Hinzuverdienstdeckel bei besonders langjährig Versicherten

von
Mave

Der Hinzuverdienstdeckel wird nach § 34 SGB definiert: Als Hinzuverdienst ist der voraussichtliche kalenderjährliche Hinzuverdienst zu berücksichtigen.
Der Hinzuverdienstdeckel entspricht der mtl. Bezugsgröße (2019 = 3.115,--) multipliziert mit der höchsten Anzahl der Entgeltpunkte in den letzten 15 Jahren vor Rentenbeginn.
Der Hinzuverdienstdeckel wird dann gegen die geminderte Flexirente + Hinzuverdienst gerechnet.
Frage: Wenn der Hinzuverdienst z. B. im Zeitraum 01.06.19 - 31.12.2019 z. B. € 20.000,-- beträgt und im Zeitraum 01.01.2020 bis 31.05.2020 kein weiterer Zuverdienst erfolgt; wird dann der Hinzuverdienstdeckel berechnet indem man den Hinzuverdienst des Kalenderjahres 01.06.19 - 31.05.2020 durch 12 Monate teilt oder nur durch 6 Monate (in denen tatsächlich Zuverdienst erfolgte).

Experten-Antwort

Hallo Mave,
die Hinzuverdienstregelungen werden immer kalenderjährlich (= 01.01.-31.12.) betrachtet. Beginnt (oder endet) die Rente unterjährig oder wird Hinzuverdienst erst im Laufe des Kalenderjahres erzielt, so wird der Hinzuverdienst für diesen Zeitraum berücksichtigt.
In Ihrem Fall wird Hinzuverdienst im Jahr 2019 vom 01.06.2019 bis 31.12.2019 (20.000,- Euro) erzielt.
Dieser Hinzuverdienst wird im ersten Schritt der (kalenderjährlichen) Hinzuverdienstgrenze und im zweiten Schritt dem Hinzuverdienstdeckel für das Kalenderjahr 2019 gegenübergestellt.
Wird ab 01.01.2020 kein Hinzuverdienst mehr erzielt, so wird die Rente ab diesem Zeitpunkt auf Antrag in voller Höhe ausgezahlt. Damit die Änderung rechtzeitig zum 01.01.2020 berücksichtigt werden kann, ist der Antrag bis spätestens Ende 2019 zu stellen.

von
Mave

Danke.
Der Hinzuverdienstdeckel wird also berechnet indem der Hinzuverdienst (20.000,--) durch 6 Monate geteilt wird ?

Experten-Antwort

Hallo Mave,

im ersten Schritt wird die Hinzuverdienstgrenze von 6.300,- Euro geprüft. Bei einem Hinzuverdienst von 20.000,- Euro wird die Hinzuverdienstgrenze von 6.300,- Euro um 13.700,- Euro überschritten. Ein Zwölftel davon ist 1.141,67 Euro. Von diesem Betrag werden 40 % = 456,67 Euro von der Rente abgezogen.
Im zweiten Schritt wird durch den Hinzuverdienstdeckel geprüft, dass kein höheres Einkommen als vor dem Rentenbezug erzielt wird. Dabei darf die monatliche Teilrente zusammen mit einem Zwölftel des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes den Hinzuverdienstdeckel nicht überschreiten. Somit wird ein Zwölftel des Hinzuverdienstes von 20.000,- Euro = 1666,67 Euro zuzüglich der Rente nach Abzug des anzurechnenden Hinzuverdienstes (vgl. Schritt 1) dem Hinzuverdienstdeckel gegenübergestellt. Der den Deckel übersteigende Hinzuverdienst wird vollständig von der Rente abgezogen.

von
Mave

Danke für die Anwort.
Es wird also beim Hinzuverdienstdeckel immer auf ein Kalenderjahr abgestellt indem ein Zwölftel des Hinzuverdienstes von 20.000,- Euro = 1666,67 Euro zuzüglich der durch den Hinzuverdienst bereits anteilig reduzierten Rente dem Hinzuverdienstdeckel gegenübergestellt wird. Der vom 01.06.2019 - 31.12.2019 erzielte Hinzuverdienst wird dabei somit durch 12 (Monate) geteilt ?
Ab 01.01.2020 beginnt dann die Regelaltersrente ohne Anrechnung von Hinzuverdienst sodass sich bei der Spitzenabrechnung zum 01.07.2020 keine Änderungen durch weiteren Hinzuverdienst ergeben können.

von
Mave

?

Experten-Antwort

Hallo Mave,

der Hinzuverdienst pro Jahr (egal in wie vielen Monaten er erzielt wird) wird immer der kalenderjährlichen Hinzuverdienstgrenze von 6.300,00 Euro gegenübergestellt. Damit kann zum Beispiel bei einem Rentenbeginn zum 1.9. eines Jahres im Ergebnis monatlich mehr verdient werden, als im Jahr darauf. Im Ergebnis wird somit auch für ein Jahr, in dem nur zeitweise hinzuverdient wurde, unterstellt, dass der Verdienst im ganzen Kalenderjahr erzielt wird, weil sonst auch die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6300,00 Euro in Teiljahren mit Hinzuverdienst entsprechend vermindert werden müsste.

Der Hinzuverdienstdeckel dagegen ist ein monatlicher Wert, da er mit der gekürzten Monatsrente, die durch das Überschreiten der Grenze von 6300 Euro errechnet wurde, zu vergleichen ist.

Nochmal ein Beispiel mit dem von Ihnen gewählten Verdienst in Höhe von 20.000 Euro:
Monatsbetrag der Altersvollrente: 1.200,00 Euro
Kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze: 6.300,00 Euro
Kalenderjährlicher Hinzuverdienst: 20.000,00 Euro (egal, in wie vielen Monaten des Kalenderjahres erzielt)
angenommener monatlicher Hinzuverdienstdeckel: 2.300,00 Euro
Lösung:
1. Schritt:
Mit dem kalenderjährlichen Hinzuverdienst in Höhe von 20.000,00 Euro wird die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300,00 Euro um 13.700,00 Euro überschritten.
Ein Zwölftel von 13.700,00 Euro ist 1.141,67 Euro. Von diesem Betrag werden 40 % (also 456,67 Euro) von der Monatsrente abgezogen. Nach Abzug dieses Betrags beträgt die monatliche Rente 743,33 Euro.
2. Schritt:
Die gekürzte Rente (743,33 Euro) und ein Zwölftel des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes (1666,67 Euro) betragen zusammen 2.410,00 Euro. Dieser Betrag überschreitet den Hinzuverdienstdeckel von 2.300,00 Euro um 110,00 Euro.
Der den Hinzuverdienstdeckel überschreitende Betrag (110,00 Euro) ist von der gekürzten Rente (743,33 Euro) zusätzlich abzuziehen. Aufgrund des Hinzuverdienstes besteht Anspruch auf Teilrente in Höhe von monatlich 633,33 Euro.

Wenn nun am 1.1.2020 die Regelaltersrente beginnt, kann ab diesem Zeitpunkt unbegrenzt und insoweit ohne Auswirkungen auf die Rentenhöhe hinzuverdient werden. Bei der Spitzabrechnung zum 1.7.2020 wird lediglich das Einkommen von 2019 überprüft (nachgewiesenes Einkommen anstelle von prognostiziertem Einkommen). Dabei können sich sowohl Rentenüberzahlungen (die wir zurückfordern) oder Nachzahlungen ergeben.

von
Mave

1. Schritt:
Der beispielhafte kalenderjährliche Hinzuverdienst in Höhe von 20.000,00 Euro wird erzielt vom 01.06.19 - 31.12.2019. Die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300,00 Euro wird also um 13.700,00 Euro überschritten.
Ein Zwölftel von 13.700,00 Euro ist 1.141,67 Euro. Von diesem Betrag werden 40 % (also 456,67 Euro) von der Monatsrente abgezogen. Nach Abzug dieses Betrags beträgt die monatliche Rente 743,33 Euro.
2. Schritt:
Die gekürzte Rente (743,33 Euro) und
ein Zwölftel (???)
des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes (1666,67 Euro) betragen zusammen 2.410,00 Euro. Dieser Betrag wird gegen den angenommenen Hinzuverdienstdeckel von 2.300,00 Euro gerechnet.
Ab 01.01.2020 beginnt die normale Altersrente.

Wird in der Spitzenabrechnung zum Hinzuverdienstdeckel später durch die DRV weiterhin von einem Zwölftel des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes ausgegangen obwohl der Hinzuverdienst nur in 6 Monaten (01.06. - 31.12.) erzielt worden ist?

Experten-Antwort

Zitiert von: Mave

Wird in der Spitzenabrechnung zum Hinzuverdienstdeckel später durch die DRV weiterhin von einem Zwölftel des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes ausgegangen obwohl der Hinzuverdienst nur in 6 Monaten (01.06. - 31.12.) erzielt worden ist?

Ja, das gilt auch für die Spitzabrechnung.