Klage Erwerbsminderungsrente

von
Maybrit Walter

Hallo,
mein Mann ist 57 Jahre alt und leidet an mehreren, schwere Krankheiten. Ein Behinderungsgrad von 60 wurde festgestellt. Nun wurde der Widerspruch auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt. Der nächste Schritt ist eine Klage vor dem Sozialgericht. Wie lange dauert so ein Verfahren. Kann oder sollte man ein oder mehrere Gutachten von Ärzten vorlegen, bei denen mein Mann nicht in Behandlung ist? Ich habe Angst vor der Zukunft. Wenn ich wüsste, wie es weiter geht, wäre das Leben etwas einfacher. Arbeitslosengeld erhält mein Mann bis Anfang 2018. Danach ist alles ungewiss.

von
Joy

Hallo,
ein Klageverfahren dauert in der Regel viele Monate, zum Teil auch Jahre.
So blöd das ist, aber Sie müssen sich da auf einen langen Zeitraum einstellen.
Der Grad der Behinderung spielt nebenbei bemerkt keine Rolle bei der Beurteilung der Erwerbsminderung.
Von der Vorlage von Gutachten würde ich absehen, das Gericht wird alle weiteren Schritte in die Wege leiten.

von
Silvia

Hallo Maybrit Walter

Umgehend die Klage einreichen und nicht unnötige Zeit verstreichen lassen.

Die Sozialgerichte benötigen einiges an Zeit, um den bisher vorliegenden Sachverhalt zunächst zu prüfen und um ggf. auch zusätzliche Fachgutachten noch in Auftrag zu geben.

Sie sollten zur Klageerhebung einen Rechtsbeistand (Fachanwalt für Sozialrecht) hinzuziehen, oder, ein Sozialverband (z.B. VDK, SoVD).
Auch wenn man ohne Anwalt vor dem Sozialgericht selbst seine Klageerhebung durchziehen kann, so ist eine fachliche Unterstützung hilfreich.

Das Sozialgericht wird weitere Gutachten in Auftrag geben, sofern die vorliegenden Gutachten oder die zusätzlich u.U. von den behandelnden Ärzten einzuholenden ärztlichen Befundberichte nicht bereits ausreichen.

Ich würde keine externen Gutachten als Selbstzahler in Auftrag geben, da diese später oft als "Gefälligkeitsgutachten" betitelt werden und sie die Kosten tragen müssen.

Genau beziffern wird man Ihnen die zeitliche Verfahrensdauer nicht können.
Mein eigenes Klageverfahren zog sich über 2 Jahre hin und beinhaltete noch einmal zwei unabhängige vom SG angeordnete Fachgutachten.

Bitte vertrauen Sie darauf, dass das Sozialgericht eine abschließende Klärung im tatsächlichen Sachverhalt beibringen wird.
Auch wenn das Klageverfahren zusätzlichen emotionalen Stress bedeutet, gehen Sie jetzt diesen Weg.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg
Gruß Silvia

von
Taxman

Ja, mein Vorredner hat recht: der gdb hat rein gar nichts mit der em rente zu tun.

Es gibt Leute mit gdb 100, die noch voll arbeiten und em Rentner ohne sba.

vorschlag: eine reha machen. Da kann die Erwerbsfähigkeit besser festgestellt werden

von
Maybrit Walter

Hallo,
vielen Dank für die bisherigen Antworten. Mein Mann hat schon eine Reha hinter sich. Im Entlassungsbericht stand, dass er noch über 6 Std. tätig sein kann. In seinem erlernten Beruf (Handwerker) kann er nicht mehr arbeiten.

von
Nachfragerin

Wann ist er denn geboren, welchen Beruf hat er genau erlernt und in welchem Beruf/in welchen Berufen hat er danach (vor allem zuletzt) gearbeitet?

von
taxman

steht ja im Eext oben: er ist 57 also noch vor dem 02.01.1961 geboren und da gibt es ja die Möglichkeit einer Teilrente wegen Berufsunfähigkeit.

Da er einen SbA hat, kommt ja evtl. auch eine Altersrente für Schwerbehinderte in Frage, mit entsprechenden Abzügen halt.

Wobei, wenn sogar in der Reha herauskam, dass er noch über 6 Stunden arbeiten könne, muss das ja auch seinen Grund haben.

von
Maybrit Walter

Hallo nochmal,
habe mir den Ärztlichen Entlassungsbericht nochmals angesehen. Unter Ziffer 3" Beurteilung des Zeitlichen Umfangs, in dem eine Tätigkeit entsprechendem positiven und negativen Leistungsvermögen ausgeübt werden kann" ist bei unter 3 Stunden ein Kreuz gesetzt.
Was bedeutet das für einen Laien?

von
taxman

so wie es geschrieben ist, dass er weniger als drei Stunden arbeiten kann, also eigentlich das Gegenteil von dem, was angenommen wird.

von
Klara

Zitiert von: Taxman

Ja, mein Vorredner hat recht: der gdb hat rein gar nichts mit der em rente zu tun.

Es gibt Leute mit gdb 100, die noch voll arbeiten und em Rentner ohne sba.

vorschlag: eine reha machen. Da kann die Erwerbsfähigkeit besser festgestellt werden

Nichts für ungut aber solche plumbe Statements von Ihnen sind veraltet. Das ist sonnenklar wenn man einen ab GDB 50 und eventuell mit MZ hat, dann ist das wohl ein Indiz auf gesundheitliche Einschränkung. Und was die DRV meint ist nicht relevant. Mal schauen was SG dazu meint.
Ich habe einen GDB 100 mit MZ und gehe ausnahmsweise nicht mehr arbeiten.

von
Klara

Zitiert von: Maybrit Walter

Hallo,
mein Mann ist 57 Jahre alt und leidet an mehreren, schwere Krankheiten. Ein Behinderungsgrad von 60 wurde festgestellt. Nun wurde der Widerspruch auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt. Der nächste Schritt ist eine Klage vor dem Sozialgericht. Wie lange dauert so ein Verfahren. Kann oder sollte man ein oder mehrere Gutachten von Ärzten vorlegen, bei denen mein Mann nicht in Behandlung ist? Ich habe Angst vor der Zukunft. Wenn ich wüsste, wie es weiter geht, wäre das Leben etwas einfacher. Arbeitslosengeld erhält mein Mann bis Anfang 2018. Danach ist alles ungewiss.

Hallo Maybrit Walter,

die Userin Silvia hat Ihnen im Grunde genommen bereits das wesentliche mitgeteilt. Ich hoffe Sie haben eine Rechtschutzversicherung. Dann nehmen Sie sich einen guten Anwalt und bestreiten diesen Weg. Lassen sie sich nicht unterkriegen. Ich gehe mal davon aus, daß Ihr Mann einen unbefristeten GDB 60 hat, dann könnte er auch mit 61+6 in AR gehen. Ich musste ausnahmsweise nicht vor das SG. Deshalb kann ich dazu nichts sagen wie lange so etwas dauert.
Ich wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg.

Mfg

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo, Maybrit,

zunächst verweisen wir auf den Hinweis von Silvia. Eine Aussage darüber zu treffen, wie lange ein Klageverfahren dauern würde, wäre rein spekulativ. Natürlich wünschen wir Ihnen, dass eine Entscheidung zeitnah vorliegen wird. Ob weitere Gutachten das Verfahren beschleunigen, kann auch nicht sicher beantwortet werden. Viel lieber würden wir Ihnen eine konkrete aussage machen können... das ist aber leider nicht möglich. Verlieren Sie nicht den Mut, den Schritt der Klage zu gehen, wenn Sie mit der vorliegenden Entscheidung nicht einverstanden sind. Wir hoffen für Ihren Mann, dass die Klage erfolgreich sein wird.

von
Maybrit Walter

Hallo,
vielen Dank an alle, die hier geantwortet haben. Besonders dem Experten der LVA möchte ich für seine aufmunternden Worte danken, denn es ist momentan eine doppelt belastenden Situation die unsere Familie sehr bedrückt. Zum einen die sehr angeschlagene Gesundheit meines Mannes, zum anderen die nagende Ungewissheit. Es ist schön, dass einem hier Menschlichkeit begegnet und nicht nur kalte Fakten.
Maybrit