Kapitalisierungsoption betriebliche Altersvorsorge

von
Herr M.

Mein Arbeitgeber bietet seinen Mitarbeitern einmalig an, die bisher erdiente betriebliche Altersversorgung als Kapital auszahlen zu lassen - er möchte seine Pensionsrückstellungen damit verringern. Ich habe noch etwa 20 Jahre bis zur gesetzlichen Rente. Ich hätte damit natürlich jetzt sofort einen Kapitalzufluss, der mir allerdings über 10 Jahre mit Krankenkassenbeiträgen belastet wird (120stel Regelung) und lohnsteuerpflichtig ist.
Unter welchen Gesichtspunkten ist eine Auszahlung für mich eher förderlich, und unter welchen Umständen würden Sie von der Annahme eines solchen Angebots eher abraten?

von
Jonny

Vielleicht interessiert das hier ja und kommt eventuelle in Betracht:

Nach § 187b SGB VI können Versicherte, die bei Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses
eine Abfindung für eine unverfallbare Anwartschaft auf betriebliche Altersversorgung
erhalten haben, innerhalb eines Jahres nach Zahlung der Abfindung Beiträge zur
Rentenversicherung bis zur Höhe der geleisteten Abfindung zahlen. Der Versicherte erhält für
seine Beitragszahlung keine Pflicht- oder freiwilligen Beiträge, sondern Zuschläge an
Entgeltpunkten für seinen späteren Rentenanspruch gutgeschrieben. Die Höhe der
Beitragszahlung für einen Entgeltpunkt ergibt sich aus dem im Zeitpunkt der Zahlung
maßgeblichen vorläufigen Durchschnittsentgelt sowie dem jeweils geltenden Beitragssatz.
Die Zuschläge an Entgeltpunkten ergeben sich, indem die aus dem Abfindungsbetrag
gezahlten Beiträgen mit dem im Zeitpunkt der Zahlung maßgebenden Umrechnungsfaktor für
die Ermittlung von Entgeltpunkten im Rahmen des Versorgungsausgleichs vervielfältigt
werden (§ 76a Abs. 2 SGB VI).

Experten-Antwort

Abfindungen von Versorgungsanwartschaften sind nicht zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt zu zählen.
Bei den im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung vereinbarten oder zugesagten Leistungen, die bei Eintritt des Versorgungsfalles vom Arbeitgeber selbst (Direktzusage), von einer Institution im Sinne des Betriebsrentenrechts (Unterstützungskasse, Pensionskasse, Pensionsfonds) oder im Rahmen einer Direktversicherung zu gewähren sind, handelt es sich um Versorgungsbezüge im Sinne des Krankenversicherungsrechts (§ 229 SGB V).

Die Eigenschaft der Abfindungszahlung als Versorgungsbezug geht durch eine Auszahlung noch vor Eintritt des vertraglich vereinbarten Versicherungs- bzw. Versorgungsfalles nicht verloren. Dies gilt unabhängig von dem Alter der betreffenden Person zum Zeitpunkt der Auszahlung. Entscheidend für die Zuordnung zu § 229 SGB V ist allein der ursprünglich vereinbarte Versorgungszweck.

Der Ausschluss der Arbeitsentgelteigenschaft gilt nicht nur für die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, sondern auch für die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Eine solche Abfindungszahlung hat aber natürlich den dauerhaften Verlust der Versorgungsanwartschaft zur Folge. Sie werden sicherlich verstehen, dass der Experte der Rentenversicherung natürlich nur von einer solchen Regelung abraten wird. Das gilt umso mehr, wenn Sie im Rahmen der Abfindung auf den zukünftigen Erwerb von Altersversorgungsansprüchen verzichten.

Legen Sie die erhaltene Summe aber nachfolgend so an, dass sie als Altersvermögen genutzt werden kann, mag die vorgeschlagene Abfindungszahlung für Sie lohnenswert sein. Zudem darf der Wechsel des Versorgungssystem nicht mit finanziellen Verlusten verbunden sein. In anderen Rechtsgebieten vergleicht man dazu die voraussichtliche Wertentwicklung.

Zu einer solchen Umwandlung in ein anderes Altersvermögen gehört die vorgeschlagene Ausgleichzahlung. Über die "Rendite" einer solchen Ausgleichzahlung informiert Sie Ihr Rentenversicherungsträger.

von
Herr M.

Haben Sie vielen Dank!