die Fragegsteller/in auch 'menschlich' eingehend" - so geht 'Bürokratie/Rechtsanwendung/-auslegung' + verständliche Darstellung!

Gruß
w.
PS: der 'Aufwand' dafür ist ein wenig höher/Respekt auch dafür!!! - rechnet sich aber (in Summe = Entlastung für alle potentiell Beteiligten), da die Kund*innen nicht hier und da erneut nachfragen müssen, bis sie es im 3. Anlauf endlich verstanden haben ...die DRV tut damit auch etwas für Ihre CO2-Bilanz – einmal hinfahren/alternativ online mit Öko-Strom nachfragen reicht *g